Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 169 (12.12.1930)
- Date
- 1930-12-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2711736-2711787--2217-2715494- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seile 5 orc mxm WELT Nr.!W p TELEPHON U-22-3-59 ELZHAUS GEBRÜDER BRAININ WIEN I. BAUERNMARKT 2a Volksgeld ist eine h e i 1 ig e S a ch el Ist. die der« zeitige Leitung der Weltorganisation fähig und gewillt, dieses teure Volksgut sparsam, dem b e« stimmten Zweck entsprechend, sinngemäß zu verwalten? Hat sie diesen Willen und diese Fähig» keit im Verlaufe ihrer zehnjährigen Regierung bewiesen? Auch hier gilt es, das Erbe Theodor Herzls zu wahren. Auf politischem Gebiet war Theodor Herzl der Mann der kühnsten, gigantischen Spekulation, Auf finan* ziellem Gebiet, auf dem Gebiet des Geldausgebens ging er, in tiefem Gefühl für Verantwortung, bis zum Kl ei n* s t e n. Wer seine Tagebücher liest, wird mit Rührung ersehen, welchen ungeheuren Respekt der große Mann dem Gelde des kleinsten jüdischen Mannes entgegenbrachte. Wie er sein Gewissen quälte, ob er berechtigt sei, diese oder jene kleine Summe so oder so zu verwenden. Es ging damals um wenige öster* reichische Kronen. Heute geht es um tausende und tausende englische Pfund. Wird dieses Erbe Herzls, wird diese Herzische Tradition sorgfältig gewahrt? — Nein! * Ein jüdischer Arbeiter in Palästina muß mit sechs, sieben Pfund im Monat sein und der Seinen Leben fristen. Und er kann es. Die Zionistische Organisation und ihre Institu* tionen haben Beamte, welche das Zehnfache, fünfzehn* fache und Mehrfache beziehen. Der Zionismus ist eine idealistische Bewegung! Er darf mit keiner Großindustrie, keiner Großbank, keinem Trust verglichen werden. Der Zionismus arbeitet nicht aus toten Dingen Profit heraus. Er nimmt heiliges Geld vom armen jüdw sehen Volk und gibt es weiter für heilige Zwecke. Das müssen sich diejenigen vor Augen halten, welche die Höhe der Gehälter und die Zahl der Beamten bestimmen. Das müssen sich diejenigen vor Augen halten, welche in den Dienst der idealistischen Sache des Zionismus treten. Wer nicht so denken kann, ist gewiß kein minderwertiger, schlechter Mensch. Aber er > taugt nicht für den zionisti« sehen Beruf und der Beruf taugt nicht für ihn. Der Kongreß muß diese Frage lösen. Das jüdische Volk ist arm und dasjüdischeLand ist arm« Wahret die Tradition Herzls, die Tradition der heiligen Sparsam* keit, der heiligen Besorgtheit um den jüdischen Groschenl * So wichtig wie Sparsamkeit — no6h wichtiger ist die Sorge um die Zweckdienlichkeit bei Verwendung des jüdischen Volksgeldes. Mit diesem Gelde soll gebaut und alles gefördert werden, was den Bau erleichtert. Die Einteilung in der Verwendung des Geldes hat nach sorg* fältiger Prüfung der Wichtigkeit .der zu unterstützenden Institutionen für den Aufbau zu erfolgen. Ein Beispiel: Eines der erfreulichsten Kapitel in der jungen Geschichte des palästinensischen Aufbaues ist das Kapitel von der jüdischen Industrie und dem jüdischen Gewerbe. Von Industrie und Gewerbe leben unmittel* bar 35.000 Seelen, mittelbar fast die Hälfte der Bewohner des Landes. Industrie und Gewerbe haben sich unter den größten Schwierigkeiten, ohne jede Beihilfe entwickelt. Diese gesunde Entwicklung birgt noch die größten Mög» Iichkeiten in sich. Die Zionistische Organisation hat bisher dieses Gebiet ganz vernachlässigt. Auf einer der Sitzungen des Aktionskomitees in Berlin, welch das Budget zu bestimmen hatte, forderte die Vereinigung palästinensischer Indus strieller, Einsetzung eines Postens für Industrieförde* rung, für Studium der Absatzmärkte, sachverständige Be* ratung bei Neugründungen, Organisation, Schaffung von Handelsexposituren usw. Keiner konnte sich der Erkennt* nis der Notwendigkeit dieser Forderung verschließen. Aber das ganze Geld ist festgerannt für Personalausgaben, Spesen, Schulen, Philanthropie usw. Man bewilligte den kärglichen Betrag von 6000 Pfund. Auf dem Papierl Schließlich wurden es sage und schreibe 800 Pfund. Das reicht für einen Beamten, eine Schreibmaschine und Porto. Soviel für Industrie und Gewerbe! Dafür sind in demselben Budget für das Defizit der in London in einigen hundert Exemplaren erscheinenden hebräischen Wochenschrift „H a o 1 a m" an die 4000 Pfund ausgeworfen, für literarische Arbeit an dem Blatte allein über 2000 Pfund. Die auf kleinsten Leserkreis beschränkte Literatur erhält fünfmal soviel wie die Industrie und das Gewerbe in Palästina! Es mutet wie eine Groteske an. Aber Grotesken gibt es leider in Palästina in Fülle. Eine Universität mit einigen Dutzend Hörern, ohne die wichtigsten Fakultäten, mit einem Budget von fast 60.000 Pfund, davon 7000 Pfund aus dem Aufbaufonds... Für Industrie und Gewerbe, für die wirtschaftliche Zu* kunft — ein Beamter und eine Schreibmaschine — 800 Pfund. Teure Grotesken! * Das sind nur zwei Beispiele. Sie kennzeichnen ein wirtschaftliches System, dessen Fortbestand sich ebenso Verband demohratiscner Ziomsten Samstag, den 14. Dezember, um 7,9 Uhr abends» in den Sälen des Verbandshelmes, II, Untere Augartenstraße 38 Festrede: Avlgdor Hameiri Große Makkabäerfeier mit reichhaltigem künstlerischem Programm Einlaßkarten S 1.— bis 3.—auch In der Administration „Neue Welt", II, Untere Augartenstraße 38, Telephon A-45-6-34 verhängnisvoll auswirken muß, wie der Fortbestand eines verfehlten politischen Systems. Hier muß der Kongreß eingreifen. Achtung vor dem jüdischen Volks* gel d, Sparsamkeit und Zweckbewußtheit bei seiner Verwendung müssen wieder zur vollen Geltung kommen. iUllllllllllllllllllllllllllllllllllliilllllllllllllllllllllllllllllllllllA 1 Verband demokratischer Zionisten | Mittwoch, 17. Dezember 1930 um 7»9 Uhr abds. s im Herzl-Saal des VerbandsheJms, II., Untere 2 Augartenstraße 38 5 I Versammlung! Gegenstand: jjjjj Zionistische Wirischaftsfragen und der Kongreß | £ Referent: s | Robert Stricker | E Freie Aussprache 1 Gäste willkommen l 2 Tfiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiinimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii^ Palästina-Debatte im englischen Oberhaus. London, 6. Dezember. (J. T. A.) Nachdem vor etwa drei Wochen das Palästina-Problem in einer speziellen Sitzung des Unterhauses eingehend behandelt wurde, wobei die prominenten Führer aller Parteien das Wort ergriffen haben, befaßte sich nun auch das Oberhaus am Donnerstag, den 4. Dezember, in einer eingehenden Aussprache mit der Palästina-Frage. Im Mittelpunkt dieser Debatte stand eine Rede des Kolonienministers Lord Passfield, der im Oberhaus im Namen der 'Regierung sprach. Passfield erklärte, die Regierung beabsichtige nicht, , den Ankailf von.. Boden in Palästina als unver- Er spendet Dir Freude, ve^^eiVfiliet^Pir, die Sorgen, ( Yerschönjst Dir das Jleute, Snb%Kräft. Di? für Morgan; Wie?wa*evdas^Leoeii-/ so inhalfsTeer,' - :.,r >l , >• Wenn er, der „Huber-Likör", nicht wär\ äußerliches Eigentum des jüdischen Volkes sowie die ausschließliche Verwendung jüdischer Arbeiter auf soP cliem Boden, ztl verbieten. Er wies darauf hin, daß ja auch andere Gemeinschaften in Palästina berechtigt seien, Land zu erwerben, und daß auch in anderen Ländern bestimmte Arbeiterkategorien gegenüber anderen bevorzugt weiden, ohne daß die Regierungen dieser Länder gegen solche Verhältnisse Stellung nehmen. Lord Islington, der bekannte Araberfreund und Antizionist, hatte vorher an die Regierung die Anfrage gerichtet, was sie angesichts der durch'die Expropriation der Araber in "Palästina geschaffenen schwierigen Situation zu tun gedenke. Lord Danesfort schloß sich den Ausführungen Lord Islingtons an und fügte hinzu, daß auch die Pica (Palestine Jewish Colonization Association) eine ähnliche Einschränkung der Verwendung arabischer Arbeit wie die Jewish Agency verfügt habe. Durch solche Maßnahmen werde die Lage der arabischen Arbeiterschaft schwer bedroht und die Gefahr de.« Ausbruches von Unruhen heraufbeschworen. Den Aueführungen Lord Islingtons trat Lord Reiiding entgegen, der erklärte, die Juden seien auf der Grundlage der Balfour-Deklaration nach Palästina gekommen. Die Mittel zu den Bodenkäufen seien durch freiwillige Spenden aufgebracht worden. Eine Enteignung der Araber habe nicht stattgefunden. Lord Reading wies auf den lächerlichen Zustand hin, daß Araber, die ihren Boden aus freien Stücken ver- Mir schadet kein Weitet und mich ermüdet nichts/ denn ich verwende ständig DIANA r RANZ BRANNTWEIN «lt MtntllOl Für ajle Zwecke der Körperpflege: Einreibungen (Massagen), als Mundwasser, zur Haarpflege bestens bewährt. Soll In keinem Haushalt fehlen. Achten Sie auf die Marke „Diana". Wertlose Nachahmungen sind entschieden zurückzuweisen, lieberall erhältlich! kauft haben, einen Anspruch auf Zuweisung neuen Bodens an Stelle des verkauften besitzen; Wer heute Bodenverkauft, kann ja morgen auf dem freien Markte anderen Boden kaufen! Er schloß seine Rede mit einem Appell zur Sicherung des so notwendigen Friedens zwischen den beiden Nationalitäten in. Palästina, die eine einzige Gemeinschaft bilden sollen. DiV Wahl in Whitechapcl. — Großer Stimmenrückgang der Arbeiterpartei. London, 8. Dezember. Die Liberalen betrachten sich als die eigentlichen Sieger im Whitechapler Wahlkampf, obwohl es ahnen nicht gelungen ist, ihren Kandidaten, den Zionisten Jan n er, durchzubringen. Sie haben gegenüber der letzten Wahl einen Stimmenzuwachs von zirka 30 Prozent zu verzeichnen. Die Wahlbeteiligung war diesmal trotz des ungeheuren Interesses, das der Wahl entgegengebracht wurde, nur um ein geringes stärker als bei der vorigen Wahl. Diefi ist darauf zurückzuführen, daß eine große Anzahl jüdischer A r b e i t e r w ä h 1 e r, die sich angesichts der Palästina-Politik der Arbeiterregierung nicht entschließen konnten, für den Labour-Kandidaten Jaiflta Hall zu stimmen, andererseits aber auch ihre Stimmen nicht den Gegnern der Labour-Party geben wollten, sich der Abstimmung enthielten. Im ganzen wurden 21.824 Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf die Labour-Party 8544 (vorige Wahl 13.701), auf die Liberalen 7445 (4531), auf die Konservativen 3755 (3417). Der Verlust von über 5000 Stimmen, den die Arbeiterpartei zu verzeichnen hat, dürfte ausschließlich auf die Haltung der jüdischen-Wählerschaft zurückzuführen sein. 3000 Stimmen sind den Liberalen zugute gekommen, etwa 2000 dürfte die Zahl derjenigen jüdischen Anhänger der Labour-Party betragen, die diesmal Wahlabstinenz übten. Bemerkenswert war au,ch der Erfolg der Kommunisten, die zum ersten Mal am Wahlkampf teilnahmen und 2100 Stimmen erhielten. Die Redner der Arbeiterpartei nahmen ihre Zuflucht zu den Erklärungenvon -MacDonald und. Shiels sowie zur Freigabe der Einwandetungszertifikate , und wiesen mit besonderem Nachdruck auf die im Gang befindlichen Verhand inn gen z wischen Regierung und Jewish Agency hin. Während die Meetings der parlamentarischen Parteien abgehalten wurden, demonstrierten die Kommunisten auf den Straßen durch Veranslatung eines Fackelzuges, an dem 5000 Personen teilnahmen. politischer Justizmord? Wie das Urteil gegen den Juden Urfali zustande kam. — Dunkle Kräfte am Werke. Bekanntlich wurde im Verlaufe der Prozesse nach den blutigen'Unruhen in Palästina im Jahre 1929 auch ein Jude namens Urfali wegen Ermordung zweier Araber erst zum Tode verurteilt, dann zu einer langjährigen, schweren Kerkerstrafe. Der Prozeß vollzog sich unter eigentümlichen Umständen. Sein Ausgang erfüllte, aus leicht verständlichen politischen Motiven, die antizionistische englische Beamtenschaft und die arabischen Führer mit höchster Genugtuung. Bot sie eine Bekräftigung der Lüge von den „jüdischen Angreifern**. Urfali, ein Mann mit dem besten Leumund, beteuerte seine Unschuld. Aber immer neue arabische Belastungszeugen tauchten auf. Nun wirft ein charakteristischer Vorfall Licht in die dunkle Sache. Aber auch Licht auf die palästinensische Gerichtsbarkeit! Es müssen berechtigte Zweifel darüber entstehen, ob diese Gerichtsbarkeit alles tut, um die Wahrheit zu finden. Die palästinensische Zeitung „Dawar" achreibt: „Schon hatte es den Anschein, als ob durch Zufall Licht in das Dunkel dieses Prozesses fallen werde und wieder wurde diese Möglichkeit unterbunden. Nachdem Urfali im ersten Prozeß zum Tode verurteilt wurde, erklärten zwei Aegypter, Mahmud Abdallah und Ali Darawisch, den Verwandten Urfalis, daß zwei Araber, die ermordet zu haben Urfali angeklagt wurde, von den englischen Soldaten getötet wurden. Sie und noch zwei andere bezeugten dies im Büro des Rechtsanwaltes Dunkelblum, unter Vermittlung dessen Sekretärs Turdjeman und beeideten ihre Aussage vor dem Friedensrichter. Vor dem Gericht, als der Urfali- Prozeß zum zweiten Male behandelt wurde, nahmen sie aber ihre Aussage zurück, erklärten, daß Turdjemau sie bestochen habe und daß sie kejn falsches Zeugnis zugunsten Urfalis abgeben wollen. Später kam Abdallah, weil er seine Frau tr- A )