Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 170 (19.12.1930)
- Date
- 1930-12-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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' Reife 4 DIE NEUE WELT Nr. 17« S 26.- S 36.- S 45.- Uli, Kaiserstraße 123 IX, Alserstraße 6 Makkabäerfeiern der demos kratisdhen Zeoimten* Kinder feiern Chanukka! Der Verband demokratischer Zionisten versäumte auch dieses Jahr nicht, die Jugend das jüdische Test Chanüka feierlich begehen, zu lassen, in einem Geist, wie er der. Seele des Kindes,, des jüdischen Kindes, entspricht. Im Theater Reklame sah man — kein Plätzchen war leer — hunderte jüdische Kinder aus allen Schichten-der Wiener Judenheit, deren Augen fasziniert und begeistert das Spiel ihrer jugendlichen Gefährten verfolgten. Hunderte Augen waren auf die Bühne gerichtet, hunderte Kinderstimmen lachten laut, wenn es zu lachen gab, hunderte Kinderhändchen klatschten „bravo", wenn es einem der kleinen Komödianten gelang, sich besonders hervorzutun. Den Rahmen des Kinderfestes bildete der „W uhdcrpuppenladen", ein hl seiner Originalität unerreichtes Chanuka*Kinderspiel, das Frau Else Neben zahl verfaßt und inszeniert hatte. In einer Reihe von Bildern bringt das bunte Spiel gelungene Typen, Sinnbilder aus der Geschichte des jüdischen Heldenzeitalters treten auf, in einer reizend dargestellten Lehr s t ü n d e hören die Puppenkinder von alter jüdi* scher Geschichte und vom neuen Erez Israel, bis schließ« lieh Chanuka selbst in seine Rechte tritt, gefeiert von den Puppenkindern in Tracht und Gehaben uns wohh vertrauter."jüdischer Gestalten. Besonders originell war eine den Hintergrund der Bühne einnehmende National» fondsbüchse, aus dessen Inneren die wundersamen Ge* stalten traten, dem Spiel auch seinen erzieherischen Zweck gebend. Die Kinderschar. und die Erwachsenen kamen aus dem Entzücken nicht heraus. Einen Separat* erfolgj Jiöjte sich ^err David N e b>e n? a h 1, der'',durch'! seine Conference die jugendlichen Zuhörer zu, fesseln ver* stand. Das prachtvolle^ von ' höchstem ^Geschmack zeugende Bühnenbild hatte Herr Schafrenko gestellt. * Der bekannte jüdische Schauspieler und Sänger Bernhard Wittler zündete für die Kinder die Chanuka* lichter an und sang ihnen schön und verständnisvoll das alte „Moaus zur" vor. * . Um auch noch weiteren hunderten Kindern und Erwachsenen Gelegenheit zu geben, an der Chanuka* freude teilzunehmen, wird die Feier mit dem „Wunder« puppenladen" Samstag, den 20. Dezember, 4 Uhr nach« mittags, ebenfalls in Theater Reklame, IL, Prater. itraße 34, wiederholt. (Siehe Anzeige!) Ayigdor Hameiri spricht , . . Den Auftakt zu den Wiener Makkabäerfeiern dieses Jahres bildete der vom Verband demokratischer Zionisten in seinem Heim am Sonntag, den 14. De* zember veranstaltete große Festabend, an dem alle Teile der Wiener Judenheit teilnahmen. Besonderes Interesse heimlich zumute. Man füchtete sich vor Sische, denn es sah aus, als sähe der Tod aus seinem Gesicht sie an und als spräche er: Na, was hab' ich gesagt? Gelebt, gelebt und dennoch gestorben! Was hat er dann so grofigetan im Leben. Zdoke tatzel mimowes! . . . Nach dem Leichenbegängnis zieht sich Sische wieder zurück in seine Verborgenheit und schweigt hartnäckig. Bei Morgengrauen klopft er an die Läden, weckt zum Gottesdienst. Die Juden liegen stumm in den Betteiii hören seine Schritte und haben das Gefühl, daß der Tod durch die Gassen schreite. Angstvoll ziehen t>ie die Decken über die Ohren. Am Vorabend, wenn die Kinder im Beth Harnidrasch Jürmen, genügt es, daß Sische die Schwelle betritt, damit Totlesstille herrsehe. Und auch heute noch, wenn mich traurige Gedanken beschleichen und ich an den Tod denke, rufe ich mir die Gestalt des Schammes vor Augeu und spüre den Atem des Todes. Sische, selbst ist wahrscheinlich schou .längst gestorben. Er ruht auf demselben Friedhof des Städtchens, in dem. er selbst die Toten geborgen hat. Vom Beth Hamidrasch zum Beth Haolahi ist auch sein Weg gewesen, so 'still.frnd stumm wie er selbst, als er Lampen fmtzte'und mit dft Büchse klapperte. Gelebt, gelebt und •Jemals groftgetan — Sische, der Schamme*. erweckte die Feier durch das Mitwirken des hebräischen Dichters Avfgdor Hameiri aus Erez Israel, dem die Aufgabe zufiel, den Sinn des Abends in einer Rede vor die Hörer zu stellen. Avigdor Hameiri gehört zu den interessantesten Vertretern der jungen palästinensischen Dichtkunst, in die er eine eigene Note und den Stempel seiner In* dividualität hineinzutragen vermochte. Er ist jenen bei* zuzählen, die ihre Sendung im Kampf um das jüdische Land nicht nur darin sehen, die neue hebräische Kultur im Lande Israel zu. verwurzeln, sondern durch die Tat aktiv in das große Gefüge des politischen und sozialen Kampfes ihren eigensten Formungswillen hinein* tragen. Gleich der des Uri Zwi Grinberg ist die Dich* tungswelt Hairteiris hineingestellt in die politische Notwendigkeit des jüdischen Landes, in das große Ringen mit allen retardierenden Kräften, die dfe elementare Judenstaatsidee bedrohen, ja zu ersticken versuchen, dort und in der Galuth. Hameiri weilt seit fast einem Jahr in Europa, wo er an 120 Abenden für die Erez*Israel<Idee warb. Nach Wien geikömmen, stellte sich Hameiri, ein Redner von Tempe* rament und dichterischer Kraft, für den Makkabäerabend der demokratischen Zionisten zur Verfügung. Seine mehr als eineinhalbstündige Rede trug nicht den üblichen uniformen Festabendscharakter; sie war nicht der beschaulichen historischen Betrachtung gewidmet. Sie behandelte aktuelle Probleme der Gegenwart und Zukunft des jüdischen Volkes und des jüdischen Landes. Nach einem schlüssigen Hinweis auf die Müßigkeit, die in Palästina herrschenden Begriffe von den modernen sozialen Aufgaben (Arbeiter, Sozialismus, Kommunismus), vom Wesen des Staates und des Nationalitätenproblems, vom Inhalt der jüdischen Kultur im Rahmen der Welt* kultur zu identifizieren mit den in der Galuth korrespon* dierenden Wortbegriffen, stellte er das jüdische Palästina als eine Front dar. Jeder Art von Ansturm innerer Der Weihnachts^Haupttreffer derKIa§$enlottene abermals mit einem SdielhammerffLos . tf ■ gewonnen! Bei-< der3' " am 16. d.' M. stattgefundenen Ziehung II. Klasse der 24. Klassenlotterie entfiel,der erste Haupt« treffer im Betrage von 60.000 Schillingauf das „ vom JB&nkhause Schein am mer & Schattera, Wien; I., Stefansplatz 11,.' verkaufte. "Klassenlos;Nr. 23.608.v ' : , .! "'■ '■ : ■ . T\>h'\ •Bekanntlich wurde auch die' Prämie d^r;,letzten S 50DJ0ÖÖP^ mit t einem - S c' h*e l'h a.m m e rMMs]g e* .wonnen! E und äußerer Natur hat diese Front .zu begegnen, so daß alles Tun in Palästina im Bewußtsein eines Stehens in der Kampffront geschieht. Jeder einzelne.Mensch wird in Palästina naturnotwendig zum ^Kämpfer, ebenso mit dem Gewehr in der Hand zur Abwehr von physischen Angriffen wie mit dem Pflug, der neue Erde erschließt, der Maschine in Werkstatt und Fabrik,;.:die Ware produ* ziert, dem Hirn des Händlers; der'den Markt schafft, dem Medikament der modernen Medizin, dem Lied des Chaluz, den geistigen Werken unserer :Dichter, Künstler und Gelehrter — jeder einzelne Jude »steht hier in dieser Front, von dem einzigen Sinn getrieben: der Schaffung des Judenstaates. ' '; Wie unsinnig es ist, Galuthbegriffe anzuwenden, beweist das Galuthgejammer vom Augustpogrom in Palä* stina. Kein Pogrom, sondern Krieg an der Front, ein Ver* teidigungskrieg, in dem die stärkere Idee, die stärkere moralische Kraft schon gesiegt hat und immer wieder siegen wirdl In diesem Sinne haben die Augustereignisse den Jischuw zu der beglückenden Gewißheit geführt, daß eine neue Lebensform und eine neue jüdische Welt* anschauung stark genug da ist, um den tausendjährigen Traum des jüdischen Volkes von der beseligenden Kraft der Erde zur ewigen sozialen und geistigen Fundierung des jüdischen Volkes für seinen ewigen Fort* bestand zu verwirklichen. Jüdische Erde bedeutet so nicht nur einen ökonomischen Begriff, wie er dem Bauer und auch unserem Bauer selbstverständlich sein muß, nicht nur den Weg zur Normalisierung, sondern auch das magische Fluidum, den Saft und die Kraft, die das Schöpferische, das Genie im Juden weckt. So bekommt das jüdische Volk wieder normale Gestalt, wieder Staats* bildende Kraft, wieder Forin. Die teuren Seelen, die im Lande fielen, sind Helden. Das weiß der Jischuw.. Die im Lande leben, sind Kämpfer. Das weiß der Jischuv. Er fühlt aber auch die momentane Tragik, die darin besteht, allein zu stehen, die Last des Frontkrieges allein auf seinen Schultern zu tragen, ohne ein Kommando zu hören vom heutigen Generalstab, der fern vom täglichen Kampf des Landes sorglos zusieht, untätig oder unfähig. Welz mann, der Generalissimus, sah sich nicht s,ee 1 isch getrieben, nach den, August unruhen einen Blick auf das, Schlachtfeld zu werfen... Es kam Jabotinsky, am Leben bedroht, zu uns, die im täglichen Frontkampf stehen. Für den Jischuw ist Palästina Religion, der Wille zum Keter M a 1 c h u t h, zur Wiederherstellung des Der Jüdische Hochschutausschuß gratuliert seinem Mitgliede und Mitarbeiter Ernst Mandler anläßlich seiner Promotion zum Doktor der Philosophie, die Samstag den 20. d. M. um 12 Uhr vormittags stattfindet ewigen jüdischen Königtums, das ist: der jüdische S t a a t. Dieser Wille muß auch die Galuth in ihren Tiefen aufrütteln, er muß sie disponiert machen zu verstehen, was die palästinensische Front bedeutet. Durch das Medium des Hebräischen wird die Verbunden* heit mit Erez Israeli geschaffen. Nur so kann die Arbeit für Palästina in der Galuth Sinn bekommen und Palästina der Galuth das geben, dessen sie bedarf. Bibel und Talmud gab einst Erez Israel als einzige reinjüdische Werte der Welt. Das neue Palästina, seelisch verbunden mit euch, wird wieder den alten erhabenen Typus schaffen: den Propheten. Die Festgäste nahmen die dichterisch beschwingte Rede Hameiris mit tiefer Ergriffenheit auf, die sich zeit' weise in stürmischen Beifallskundgebungen löste. Das Lichterzünden besorgte der Sänger Herr Otto Korn in gesanglich vollendeter Form. An die Rede Hameiris schloß sich ein reichhaltiges künstlerisches Programm. Die bökannte Vortragsktiristlerin Frau Est F f e u d * D r ü c k e r brachte nebst' anderen Darbietungen das Simson*Kapitel aus der Bibel zu außerordentlicher Wirkung und bewies aufs neue ihre anerkannte Interpretationskunst. Ihr folgte Konzert* sängerin Frau Martha Blank, deren Gesärigsvorträge ihre Stimmqualitäten zu hinreißender Geltung brachten. Oskar Teller, der Leiter des jüdischen Sprechchors, und Viktor Schlesinger sorgten für Erheiterung, indem sie eine Reihe neuer satirischer Chansons, ein Schreck für alle Assimilanten, in unnachahmlich grotesker Art zum besten gaben. Die von ihnen verfaßten, satiri* sehen Zeitgedichte und Lieder sind wirklich geistsprühend und geistsprühend ist die Art ihrer Darstellung. Sie bes weisen, daß man dem Verlangen nach Humor Rechnung tragen kann, ohne auch nur einen Augenblick an die jüdische Würde zu vergessen. So schloß der schöne Fest* abend, der Besinnung und Erheiterung vereinigte,- in würdig*freudiger Stimmung. Ussisclikin in New York. — Massenmeeting des Jüdischen Nationalfonds. New York, 12. Dezemiber. (J. T. A.) In New York wurde anläßlich des Eitutraffiems M. M. Ussischkins in den Vereinigten Staaten eine vom Jüdisdien Nationalfonds einberufene MassenveriSamanlunig abgehalten, die sich zu der (größten Kuiüdgebung für den Keren Kajemieth gestaltete, die jemals ata/ttgefunden hat. Nach den Begrüßuaigsain'spradijen der Führer der JewiLsh Ägency und der Zionistischen Organisation, Cyrus Adler, Robert Szold, Louis Lipsky, Rabbi Hi'llel Sdlver, Eonanuel N«wanain und Ab. Goldiberg umd nach Verlesumg der Begraißungsschreiiben Felix M. Wanburgs und Stephen S. Wises hiedt Ussiiscjhkan eine beigedistente Rede, in der er die amerikanische Judenheit aufforderte, ihr Aeußerstes au itun, u m d e n Boden Erez Israel zaerlösen. Ein 5000köpfigeis Auiditordum brachte Ui&sdischlkin stürmische Ovationen dar. NationalfondssSonderaktion der zion. Jugend Oesterreichs. Auf der Landeskonferenz des Keren Kajemeth, welche am 29. November stattgefunden hat, wurde über Antrag des Gg. Jakob Zehner eine Kommission ein* gesetzt, welche in der ersten Hälfte Februar eine große Aktion der gesamten zionistischen Jugend für den Keren Kajemeth durchführen soll. Diese Kommission hat inzwi* sehen die großen Umrisse dieses Planes entworfen. Zeit der Aktion: 7. bis 14. Februar 1931. Einleitung: Ein großes Meeting, an dem sich die gesamte zionistische Jugend be* teiligen wird. Sprechen werden an demselben: V e r t r e* ter der Jugendgruppen. Als Einleitung und als Schluß werden hebräische Lieder gesungen werden. Jeder Jugendliche wird die Aufgabe haben, zumindest S 4 für den Keren Kajemeth im Laufe dieser Woche aufzubringen, ferner je eine neue Büchse aufzustellen. Jeder Bund soll im eigenen Kreise Veranstaltungen für den Keren Kajemeth durchführen. Als Abschluß ist eine große Ver* anstaltung gedacht, die ausschließlich von Jugendgruppen bestritten wird. Der• Verkauf von Karten erfolgt. durch Jugendgruppen. Der gesamte Reinertrag fällt dem Keren Kajemeth zu. . Gegr. 1860 Gegr. 1860 Allgemeine Versicherungs-Gesellschafft „PHÖNIX" (ZusammensüiIuB von „Piiünif, „Wiener n. „Providentia") Gegr. 1800 1881 1808 Direktion und Generai-Repräsentanz s Wien, IX., Otto Wagnerpl. 5/ Alserpl. 3 Telephons B-43-S-80 Serie Uebernahme sämtlicher Schadenversioherungen zu den kulantasten Bedingungen und Prämien