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Die neue Welt · 1930-12-19 · Heft 170 (19.12.1930) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 170 (19.12.1930)
Date
1930-12-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seife 8 DIE NEUE WELT Nr. i-1 P TELEPHON Ü-22-3-B9 ELZHAUS GEBRÜDER BRAININ WIEN I. BAUERNMARKT 2a In Wirklichkeit hat Weizmann als Sprecher der Agency das jüdische Volk sozusagen darin entschuldigt, daß es anfangs von so etWas wie einem Judenstaat geträumt habe. ' Die Verhandlungen der Jewish 'Agency mit den Vertretern der britischen Regierung halben bis jetzt im Verlaufe mehrerer Wochen vier Sitzugen gezeitigt. Ihre Ergebnisse sind gleich Null. Vor den Wahlen im Londoner Bezirk Whitechapel, dem Judenbezirk, hatte die englische Regierung natürlich Interesse, so etwas wie Verständigungswillen zu zeigen. Die Jewish Agency ist ihr auf den Trick hereingefallen, ja mehr noch: die Paole Zion hat brav für den Labour- Kandidaten agitiert, Weizmann selbst versucht, den Sturm der Juden Whitechapels gegen den Labour- Kandidaten abzublasen. Die Wahlen sind vorüber — um die Verhandlungen mit der Jewish Agency ist es unheimlich still geworden. Alles in allem hat es einen Schriftenaüstausch gegeben, auf 12 Seiten der britischen Regierung antwortete die Jewish Agency mit 2Va. Seiten. Die 12 Seiten enthielten spitzfindige Manöver, die 2*/a Seiten der Agency die Forderung nach freier Immigration, Bodenkaufsrecht und Berücksichtigung der Juden in der geplanten Siedlungsanleihe. Die Verhandlungen gingen schleppend und sind jetzt. — verschoben. Um diese Verschiebung, die wie ein Sterbelager *p*»ieht, ranken sich die üppigsten Gerüchte, die natürlich den Zweck haben, eine neue Niederlage zu vertuschen. Ja, sagt man, die Amerikaner hätten ihre zwei Vertreter in die der Exekutive beigegebene Exekutive nicht geschickt und man müsse mit ihnen zwischen London und New York schriftlich verkehren. Es sind sogar Meldungen vorhanden, daß die englische Regierung auf das Erscheinen .der Agency- Leute warten wolle, da sie sich von ihnen größere Bereitwilligkeit und „Mäßigkeit" erwarte. Diese letzte Version ist besonders interessant. Es war bis jetzt nämlich nicht zu kostatieren, daß man mit den hohen Herren der nichtzionistischen Agency glimpflicher umgesprungen wäre als mit den Zionisten. Es klingt noch die lebhafte Klage , des amerikanischen Bankiers Warburg in den Ohren, daß Passfield ihn gefoppt habe, indem ihm das eine versprochen, das andere, das Gegenteil, gemacht wurde. So sah der Respekt der englischen Regierung vor der vielgerühmten Agency aus und so steht es auch um den Versuch", wenn es wahr sein sollte, daß die verhandelnden Herren der englischen Regierung, die es nicht sehr eilig hat, auf die nichtzionistischen Vertreter der amerikanischen Agency warten. Wie gesagt, die Verhandlungen sind verschoben. Auf der Front im Kampf um das Weißbuch herrscht unheimliche Stille. Bangigkeit und bittere Besorgnis haben das jüdische Volk egrriffen. Es ist ein trauriges Spiel, das durch nichtssagende Kommuniques mit den Nerven des jüdischen Volkes gespielt wird. Zu den Verhandlungen zwischen der englischen Regierung und der Jewish Agency. London, 14. Dezember. „Jewish Times" und »Jewish Chronicle" geben übereinstimmend ihrer Anschauung, daß der Fortgang der Verhandlungen zwischen Jewish Agency und englischer Regierung für die Juden völlig unbefriedigend sei, Ausdruck. Der Parlamentskorrespondent von „Jewish Chronicle" erklärt, es werde von Tag zu Tag offensichtlicher, daß diesen Verhandlungen keine oder höchstens eine sehr geringe Bedeutung beizumessen sei. Was nunmehr geschehen werde, sei höchst problematisch, doch sei es klar, daß die Regierung die Oberhand gewonnen habe. Die Palästina-Frage bereite den Regierungskreisen heute, nachdem die Nachwahl von Whitechapel vorüber ist, nur mehr geringe Sorge. Wie „Jewish Chronicle" erfährt, dürfte Schatzkanzler S n o w d e n gegen die von der Regierung in der Palästina-Debatte des Unterhauses geäußerte Absicht, eine Anleihe für die Erschließung Palästinas zu begeben, Stellung nehmen. Seinem Einfluß dürfte es gelingen, das Kabinett zur Ablehnung dieses Planes zu bewegen. Neue Vorstöße der Palästina« Regierung gegen die Juden* Die Regierung verbietet Juden die Sonntagsarbeit. Jerusalem, 10. Dezember. Der High Commissioner hat in den von der Regierung zur Gewinnung des Materials für den Hafenbau von Haifa gepachteten Steinbrüchen der Rothschild-Gesellschaft (Pica) und der Athlit Company obligatorische Sonntagsruhe angeordnet. In diesen Steinbrüchen sind 150 jüdische Arbeiter beschäftigt, die bisher Sonntags arbeiten durften, um die Sabbatruhe beobachten zu können. Die neue Anordnung des High Commissioners hat heftige Erregung unter der Judenheit Palästinas hervorgerufen, die in der neuen Bestimmung eine Verletzung der Gleichberechtigung der drei Konfessionen Palästinas erblickt. Das Arbeiterorgan ,J)awa r" stellt fest, daß die neue Verordnung eine Benachteiligung der jüdischen Arbeiter bedeutet, die nunmehr gezwungen sind, an zwei Tagen der Woche zu feiern. „Doar Hayom" erklärt, die Palästiim*Regierung beabsichtige augenscheinlich, in Palästina das Prinzip der Zwangssonn tags ruhe, wie es in einigen Ländern der Diaspora durchgeführt ist, zur Anwendung zu bringen. Nach der Veröffentlichung des Weißbuches scheine alles in Palästina möglich zu sein. Im Hinblick auf die gesetzlichen Vorschriften wolle sich das Blatt jeder weiteren Kommentierung der Regierungsverordnung enthalten; Haifa, 12. Dezember. (J. T. A.) Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde, da? Rabbinat, der A rb eiterrat und die jüdische Handelskammer haben in einer gemeinsamen Sitzung eine Resolution gefaßt,'in der gegen die Anordnung obligatorischer Sonntagsruhe in den Steinbrüchen von Athlit durdi den High Commissioner energisch p r otestiert Wird. In tler Resolution wird der Meinung Ausdruck gegeben, duß diese Verordnung den Bestimmungen des Mandats zuwiderlaufe, Ein Regierungsbeamter gegen gemeinsame arabischjüdische Aktionen. Jerusalem, 12. Dezember. Eine Anzahl arabischer Bauern hatte gemeinsam mit den jüdischen Siedlern des Emek den Behörden ein Memorandum unterbreitet, in dem auf die sdiwere Sdiädigung der Landwirtschaft in der Jesreel-Ebehe durch die Feklmäuseplage hingewiesen und die Regierung um Gewährung einer Beihilfe gebeten worden war. Der Di- Ist noch so sehr Dir krank der Magen, Tobt es in Dir. wie Uhgewi'tter, — Gleich schafft Dir wohliges Behagen Ein Gläschen Huber's „Bnglischbitter". striktskommissür hat nunmehr, /wie das Organ der palästinensischen Arbeiter „Dawar"' mitteilt, die arabischen Unterzeichner des Memorandums wissen lassen, daß diese gemeinsame Aktion eine Reduktion der finanziellen Beihilfe der Regierung für die ar ab Ischen Si edle r z iir Fol ge h aben wi rd. Weiters teüt(das Blatt mit, daß die Regierung , ohne Rücksicht .auf . die gemeinsame arabisch-jüdische Petition die Verteilung von Saatgut und Futtermitteln für die einzelnen betroffenen Dörfer getrennt vorgenommen hat. „Dawar" stellt die Frage, wer den . arabischen Distriktskominissär zur Abgabe seiner Erklärung an die Vertreter der arnbisdien. Dörfer ermächtigt habe. * '■ Um die Bösartigkeitdieses fo|igehens richtig einzuschätzen, muß man daran denken,; mit"•' welch 'heuehr lerischen Augenverdrehungen die englische Regierung vor aller Welt den Kampf zwischen:: J u d c u und Arabern in Palästina beklagt. Wo abef ein 'Versuch unter-» nommen wird, eine jüdisdi-arabische Gemeinsamkeit zu erzielen, fährt diese „f r i e d e n s s t if t e n d c" Regierung dazwischen und b e s t r u f t den Versuch. Fromme Boykotitpropagarada* Das erzbischöfliche Palais als Boykottzentrale. —• Zwischen zwei Feuern, Der unter dem Protektorat des Wiener Erzbischofs Kardinal Piffl stehende „Allgemeine Wiener Kirchenbauverein", der sich zur nächsten Aufgabe, die Erbauung einer Maria-Lourdes-Kirche im Wiener Bezirke Meidling gemacht ha*, versendet Aufrufe zur Beitritts- . Will 1 wird man leicht von Erkaltung befallen. Man muß daher rechtzeitig Sorge dafür tragen, daß im Hause nie fehle der in seiner schmera- Undeinden Wirkung einzige DIANA- Franzbranntwein mit Menthol welcher für Massage, Einreibung, Umschläge und als Gurgelwasser gleich unentbehrlich ist INehmen Sie nur Diana! Wertlos« N«<hahmuns«n w«l»«n II« •nlschUd«n surück I Uoberall erhältlich. erklärung, übrigens auch an Juden. Im Aufrufe, welcher von den geistlichen Herren Mönsignore Dr. Jfbaef Schulenberg und Mönsignore Josef Wagner gezeichnet ist, heiflt es u. a.: „Der Allgemeine Wiener Kircheribauverein hat für seine unterstützenden Mitglieder eine Wirtschaftshilfe eingerichtet, welche große Vorteile bietet. Was will diese Wirtschaftshilfe? Die unterstützenden Mitglieder werden auf bewährte, christliche, arische Geschäfte aufmerksam gemacht, welche sich bereit erklärt haben, bei Einkäufen Preisermäßigungen zu geben. Vorteile: Sie finden auf leichte Art gute, christliche, verläßliche Geschäfte und schützen sich vor U e b e r v o r t e i 1 un g!" Als Sitz des, Vereines und seiner Beratungsstelle ist das Wiener erzbisch öflichePalais angegeben. Bemerkenswert ist, daß sich der fromme Aufruf nicht mit der Unterstreichung des konfessionellen Momentes begnügt, sondern, jedenfalls ein Novum, den Rassenstandpunkt hervorhebt und von „arischen** Geschäftsleuten spricht. Man will den Hakenkreuzlern offenbar keinen Vorsprung lassen. Der Herr Erzbischof und Kardinal guckt Herrn Hitler die Methode ab. So sind die Wiener jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden zwischen zwei Feuer geraten. Die Katholiken und die Hakenkreuzler auf der einen Seite, auf der anderen die Sozialdemokraten, welche den Grundsatz aufstellen, daß man nur in ihren Warenhäusern und Betrieben kaufen darf, weil man sonst betrogen wird. Uebrigens leisten die sozialdemokratischen Gebieter von Wien der Gegenseite indirekte Hilfe im Kampfe gegen den jüdischen Kaufmann und erlauben auf den städtischen Anzeigetafeln die Anbringung von Plakaten, in welchen Hakenkreuzler zum Boykott der Juden auffordern. Wir erhielten folgende Zuschrift aus kaufmännischem Kreise: „Verehrliche Redaktion! Der Wiener Kirchenbauverein, I., Rotenturmstraße 2, versendet Einladungen zum Beitritt, auch an Juden. Gleichzeitigkündigt er an, daß er eine Liste von arischen christlichenFirmen bekanntgeben wird, welche den Mitgliedern des genannten Vereines Rabatte gewähren. Also eine richtige Boykottpropaganda soll da betrieben werden, während das katholische Hauptblatt „Die Reichspost" fast ausschließlich Inserate jüdischer Firmen bringt und an ihnen verdient. Traurig ist es, daß die städtische Plakatierung sunt er nehmung H a k e nkreuzplakate affichiert, auf denen ebenfalls zum Boykott der jüdischen Geschäftsleute aufgefordert wird Die Wahlen sind eben vorüber. Wenn der Bürgermeister Seitz beleidigt wird, verweigert die Gemeinde Wien-Städtische Ankündigung die Plakatierung. Aber ein ganzes Volk darf man beleidigen und schädigen! .....' iwti>* Wie die deutschen Juden behandelt werden« In Ingolstadt und in Berlin. Wir haben wiederholt berichtet, welch entsetzlichen Schikanen die Juden in den mittleren und kleinen. Städten Deutschlands von antisemitischer Seite ausgesetzt sind. Nachstehender Artikel an? dem Ingolstädter „Donau* böte" charakterisiert die Situation. Er stammt vom Ob* mann der nationalsozialistischen Gruppe in Ingolstadt, vom Reichst a h n o b e r s e k r e t ä r Bergler. Da heißt es: „Rassen-schande in Ingolstadt. Der* jenige, der die Rassenfrage kennt, weiß, daß die Ver* mischung deutschen Blutes mit dem Blute der j ü d i* sehen Köterrasse einer Verurteilung■• zum Tode gleichkommt . Es ist bekannt, daß der Jude eine an« geborene Gier nach der blonden Frau hat. Während die ' gleichblütige' Jüdin die Fortpflanzung seiner Rasse gc* währleistet, sucht der Juden sich höhergeartete arische Weibfür' seine asiatischen Triebe dienstbar zu machen. Es kommt sehr vereinzelt vor, daß der Jude eine Christin heiratet. Hier sprechen meist geschäftliche Gründe mit Eine träge, schmierige Jüdin kann man nicht im Geschäft verwenden . . „Es ist Tatsache, daß eine unverdorbene deutsche Frau instinktiv eine Abneigung gegen die Juden hat. Nur solche Frauen, die durch moderne Literatur und Modenarrheiten perverse Anwandlungen ha* ben, finden nichts dahinter, mit Juden zu verkehren. Aus dieser Erkenntnis heraus haben wir schon einmal im „Donauboten" angedroht, solche Frauen öffent* lieh anzuprangern, die sich gegen die Vollblut* gemeinschaft vergehen- und mit Juden anbandeln. In Ingolstadt ist es eine gewisse Thea D., die es schein* bar sich zur Ehre anrechnet, als erste genannt zu wer* den. In ihrem eigenen Interesse warnen wir sie, denn das Ende ist meistens die Schande. Nur mit R ü c k* siebt auf ihre hochanständigen Eltern, deren Namensnennung ein Unglück für sie wäre, sehen wir für diesmal von der Bloßstellung ab. Wird sie mit dem Juden noch einmal gesehen, wird sie ge« brandmark t." „Wir bitten alle rassebewußten Deutschen, auf christliche Judendiener zu achten und uns ihre Adressen und die der Juden einschließlich des Tatbestandes mitzuteilen. Ingolstadt muß von der jüdischen Kulturschände gereinigt werden." Der Verfasser ist nicht irgend ein verrohter Strolch, sondern ein höherer, akademisch gebildeter Staat!«

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