Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 170 (19.12.1930)
- Date
- 1930-12-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2711613-2711736-2711788--2236-2715514- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seife 8 DIE NEUE WELT Nr. 170 Sensation Im 2. Bezirk Die Neueröffnung der Filiale II, PraterstraOe 38 der streng Orth, «wa Selchwarenfabrik Petyan & Co. erregte durch ihre einzig dastehende Ausstattung das größte Aufsehen. Die bekannt vorzügliche Qualität und unerreicht billigen Preise werden jeden Gast zur ständigen Kunde machen. Die gegenwärtige PalästinasPolitik steht im Gegensatz zu den Verpflichtungen, die Großbritannien mit Annahme des Mandats einging. Im Konflikt, der zwischen dem britischen Mandat und dem Zionismus entsteht, wird das Mandat auf dem Schlachtfeld bleiben, wenn der Kampf bis zum Aeußersten ausge« fochten werden soll." Französische Ansprüche auf die Tote-Meer-KonZession? . L o n d o n, 12. Dezember. Colonel Howard B u r y hat, im Unterhaus eine Interpellation über die französischen Ansprüche auf die Tote-Meer-Konzession eingebracht. In der Interpellation wird die Regierung aufgefordert, dem, Hause bekanntzugeben, ob der Streitfall dem Haag er internationalen Gerichtshof unterbreitet wurde. In der Beantwortung der Interpellation erklärte Außenminister Henderson, die Regierung Seiner Majestät habe der französischen Regierung mitgeteilt, daß sie unter gewissen Umständen bereit sei, die Frage der .Tote-Meer-Konzession einem Schiedsgericht zu unterbreiten. Im Hinblick auf die noch im Gang befindlichen Verhandlungen mit der französischen Regierung, sei die englische Regierung vorläufig nicht in der Lage, detaillierte Mitteilungen über diesen Gegenstand zu machen. - - ' * Howard Bury ist antizionistisch eingestellt Und seine Anfrage bedeutet einen Angriff auf die Regierung, weil die Konzession zur Ausbeutung des Toten Meeres dem jüdischen Ingenieur Novornejski erteilt wurde. Keine offizielle Feier anläßlich des Jahrestages der Eroberung Palästinas durch die Alliierten. . Jerusalem, Ii. Dezember. (J. -T. A.) Im Gegen* satz zu' früheren Jahren fanden am 9. Dezember dieses Jahres in Palästina keine offiziellen Feierlich» kelte.n anläßliph des 13. Jahrestages des Einmarsches der Truppen ^elämärschall Lord Alienbys in J e r u* s a 1 e m. statt. D i e R egierungs äm t e r waren g es öffnet," nur der. Oberste; Gerichtshof tagte nicht. Auch einige, Banken. blieben geschlossen." In frühereu Jahren wurde der 9. Dezember als „B e* freiungstag.'.' durch einen Festgottesdienst in der anglikanischen St.. GeorgssKathedrale . unter Teilnahme des. griechischen .und .des armenischen Patriarchen und der Vorstände der mohammedanischen und jüdischen Ge* meinde feierlich begangen. Der Gottesdienst wurde bei Pension, Au Stria* (OLGA KAOISCH) , jagarmayorstraSo 15 - Telephon Nr. 141 Für Dauer' und Erholungsaufenthalt Jeder Unterricht im Hause, auch Nachhilfe für öffentliche Schulen besuchende Kinder. - Pädagogisch einwandfreie Xeltung durch staatlich geprüfte Lehrerin. - Erstklassige Verköstigung. - Mütterliche Pflege. - MtfBIge Preis« An dib Freunde und Leser de§ Blattes! , Wenn Sie der Ansicht sind, daß die „Neae Welt* ein empfehlenswertes Blatt ist, geben Sie uns freundlichst die Adressen von Freunden und Bekannten an. Wir werden denselben die „Neue Welt" durch mehrere Wochen zur Probe gratis zukommen lassen. Wenn wir uns bei der Werbung auf Sie berufen dürfen, bitte dies ausdrücklich *u bemerken. Aus der Zusendung erwachsen weder Ihnen wwh den 'Empfängern irgend welche Verpfliehtungen, :r.. : V. Die Verwaltung der „Neuen Welt". dieser Gelegenheit zum Teil in hebräischer, zum Teil in arabischer, griechischer und armenischer Sprache abges halten. Am Jahrestage des Waffenstillstandes wurden in früheren Jahren in Jerusalem militärische Paraden abge* halten, an denen die ehemaligen jüdischen Soldaten der Befreiungsarmee unter dem Kommando des Präsidenten des Klubs ehemaliger jüdischer Soldaten , und Mitgliedes der Zionistischen Exekutive Colonel Kisch teilnahmen. Vor zwei Jahren beteiligte sich äuch Wladimir J a b o* tinsky, der Initiator der jüdischen Legion im Weltkrieg, an der Parade anläßlich der Waffenstillstands« feier. Hatikwah — das Lied der jüdischen Hoffnung« Zum?¥. Geburtstag Naftali Herz Imbers. Von Sch. J. Imber (Warschau). Im Jahre 1879 wurde die erste jüdische Kolonie in Palästina gegründet; der erste Sehritt, den eine Gruppe Jerusälemer junger Juden auf dem Weg der Verwirklichung des 2000jährigen Traumes der jüdischen Nation tat. Dieser Traum, getragen von den Flügeln einer unzerstörbaren Hoffnung, flatterte nahezu 2000 Jahre umher wie eine Taube ohne Nest, raubte die Ruhe nicht nur einem Träumerherzen in der endlosen Galuth, schlug mit den Flügeln an die Tore nicht nur eines Ghettos, weckte nicht nur einmal die erstarrten Gebeine zu neuem Leben. Aber nicht nur die kühnen Versuche mutiger Waffenträger in den ersten Jahrhunderten nach dem Untergang, nicht die ekstatischen Weckrufe vorzeitiger „Messiase" in den späteren Jahrhunderten, nicht einmal die hilfsbereite Hand eines Napoleon, das trostbringende Wort eines Disraeli, das klar konzipierte Werk eines Moses Hess in der Zeit allgemeiner Aufklärung hatten die Kraft, die Schatten zu vertreiben, die den einzig möglichen: Weg der jüdischen Nation bedeckten. Ein entscheidender Schritt auf dem Wege ward erst dann möglich, als in den tiefen und breiten Volksschichten selbst es etwas heller wurde, als der Strahl der Menschenwürde stolz auf die irrenden Kinder des so lang erniedrigten Volkes fiel. Mit dem erwachten menschlichen "Stolz bei den breiten Massen der Judenheit, erwachte auch der j ü d i sehe Stolz, die nationale Selbstwürde, und begann einen Weg zu suchen, um sich auszuleben. Petach Tikwah, die erste«jüdische Kolonie in Palästina, war der erste Meilenstein auf dem gefundenen Weg. Und knapp vorher; als die jüdischen Söhne es wagten, sich ,vd'n deu tränendurchtr^nkten Ruinen der nationalen Vergangenheit loszureißen und den alten Boden aufs, neue mit dem Schweiß williger Arbeit zu tränken, )war die jüdische Masse in der Galüth schon erfüllt vom Gefühl nationaler Hoffnung, so daß die Strophen eines* Liedes, das von dieser. Hoffnuflg .kühn und unmittelbar sarig, der ,Au.s-( fluß überfüllten Herzens sein konnten. Als N a f t a HHerzImber, der junge wandernde Poet, sein armes Heim im engen ^alizischen Ghetto verließ; wand Jen sich seine Schritte nicht in jene RjchT tung, di«5 die meisten Maskilim und Flüchtlinge der Ghettos einzuschlagen pflegten. Wiewohl der. Westen mit seinen Schätzen au Kultur und Komfort offene Anne für ihn hätte, zog es sein Herz immer nach dem Osten. Im luxuriösen Heim eines reichen jüdischen Mannes in Jassy fiel es,den 1 jungen Dichter nicht ein, seine eigene Zukunft sicherzustellen; er hegte im Herzen keine persönlichen Ambitionen, die herrlich erfüllt werden können durch die stete Hilfsbereitschaft reicher und einflußreicher Freunde, die er stets in großer Zahl'und leicht fand, Aber es scheint, daß nicht nur in seinen späteren Lebensjahren, sondern von Anbeginn Naftali Herz linber keine persönlichen . Bedürfnisse geltenif machen wollte.; Dieser außergewöhnliche Individualist Ordnete .seine eigene Person dem jGedankei?. der Allgemeinheit seines/Volkes unter; seine Liebe zum .Volk Israel und Erez. Israel. hat alle anderen Leidenschaften verschlungen ,-^;bi s zum Tod e. - Als der. Dichter zum erstenmal seiner Liebe Ausdruck gab»- träumte es ihm gewiß nicht, daß das Lied „Tikwahtenu",. wie es bei ilfui damals hieß,, oder „Hatikwah", wie es die ganze-Nation später betitelte, jener eine Tropfen sein werde, der den Becher überfließen .macht. EJr erwartete es bestimmt nicht, daß die Strophen, auf , die Stufe jener Hymnen gehoben würden, die '■[ stehend' gesungen werden, weil sie ' keinLied mehr sind, sondern S y mbol n, £ t i o n a 1er Einigkeit, der Fa*den, der ' Millionen)' Seelen zu ein'em unzerreißbaren Bund verflicht, Und als der Dichter sich einige Jahre nach Entstehung der Tikwah endlich auf dem geiie1^ieq».'|i(^^'^alästinas'''befan,dl wo Kolonien beim- Ge* sang dieses'Liedes und anderer seiner Verse gegründet wurden, mußte er sich wahrscheinlich oft wundern, qaß das .^anze Volk-just die Tikwah zur. Nationalhymne, -gen macht'habe und nicht z. B. den „Misch mar ka' Jordeh" (Wacht am Jordan), der stärker im Ausdrucke ist,, schöner und imposanter. ■ Wenn jemand hohe Wortkunst, originelle Gedanken, unerwartete Bilder in der Tikwah' suchen will, so wird es-vergeblich sein. Er wird diese- Vorzüge .in v der-jüdischen Nationalhymne ebensowenig vorfinden /Wie in den Nationalhymnen anderer Völker. Aber sie, hat allen anderen gegenüber den Vorzug, daßr VORNEHME FAMILIENPENSION vormais Dr. GRÜNBERG AM SEMMERING HOCHSTRASSE Nr. 43 (BEI HOTEL PANHANS) Pension von S 12.— aufw. Kaffeehaus und Tanzgelegenheit im Hause / Besitzer: ECKSTEIN ' Tel. Semmering Nr. 11 / Fließendes Warm« u. Kalt« waaser in jedem Zimmer sie nicht jede Art von Nationalhymnen ist, die einen Volk nicht von der herrschenden Macht diktiert worden ist. Unsere Nationalhymne ist aus den Tiefen der Volksseele gekommen, von den erwachten Volksmassen geheiligt worden. Sie schmeichelt keinem Machthaber, verherrlicht keine Dynasti, trägt nicht den Stempel einer Partei. Das Gefühl, das in diesen unbeholfenen Strophen ausgedrückt wird, ist die ewige Sehnsucht des ewigen Volkes. Dem Autor aber hat es nicht zum Guten angeschlagen. Naftali Herz Imber wurde zwar einer der populärsten Namen des jüdischen Volkes, aber diese unerhörte?opularität, gegründet auf ein einziges Lied ohne besonderen künsterischen Wert, hat die Öffentlichkeit daran gewöhnt, an den Autor nur als den Verfasser der Tikwah zu denken, und war nicht in der Lage, das Interesse für die anderen Poesien Imbers zu erwecken, unter denen sich wertvolle und wirklich künstlerische Perlen befinden. Naftali Herz Imber war zwar eine starke Individualität, verfiel aber selbst dem Rausch der Popularität seines Liedes, indem er es, dieses'etwas holperige Poem, später nachahmte und so selbst seine wertvollen Lieder in den Schatten stellte. Wenn Naftali Herz Imber für eine Weile vergaß, daß er der Verfasser der Tikwah sei, erhob er sich wieder zur künstlerischen Höhe jener Lieder, die unbeachtet und ungewürdigt in dem bis vor kurzem ganz und gar unbemerkten Schriften ruhen. Wenn die hebräische Leser weit den Zauberkreis durchbrechen wird, den die Popularität und die Mittelmäßigkeit der Tjkwah um das dichterische Werk Imbers gezogen hat, so wird sie die Sünde, die die hebräische literarische Welt an einem Mann begeht, dem die nationale Erlösung seines Volkes höher stand als seine eigene künstlerische Erlösung, dessen angeborener poetischer Geist trotz alledem oft genug aufleuchtete, um kunstvolle Verse zu schaffen, endlich einmal gutmachen: sie wird ihm einen Ehrenplatz unter den Begründern der neuhebräischen Poesie anweisen. Eine Jüdin — heilt«! gesprochen« Vor kurzem wurde „Die Blume aus Valdemosa", Santa Catalina Thomas, vom Papst für „heilig" erklärt. Durch Nachforschungen, die Herr Esricl Carle* ba c h. der Schriftleiter des „Israelitischen Familienblattes"', auf den Balearenslnseln. getrieben hat, erfährt man, daß diese katholische Heilige direkt der Mara n e h f a m i l i e Perez in Palma de Mallorca entstammt. In Mallorca lebt die einzige, noch heute, als solche anzusprechende spanische Maranengemcinde. Sie besteht aus den Nachkommen der im zweiten Jahrhundert hier eingewanderten und im vierzehnten und fünfzehnten Jahr« hundert gewaltsam zum Katholizismus , be* kehrten Juden. Die Zwangstaufe wurde von den sehr ein* flußreichen jüdischen Kaufleuten der Insel zwar in den meisten Fällen angenommen, das vermochte aber die ge« heimb Ausübung des jüdischen Kultus bis ins siebzehnte Jahrhundert hinein nicht zu unterbrechen. Noch bei dessen rusgang, 1691, wurden 3 7 ■ S c h e i n c h r i s t e n vers rann t, und noch zu Beginn des neunzehnten Jahrs hunderts wurde von der Kirche den Bewohnern des Ghetto von Mallorca vorgeworfen, sie seien insgeheim J u d e n geblieben. Damals aßen sie, zur "Widerlegung des Ver« dachtes, wiederholt öffentlich Schweinefleisch; seither heißen sie im Volksmund „Chuetas" (Schweinefleisch» esser). Vor etwa 50 Jahren bekannte sich der spätere Kardinal Don Jose T a r o n j i in einer offenen Streits schritt zu seiner direkten jüdischen Abstimmung;Und Wochen-Kalender Dezember 1930 «"sin Kislew 5691 19 Freitag 29-133 Sabbateingang 4'00 'v 20 Samstag 30-^> Sabbatausgang 4'40 rm wni ram rem ypQ 21 Sonntag 1~* raun t wiri wti av 22 Montag 2-3 nsun nm 23 Dienstag $-3 24 Mittwoch 4~n i ' 2» Donnerstag 5~n