Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1930-12-12 · Heft 169 (12.12.1930) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 169 (12.12.1930)
Date
1930-12-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2711613-2711736-2711787--2216-2715493
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Preis 35 Groschen 1- ■"■^ttmf,Su.u, .„. BEZUGSBEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljahrig S 4.20, ganzjährig S 16.—, Polen monatlich Zloty 2.—. vleitdjäHrig Zloty 6.— . Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.—, vierteljahrig Kc. 15; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.— Vi be be R IV ü E BEZUaSBEÜiNGUNQEN Deutschland monatlich Mark 1.— vierteljährig Mark 3.—, Bulgarien monatlieh Lewa 40.-, vierteljährig Lewa 1.20 Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig .Lire 14.-» Schwei» und die übrigen Länder monatlich Schweiler Francs 1.50. vierteljährig Schwebet Francs 4.50. Rumänien monatlich Lei 40.- vierteljährig Lei 120.-. HERAUSGEBER: RQBERT STRICKER Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6-*-8 Telephon: B-48>504 — Erscheint jeden Freitag Jahrgang 4 Freitag, den 72. Dezember 7930 Nr. 169 ©eiftfge Arbeiter- Btoutn, S7Ute3fe, Sudetfcanfc, $att clDIge efttn im eigenen 3Hter<jft Ma» Iid) baä biinfte - 0 i m o tt $ b t o t. sHrtä an «a&rfa *en unb iSttaminen. 3n büntfit S^nittu mit Butt« «tue Selitajefl* Se^c jjmuc»: Stroon»Btott>äefd)«n in Sdiit'ikn. 3» alle» guten fftinloflDanbluttQen unb 93äct<teitn rtöMtltf). Qimonöbvotfabtitt g$ien*ifagv<itt tt Säpiftec ypoftpcgfond — (ggpqtt Manifest der Zionistischen Exekutive« Zionisien! Der Kongreß ist einberufen! . Nie hat ein Kongreß vor wichtigeren Entscheidungen gestanden, seitdem Balfour-Deklaration und Palästina-Mandat uns die Tore des-Jüdischen Nationalheims geöffnet haben.; Nach'; Jähren fruchtbaren Aufbaus will man den Schwung unserer Arbeit hemmen, der vollen Entfaltung, unserer Energien Schranken setzen. Das jüdische Volk < hat zu antworten. ';;Vön ihrer' Tribüne, dem Ziohistenkongreß aus, "Wifßr die nationale Judenheit ihre Stimme erheben. H[i^ Werdej|: wir wieder. Von dqrNot unseres Volkes u^irl der Sicherung seiner Zukunft sprechen, so daß ^S^'S^'^^'i-^^' un$ die öerecHigteit unserer Sa^he begreift. < .: . ^-J^-Xöügreß ■ wii*^ zeigen, daß der zionistische Oedanke, der unser Volk in den Jahrhunderten der Verbannung geleitet hat, stärker ist als zeitweilige Hindernisse; daß er lebt, solange unser Volk an ihn glänbt und für ihn zu leben entschlossen ist. Wir haben den Kongreß einberufen! . Wir rufen den Jischuw, der das Land und unsere Zukunft baut. Wir rufen den Chaluz, der sehnsüchtig vor dem T*>r; der Heimat steht. Wir rufen den Juden, der sich im Gebet um Zion nach Osten wendet. Wir rufen alle, die in Treue zu Zion stehen, die' Männer, die. Frauen, die Jugend. > Nehmet den Schekel! Wählet zum Kongreß! Exekutive der Zionistischen Organisation. Zwi Perez Chajes. . t r .. - „ Worte des Gedenkens.! Ate' die i Juden - Wiens vor., drei Jahren den toten Zwi- Perez Chajes durch die Straßen der Stadt;hma'usführteiii die brennenden Straßenlaternen; den' 'Heimgang feierlich beleuchteten, bei Schneesturm und Frost sich viele Tausende um das offene Grab Ischarten, hatte man das Gefühl, einen außeiörilehtl'icbiesn: Menschen : verloren zu haben. •In 'dieses mischte sich' die dumpfe ,Ahnung, daß mit dem' Abgang <der-Führerpersönlichkeit Chajes' eine Aera d^s Stillstandes, vielleicht; .sogar des Abstiegs anbreche. Denn nur kurz war das Glück des Besitzes ,ffir die Wiener Judenheit, kurz die Zeitspanne 'des. Wirkens der , sirigulären jüdischen Persönlichkeit. \,, ( Ma» Jcann, ruhig sagen, daß die Tätigkeit von knapp zehn Jahren für die Geschichte der Wiener Judenheit. ejn eigenartiges, ganz, neues Kapitel bedeutjet;. . Deiin zum erstenmal,, seitdem die Wiener BÄSCH. IV. ArgontlnlerotroRe 22 TAlaahaM *M§«403 Teittpnon ^m^M1 Judenheit eine geschlossene Gemeinschaft bildet, zog in sie ein reiner jüdischer Geist ein, ein Geist, der die alte morsche Kn,ecntseligkeit des Schutzjudentunis mit revolutionärem Atem wegfegte und an deren Stelle all das setzte,. was geistige und politische Errungenschaft des modernen Judentums, der jüdischen Renaissance, ausmacht. Zwi Perez Chajes war ein Sohn des zionistischen Zeitalters, erzogen im Geist der zionistischen Lehre, erfüllt von jahrhundertealter Tradition und gleicherweise der modernen Wissenschaft. So war für ihn der Weg gegeben, ein Weg, begründet durch den Umstand, daß Gott ihm eine außerordentliche Seele, ein geschlossenes, harmonisch abgerundetes Gefühlsleben geschenkt hatte — Gaben des Geistes und Herzens. Chajes trat die Führung der jüdischen Gemeinde in einem Zeitpunkt an, da im jüdischen und nicht jüdischen Leben alte Werte von neuen Werten abgelöst werden wollten; in einem Zeitpunkt, da das Chaos, naturnotwendige . Folge von Zeitströmungen'war, die sich selbst ad absurdum geführt hatten. Es war ihm die gigantische- Aufgabe überantwortet, sich dem Jiereinbrechenclen Chaos entgegenzustellen, und es zu formen. Er err füllte die Aufgabe, er beineisterte das Chaos. , -; Schon seiue A n t.^ i t^s r e d e von der Kanzel des Seitenstetten-Tempeis^wär ein revoldiion ä r e r Bruch' mit einer n.ü>>- umstößlich scheinenden^Haltung jener Vorgänger, die das Judentum als eine erstarrte, konservierte, abstrakte, geistliche Energie ansahen, welche keine? Erneuerung bedürfe, keine Weiterentwicklung vertrage, außer Anpassung an von außenher kommende, passiv zu ertragende Anforderungen. Die Antrittsrede war eine unerhört kühne Umgestaltung des Begriffs ^Sendung" des jüdischen Führertums der Gemeinde in Gestalt des Rabbiners. Umgestaltung? Nein. Sie bedeutet Rückgestaltung, Wiederherstellung, Wiederaufrichtung des Führenden als des Wahrers aller geistigen Inhalte mit gleichzeitiger Ausfüllung der konkreten Lebensbedürfnisse der jüdischen Gemeinschaft. L e h r m e i s t e r und Lebensgestalter spllte der Rabbiner sein im Sinne der unvergänglichen jüdischen Gestalten, wie sie die antike und mittelalterliche Geschichte des jüdischen Volkes hervorgebracht hat. Der Rabbiner sollte ein neuzeitlicher Jude sein, der die tief- Bci Kopfsdinierzeil/ nervösen, rheumatischen und gichtischen Schmerzen haben sich Togal-Tabletten hervorragend bewährt. Wenn Tausende von Aerzten dieses Mittel verordnen, können auch Sie es vertrauensvoll kaufen! Fragen Sie Ihren Arzt. — In allen Apotheken. — Preis S 2.40. sten Regungen des großen jüdischen Volkes kennt, kein Sprachrohr einer blutarmen Schicht. Die Rede, Auftakt seines Werkes, lebte Chajes auch, im besten Sinne Lehrmeister und Lebensgestalter. Nicht seine Studien, die Resultate seiner Forscherarbeit, wie bedeutend sie sein mögen; — seine politische und soziale Arbeit wird unvergeßliche Bedeutung für das jüdische Volk behalten. Das jüdische Schulwerk, die Organisierung und Erziehung der Jugend, die tägliche politische Arbeit, das immense soziale Werk, das er der Wiener Judenheit schuf, wird die Geschichte als Beispiel und Muster für die Haltung eines Gerne indeführers anführen. Chajes war ein politischer Zionist, ein Sohn vom Geiste Theodor Herzls. Was er tat und unternahm; war diktiert vom politischen Gesichtswinkel der Lösung der Judenfrage. Jede Kanzelrede atmete diesen Geist, so daß die finsteren Gestalten des :Ä'ssimi l ationser bes der Wiener * Gemeinde vor_d§r,glicht'seiner. Persönlichkeit zusammenzuckten und, sich demaskiert verkrochen. > - - .. . . * " %ürdig üno^ , iem Staat und den Vertretern der großen europäischen Politik als Jude mit seiher jüdischen Forderung entgegen. S e i n Zionismus war e i n ethischer. Nicht im Sinne der kleingewordenen, umnebelten Figuren eines Binationalismus. Ethisch gerade in der radikalen Forderung nach radikaler Verwirklichung des Endzieles, des Judenstaates. Von der Antrittsrede bis zur letzten politischen zionistischen Rede führt ein zielgerechter Weg. In dieser letzten Rede, der Gedenkrede für Theodor Herzl, hat Chajes gleichsam als sein Vermächtnis wenige Monate vor seinem Tode den Begriff des Zionismus als nur im Sinne Pinskers und Herzls möglich definiert: im Sinne der Souveränität des Volkes in einem Majoritätsstaat, im Judenstaat. Chajes lebt seit drei Jahren nicht mehr. Er hat in Wien eine Schar zurückgelassen, die sein Werk nicht fortzusetzen vermochte. Denn es waren ilim, dem jung Gestorbenen, nur wenige Jahre des Wirkens beschieden. Sein soziales Werk ist zum Teil abgebröckelt. Sein Kulturwerk ist schwer bedroht. Sein politiv sches Vermächtnis ist unzerstörbar. Heiliges/ jüdisches Volks« getd Alle im redaktionellen reil befindlidien entgeh», liehen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. /Eine wichtige Kongreßfrage. — Jüdisches Volksgeld muß sparsam und zweckmäßig verwaltet werden. Der kommende XVII. Zionistenkongreß ist vor dem Fälligkeitstermin einberufen worden. Die Gründe der vor* zeitigen Einberufung sind politischer Natur. Schlag auf Schlag hat das zionistische Werk getroffen. Tiefe Ba.ngig« ' keit hat' sich der überzeugtesten Zionisten bemächtigt. Der Kongreß soll die Frage entscheiden, ob die derzeitige 'Leitung der Weltorganisation fähig und gewillt ist,' das politische Erbe Theodor Herzls weiter zu verwalten, ob sie fähig und gewillt ist, die politischen Errungenschaften dreißig harter zionistischer Arbeitsjahre zu wahren,; aus* zunutzen1 und zu erweitern,' Das ist die p öli t i s che Hauptfrage, welche der Kongreß zu beantworten hat! Aber selbst die restlose Bereinigung dieser: Frage <■' kann die Lösung nicht bringen. Ebenso wichtig und: für •den Fortschritt des Werkes in Palästina entscheidend wie die Frage der politischen Gebarung ist die Frage der finanziellen Gebarung. Das ver* armte jüdische Volk hat unter schwierigen Umständen gewaltige Summen hergegeben und bringt jetzt unter noch schwierigeren große Opfer. I> i e s e s j ü d i s c h e 0

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.