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Die neue Welt · 1930-12-05 · Heft 168 (5.12.1930) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 168 (5.12.1930)
Date
1930-12-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite fc DIE NEUE WELT Nr. 165T Vorlragssaal für einige Abende der Woche zu vergeben! Für Nachmittagsstunden steht auch ein Beratungszimmer zur Verfügung. Auskünfte im Verbandsheim, II, Untere Augartenstraße 38, im Hof, Tel. A-45 6-34 fertigt sind. Der K. K. L.*Spender muß die Sicherheit haben, daß der mit Hilfe seiner Spenden erworbene Bodennie verkauft werden kann, sondern für alle Ewig* keit im Besitze des jüdischen Volkes verbleiben wird. Das gleiche gilt auch für die zweite Klausel. Ohne j ü d u sehe Arbeit und ohne jüdische Arbeiter haben wir i ra .'Lande'-kein e Existenzbasis. Es ist schwer, in den privaten Siedlungen auf privatem Boden das Prinzip der ausschließlich jüdischen Arbeit durchzusetzen. Auf dem Boden der Nation jedoch muß dieses Prinzip voll und ganz verwirklicht werden. Es gibt keine Regierung auf der Welt, die imstande wäre, den K. K. L.«Spendef zu zwingen, seinen Willen, daß seine Spende einem bestimmten Zweck zugeführt wird, zu ändern. Das einzige; was die Regierung machen kann, ist, den K. K. L. eine Zeitlang an der Durchführung neuer Bodenkäufe zu hindern. Ohne Zweifel* wird sie jedoch in kurzer Zeit dem starken Widerstand« von unserer Seite weichen müssen." Vom jfidisdieii Nationalfondt* Antwort der Judenheit Wiens auf den Angriff der englischen Regierung gegen , den Keren Kajemeth. Die Judenheit Palästinas hat durch eine wahre Volksbewegung auf diesen Angriff reagiert, alle Schichten derselben haben spontan Opfer für den Keren Kajemeth gebracht. Die jüdische Presse des Landes bucht täglich unter der Devise „Golderte Kette des Keren Kajemeth" diese Handlungen Das Galuth «Juden tum soll nun diesem B e i s p i e 1 c f o 1 g e n : Der Keren Kajemeth Oesterreich ersucht hiemit die Wiener jüdische Bevölkerung gelegentlich der Büchsenleerung, - die in der Zeit vom 30. November bis 14. Dezember statt« findet, reichlich ,— und dem außerordentlichen Momente entsprechend — zu spenden. Die jüdische Jugend, die seit Jahren in hingebungs« vollster Weise „ihrem" Fonds dient, wird mit Auf* 'bringung aller. Kräfte bemüht sein, diese Leerung zu einem großen Erfolge des Keren Kajemeth zu gestalten. Juden Wiens — tut eure Pflicht! Die Landeskommission des Keren Kajemeth. Die Rothschilds des Ostens* Der Roman der Familie Sassoon* Von Gabriel Costa (New York). Stadt der Romantik, Stadt der tausend Träume, gesättigt vom Geist des farbigen, märchenhaften Ostens, fernes Bagdad! Hier ist der Ursprung der Sassoons. In dieser uralten Stadt der Kalifen an den Ufern des Tigris, so reich verknüpft mit der Geschichte unseres Volkes, so nah den Ueberresten des alten Ninive und den Ruinen des einst mächtigen Babylon, erblickte David Sassoon das Licht der Welt. In einer solchen Atmosphäre mit solch markantem historischem Hintergrund begann der weitsichtige David ' Sassoon sein Werk, das das Glück seiner Familde begründen sollte. Es ist eine Geschichte, die in sich selbst die wesentlichen Elemente einer östlichen Legende enthält, die würdig ist der Geburtsstätte des wunderbaren Sinbad. Sie erschließt ein Reich des Unendlichen, des Märchens, das sich wie ein Zauberfaden durch .Länder und Zonen zieht, ein Epos von Spannungen und Ueberraschungen und eines Meeres von Romantik; Macht, die gewonnen wurde von einem Manne, der kein Despot war; von fabelhaftem Reichtum und ebensolcher Güte. In den Tagen eines hartnäckigen Ringens um die wirtschaftliche Vorherrschaft spielt der Name Sassoon in Indien, im Persischen Golf, in Basra, in Singappre, in Kabul eine bedeutsamere Rolle als die bekanntesten europäischen Kapazitäten. Spricht mau von der Handelsentwicklung Indiens und des Ostens überhaupt, gleichgültig, in welchem Zusammenhange, so ist der Name der Sassoons nicht zu umgehen. Als Bankiers, Reeder, Mühlenbesitzer, Treuhänder von Königen, nnef Prinzen, treue Hüter ihres alten Glaubens, verehrt von den jüdischen Brüdern des ganzen Erdenrunds, haben die Sassoons eine romanhafte Vergangenheit. Dr. G, D e u t s c h, der amerikanische Forscher, stellte einst die Behauptung auf, daß der berühmte indisch-jüdische Familienname vom Wort S a s 0 n kommt. Sason ist hebräisch und ein Synonym für Freude. Dr. Deutsch .erinnert daran, daß die orientalischen Juden Worte poetischer oder ähnlicher Herkunft zur Benennung ihrer Kinder verwenden. Vor mir liegt »eine Zeichnung des D a o u d (oder David Sassoon, 'Oes Hauptes der Juden vpn Mesopotamien, des indischen Kaufmannes und Bankiers, der in Bagdad 1792 geboren ist. Eine herrliche Patriarchenfigur, mit Turban, grauem Bart, hochgewachsen, mit strengen, ernsten, herrischen Zügen. In den feinen schwarzen Augen liegt Weisheit, Güte, Gradlinigkeit. Der junge Sassoon scheint Talent für Finanz und Organisation geerbt zu haben. Er weilte in Bagdad in der Ausübung dieses Bankierberufes, bis seine geschäftlichen Verbindungen im Jahre 1832 eine Heise nach Bombay erheischten. Seit.damals erwies sich Bagdad als ungenügend für die weit ausgedehnten Operationen des großen jüdischen Hauses. Dessen Chef übersiedelte nach Bombay, wo er in Anbetracht Indiens als eines industriellen Neulands ein machtvolles Handels- und Finanzwesen begründete, das bald alle, Teile des Oriente umfaßte. Silber und Gold, Seide, Gummi, Gewürze, Opium, Leinen, WpJJe^das alles gehörte in den Handelsbereich des Hauses Sassoon & Co. David Sassoon selbst war ein wahrhafter Pionier. Seine Maßnahmen haben die modernen Methoden des internationalen Handelsverkehre vorweggenommen. So-WUKfc David einer der reichsten'■' Handelekönige Indiens. Man vermutet, daß er bei seinem Tode 1864 ein Vermögen von 2 Millionen Pfund Sterling seinen Söhnen hinterließ, Der älteste Sohn, Albert Sassoon, der erste in der Linie der englischen Barone, empfing eine europäische Erziehung und trat ah die Spitze der großen Bank- und Handelshäuser. Die geniale Geschäftsbegabung, der philanthropische Sinn, der seinen Vater auszeichnete, vererbte sich auf. den Sohn, der das Werk des1 Vaters fortsetzte. Die Welt hatte die Sassoons seit langem und nicht mit Unrecht als die Rothschilds des Ostens bezeichnet. Dieser Name verpflichtete und spornte Albert. Sassoon zu großer Leistung an. Er war der Schöpfer der „docks" (Werften);— die Sassoon-rDocks waren die ersten Wiestindiens —, der Seiden- und Leinenfabraken, Unternehmungen; die mächtig zu jener Organisation beitrugen, die den Wohlstand von Englands indischem Reich bilden. Die Königin Victoria erhob Albert 1872 in< den Adelsstand, eine Auszeichnung, die die erste Lady des Landes 18 Jahre nach Ergreifung des Titels „Kaiseriu von Indien" verlieh, wobei daran zu eiy innem.ist, daß sie selbst diesen Titel der Arbeit ihres jüdischen Ministerpräsidenten Earl of Baeonfield- Disraeli zu verdanken hat. Sir Albert und Lady Sassoon wurden so auch Mittelpunkt "des gesellschaftlichen Lebens in England und Indien. . Bei ihren Abenden fanden sich Mitglieder des Hofes ein und oft war der Prinz of Wales, der spätere König Eduard ytl,, ihr Gast. Als Wohltäter großen StU« sind sie Schöpfer zahlreicher charitativer Institutionen geworden. Albert Sassoon vergaß auch nicht an sejne Pflichten für die jüdischen Brüder. Er widmete den.; Angelegenheiten der jüdischen Gemeinschaft in, Engv land große Aufmerksamkeit und war Vizepräsir d e n t, de r A n g l o Jewish Association. Den Juden seiner Heimatstadt Bagdad war Albert Sassoon bei, der; Gründung einer Lehranstalt behilflich.. Er kaufte'Boflcn und errichtete ein großes Gebäude für Lehrzjwecjce, , Seine offene Hand wurde allgemein gerühmte Er erhielt von der Königin auch den Orden „Star Of Indja", war Mitglied des Gesetzgebenden Rats, in Bombay und wurde als erster Anglo-Jude mit . der Ehrenbürgerschaft Londons bedacht. Die Würde der Baronie übernahm sein einziger Sohn Eduard Albert Sassoon im Jahre 1896, der sieh durch eine bedeutende politische und kommunale Karriere auszeichnete. Der dritte in der Baronie ist Sir •' Philipp- Sa/seoon. Er ist im Jahre 1880 geboren und. wahrscheinlich der reichste Junggeselle Großbritanniens. Er is> Mitglied des Parlaments, war U n t eir- '■■ Staatssekretär für Flugwesen unter ßajdwijn,; und bezeugt ein besonderes Interesse für Aviatik.; E**t, jüngst hat dieser Rothschild, des Ostens eine halbe1 J^ft41 lion Pfun4 Sterling geerbt. ' * Die Saissoons sind bekanntlich Mitglieder d^r f «fiten isephardischen Gemeinde Kalkuttas, wo sie innigen Anteil an allen( jüdischen1 Angelegenheiten neji'me^,:- Besonders interessant ist die Tatsache, daß Philipp s Sassoon deu Prinzen von Wales auf seiner bevo?« s'tehehdeij Reise durch Kanada begleiten Wird. ';Kes;] gewinnt auch eine £ewisW politische Bedeutung 'ufld'; man spricht davon, daß Philipp Sassoon,; der langte« Jahre Mitglied ^des Unterhauses war, zu den pbütfec^n^ Führern von morgen1 gehö|t. So stellt Philipp Sassoon eine der eigenartigsten Persönlichkeiten im gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Leben des britischen Imperiums dar: ein Jude größten Formats, ein Faktor, dem es gelang, Indien mit dem britischen Eiland wirtschaftspolitisch zu verbinden. Das symbolisiert auch die Marmorstatue des Begründers des Welthauses, . David Sassoon, im Victoria- und Albertmuseum zu Bombay, ein Denkmal, das ihm die dankbare angloindische Oeffentlichkeit errichtete. Die Juden in der deutschen Wirtschaft. Der Heine-Bund, Berlin, gibt ein Buch von Kurt Zielenziger „Juden in der deutschen Wirtschaft" (Welt-Verlag, Berlin) heraus, in welchem der Verfasser jüdische Männer als Idealtypen verschiedener Wirtschaftszweige zeichnet und damit eine Würdigung ihrer Leistungen darstellt, die sde für Deutschland vollbracht haben. Ihre Geschichte, sagt der Verfasser in dem „Vom G.hettohändler zum Wirtschaftsführer" betitelten Vorwort, ist zugleich eine Geschichte der Völkswirtschaft des neunzehnten Jahrhunderts. Der Verfasser schildert die Entwicklung der Häuser Rothschild, Mendelssohn und Bleichröder, zeichnet die Persönlichkeiten von Wilhelm Herz, Ludwig Loewe, Emil Rathenau, Carl Fürstenberg, Eduard Arnhold, Benno Orenstein, Albert Ballin, der Familie Tietz, Julius Berger, und zuletzt von Aron Hirsch, Carl Melchior, Nikodem Caro, Oscar Wassermann, Ottmar Strauß, Jakob Goldschmidt und führt dann im „Ausblick" aus: Wenn Deutschland durch den Krieg große Teile seines Landes abgetreten und damit 10 Prozent seiner Bevölkerung eingebüßt hat, so verloren die Juden seitdem 12 Prozent ihrer Glaubensgenossen durch die Abtretung Posens, Westpreußens, wichtiger Teile Oberschlesiens, vor allem aber auch durch den Verlust des Elsaß. Die Inflation führte zur Entthronung des Mittelstandes. Sie traf den jüdischen Mittelstand besonders hart. Diese Entwicklung hat die Deflation noch fortgesetzt. Ein kapitalistischer Sozia 1 ism u s entsteht. Auch Juden rufen ihn als Schöpfer großer Reichsbetriebe mit ins Leben. Die.Entpersönlichung der Wirtschaft, durch die zunehmende Gründung von Gesellschaften eingeleitet, wird durch die: starke Konzentrierung der wirtschaftlichen Macht in wenigen Händen vollendet: der Einfluß des Primat-Unternehmers schwindet. Von diesem Geschick wird besonders der jüdische Unternehmer betroffen. Es vollzieht sich eine Verdrängung der Juden auf den verschiedensten Gebieten. \ Der größte Teil der jüdischen Erwerbstätigen befindet sich heute in abhängiger Stellung. Aus derri jüdischen Unternehmer ist der jüdische Angestellte geworden. Hinter scheinbar glänzenden Fassaden zeigt sich oft bitterste Armut. Durch die Ausgestaltung der Riesenkonzerne vollzieht sich eine Verdrängung' der Juden, die ganz im stillen, aber of sehr ü b e r 1 e g t ge s chi eh t. Auch in vielen Unternehmungen, die durch jüdische Männer ins Leben gerufen worden sind, findet sich heute kaum noch ein jüdischer Ingenieur oder eine jüdische Stenotypistin. Diese Bewegung führt auch zu einer-Eliminier ung der Juden in den Staatsbetrieben.?.. . Wo sind die jüdischen Kaufleute in den Berg- . baubetrieben des Preußischen Staates, den Elektrizitätswerken des Reiches, den Staats- und Stadtbanken, wo finden wir sie bei den großen Verkehrsmitteln, den Eisen- oder Straßenbahnen? Diese Verdrängungsbestrebungen werden yon der .Boykottbewegung unterstützt, mit der . die antisemitischen Hetzapostel die angebliche Herrschaft des deutschen Juden über die deutsche Wrtsehaft1 . bekämpfen wollen. Sie raubt vielen jüdischen- Erwerbstätigen im Lande ihre Existenz und zwingt sie« in die Städte abzuwandern. So. vermehrt auch sie die Zahl der Abhängigen. .* Aber größer noch als alle diese Fragen de« Jetzt ist das Problem von morgen. Die deutschen Juden finden 'sich beute stärker denn je in allen Lagern. Sie Sqrgt für die Gesundheit eurer Familie duröü 4«n Gebrauch von feinstem Palästina. Olivenöl 1t nn Töff „Shemen«- erstklassiger Qualität, zum Kochen, Giraten, Backen und Salat, ausgiebig, nahrhaft, leicht verdaulich, erfrischt und kräftigt Glieder und' ... . . Nerven. ■ * '' % Palästina Toiletteseif e 49 a III veredelt und verschont den ff\Jal|l Teint. ,yCarmel" Flowers" schäumt stark, ist mild, macht die Hftut welch, In .»Hen bessern Delikatessen- und Parttmeriegeschfiflen erhältlich! w", ' , ' Repräsentant für Oesterreich: ' > N S. RABINOWITSCH " k TeltphQ» ft>4?«Q.B0 MiisiMMiH»ee»fteet<iMiiiiiiiie»»»t»te<>i»isiiMiiil

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