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Die neue Welt · 1930-12-19 · Heft 170 (19.12.1930) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 170 (19.12.1930)
Date
1930-12-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Mb I DIE NEUE WELT Nr. iro Ousti Hundert Leo Zweifler Wien Leipzig empfehlen sich als Verlobte. Wien, im Dezember 1930. riingistrcucn Klub?. Man bemerkt mit Bedauern das Kehlen von so repräsentativen langjährigen jüdischen Abgeordneten wie des Vertreters der Wilnaer Juden, Dr. Wygo.daki, der Patriarchengestalt von -Rabbiner Rubin st ein, des Präsidenten der Warschauer jüdischen Gemeinde Farbstein, des früheren Präsidenten des Jüdisdien Klubs, H a r t g 1 a fl. Ein noch traurigeres Bild bietet die jüdische Repräsentanz im Senat, die aus dem einzigen auf der Rcgienunigisliste gewühlten Agudisten Mcndcilsohn besteht. In der ersten Gesdiäftssitzung des neuen Sejm brachte J. Grünbauto im Namen des Jüdischen Klubs den Antrag ein, die noch aus der Zaren zeit stammenden i'c cb.it Ii cli e n . Beschränkungen gegen die jüdische Bevölkerung a b z us chaf f co. Grüniba um wies darauf bin, daß der frühere Sejm einen diesbezüglicher! Gesetzentwirf bereits in ersten und zweiter Lesung .angenommen .luuttc, die endgültige Verabschiedung in dritter Lesung war nur durch <lie vorzeitige Auflösung des Sejms verhindert worden. Weiters beantragte Grünbaurn, dem Jüdischen s Klub, trotzdem er nicht Fraktionsstürke besitzt, eine Abtretung, in den Kommissionen zu gewähren, da es sdion im Interesse des Staates .liegt, daß jede nationale Minderheit sich an den Arbeiten der Kommissionen beteiligt. DiV Tribüne* Er muß Jude sein! yflt erhalten folgende Zuschrift: Es ist für aufmerksame Leser keine TJeberraschung, über Wien in den verschiedensten Auslandsblättern Dinge zu lesen, die für Wien selbst neu, ja sensationell sind; wie man auch in Wiener Blättern Sensationelles über das Ausland erfährt, von dem dieses selbst keine Ahnung hat. ...... Dieser Brauch des gegenseitigen Auf Wartens mit nicht stattgefundenen Sensationen beginnt jüngst, begünstigt durch fragwürdige Berichterstattung, auch in ernste jüdische Zeitungen einzudringen. So ist es zum Beispiel eine üble Manier, in jedem noch lebenden öder schon verstorbenen bedeutenden Menschen «n a c h .j\udentum zu' forschen und, wenn bei ihm selbst vergeblich, es bei seinem Großvater oder bei seiner Urgroßmutter zu vermuten. Sehr beliebt ist das Moment des Getanftwordenseins oder selbstvollzogener Taufe. . Als kürzlich ein. berühmter Wiener Augenarzt starb, erhielt er in der internationalen Presse die obligaten Nachrufe. Er hieß F u c h s. Nichts naheliegender, als daß er in einem Warschauer jüdischen Blatt zu einer sensationellen Persönlichkeit.wird — mit Beziehung aüf Judentum. Das Blatt ist,'nach einer Darstellung seines Lebenslaufes, höchlichst erstaunt, daß Fuchs auf dem k a t h o 1 i s c h e n F r i e d h o f begraben wurde und knüpft augenzwinkernd die Vermutung daran, daß der verstorbene Gelehrte von seinen Verwandton auf dem Totenbett in aller Eile, getauft worden sei. Diese Kombination ist geistreich, stimmt aber nicht. Man weiß allgemein, daß Fuchs waschechter Arier antisemitischen Geblüts war, dem zwar die Kaftans seiner ostjüdischen Patienten nicht lieb waren, wohl aber deren ausgiebige Visitenhonorare, die er sich durch eine Art angelernten Gemauscheis (das Blatt sagt, er habe Jiddisch gelernt), so besser einzutreiben vermeinte. Die antisemitische Haltung des Universitätsprofessors Fuchs war oft Gegenstand jüdischer Protestdemonstrationen. Es wäre nichts daran, wenn (ließe Zeitungssensation in einem Boulevardblättchen aufgeschienen wäre. In einem so würdigen jüdischnationalen Kampfblatt, wie es der Warschauer „Hajnt" ist, ist sie reichlich deplaciert. Wir wissen nicht, ob es sich hier um Eigenbau oder um Wiener Berichterstattung handelt. Eher ist das letztere anzunehmen, wenn man die gezeichneten Wiener Korrespondenzen in Betracht zieht, die sehr häufig den Hang zu zumindest schweren Uebertreibungen und mangelhaften Genauigkieten an sich tragen. Ein Blatt vom Format des „Hajnt" hat es nicht notwendig, sich mit derartigen Ausschweifungen der Phantasie der Berichterstatter zu belasten. Im Westen nicht* Neues. Die Demonstrationen gegen den Film „I m Westen nichts Neu ei" in Deutschland trugen natürlich anti« semitischen Charakter. Eine „Judenmache" gegen Deutschlands Ehre. In wenigcharaktervoller Weise be» mühten sich sofort, die von Juden geschriebenen deutschen Zeitungen nachzuweisen, daß die Juden in keiner Weise an dem Film beteiligt sind. Auf der einen Seite traten sie für den Film ein, auf der anderen rückten sie ab. Nun wird gemeldet: « Berlin, 16. Dezember. (J. T. A.) Demokratische Zeitungen teilten mit, daß Herr Karl Lac minie, der Präsident 4er Univera»! Pictures Corporation, die den Film „Im Westen nichts Neues" herstellte, Abkömmling einer protestantischen württembergischen Bauernfamilie ist. Wie wir erfahren, ist Karl Laemmle Jude und stammt aus Laupheim in Württemberg. Während der Verhandlung vor der FUrm oberprüfstelle über den Einspruch Sachsens, Thüringens und Württembergs gegen die Aufführung des Remarques Films verlas der Berliner Vertreter der Universal Pictures Corporation, R.»A. Dr. Frankfurter, ein Telegramm Karl Laemmlcs, der ein großer Wohltäter seiner württem* bergischen Heimat ist und Unter anderem auch in Laup* heim mehrere Stiftungen errichtot hat, in welchem Laemmle erklärt, das Buch Remarques habe so sehr für seine alte deutsche Heimat in den Vereinigten Staaten gewirkt, daß er gerade deswegen und aus diesem Geist der Verständigung der Völker heraus für diesen Film die Herstellung übernommen hat. Da nun eine Protestbewegung gegen den Film eingesetzt hat, habe er sich entschlossen, gleichviel, wie die Entscheidung der Filmoberprüfstelle ausfallen sollte, den Film zurückzuziehen. 300.000 Juden in England. In England leben zurzeit rund 300.000 Juden. Die größte Zahl jüdischer Einwohner weist die Hauptstadt London mit 175.000 Seelen auf. Weitere größere jüdische Siedlungen sind — nach einer soeben erschienenen Zusammenstellung des „13 0 a r cl o f D e p u t i e s 0 f British J c \v s" -7- Manchester 32.000 Juden, Leeds 25.000 Juden, Glasgow 15.000 Juden, L i v q r p o 0 1 7000 Juden, B i r m i n g h a m 6000 Juden usw. Ein Jude zum belgischen Gesandten in Washington designiert. Antwerpen, 11. Dezember. Als Nachfolger des Prinzen Deligne auf dem Posten des belgischen Gesandten in Washington ist der ehemalige belgische Gesandte in Stockholm Paul May, ein Jude, in Aussicht genommen. Mays Gattin ist eine geborene Rothschild. Der neue Oberrabbiner für Belgien. Brüssel, 12. Dezember. (J. T. A.) Die Mitglieder des Zentralkonsistoriums der belgisch-jüdischen Gemeinden und Delegierte der Einzugemeinden traten in diesen Tagen zur Wahl des neuen Oberrabbiners f ü r B c 1 g i e n (an Stelle des zurückgetretenen Oberrabbiners Dr. Ginsburger) zusammen. Sie wählten den bisherigen Oberrabbiner von Straßburg Dr. Schwarz zum Oberrabbiner für Belgien. VORZIMMER-KASTEN mit groüem Spiegel und Wäschebank, schön verziert,' ferner Küchenkredenz und Abwasch ah Private BILLIGST ZU VERKAUFEN HeUigenstUdterstraße 92,Stlege,94,Tür 9 TElLKx Botschaft des jugoslawischen Ministerpräsidenten an die jugoslawischen Zionisten. . Belgrad, 12; Dezember. Am 7. Dezember wurde unter großer Beteiligung der Kongreß jugoslawischer Zionisten in Novisad feierlich eröffnet. Der jugoslawische Ministerpräsident, .General Pera Zivkovic, hatte aus Belgrad einen speziellen Abgesandten, den obersten Inspektor im Ministerpräsidium Banus Radoslav Dunjic delegiert. Von Außenminister Dr. V. Marinkovic war ein Begrüßungstelegramm eingelangt. In seiner Eröffnungsrede hob Dr.(David Alkalay die Sympathien jugoslawischer Herrscher für das jüdische Volk hervor und dankte Außenminister Dr. Voja Marinkovic für seine ju den f r eu n d 1 ich e Intervention in der Sitzung des Völkerbundrates in Genf. An König Alexander, den Ministerpräsidenten Zivkovic und den Außenminister Marinkovic wurden Begrüßungs- und Danktelegramme abgeschickt. Sodann gab Banus Dunjic folgende Erklärung ab: Ich begrüße den Kongreß im Namen des Ministerpräsidenten General Zivkovic und erkläre, daß die Königliche Regierung mit größter Aufmerksamkeit die Bestrebungen der Zionisten, dieser positiven Juden, welche kulturelle und materielle Güter schaffen, verfolgt. Ich konstatiere, daß die jugoslawischen Juden loyale, gute Bürger sind und das Vaterland überaus lieben. Wir machen keine Unterschiede zwischen uns und den Juden, denn die Juden haben in dem ehemaligen Serbien ihr Blut für das Vaterland vergossen und werden es, wenn notwendig, auch fiir Jugoslawien vergießen. Die jugoslawische Regierung hat Verständnis für die Aspirationen des jüdischen Volkes. Ich glaube, daß der Weg des Zionismus der-richtige ist. Die ganze jugoslawische Nation steht zu euch, weil sie jederzeit bereit ist, den Schwächeren zu stützen. Unruhen am Jahrestag der Gründung der antisemitischen StüdentenUga in Rumänien. Biu ka r.esit, Ii. Dezember. Die Befürchtungen, mit denen man in jüdischen Kreisen dem 10. Dezembe^ d<?m 8. Jahrestag ' der Gründung der a n t i s em i t i- Uirion der Zionisten-Reviflionisten Oesterreichs Montag, den 22. Deiombor 1930,, 7,9 Uhr abends In Caf« „Produktanbört««, II., Taborstraße 10 Versammlung Uber Wirtschaftsfragen im Zionismus rr«i« DliMuMlon OBtU willkommen | A^kliiHdil Die Montag-Versammlungen 1 ftCniUllfll finden im Cafe „Produkten- | börse", IL, Taborstr lu, statt I ttiMimimnminnnnutifTtm'tmTTmimtmnimtniTiimnTnmwmmrrmmrTi i**>>iit"ivim>nfiitmimmitmimniirainitnimimiHnNniiimumiiirtiiniii SIEGM. KORNMEHL dROSSFLEISCHHAUEftfif Zentrale IX., Bergga«se 19, Telephon 17*3-99 u. 16-9-34 Lieferant iüi Heilanstalten Abteilungen für n^Fletsch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Kabbinat« der lar. Kul« tusgememde Wien Autozustalltiitg kostenlot IX., Borggast« IS / XVIII., Wührlrtgoratr. 97 " •""•"«"""^»""""'«•«'nMmmi.n «ntnmnmft«nnmtt«ntir. i und iititiiitittTrriTinittiTTnnamnnvS. S WimnHMwiniimnfiiiiiiOjiiiaimniiom^ s c h e n Studenten.Ilga, entgegensah, haben eidi als nicht ganz berechtigt erwiesen, der Tag ist aber audi nidit ohne Ruhestörungen verlaufen. In Bukarest veranstalteten die antisemitischen Studenten im Ver* la uf des Tages mehrere St r aßen demonstratio nen, ohne daß jedoch ein nennenswerter Schaden verursacht winde. Etwa 100 Studenten, die vor dem küniglidicn Palais eine Kundgebung zu veranstalten versuchten, wurden von der Polizei sofort auseinandergetrieben. Am Abend wiederholten sidi die Demonstrationen, wobei Versuche, jüdische Geschäftsläden zu d e v a s t i e r e n, von der Polizei verhindert wurden. Nach Mitternacht aber gelang es größeren Gruppen von Studenten, in ein hauptsächlich von Juden bewohntes Viertel einzudringen. An mehreren jüdischen Läden wurden die Schaufenster, in mehreren jüdischen Wohn-uIlgen die Fenster einigosdilagen. Die Polizei schritt sofort ein, verhaftete einige Demanstra<niten und verhinderte ein Uebengreifen der Ausschreitungen auf andere Stadtviertel. In Cluj (Klanseniburig) kam es anläßlich des Jahrestages der Gründung der antisemitischen Liga au schweren Ausschreitungen. Etwa 20 meist jugcndlidie Personen drangen in die sephardische Synagoge ein, zerstörten die Iimeneinrichitung, sprengten die Thora-Lade und versuduten, die Thora- R ollen (Sifre-Thora) zu rauben, wahrscheinlich, üan an ihnen dann Sdiändungen zu begehen. Die Synagogenverwo/ltunig verständigte die Polizei, die sofort erschien und sechs Personen verhaftete. Nach einer Mitteilung der Polizei handelt es sich bei den Verhafteten um Arbeitslose. Weitere Verhaftungen sohlen bevorstehen. Die der Regierung nahestehende Zeitung v „L u p i a" bemerkt urfiter der Ueberschriifit „Eine Schmach, die .sich wiederholt", wenn der Sdkuach der Studentenexzosse nicht bald ein Ende, gemadiit werde, wenm man den Studenten gestatte, u nentgeltlich auf deriEisenbahnen her umfahren zu können und Zerstörungen anzurichten, so könne man sich sehr leidnt vorstellen, daß sich Teile der Bevölkerung zur Gegenwehr organisieren. Es wäre leicht denkbar, daß z. B. die jüdischen Frontsoldaten sich zu einer Seibstwehrongandsation zusammenschließen, um Gewalt mit Gewalt abzuwehren. Wenn die Studenten fortfahren, sich als über den Gesetzen stehend zu betrachten, so werde das Land schließlich der Anardvie verfallen. Eine beschlagnahmte Synagoge dem Zerlalle preisgegeben. Moskau, 11. Dezember. Zu Beginn dieses Jahres wurde die Chorsynagoge in H o m e 1 behördlich beschlagnahmt, um in ein Klubhaus für die 130,0 zum größten Teil jüdischen Arbeiter der Homeler Kleiderfabrik „Komintern" umgewandelt zu werden. Während des Umbaues erwies sich der bewilligte Voranschlag von 28.000 Rubel als zu niedrig. Eine zweckentsprechende Umwandlung des Synngogengebäudes wäre nur mit einem Aufwand von 120.000 Rubel durchzuführen. Die Arbeiten mußten aus Geldmangel unterbrochen werden. Das Gebäude befindet sich jetzt zu Beginn des Winters in ungedecktem Zustand und dürfte damit wohl dem Verfalle preisgegeben sein. Der Schwindel von Biro-Bidschan. Wahrend die Agenten der Moskauer Regierung das Märchen, von, der herrlichen „Judenrepublik" im Fernen Osten erzählen und jüdische Blätter diese Märchen gehorsam weitergeben, treffen Nachrichten von der Flucht der Juden aus diesem „Paradiese*, welches im wilden Teil Asiens zwischen Sibirien und China liegt, ein. # Moskau, 10. Dezember. Von den 500 Familien, die für die Auswanderung nach Biro-Bidschan im Laufe diese Jahres vorgemerkt waren, haben sich bloß 300 Famili,en dorthin begeben. Von .diesen haben sich! bloß 100 Familien dauernd niedergelassen, während die übrigen 200 zum Teil in ihre Heimat zurückgekehrt sind, zum Teil sich in den sibirischen Städten niedergelassen haben. * Wladiwoicock, 9. Dezember* Im Zusammenhang mit der Auswanderung nach Biro-Bidschan lassen sich immer mehr Juden in der Hafenstadt Wladiwostok, im äußersten Osten der Sowjetunion, nieder. Während bis vor wenigen Jahren dort nur vereinzelte Juden lebten, zählt man heute in Wladiwostok bereits 500 jüdische. Arbeiter, ferner, eine Anzahl jüdischer Händler m i

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