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Die neue Welt · 1930-12-05 · Heft 168 (5.12.1930) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 168 (5.12.1930)
Date
1930-12-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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DIE NEUE WEM Nr. 168 S 26.- S 36.- S 45.- vii, KolseKtrofie 123 ix,Alserstrofie 6 grüßte die Referenten als die berufenen Wortführer der jüdischnationalen Politik Herrn Ludwig Batö und Herrn Oberbaurat Stricker. " Er betonte die unbedingte Verbundenheit der zionistischen Weltpolitik mit der Führung der Diaspora politik in den einzelnen Ländern durch die zionistischen Landesverbände. Herr 'Oberbaurat'' Stricker behandelte den Abbröckerujigtsprozefl innevlialb der zionistischen Gruppen Oesterreichs^ .Wir. verlieren . unsere Jugend an die Sozialdemokratie, da niemand zwei Idealen zugleich dienen kann. Für die heute betriebene Politik sind praktische Vorteile Einzelner entscheidend, der Zionismus wird vergessen. Das Verhalten der den Sozialdemokraten nachlaufenden Juden wird um so sinnloser, da eben diese österreichische sozialdemokratische Partei, innerhalb der Internationale durch ihre jüdischen Führer die zionistische Politik schwer .geschädigt'hat. Wenn wir Juden dem Zionismus zum Erfolg Verhelfen •wollen, müssen wir trachten, in allen repräsentativen' Körperschaften Vertreter dieser Politik zu entsenden. Herr Ludwig tiat6 (Allgemeiner Zionist) behandelte das'lahdespolitische Problem und seinen historischen Werdegang. Er beleuchtete scharf die Wider- Die Leitung der Gruppe VI—V1U des Verbandes demokratischer Zionisten gratuliert ihren Mitgliedern Herrn Simon Haber u. Frau . , Vit., Ncabaugass« 25 Zur glucklichen Geburt eines Sohnes. sinnigkeit der Politik der offiziellen zionistischen Landesorganisation : in Oesterreich, bezeichnete den Vorwurf! de£[D is-z i p;Li n b r •u.c'Jke,«-.. gegenStricker1 im Hinblick au£ die J Statuten ,d,er Organisation als L ach e;rlichkeit und schilderte die Wirkung der Anbiederung der offiziellen Zionistenführer an, die sozialdemokratische Partei.' Er sagte u. a. Der1 Vorwurf' der Disziplinlosigkeit muß als k i n d i s c h bezeichnet Werden, dehn der Beschluß des Parteirates sprach wohl von dem Verzicht auf eine offizielle Kandidatur, verbot aber durchaus, nicht die Aufstellung einer anderen j ü d i s c h e n L i s t e. Es konnte doch unmöglich so gemeint gewesen sein, daß das Eintreten der Zionisten für die Sozialdemokratie bei den Wahlen erlaubt, ja sogar ■ zu begrüßen sei,, dagegen eine zionistische. Kandidatur mit allen Mitteln bekämpft werden müsse. Dann die Wahlparole, die ein Rätsel, ja sogar ein Preisrätsel darstellt. Es wähle jeder Zionist so, daß dabei sein jüdisches Gewissen beruhigt werde! Das. Rätsel: Welohe. Partei soll« ich nun wählen?'Preis: Das" beruhigte'Gewissen.. Es. war aber ein gar zu leichtes Rätsel, ein Rätsel für kleine Kinder, denn jeder wußtenur zu gut, daß das Losungswort: „Wählt sozialdemokratisch" higß.. -Unter Verleugnung unseres ganzen Werdeganges und unserer Prinzipien, nnserer Stellungnahme zur österreichischen Sozialdemokratie, an deren Spitze getaufte und halbgetaufte Juden stehen, die das Judentum am liebsten eher heute als morgen vernichten würden, hieß es: „Zionisten! Wählet sozialdemokratisch 1H Es ist sachlich gleichgültig, ob der eine oder der andere zionistische Führet sich in einer Sitzung oder im Kaffeehans oder sonstwo für die Sozialdemokraten auegespochen hat oder nicht. Die offizielle zionistische Wahlparole genügt Sie spricht für eich. Sie hat die Einpeitscharbeit für die Sozialdemokratie geleistet, die auf der anderen Seite — es gibt ja nicht nur Sozialdemokraten in Oesterreich — den Anschein erwecken mußte, daß die Juden eich mit Haut und Haar der roten Herrschaft verschrieben haben. Nach Hinausgabe dieser Wahlparole ist die Verwirrung tinter den zionistischen Wühlern noch größer1 geworden. Die einen haben bereits die richtigen Konsequenzen gezogen und erklären klipp nnd klar, der Zionismus habe mit innerer Politik nichts zu tun. Für sie gibt es kednen Kongreßbeschluß, keine Beschlüsse der früheren Delegiertentage, für sie gibt es nur eins: Anschmiegung andie Österreich:ischeSozia 1demokratie. Andere hinwieder erklärten mit der Pose knieschlotternder Ghettojuden: „Nach der Rede von Hueber kann man nur sozialdemokratisch wählenIM In der jüngsten Zeit ist in Wien ein Scherzwort aufgekommen: OZT, das heißt: Organisation Zitternder Israeliten. Ich erinnerte einen solchen Zionisten daran, daß vor elf Jahren, als während der Herbstfeiertage den Wiener Juden wirklich ein Pogrom drohte, nur der Sportklub Hakoah und die Reste der jüdischen Stadtschutz wache bereit waten, für die bedrohte jüdische Bevölkerung in der Leopoldstadt einzutreten. Von den Sozialdemokraten war keine Spur zu sehen! Andere hinwiieder trösteten sich damit, daß die Sozialdemokratie die treue Gefolgschaft der: Juden mit der Aenderung ihrer Judenpolitik vergelten werde. Arme Naivlinge ... So sieht die politische Erziehungsarbeit aus, die in der letzten Zeit geleistet wurde, und das sind ihre. Früchte. „Jüdische Politik; '.ist. die Erlangung;vön Mandaten", las ich zuletzt in einer " of f iziellen Erklärung. Dies ist allerdings eine etwas materialistisch gefärbte Definition, wahrscheinlich schon eine Anlehnung an die materialistische Geschichtsauffassung, der befreundeten Sozialdemokratie. Wir haben' allerdings von Politik ieihe andere .Auffassung. Für uns bedeutet Politik vor allem Arbeit am* Volke, das. dazu erzogen werden soll.; sein Schicksal selbst in die rtand , zu nahmen und vor aller Wölt zu bekunden, . daÄ i:es, nu^ gewillt sei, b ewufi t e n Juden, die, W»jb;r u n g ^e^ne.r. Inte re ss e .n' a n z u v e irt r a u e n.\"\N/ch$ "die Furcht vor Pogromen, nicht die Sucht, sich Parteien anzubiedern, die uns Hie helfen werden,1 nür das nationale Interesse kann;bei der Landespoldtik ausschlaggebend . sein. Mit dem .Verzicht auf eine eigene. Landespolitik muß um so mehr Schluß gemacht werden, als die Folgen der bösen Tat bald zu gewärtigen sein werden. Wie wird man bei den Kultuswahlen gegen die Sozialisten auftreten und ihnen ihr Sündenregister vorhalten können, wenn' man jetzt für sie eingetreten ist? Und bei den nächsten Nationalratswahlen, namentlich wenn nach der Aenderung des Wahlgesetzes das Ländeskomitee sich entschließen sollte, selbst zu kandidieren? Die Stellung zionistischer Führer, die mit einem Fuße bei uns und mit d e in anderen im soziald em o k r a tis c h e n Lage r s'f e heu,1 ist u n ha 11b a r geworden. Sie werden sich entschließen müssen,- w e 1 c h e r1 B e w e g U n g si e 'u n tr e u w e td e n s o 11 e n. Es muß bald eine Klärung herbeigeführt werden, auch wenn sie in der Weise erfolgen soll, daß von nun an die politische Arbeit des Zionistischen Landesver- £j(ll(llllllllllllllllllllllllllllll|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||b I Verband demokratischer Zionisten | 5 Mittwoch, 10. Daiember 1030 um <s9 Uhr abds. s .§ >m Hofil«*aal das V«rbanash«imt, II., Untere S S Augartenstraße 38 g I Versammlun« S Gegenstand: 3 | Zionistisch« Politik - Rückblick | und Ausblick 5 Referent: s | Dr. Sal. Wolf | 5 Freie Aussprache! Gäste willkommen! 5 nlllllllllllllllllllllllllllillllllllflllfllllllfllllffltlltfllfllllftlfflr bandes ah eine neu zn schaffende Körperschaft — etwa nach dem Vorbilde des früheren Nationalvereines — übertragen wird. Hiebe! wird aber derselbe Grundsatz gelten .müssen "wie vor dem Krieget Die landes* politische Betätigung der Zionisten ist nicht obligat, wenn sie abererfojgt, darf dies nur ini nationalen Sinne geschehen. Die politische Aufklärungsarbeit unter den jüdischen Massen muß weitergehen. Au§ der zionfefisdien Organisation« Verband demokratischer Zionisten Oesterreichs. Der Verband demokratischer Zionisten Oesterreichs hat beschlossen, aus dem Verbände radikaler Zionisten auszutreten. Seit der Lemberger Tagung der radikalen Zionisten im Sommer 1930, welche in ihren Beschlüssen der Haltung des Verbandes demokratischer Zionisten Oesterreichs gegenüber der Politik der derzeitigen Zionistischen Exekutive volle Rechnung trug, haben sich Abweichungen von der dort bestimmten politischen Richtlinie ergeben, für welche der Verband demokratischer Zionisten die Mitverantwortung nicht tragen kann. Zuletzt hat der Umstand, daß die Gesinnungsgenossen Dr. N. Goldmann und Dr. M. Soloweitschik als Vertreter der radikalen Zionisten in die neugebildete, der Exekutive beigeordneten politischen Kommission eingetreten sind, die oben erwähnte Richtungsänderung deutlich zum Ausdrucke gebracht. Der Verband demokratischer Zionisten erblickt in diesem. Schritte die Teilnahme an der Verantwortung für eine Politik, -welche Sich als für den Zionismus kata- : ........ strophal erwiesen" hat und von der Lemberger Tagung aufs schärfste ." abgelehnt Wurde.- Nachdem^ ein ' Schrift- - Qeflr. 1800 Gegr. 1800 Allgemeine Versicherungs-Gesellschaft HON IX" (ZusammensrfilQB von „Phönix", Jener o. „Providentia") Gegr. 1860 1881 1898 Direktion und General Repräsentanz: Wien, IX., Otto Wagnerpl. 5/ Alserpl. 3 Telephon: B-43-S-80 Serie Uebernahme sämtlicher Schadenversicherungen zu den kulantesten Bedingungen und Prämien if*illMft1^ni1it«i«lll^MI^ Los des Bauernstandes gebessert wurde. Gewiß sollen diese bedeutsamen Neuerungen nicht geschmälert werden — freilich sind es die Staatsmänner gewesen, die. die Kaiserin zur Abschaffung dieser kulturwidrigen Mißstände bewogen haben, vor allem die aufklärende Tätigkeit des Rechtsgelehrten Son nenf eis, der, wie allgemein bekannt, jüdischer Abstammung ist, —• aber vom. jüdischen Gesichtspunkte aus muß der jüdische Historiker ein vernichtendes Urteil über diese Regentin fällen, denn Maria Theresia war eine der größten und gefährlichsten Judenfeindinnen ihrer Zeit. Im ersten und zweiten Schlesischen Kriege, den Friedrich II. von Preußen gegen Maria Theresia führte, hatten die Juden in Mähren und Böhmen sehr zu leiden, da man sie der gemeinsamen Sache mit dem Feinde beschuldigte, lieber „höheren Auftrag" langte am 14. März 1742 aus Brünn ein Patent herab, daß bis zum 20. März 50.000 Gulden von der Judenschaft nach Brünn einzuliefern seien, widrigenfalls „alle Juden allerorten» wo sie in Mähren anzutreffen seien, geplündert und niedergemacht würden". Nur dem bedeutsamen Einflüsse des reichen und hervorragenden Diego de Aguilar ist es zu danken, daß dieser erpresserische Beschuß nicht zur Ausführung.gelangt ist.. Dafür aber ery/irkte es die Kaiserin, daß die Jude» Prags, über. 2^000 Seelen, Ende Jänner 1745 die Stadt verlas §e.n jn.u,ßten und diesen bedauernswerten Opfern edner kujtuir- und recht fcindlidien Politik erst 1748, also drei Jahre später, nicht einer edlen Umwandlung der Kaiserin zufolge, sondern auf Betreiben der Behörden und der b öhsni s che n £ t ä nd e die Rückkehr nach Pirag gestattet wurde, freilich sollte laut Dekret vom 2. Jänner 1745 das gleich« Schicksal die Juden Mährehs treffen; aiber wieder war es der genannte edle Diego de Aguilar, dem es im Verein mit gleich-gesinnten einflußreichen Glaubensbrüdern wie auch dem Landesrabbiner Bernsen Eskelea gelang, daihinzuwirken, daß das Ausweisungsdekret zurückgenommen werde. Ganz verschont blieben jedoch die Juden Mährens, bei. dieser Gelegenheit nicht, denn um jene Zeit wurde das pharaonische Gesetz der sogenannten „F a m i 1 i a nt e n" für Böhmen und Mähren erlassen, das bis zum Jahre 1848 seine Vollkraft besaß und ein trauriges Dokument darstellte. Dieses Ausnahmsgesetz, man könnte es einen erweiterten Numerus clausus nennen, bestimmte, daß es z. B. in Mähren nicht mehr als 5106 jüdische Familien geben durfte, später 178? wurde die "Zahl auf 5400 festgesetzt; es durfte daher nur der älteste Sohn einer Familie heiraten, damit die Zahl nicht er« weitert werde. Nur wenn ein Familienvater, „Familiant", ohne männliche Nachkommenschaft starb, konnte ein Jude „Familiant". werden*, man•. kann ' sich nun denken,, welche Konkurrenz um splch eine Familien-' , Rümmer entstanden ist; : ■ . So ließen sich ehelustige jüdische Brautleute-oft im gdi'mcu trauen. Eine solche Trauung nannte *nau „Bodenhochzeit". Der böhmische Ghettodichter Leopold Kompert (1822 bis 1886) schildert uns in seinen Ghettogeschichten sehr treffend solche „geheime" Hochzeiten. Die auf solche Weise getrauten Ehepaare wurden die „Emigranten" genannt. Von diesen „Emigranten", die vor dem Gesetze als illegitim galten, sagte der berühmte Prediger J. N. Mannheimer im Reichstage: „Diese Ehen sind. vor Gott, wenn auch nicht vor den Menschen geh eilig t." Ueberdies. mußten die Juden in den Sudetenländern über 300.000 Gulden an die Kaiserliche Kasse entrichten, eine drückende Steuer, die gleichfalls erst im Jahre 1848 aufgehoben wurde. So hat sich die Kaiserin Maria Theresia durch, ihre judenfeindlichen Verfügungen und einschränkenden Gesetze in der jüdischen Geschichte kein gutes Andenken bewahrt, und wir Juden der Tschechoslowakei haben anläßlich der 150. Wiederkehr ihres Todestages nur die: eine freudige Genugtuung, daß das Regime, unter dem wir gegenwärtig leben, ein ganz anderes ist, daß es nichts geerbt und übernommen hat von dem finsteren Geiste des. Theresianischen Zeitalters, sondern im Gegenteil im wohltuenden Gegensatze zu manchen Nachbarstaaten, wo man gern den judenfeindlichen Genius des Mittelalters wieder aufleben sehen möchte, allen Bürgern des - Staate« im wahrhaft demokratischem, Sinne politische und kulturelle Gleichbere c'h t i gun g gewährt,.

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