Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 168 (5.12.1930)
- Date
- 1930-12-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2711736-2711786--2209-2715485- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nf.Tfö DIE NEUE WELT Seife 7 eine Einigung nicht erzielt werden. Er sprach dann über die arge Zersplitterung der Organisation in Oesterreich. Leider habe sich der Fraktionsgeist auch bei der Jugend gezeigt und dort genau denselben schlechten Einfluß auf eine Zusammenarbeit gezeitigt wie bei den Erwachsenen. Die ideellen Grundlagen zu diesem gemeinsamen Verband aller Jugendgruppen sieht er im Festhalten am zionisti* sehen Ganzen, am Endziel, am Judenstaat. Das End* ziel des Zionismus müsse der Judenstaat sein, ein Maxi« mum an jüdischer Freiheit, kein Kulturzentrum, kein Heim allein, sondern die einzige Berechtigung des Zionismus sei eben der Judenstaat, die jüdische Majorität für jeden, für Arbeiter und für Unternehmer. Dies müßte die Grundlage sein, unter deren Betonung die zionistische Jugend in die Politik des Zionismus eingreifen müsse. Die Jugend müsse gegen Assimilation und Antisemitismus einen kompromißlosen Kampf aufnehmen. Der Referent forderte ferner, daß der Jugend die Möglichkeit gegeben werde, an der Leitung der Landesorganisation wirklich Anteil zu nehmen. Er sprach dann noch einige Worte über C h a 1 u t i u t h. Chaluz sei jeder, der neue Position im Lande schaffe. Chaluz sei eine Synthese zwischen den aus der Jugendbewegung hervorgegangenen und dem erst zionistisch strebenden Menschen. In der darauffolgenden Debatte sprachen Redner aller im Jugendverband ver? tretenen Gruppen. Im großen, und ganzen erklärten sich die Bünde mit den Ausführungen des Referenten einver» standen. Zu Beginn der Sonntag/Vormittag-Sitzung sprachen die noch vorgemerkten Redner in der Debatte. Dann hielt Aaron Sternberg sein Referat über Chaluziuth. Er ver« langt von jedem Chaluz eine dreifache Hachscharah: geistig, körperlich und wehrsportlich. Für die fachliche Hachscharah wünscht er eine ausgebildetere Berufs* beratung. Er glaube, daß nicht nur Hilfsarbeiter in Erez gebraucht werden, sondern auch und noch eher Fachleute. Als Chaluz sehe er nicht nur den Arbeiter in einer Kwuzah an, sondern auch Menschen, die in einer Privatwirt* schaft arbeiten. Die Forderung nach einer wehrsportlichen Hachscharah begründet er damit, daß wir schließlich nicht verlangen können, daß der Engländer sein Leben für das jüdische Nationalheim hergeben solle. Er halte die Zusammenarbeit mit den Arabern für wesentlich leichter auf der Basis eines bewaffneten Friedens. Das Korreferat des Heinrich G e 11 e r (Makkabi) lehnte sich im allgemeinen an das vorherige Referat an. Auch Getter sieht in jedem Selbstarbeiter den Chaluz. In der Debatte über die beiden Referate spricht als Gast G a 1 i 1 i vom „H e c h a 1 u z". Chaluz ist nur der, der •wirklich als Pionier für den Aufbau des Landes unter Preisgabe jedes persönlichen Vorteiles arbeitet. Freilich sei jeder notwendig, der etwas Tür das Land und den Aufbau leistet. Fachliche Ausbildung ist natürlich kein Fehler, aber man muß jederzeit bereit sein, auch etwas zu machen, was nicht in das Fach schlägt. Anschließend sprachen die Vertreter der einzelnen Jugendbünde. Nach dem Schlußwort der beiden Referenten bringt der Vorsitzende die in einer Sitzung vor der Nachmittagstagung vom Jugendrat e i n s t i m* m i g angenommene Resolution zur Verlesung. Die wich* tigsten Punkte lauten: Der zionistische Jugendverband stellt fest, daß er das Basler Programm dahin auffast, daß die für das jüdische Volk zu schaffende nationale Heimstätte nur auf ..Grundlage freier jüdischer Einwanderung und Arbeit auf* gebaut werden kann und irgend welche Beschränkungen hinsichtlich der Zahl der im Lande ansässig zu machenden Juden nicht anerkannt werden können. Das Ziel des Zionismus ist daher die Schaffung eines Judenstaates. Die zionistische Jugendverbandstagung fordert das zionistische Landeskomitee auf, bei Fassung seiner Ent« Schließungen und bei Stellungnahme zu politischen und 1 Organisationsfragen unter allen Umständen auch die Meinung der autorisierten Vertreter des zionistischen Jugendverbandes einzuholen und zu berücksichtigen. Der Z. J. V. fordert das zionistische Landeskomitee auf, den laut Beschluß des Delegiertentages vom 14. Juni 1930 einzuberufenden außerordentlichen Delegiertentag zur Klärung der landespolitischen Situation unverzüg* lieh, jedenfalls aber noch vor dem 17. Zionistenkongreß einzuberufen. Gleichzeitig fordert der Z. J. V. die Aende* rung des bestehenden Wahlrechtes, insbesondere die Ab* Schaffung des Viriiistenstimmrechtes. Der Z. J. V. fordert vom außerordentlichen Dele« giertentag die sofortige Einsetzung eines Landeskomitees, in dem sämtliche zionistische Fraktionen vertreten sind. Der Z. J. V. fordert alle zionistischen Jugendbünde in ganz Oesterreich auf, sich dem Verhande unverzüglich anzuschließen und mit den Organen des Verbandes in Fühlung zu treten. Der Z. J. V. fordert den Klub zionistischer Kultus« mandatare auf, sich mit dem zionistischen Jugendrat zwecks Schaffung einer beratenden Körperschaft von zionistischen Jugendlichen zur Beteiligung an Jugend* und ^ürsorgefragen der Israelitischen Kultus« gemeinde ins Einvernehmen zu setzen. Der Jugendverband protestiert aufs schärfste gegen die Verleumdungen, welches das poale*zionist)sche Organ NGELEN U6 der vollendetste Radioapparat Europas! empfang aller Weltstatloncn. Ueberaus preiswert iln allen besseren Fach* geschifften fefisehlting) „Jüdischer Arbeiter" gegen den Zionismus«Revislonismus und den „Brith Trumpeldor" vorbringt. Der Z. J. V. protestiert auf das entschiedenste gegen die persönlich* gehässige Preßkampagne in den Zeitungen aller zionisti* sehen Richtungen. Im Anschluß an diese Tagung fand ein Preissingen um einen vom Jugendverband gestifteten Preiswimpel statt, an dem sich die Bünde „Makkabi Hazair", „Brith Trumpeldor" und der „Zirenu" beteiligten. Der „Z i r e n u" konnte den Wettbewerb für sich entscheiden. Die Tagung nahm einen würdigen Verlauf. Es ist zu hoffen, daß die angeregte Zusammenarbeit durchgeführt und vertieft werde. 9 Zentralsparkasse iiiiiiii;iiiiiiii!li!iiiiiiiiiiii]tii:iiii!iiiu der Gemeinde Wien Die ziovfothdue Politik und die Jugend* Von Benjamin Lubotzky. Die politischen Ereignisse der letzten 15 Monate, beginnend mit den Augustunruheu 1929 und jetzt;ini Simpson-Bericht und im antizionistischen Weißbuch der englischen Arbeiterregierung den Höhepunkt erreichend, werden zur Revision aller zionistischen Methoden zwingen. Heute jsteht es so gut wie fest, daß die jüdische Welt sich wird auf einen langwierigen und schweren politischen Kampf einstellen, der Schwerpunkt der zionistischen Aufmerksamkeit für längere Zeit von der praktischen Palästina-Arbeit auf die zionistische Außenpolitik wird verlegt werden müssen. Auf jeden Fall wird eine Urawe rtung der Werte im zionistischen Denken eintreten. Die letzten politischen Ereignisse haben klar erwiesen, daß der Satz: „Die Politik wird allein von der Wirtschaft bestimmt" auf die zionistische Politik und die jüdische Wirtschaft in Palästina nicht angewendet werden kann. Die zionistische Außenpolitik uud die politische Bedeutung der jüdischen Massen werden von der tiefsten Stufe der zionistischen Werteskala rapid steigen und in der zionistischen Welt — vorläufig — eine wichtigere Bedeutung erlangen, als die praktische Palästina- Arbeit und die Spendefähigkeit der jüdischen Massen. Diese Revision im. Denken der Zionisten hatte keine revisionistische Propaganda so gründlich vollziehen können wie die Erfahrung der letzten i5 Monate. Und hier stoßen wir auf ein lebenswichtiges Problem: die zionistische Jugend. Die zionistische Leitung hat 6ioh um die Jugend nicht gekümmert. Sie duldete stillschweigend jeden ideologischen Bltfdsinn, der in manchen Jugendorganisationen verzapft wurde, solange diese sich,, trotz allen revolutionären Getues, innerzionistisch' ruMg^ verhielt und artig mit den Arbeiterführern für die zionistische Leitung und für die zionistische Leitung und für die Jewish Agency stimmte. Was sich inzwischen innerhalb der Jugendkreise vollzog, welche Ideen dort blühten und wucherten, wohin die Entwicklung diesen Ideologien führen mußte, das ließ die zionistische Leitung und ihren geschworenen Anhängerkreis kalt. Die meisten Zionisten sind sich wohl nicht darüber klar, welche Rückwirkung jede Einzelheit der politischen Taktik des Zionismus auf die Ideologie der Jugend hat. Seit etwa acht Jahren ist im offiziellen Zionismus das Wort ,J u d e n s t a a t" verpönt. Auf eine Protestresolution der Ortsgruppe St. Pölten, in der als Endziel des Zionismus der Judenstaat bezeichnet wurde, kam eine Antwort der Exekutive, gezeichnet vom Arbeiterführer Herrn Kaplansky, die etwa besagt: „Bitte, gebt doch dem Basier Programm keine neue(l) Interpretation." Die Jugend konnte aber mit einem Zionismus ohne Judenstaat als Endziel nichts Rechtes anfangen. Und so mußte etwas anderes, zumindest ebenso Großes und Wichtiges wie der Judenstaat, ihn ersetzen. (Vielleicht wird man jetzt verstehen, warum es außerhalb des offen judenstaatlich eingestellten „Brit- Trumpeldor" im Grunde keine „allgemein-zionistischen" Jugendbewegungen gibt.) Der Judenstaat, d. h. die national-politische Form des zukünftigen Palästina, wurde durch eine sozial-ökono mische Form, durch den Siedlungs-Kommunismus ersetzt. Heute streitet sich die Jugend nicht mehr um zionistische Fragen, um diese oder jene Form des S i e d 1 u n g s- Kommunismus. Die große „zionistische" Jugendorganisation „Haschomer Hazair" zerfiel, weil sich auf ihrer letzten Weltkonferenz zwei Gruppen gegenüberstanden, die sich in der Frage: „Kibbuz Arzi" oder „Kibbuz Meuchad"? nicht einigen konnten. — Was das ist, wieweit nur die in die letzten Finessen der „Hoschomer-Hazairi-Weltanschauung" Eingeweihten. Sturm im Wasserglasei Aber ein gefährlicher Sturm. Diese Jugend krankt an einer verzweifelten Selbstverliebtheit. Sie kann ja ihre sozialen Pläne und Plänchen, ihre sozialistische „Linie" nur mit einer verstärkten Einwanderung ihrer eigen Leute durchführen. (Die anderen sind ja nicht m ihrem Geiste „erzogen", können also nicht „geworben" werden.) So stehen weite Kreise der „zionistischen" Jugend und starren wie hypnotisiert auf Palästina, wo ein paar hundert ihrer Chawerim sich um diese oder jene Siedlungsform, diese oder jene „Politik" innerhalb der jüdischen Arbeiterschaft streiten, während um sie her Millionen Juden paupewsiert, zerquetscht und «ertreten werden, der Zionismus an reiche „Herren" ausgeliefert wird und l I B £5 I «o I § i & 1 t> I 4 i I N Wien I, Wipplingerstraße 8 Fernruf: U~23-5~60 Kreditverein der Anstalt: VJJ, Neubaugasse 7 Die Gemeinde Wien haftet mit ihrem gesamten Vermb* gen für alle Einlagen in der Anstalt Führer des Zionismus öffentlich den Zionismus abschwören .... , Auf diese Weise hat die überkluge Taktik der Leitung, das Ziel des Zionismus unklar zu lassen, eine traurige, schwerwiegende Folge gehabt: Sie hat der Jugend das konkrete nationale.Ideal genommen. Heute ist die zionistische Jugend in den Ländern jüdischer Massensiedlung nicht mehr Kerntrupp des jüdischen Nationalismus wie zu Herzls Zeiten. Heute versuchen die einzelnen Gruppen in den Palüetina-Aemtern einander die Einwanderungszertifikate wegzusdmappen — mit erlaubten und unerlaubten Mitteln —, weil ja die „Probleme", die diese Gruppen tagaus, tagein beschäftigen (wie zum Beispiel die mysteriösen „Kibbuz Arzi" und „Kibbuz Meudiad") nur durch eine verstärkte Einwanderung von Mitgliedern der „eigenen" Gruppe gelöst werden können. Und das ist der gute Teil der zionistischen Jugend! Gut, was das Menschenmaterial betrifft. Es sind doch Chaluzim, Menschen, die sich zur „Umschichtung" und Auswanderung entschlossen haben... Nun hat das englische Weißbuch die Arbeitereinwanderung, das heißt die Chaluzimeinwanderung, bis auf weiteres abgeschafft. Es ist den chaluzischen Organisationen wohl nie redit zum Bewußtsein gekommen, daß ihre Zertifikate ein Negativuni bedeuten. Daß sie nicht Zertifikate bekommen, weil sie, gerade sie, zur Einwanderung „ausersehen" sind, sondern weil die Regierung keine Masseneinwand er u n g wünscht und ihr eine Einwanderung „Ausgewählter" vorzieht. Daß die Kehrseite der „Auswahl" nichts anderes bedeutet als den Ausschluß des Vaters und der Mutter des Chaluz aus Palästina! Nun ist die Illusion zu Ende. Von nun ab gehören auch die «userwählten Chaluzim zu den „unerwünschten Elementen". Was werden die chaluzischen Jugendlichen in der Galuth nun anfangen? Sie werden sieh endlich wieder um zionistische Probleme kümmern müssen. Sie werden einsehen müssen, daß auch ihre Einwanderung, daß die ganze „Ghaluziut" (inklusive „Kibbuz Arzi" und „Kibbuz Meudiad") nicht etwas Geheiligtes, allein Erhabenes, über jeglichem administrativen und politischen Regime Stehendes ist. Sie werden erkennen, daß das Schicksal der „Chaluzim" ebenso von der zionistischen Außenpolitik abhängt wie das Schicksal der kleinen Kaufleute und Handwerker (Weizmann nannte sie einst verächtlich nach den Warschauer Ghettostraßen „Dzika- und Nalevky- Leute"), welche, von der Judennot zerdrückt, nach Palästina gehen wollen. Ein Aufruf MU M. UsmsdMm. Der Direktor des Jüdischen Nationalfonds (K. K.L.), M. M. U s s i s c h k i n, hat an seine Mitarbeiter in aljen Ländern der Welt einen Aufruf gerichtet und fordert darin als Antwort auf die Erklärung der britischen Regierung eine verstärkte Tätigkeit aller Freunde der Jüdischen Nationalfonds. In dem Auf* ruf heißt es u. a.: j „Die ungerechte Feindseligkeit der, b rdt.t i* sehen Regierung gegen das jüdische Aufbauwerk in Erez Israel tritt besonders deutlich in ihrem Verhältnis zum Volkswohl, zum Keren Kajemeth Lejisrael, hervor. Es ist noch nicht bekannt, welchen Beschränkungen die Arbeit des K. K. L. unterworfen sein wird. Aus zwei Gründen wendet sich die'Regierung gegen den K. K. L.: 1. Wegen unserer Statuten, die nicht geändert werden können, ist der Boden des K. K. L. u n v e räußerlich. Die Regierung ,ist der Ansicht, daß die vom K. K. L. erworbenen Böden dem Bodenmarkt entzogen werden und dadurch nie mehr von Nichtjud6n gekauft werden können. 1 2. In unseren Pachtverträgen mit den Siedlern ver* pflichten wir die letzteren zur ausschließlich jüdischen Arbeit. Es erübrigt sich, Ihnen darzulegen, weshalb, diese Klauseln unbedingt notwendig und gerecht*