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Die neue Welt · 1930-12-12 · Heft 169 (12.12.1930) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 169 (12.12.1930)
Date
1930-12-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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w^^m m Nr. 169 D1S tfEUfi WÜLT Seift t halten, mit Ausnahme jener jüdischen Geschäfte, die im. Besitz einer Lizenz von einer jüdischen Gemeinde oder der Schechitabehörde sind und von Freitag abends bis Samstag abends geschlossen bleiben. Eine Synagoge an eine katholische Gemeinde verschenkt. Berlin, o. Dezember. (J, T. A.) Das „Berliner Tageblatt" bringt das folgende Telegramm seines Mün* chener Korrespondenten: In dem Städtchen Wattenheim in der bayerischen Pfalz ist die Synagoge schon seit vielen Jahren nicht mehr zu Gottesdiensten benutzt worden. Infolgedessen ist däs Gebäude jetzt von der Israelitischen Gemeinde der Pfalz an die katholische Ge» m e i n d e von Wattenheim verschenkt worden. Der Verband demokratischer Zionismen gratuliert Herrn wküntor LänJerer und Gemahlin herzlichst zur Vermählung fli^. Eine Rede Meinershagens* Der Zynismus des Lord Paflfield. — Solange die Arbeiterregierung herrscht, wird Antizionismus herrschen. — Was Balfour sagte. In einer im Londoner Stadtteil Whitechapel abgehaltenen Massenversammlung hielt Col. R, Meinertzhagen, ehemals leitender Beamter der Palästina»Verwaltung, eine Ansprache, in der er über den Verlauf einer Unterredung berichtete, die er mit LordPassfield über das Weißbuch und die neue eng« lische Palästina#Politik geführt hat. Oberst Meinershagen hatte Lord Passfield zu bedenken gegeben, daß der Ver« such, sich den Bestrebungen der Juden in den Weg zu ' stellen, gleichbedeutend sei mit dem Versuch, die Ge* schichte aufzuhalten. Diese Bemerkung habe Lord Passfield mit lautem Gelächter aufgenommen und erklärt, er habe nicht die Absicht, sich der Judenheit oder der Geschichte in den .Weg zu stellen. w^*JÖ^^ dennoch durch Passficlds Vorgehen, aber nichts werde die Juden daVon abhalten, nach Palästina heimzukehren. Die britische Regierung könne diesen Prozeß verzögern, aber nicht aufhalten. Wenn man die beklagenswerte Lage der Juden auf der ganzen Welt in Betracht ziehe, die Lage eines Volkes, das keine Heimat hat, wenn man ferner die ungeheuren moralischen und materiellen Vorteile berücksichtigt, die dem britischen Reich durch einen Erfolg des Zionismus geboten werden, wenn man weiters bedenke, daß Palästina unter arabischer Okkupa* tion 2000 Jahre völligen Stillstandes durchgemacht habe und daß die palästinensischen Araber während des Krieges eine feindliche Haltung gegenüber England eingenommen haben, erscheine es unfaßbar, daß irgend eine Regierung oder irgend eine Verwaltungsbehörde dem Zionismus ohne Sympathie gegenüberstehen und nicht zumindest eine loyale Politik ihm gegenüber verfolgen könne. Ich bin vollkommen überzeugt, erklärte Oberst Meinertzhagen, daß die Verwaltung in Palästina so lange nicht in fairer Weise geführt werden wird, als Lord Passfield an der Spitze des Kolonialamtes steht und die Labour«Regierung an der Macht ist. Das Grundproblem ist meiner Ueberzeugung nach der wahre Sinn des in der berühmten Balfour*Deklaration enthaltenen Versprechens. Als ich knapp vor Beginn der Friedensk.onferenz in Paris weilte, fragte ich Lord Balfour, welche Bedeutung er seiner Deklara- Zentralsparkasse JillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllH der Gemeinde Wien II I 1 oo s •2r i n i (N I <N Wien I, Wipplingerstrafie 8 Fernruf: U-23-5-60 Kreditverein der Anstalt: VII, Neubaugasse 1 Die Gemeinde Wien haftet mit ihrem gesamtenVermÖ" gen für alle Einladen in der Anstalt Jahrzeit Adolf Stand s. A. Alle Freunde nnd Verehrer des verstorbenen zionistischen Führers Adolf Stand sammeln sich wie alljährlich am Jahrzeittage, Sonntag, den 14. Dezember 1930, um 10 Uhr vormittags, vor dem 1. Tor des Zentralfriedhofes zum gemeinsamen Grabgange. tion beigemessen habe. Balfour dachte eine Weile nach, bevor er antwortete, und erlaubte mir dann, seine Antwort aufzuzeichnen. Balfour erklärte, der Sinn, den er mit der Deklaration verbinde, sei der, „daß jede Aufbautätigkeit, industrielle Pläne aller Art und finanzielle Förderung auf dem Grundsatz basleren müßten, daß die Juden in Palästina die meistbe* günstigte Nation sind. Auch vor der Bestimmung des endgültigen Schicksals Palästinas müsse jede Vorbe« reitungsarbeit auf diesem Grundsatz beruhen." Der Ausdruck „meistbegünstigte Nationen" be» deutet völkerrechtlich nicht, daß die Juden eine bevor* zugte Behandlung gegenüber anderen Landesbewohnern genießen sollen. Wir verlangen bloß, daß die Juden in gleicher Weise behandelt werden wie die Araber. Es kann nicht erwartet werden, daß die Beamten in Downing Street oder in Palästina eine Politik ausführen, mit der sie nicht sympathisieren. Wir wissen, daß die Beamten de9 Kolonial* amtes und der palästinensischen Verwaltung auf Seiten der Araber stehen; darauf ist es zurückzuführen, daß im» mer wieder von Palästina aus die Aufforderung an die Regierung gerichtet wurde, diese Politik einzuschränken oder sie sogar völlig über Bord zu werfen. Die Delikatess'Orange für den Kenner ist die JAFFA- ORANGE MARK! *P**0BS8« Saftig-Sfiß-Kernlos In jedem besseren Geschäft erhältlich Das Trümmerfeld der jüdischen Kultur m Sowjetrunland. Zerstörung aller jtidfsdi-wissensdiaftHdien Institutionen« Von Saul G i n z b u r g (New York). sich Menschen mit großen wissenschaftlichen Verdiensten und langjähriger gesellschaftlicher Tätigkeit befanden, wie er alles verhöhnte, was ihnen teuer war. Natürlich "wäre es ein leichtes gewesen, ihn dorthin zu stellen, wo er hin» gehört. Aber man hielt sich den Wissenschaftsdurst der Studentenschaft vor Augen, die mit atemloser Spannung auf den Ausgang der Revision wartete und mit zusammen« gepreßten Lippen Litwakows freche Erklärungen über „wahre" Wissenschaft mit anhörte. Man setzte einen be« sonderen Kommissär, einen Jewsekzia*Mann, ein, der die Aufsicht zu führen hatte. Als „Professoren" wurden zwei Jünglinge einge« setzt, die sich in jüdischer Wissenschaft so gut aus« kannten, wie der Portier des Instituts. Dann fand man heraus, daß im Institut das „Gottesgesetz" fehle, ohne das keine Anstalt in Sowjetrußland leben kann, die ThorabLenin, der Leninismus und die Geschichte der kommunistischen Partei. Man machte den Fehler natürlich sehr bald gut. Außerdem „reinigte" man. Man schloß die Hälfte der Studenten aus> weil sie „versteckte" Zionisten seien, überschwemmte das Institut mit Agenten, die auf Schritt und Tritt spionierten. Man schrieb eine ganze Bande als Hörer ein, die nie zu Vorlesungen kamen, außer wenn eine Abstimmung durchgeführt werden sollte. Man desorganisierte das ganze Institut. Jedes Semester war. von der Sperre bedroht. Einigemal wurde das Institut von der Regierung gerettet. Eine Delegation von Professoren und Studenten erwirkte für einige Zeit beim Bildungskommissariat die Aufrecht« erhaltung. Schließlich erwirkte die Jewsekzia, was sie wollte: das Institut wurde gesperrt. So blieben in Leningrad nur zwei jüdische Kultur« anstalten, die Historisch*ethnographiaehe Gesellschaft, mit ihrem reichen Museum und großer historischer Materialsammlung, und die Bildungsgesell« schaft „Ope". Die „Ope" ist die älteste jüdische Orga« nisation Rußlands, gegründet 1863, die fast in den siebzig Jahren ihrer Existenz eine große, vielseitige Tätigkeit ent« faltete. Sie organisierte und unterstützte hunderte Schulen für Kinder und Erwachsene, Bibliotheken, Abendkurse, subsidierte bedürftige Studenten, Schriftsteller und Ge* Wochen-Kalender Saul G i n z b u r g, ein namhafter jüdi* scher Schriftsteller, Begründer des ersten jü» dischen Tagblatts „F r j n d", konnte nach Bjährigem Aufenthalt Sowjetrußland ver» lassen. In New York, wo er sich nun nieder* ließ, veröffentlicht er im „Vorwärts" ein er» schütterndes Bild vom Niedergang des jüdi» sehen Kulturlebens im Mutterland moderner jüdischer Kulturbestrebungen. .;<: .■ •■■ : '". 't'; ' . II.*) Dann begann der Kampf gegen die jüdischen Kultur« Institutionen und .Organisationen Es muß erwähnt wer* den, daß in den letzten zehn-bis fünfzehn Jahren vor der Revolution die jüdische Kulturtätigkeit in Rußland einen großen, weiten,Umfang hatten. Es war in der Tat eine BJüteperiode. Nicht} hur in den'größeren jüdischen Sied» hingen, auch in vielen kleinen Städtchen wurden Schulen für Kinder und Erwachsene gegründet, Reform che da* rim, Bibliotheken, Abendkurse, literari* sehe, dramatische, musikalische Vereine. In einer Reihe von Städtchen ließen sich Filialen der Petersburger jüdischen Zentralorganisatiönen nieder. Die Jewsekzia*Leute spürten eine große Zahl jüdischer Kulturinstitutionen auf und zerstörten sie rasch und gründlich. Weder in der Provinz noch in Moskau ist auch nur ein leisester Rest von ihnen, zurück» geblieben. Eine etwas längere Existenz hatten einige der Leningrader jüdischen Kulturanstalten. Im Jahre 1919 gründete eine Gruppe jüdischer Wissenschaftler in Petro* grad das „Institut für jüdische höhere B i I* dung", eine spezielle Hochschule mit ziemlich ausge» dehntem Programm der wichtigsten Zweige jüdischer Wissenschaft, Geschichte, Literatur, Philosophie, Kunst, Jurisprudenz und dergleichen, ,. In der ersten Zeit pflegte das Bildungskommissariat der Sowjets das Budget des Instituts sogar zu decken. Später erhielt es sich durch die materielle Unterstützung des Joint. Das Institut hatte keinerlei praktische Ziele, wollte nicht Rabbiner und Prediger heranbilden, es hatte nur die Interessen der jüdischen Wissenschaft und deren Verbreitung im Sinne. Besondere Rechte gab es den Hörern nicht. Aber die Lehranstalt war jedenfalls ein großes Bedürfnis. Denn sie zählte sogleich hunderte Hörer, deren Zahl stetig wuchs. Studenten und Studen* tinnen besuchten Vorlesungen und praktische Uebungen ungeachtet dessen, daß diese immer abends stattfanden. Das Institut leistete bald ernste wissenschaftliche Arbeit. Seine Existenz aber machte die Jewsekzia»Leute sehr nervös. Sie begannen zu verleumden; das Institut sei eine „zionistische" Anstalt, ein konterrevoliutio» näres Nest, wiewohl es jedem klar war, daß sie weder mit Zionismus noch mit Politik überhaupt etwas zu tun hatte. Es regnete Revisionen und Ausforschungen. Ein* mal beteiligte sich L i t w a k o w selbst an einer solchen Revision. In der Sitzung der Professoren — ich befand mich unter ihnen —, ließ er eine Flut von B e s c h i m p» fungen und Beschuldigungen gegen das Institut und dessen Tendenz los, gegen das Lehrpersonal und die Studenten. Ich erinnere mich wohl, mit welcher Frechheit die» ser ungehobelte Bursche sich in der Sitzung benahm, wo *) Siehe Nr. 168. Dezember 1930 ÜD3 «ainn Kislew 5691 . 12 Freitag -.-.—......................'} Sabbatelngana 4*00 IS Samstag 22-33 Sabbatausgang 4*40 rrroD rwto by ipon ari 14 Sonntag 24-na 16 Montag 25-ri3> 16 Dienstag 26-» 17 Mittwoch 27-13 18 Donnerstag 28-ro; ■ \ i

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