Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 168 (5.12.1930)
- Date
- 1930-12-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite I DIE St\m WEL1 n* m f SIEGM. KORNMEHL OROSSFLClSCHHAUERfil Zentrale IX., Bergga«te 19, Teleplw» 17-3-99 0. 16-9-54 Lief era« i >ut Heiiaintalten w!£^m!mSS!L!SLääJS£2^ Itter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der lsr Kul« tus?em«'nde Wien AutomattilHria ko«t*Alo« IX. l«ra|MN Ii / KVfll., WMrlngtritr. 97 inrnnmuiiMvitMUiK die vom Weißbuch vorgeschlagenen konstitutionellen Neuerungen will die Jewish Agency noch eine besondere Untersuchung anstellen. Das Memorandum stellt aber jetzt schon fest, dafl die Juden sich in einem gesetzgebenden Rat in einer hoffnungslosen Minderheit befinden würden, zumal das Weißbuch eine Politik ankündigt, die entgegen den Bestimmungen des Mandats die lebenswichtigen jüdischen Interessen, wie Land Besiedlung und Ein w a n d erung, in hohem Maße gefährdet. Einschränkung des Areals, Transjordanien. Das Memorandum wendet sich nun der Bodenfr a g e zu. Es ficht die Behauptungen bezüglich der landlosen Araber an, zeigt die gewollte Benachteiligung der Juden auf, bespricht die Frage des Huleh-Distrikts und der Beisan-Böden und stellt mit Berufung auf Simpson die Nichterfüllung des Art. 6 des Mandats (Staatsländereien) fest. Gleichzeitig weist das Memorandum auf die willkürlich vorgenommene Reduzierung des palästinensischen Areals von rund 11 Millionen auf 6,544.000 Dumtm sowie auf Trans Jordanien als auf ein Gebiet hin, das für eine arabische Einwanderung in Betracht komme. Boden- und Einwanderungsfrage. Nachdem das Memorandum die. Behauptung von der durch die jüdische Kolonisation herbeigeführte Land- und Arbeitslosigkeit der Araber widerlegt und die günstigen Auswirkungen bewiesen hat, konstatiert es, dafl der Landentwicklungsplan von Simpson-Bericht und Weißbuch letzten Endes darauf hinziele, die jüdische Siedlungsarbeit zu beschränken und Land für die Araber bereitzustellen. Bezüglich der E i n wa nd e r u n g s f ra g e weist das Memorandum die Angriffe auf. die jüdischen Gewerkschaften zurück, konstatiert die U n g e s e t z 1 i c hkeit der. Unterbindung jüdischer Einwanderung und macht auf die katastrophalen Folgen auch für die arabische Bevölkerung aufmerksam, wenn infolge einer Einwanderiingssperre der Zustrom jüdischen Kapitals aufhöre. Das Memorandum zitiert aus dem Weißbuch mehrere Stellen, die die Tendenz haben, die Je w i s h Agency au diskreditieren, die jüdischen Leistungen herabzusetz;en und die Beziehung der Juden sowohl zur Regierun« wie zu den Arabern zu stören. Es weist die aus dein Weißbuch hervorgehende Gleichstellung der Führer der Jewish Agency mit den für die Augustunruhen verantwortlichen arabischen Führern entrüstet zurück. Hindernis auf Hindernis. Aus dieser Sachlage ergeben sich für das Memorandum folgende Schlußfolgerungen: Die jewish Agency konstatiert die Tendenz, zwischen, Juden und Arabern bestehende Differenzen zu y;e r sc h & r f e n. Efae Jewjsh Agency gibt dem Protest über die Auslegung des Mandats zu ihrem Nachteil zu Protokoll. Sie stellt weiter« fest, daß nach wie vor das jüdische Volk wünscht, mit dem arabischen Volk in gegenseitiger Achtung zu leben und die gemeinsame Heimat zu einem blühenden Gemeinwesen Pension .Austrla' Kinderheim Vöslau (OLGA KAOI8CH) Jftg«rmay«r»traB« 15 TaUphen Nr, 141 Für Dauer- und Erholungsaufenthalt Jeder Unterricht im Hause; auch Nachhilfe für öffentliche Schulen besuchende Kinder. - Pädagogisch einwandfreie Leitung durch staatlich geprüfte Lehrerin. * Erstklassige VerUöstigung. - Mütterliche Pflege. - M&BIg« Prelle | Union der Zionigten-ReWsionlsten Oesterreichs | Montag, «Jen i. Oeiember WSO, >/» 9 Uhr abends, 1 | Im Cafe Arkaden, I., Univeriitjltsstraße 3 (Souterrain) m „Die Verhandlungen der Jewish Agency mit der Labonr-Regierung" Dftkti*#lon Oftete ttHIfcommen mit ungestörter nationaler Entwicklung beider Völker zu machen. Die Politik des Weißbuches von 1922 wurde von den Juden in loyaler Weise angenommen und aufrichtig eingehalten. Diese Politik hedeutete eine Begrenzung des Gebietes, in welchem die Entwicklung des Nationalheims vor eich (gehen sollte, indem Transjordanien abgetrennt wurde, wodurch die ökonomischen Interessen Westpaliistinas infolge Beraubung seines natürlichen Hinterlandes ernstlich geschädigt wurden. Zwei ausgedehnte fruchtbare Strecken von Staatsländereien, die durch jüdischen Unternehmungsgeist hätten produktiv gemacht werden können, wurden der jüdischen Siedhingstütigkeit entzogen, Huleh ist immer noch ein Sumpf und in B e i s a n sind die Araber völlig außerstande, ihren übermäßig großen Besitz zu verwerten, in vielen Fällen werfen sie ihren Boden auf den Markt So wurde Hindernis auf Hindernis dem Aufbau des jüdischen National heims in den Weg gestellt, Schritt für Schritt wurde das für die jüdische Ansiedlung verfügbare Gebiet eingeengt. Zum Schluß sieht sich die Jewish Agency zur Klarstellung verpflichtet, daß die Juden der ganzen Welt einheitlich die Politik des Weißbuches als nicht im Einklang mit dem Geist der Vorkehrungen des Mandats stehend betrachten. welche die Mandatarmacht dafür verantwortlich machen, in Palästina jene politischen ökonomischen und sozialen Bedingungen zu schaffen, die die Errichtung des jüdischen Nationalheims sicherstellen. Das Trümmerfeld der jüdischen Kultur in Sowjetrußland* Gesperrte Institute/ verschacherte Bibliotheken« Von Saul Ginzburg (New York). Saul Ginzburg, ein namhafter jüdischer Schriftsteller, Begründer des ersten jüdischen Tagblatts „Frjud", konnte nadi 13jä<hrigem Aufenthalt Sowjetrußland verlassen. In New York, wo er sich nun niederließ, veröffentlicht er im „Vorwärts" ein erschütterndes Bild vom Niedergang des jüdischen Kulturlebens im Mutterland moderner jüdischer Kulturbestrebungen. I. Ein jüdisdier Schriftsteller, der soeben dem Sowjetparaddes entronnen ist, hat natürlicherweise das Bedürfnis, die breite Oeffentlichkeit mit der Lage der Juden in Sowjetrußland bekanntzumachen. Ueber die traurige materielle Situation ist bereits viel und ausführlidi geschrieben worden. Die jüdische Bevölkerung Sowjetrußlands ist aus allen ihren ökonomischen Positionen hinausgestoßen worden. Man hat alle ihre Erwerbsquellen verstopft. Die jüdischen Städtchen sterben aus und in den größeren Städten, wohin sich unaufhörlich Wellen zugrunde gerichteter, verhungerter Menschen werfen, gibt es keine Arbeit, keinen Erwerb. Wie elend es den Juden geht, ist schon daraus zu ersehen, daß es Anwärter auf Zuchthausarbeit in den Sumpfgebieten von Bir-Bidschan gibt. Nicht minder traurig ist es auch in anderen Hinsichten. Von dem schrecklichen kulturellen und gesellschaftlichen Trümmerfeld; der Juden Sowjetrußlands hät das Ausland keinen zureichenden Begriff. Bekanntlich werden in Sowjetrußland in den Schulen, besonders in den höheren, nur Kinder von Arbeitern und Bauern aufgenommen. Sogar für Kinder von Sowjetbeamten und Angestellten, wenn diese nicht der kommunistischen Partei angehören, wird der Besuch einer Hochschule sehr erschwert. Und es muß festgestellt werden, daß von dieser, mit äußerster Rigorosität durchgeführten Begrenzung die Juden unvergleichlich mehr betroffen sind als alle anderen Teile der 'Bevölkerung. Da die Zahl jüdischer Arbeiter oder Bauern sehr gering ist, ist faktisch für die Juden der Eintritt in eine höhere Schule versperrt. Eine Prözentnarm für Juden wie einst gibt es nicht. Aber man kann behaupten, daß es mit Beziehung auf das Universitätsstudium, den Juden viel schlechter geht, als in den schlimmsten Zeiten des zaristischen Regimes. Dabei darf nicht vergessen werden, daß es damals den Ausweg ins Ausland gab. Das ist jetzt ganz unmöglich. Denn die Sowjetgrenzen sind fest versperrt, verschlossen. Und gelingt es einem Juden sogar, in eine Hochschule zu kommen, ist er dessen nicht sicher, dort bleiben und sein Studium beenden zu können. Wie überall in Sowjetinstitutionen, wird auch in den Universitäten fortwährend „gereinigt", d. h. man sucht von Grund auf nach der Herkommenschaft der Studenten, und findet man irgend einen „Fehler" an seiner Familie, wird er sofort entfernt. Häufiger als bei anderen geschieht das natürlich bei jüdischen Studenten und Studentinnen. Denn wer von ihnen hat nicht einmal einen Großvater oder Urgroßvater gehabt, der Krämer, Händler oder gar Religionsfunktionär war! Ich kenne persönlich jüdische Studenten, die ausgeschlossen wurden, weil man erfahren hatte, daß des einen Vater vor 20 Jahren einen Kramladen besaß, des anderen verstorbener Vater in einem kleinen versteckten litauischen Städtchen Schächter war. Solche Beispiele könnte man ohne Ende anführen. Man kann vielleicht erwidern, daß wir in solchen Fällen nicht als Juden leiden, sondern objektiver Umstände wegen gleicherweise wie alle anderen. Aber es ist eine alte Wahrheit, daß es für das Huhn keine Rolle spielt, ob es in Fett oder Butter geröstet wird. Entscheidend ist, daß es geröstet wird. Jedenfalls besteht dle Tatsache, daß die jüdische Bevölkerung an der Lehrbegrenzung am stärksten leidet. , Aber unter diesen „allgemeinen" Nöten haben die Juden auch eine spezifisch jüdische Not zu tragen. Hier kommen wir folgerichtig zur Jewsekzia (Regie,rungskommission für jüdische Angelegenheiten) und zu ihrer Zerstörungsarbeit in der jüdischen Gasse. Die Existenz der Jewsekzia ist von ihrer Geburt an ein glatter Widersinn. Würde sie, wie andere natiouale Sektionen, irgend eine nationale Richtung haben, so wäre ihre Existenz in gewissem Sinne berechtigt. Aber für die Jewsekzia war auch der leiseste nationale Gedanke von vornherein ein Greuel. Sie hat ihn immer aufs energischeste bekämpft, und sogar ihr Verhältnis zur jiddischen Sprache wird immer gleichgültiger und im Grunde genommen gegnerisch. Man mußte also anderweitig die Notwendigkeit der Jewsekzia begründen: mit der speziellen jüdischen Konterrevolution, die zu bekämpfen und zu entwurzeln hur die Jewsekzia vermöge, sie allein; denn nur sie kenne sich in jüdischen Dingen aus. Es gelang, die Führer der Koanmunistischen Partei zu überzeugen, und die Jewsekzia wurde gegründet. Und da diese als Kampf Organisation gegründet wurde, so beherrschte sie monopolartig da«? Feld. Sie bildete eine undurchdringliche Wand zwischen Regierung und jüdischer Gasse, und wie einst das Polizeddepartement seligen Angedenkens Verschwörungen inszenierte, wenn es keine Arbeit gab, um sich an der Macht zu halten, so mußte auch die Jewsekzia unaufhörlich allerlei jüdische Verbrecher und Konterrevolutionen ersinnen. Dies um so mehr, als es unter den Jewsekzia-Leuten keinen einzigen gabt,' der schon vor der Oktoberrevolution der bolschewistischen Organisation angehört hätte. Außer einzelnen sind' es dtürchwegis' Renegaten, einstige' Mitglieder jüddschar sozialistischer Parteien, deinen Lenin bekanntlich immer gegnerisch gegenüberstand, und sogar Angehörige jüdischer 1 ürgerlicher Organisationen, die nach der Oktoberrevolution ins Lager der Sieger übergingen. Litwakon z. B. war früher Zionist-Sozialist, R a f e s war Bundist, Esther F r u m k i n Bundistin usw. Natürlich hatte man ja zu ihnen kein Vertrauen, im Gegenteil, man beobachtete sie mit Mißtrauen. So mußten sie mit aller Kraft um sich schlagen, um dem Bolschewismus ihre treue Ergebenheit zu zeigen. Damit begann das Kapitel „Jüdische Konterrevolution". Zu gefährlichen Konterrevolutionären stempelte man Zionisten. Rafes pflegte bei den Moskauer Zionisten Hausdurchsuchungen zu machen und mit mehr Brutalität vorzugehen als der berüchtigteste Tschekist. Durch das ganze Land zog ein Strom schärfster zionistischer Verfolgungen. Die bürgerlichenZionisten Organisationen zu „besiegen" wo* (nicht schwer. Von ahnen ist keine Spur zurtickgeblietben. Schwerer ging'« anit den Jugendorganisationen „Zeife Zioa*\ „H e c h a 1 «u z" und anderen. Tausonde Jugendliche wurden verhaftet und dann nach den Solowki-Inseln verschickt oder in die -wüstesten, einsamsten Punkte Sibiriens. Fast jedem von ihnen wurde vorher die Freiheit versprochen, wenn er Geheimagent der G. P. U. zur Bekämpfung der jüdischen Konterrevolutionäre würde. Bis auf den heutigen Tag finden unaufhörlich Verhaftungen unter den kleinen Uöberr asten der zionistischen Jugendorganisationen statt. (Ein Artikel folgt) Die Tagung des zionistischen Jugendverbandes« Der Jugendverband der zionistischen Landesorgani* satibn Oesterreich hielt seine heurige Tagung am 22. und 23. November ab. Der Besuch ^ar sehr gut und die Be* teiligung an den Debatten äußerst rege. Robert Lustig („Zirenu") erstattete das Programmreferat. Er gab einen kurzen Ueberblick über. die Tätigkeit des Jugendyer« bandes im abgelaufenen Arbeits jähr. Es habe sich gezeigt, daß Zusammenarbeit in Jugend« und Propagandatragen möglich gewesen sei, in politischen Dingen konnte Vereinigung der zion.-demQkr. Jugend _Wien. II.. Untere AugartemtraBe 38 *^**mm*mmmmm*mm*mmmmmm*immEm^^ II N LADUNG zu dem Saraatüg, 6. Dezember 1930, um 7 Uhr abds., Im „Hanl-Saal" unseres Heimes stattfindenden LichtblldQFVOFtrQfl wStSS) Mmm: imnuim iMt i\mm Oiste willkommen! Jugendliche, enthilmt in Mm» I