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Die neue Welt · 1930-11-28 · Heft 167 (28.11.1930) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 167 (28.11.1930)
Date
1930-11-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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SeitoC DIB NEUE WELT Na 167, 1 SIEGM. KORNMEHL aftotmmcNMAunui Zentrale IX.t Bffgtue 19, Telephon 17»3»9» o. 16»°*34 Lieferant lür Heilanstalten ^sssiiss^s^s^j^i^QsSm anter Aufsicht dei Ehrwflrdfgen Rabbtaati der Ii». <«ltuso-amefnd« Wien Autoauttotlunf k«*Uitt«a IX., iftfffgasM 11 ' XVIII.« Wlhrlniaratr. §7 i«^miiln^ttimwiDi^Riijnnmfflm(«wmifn»Mi Zelea Codreanu, Motza, lonescu, Catuneanu und einige andere antisemitische Advokaten übernommen. Als Verteidiger der angeklagten Juden haben sieh angemeldet die Advokaten Josif Forhida, Samuel Flacher. Abg. Josef Fischer, Theodor Fischer, Senichel u. a. m. Das Gericht beginnt mit dem Verhör der jüdischen Angeklagten, so daß im Gefichtssaal der Eindruck ent» steht, daß die eigentlichen Schuldigen die Juden wären. Die antisemitischen Advokaten stellen immer wieder Anträge, die zum Teil vom Gericht abge» lehnt werden. Die jüdischen Angeklagten Moise Bert« berger, Maier Ganz, Artur Herzberger, Josef Fischbein u. a. schildern, wie die hemmungslose antisemitische Pro* paganda der angeklagten Rädelsführer der Borschaer Un ruhen, insbesondere des Danila, die Atmosphäre ver» giftet und au einem unbeschreiblichen Terror gegen die Juden geführt hat» In der Nachmittägssitzung erklärte der angeklagte Agitator Constantin D a n i 1 a, etwa 8o Juden hätten sich im Hofe des Schulgebäudes versammelt, wo er mit Er» laubnis der Regierung einen Vortrag hielt, Er mußte die Hilfe zweier Gendarmen in Anspruch nehmen, um ent* fliehen -zu können. Die Juden, sägte Danila, w o Ilten mich töten. Ich bin Antisemit, ich habe den Anti* semitismus von meinen Eltern geerbt. Sein Brief an den Pfarrer Berinoe, der die Aufforderung enthielt, auf ein gegebenes Zeichen die Eisenbahn und die öffentlichen Ge» bäude zu besetzen, sei privaten Charakters und decke sich nicht mit den Intentionen der Legion Erzengel Michael. Der Geistliche Berinoe gab zu, gegen die Juden agitiert zu haben, leugnete aber, die* Menge aufgefordert zu habeh, den Juden Hirsch in den Fluß zu werfen. — Der Geistliche Dumitrescu sagte aus, die Juden hielten Bomben und Waffen versteckt, um ihn zu töten. Beweise hieiür habe er freilich nicht. Am a. Verhandlungstag wurden die Angeklagten verhört, die beschuldigt sind, die Gendarmen angegriffen zu haben. Der Fuhrmann Petre Timis bestreitet, Danila Angaben über die Juden geliefert zu haben. Er habe ein Protokoll mit seinem Geständnis unterzeichnet, weil man ihn dazu gezwungen habe. Eine Reihe Borschaer, Bauern bestreitet, an dem Angriff auf die Juden teilgenommen zu haben. Johann Petheu gibt zu, den . Ordonanzdienst zwischen den Antisemitenführern versehen zu haben, er sei mehrmals mit Briefen zwischen Borschs und Dorna Vatra unterwegs gewesen. * Am 3. .Prozeßtag wurden insgesamt 36 Zeugen ein« vernommen. Die. Verhandlung drehte sich insbesondere um die Frage, ob in Borscha die Juden oder die Anti» semiten.Ujir.uhen provoziert haben. Der frühere Bürgermeister von Borscha, Mihail J o n, der den Anti* semiten; nahesteht, erzählte, daß 30 Juden in das Bürger» meisteramt gekommen waren und verlangt hatten, daß der angekündigte Vortrag Danilas verboten werde. Auf die Frage des Vorsitzenden, warum denn die Juden, die sich angeblich so herausfordernd benommen haben, am 7. und 8. Mai aus Borscha geflüchtet waren, wußte der Zeuge nichts, zu erwidern. Der Zeuge behauptete auch, nicht zu wissen, daß Danila die Bevölkerung gegen die Juden aufgehetzt habe. Dagegen erklärte er, er habe von den Juden öfters schlechte Worte gehört. Der Lehrer Vasile Petrovai schilderte als Zeuge, wie mehrere Juden in das Schulgebäude eingedrungen waren, und Danila gehindert haben, seinen Vortrag zu beenden. Sie hätten gerufen: „Wir gestatten nicht, daß man rumänisch spricht." Die Juden, sagte der Zeuge, seien alle sehr reich, sie wuchern die rumäni« sehe Bevölkerung aus und nehmen 100 Prozent Zinsen, 400 Juden hätten eine Demonstration gegen Danila veran« staltet. Die Pfarrer Berindei und Dumitrescu haben sich in der Kirche von Poiana verbarrikadieren müssen, weil sie von den Juden bedroht wurden. Der Gendarmeriepostenchef von Borscha, Gheorghe Ilea, sagte aus, daß vor dem 7. Mai, dem Tage, an wel« chem Danila nach Borscha käm, Juden und Christen in Borscha in äußerst guten Beziehungen zu einander ge» lebt haben. Nach dem 7. Mai haben sich die Beziehungen sehr verschlechtert. Der 63jährige Borschaer Bauer Gheorghe Sfetcu protestierte gegen die Behauptung der antisemitischen Verteidiger, daß er von den Juden bestochen worden sei. Ich will nur die Wahrheit tagen, rief er; ' die Juden und die Rumänen von Borscha lebten stets in bestem Einvernehmen miteinander. Nachdem Danila in die Gemeinde kam, haben sich die Beziehungen verschlechtert. Der Gendarm Udreanu sagte aus, die Bauern wollten den jüdischen Notar von Borscha ent» fernen, und am 5. Mai sei eine Gruppe Juden von Bauern verprügelt; worden. Der Zeuge Notar Petrovai widerruft seine in der Voruntersuchung gemachte Aussage, daß er 1 , gehört habe, wie Bauern die Niederbrennung von Borscha besprochen hatten. Der Zeuge erklärt, das Protokoll seiner Einvernahme sei ihm vor der Unterzeichnung nicht vorgelesen worden. Dann wird der Zeuge Juda Kersch Stein einver« nommen. Zeuge, ein oojkhriger Mann, war der erste Jude der gezwungen wurde, um Mitternacht ein kaltes Bad im VischeubFluß zu nehmen. Zeuge erzählt: „In der Nacht auf den 5. Mai klopfte es plötzlich stürmisch an die Türe meiner Wohnung. Ich erwachte und ging zur Türe, um nachzusehen, was los sei. Ich sah, daß in einem Wagen sich die Pfarrer Befinde und Dumitrescu sowie noch einige Gesellen befanden. Diese drangen mit Gewalt in meine Wohnung ein und he» fahlen mir, im Nachthemd auf die Straße zu gehen. Pfarrer Berinde zog einen Revolver aus der Tasche und drohte, daß, im Falle ich seinen Anordnungen nicht nachkomme, er mich sofort erschießen werde. Mit vorge» halten em Revolver wurde ich bis zum Ufer des Vischeu getrieben. Dort angekommen, befahl man mir, ins eiskalte Wasser zu steigen. Ich mußte diesem Befehle Folge leisten. Nach dem Bade ließ man mich frei mit den Worten: Laufe ins Dorf und tage den Juden, daß sie von hier verschwinden!" Der Zeuge Salomon Chaim Stein erzählt, wie er Von Dänila gezwungen wurde, gleichfalls ein Bad im Vischeuh-Fluß zu nehmen. „Du m ußt getauft wer» den, dreckiger Jud'l" mit diesen Worten wurde er Von Dänila ins Wasser gqstoßen und gezwungen, Zweimal unterzutauchen. Hernach wurde er mit einigen Fußstößen freigelassen, wobei ihm die Worte nachgerufen wurden: „Pack' deine Sachen und fahr nach Palä» sti na!" Die Zeugen Jüda Hersch Stein und Salomon Chaim Stein werden mit den-'Pfarrern Berinde Und Dumitrescu konfrontiert. Die Pfarrer leugnen die erzählten Vorfälle glattweg ab. In der Nachmittagsverhandlung wird der Zeuge Andercu Alexandru Cuza verhört. Dies ist ein alter Bauer, der schon seit vielen Jahren in der Gemeinde Borscha ansässig ist. Zeuge erzählt, daß in den letzten Jahren die rumänische Bevölkerung von Borscha sich in einer sehr schlechten Lage befunden hat. Die Bevölkerung lebte nur von Darlehen, für welche man Wucherzinsen von 40 bis 50 Prozent zahlte. Vors,: Gibt es dort auch christliche Wucherer? Zeuge: Wahrscheinlich. Der Präfekt selbst, Dr. Juga, ist in einen derartigen Prozeß verwickelt. Im Verlaufe seiner weiteren Aussagen erzählt Zeuge, daß früher die Juden mit den Christen in dieser Gemeinde in bestem Einvernehmen gelebt haben. Im Jahre 1848 habe es .in dieser Gemeinde bloß 6 jüdische Familien gegeben! Und nun beträgt die Zahl der jüdischen Einwohner von»Borscha- 3300« Seelen. :'• ■ ■' "■■ *)'• : j ■- \n per Komödie Schlttfi! Bukarest, 25. November. Früher, als erwartet (man rechnete ursprünglich mit einer zweiwöchigen Prozeßdauer), hat das Gericht in Satu-Mare (Szatmar), im Prozeß gegen die Rädelsführer und Mitbeteiligten in dem anti jüdischen Terror und in den Exzessen von Borscha, die sich vor der Niedcrbrennungdieser Stadt durch die Antisemiten begeben hatten, gesprochen. Sämtliche der Aufhetzung gegen Juden, der Terrorakte und derMißhandlungen von Juden Angeklagten, unter ibnei) auch die Haupträdelsführer, die Geistlichen Berindei und Dumitrescu, wurden freigesprochen. Einzig der Agitator Danila, mit dessen Ankunft in Borscha die Terrorperio.de begann, wurde zu einer Geldstrafe von 5000 Lei (etwa 125 Mark) Verurteilt. Auch die angeklagten 17 jüdischen Bürger aus Borscha, die gegen die Abhaltung einer antisemitischen Versammlung in der städtischen Volksschule protestierten; und die der Störung einer von Danila einberufenen Versamluiig beschuldigt wurden, wurden freigesprochen. i « 1 ■ . »■ , . . Der Ritualprozeß in Karpathorußlaud abermals vertagt. Prag, 23. November. In dem Prozeß vor dem Bezirksgericht in Nagybereczna gegen die jüdischen Hausierer Moritz Steinberger und Markus l i e b e r m a n n aus Kaschau, die beschuldigt werden, zwei Kindern der Gemeinde Simera Blut aus den Hunden abgezapft zu haben, wurden abermals die. neunjährige Helene Bogdan und der elfjährige Wasil Costa vernommen* Sie leierten ihre Aussage wie eingelernt herunter und erzählten, zwei Juden hätten sie in ein Gebüsch geführt, ihnen Schnitte am Handgelenk beigebracht und Blut abgezapft. Bei der weiteren Linvernahtiie verstrickte sieh Costa und erklärte Pension .Aiistria' Kinderheim Vttslau (OfcaAKAOtSCM) jaeewwyftra— ia - Totapn«« Ui Für Dauer- und Erholungsaufenthalt Hiv Unterricht int Haute, auch Nachhilfe tur öffentliche Schulen besuchende Kinder. Pädagogisch einwandfreie Leitung durch staatlich geprüfte Lehrerin ■ Erstklassige Verköstlgung. Mütterliche Pflege. « Mltlf« Prall« gIMMII I Union def Zioröaten-R«irtatonitten Oesterreichs j g ———- a | Montag» den 1. Dezember 1930, 7,9 Uhr abends, j | im Cafe Arkaden, I., Universitätsstraße 3 (Souterrain) 3 {Vortrag! f Dr. Leo Koppel { .Bedingter nnd nnbedlnster Zionismus* f 1 Gäste willkommen I schließlich, er habe sich die Verletzung an der Hand beim Spielen mit einer Glasscherbe selbst zugefügt. Auch Helene Bogdan spreche nicht die Wahrheit, sie habe sich an einem Dorn verletzt. Die Bogdan gestand schließlich, daß Costa die Wahrheit sagt. Der Gendarmeriewachtmeistcr Machotka sagte aus, die Anzeige über die Blutabzapfung habe die Lehrerin Aranka Szöke erstattet. Nachdem Staatsanwalt und Verteidiger die Ladung weiterer Zeugen beantragten, wurde der Prozeß auf unbestimmte Zeit vertagt. Neun Listen für die jüdischen Gemeindewahlen in Berlin. Berlin, 21. November. Für die am 50. November stattfindenden jüdischen Gemeindewahlen wurden bis zum Stichtage bei der Hauptwahlleitung außer den Listen der Parteien, die sich schon bisher an den Gemeindewahlen beteiligt hatten, nämlich des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde, der Jüdischen Volkspartei, der ReligiÖsen Mittelpartei, der Konservativen und der P o a 1 e Z i o n, noch folgende Listen eingereicht: Positive Liberaljüdische Vereinigung, Überparteiliche Vereinigung, Deutsche Liste und noch eine Liste, über deren Authenzität eine Entscheidung noch nicht getroffen ist. Hakenkreuzler-Demonstration gegen das Habimai Gastspiel in Würzburg. München, 24. November. Das hebräische Theater Habima, das gegenwärtig im Würzburger Stadttheater ein Gastspiel gibt, war das Ziel von Angriffen der Würzburger Nationalsozialisten, die in Flugzetteln gegen das Gastspiel agitierten und abends vor Beginn der ersten Habima-Vorstellung den Eingang zum Theater blockierten und die Besucher beschimpften und bedrohten. Mehrere, hundert Hakenkreuzler beteiligten sich an dem Skandal in der Umgebung des Theaters. Schließlich säuberte die Polizei die zum Theater führenden Straßen und die Vorstellung konnte, wenn auch verspätet, beginnen. Aus Rußland« Wieder schärfere Verfolgung der Zionismen. < Die verbannten Zionisten hungern. — Flucht der Juden aus Biro-Bidschan. — Der Berliner Lügendienst. Die in Palästina weilende Delegation der russisch* zionistischen Arbeitspartei „Hitachduth" gibt bekannt: In letzter Zeit ging wieder eine Welle von Verhafa tungen über die politischen Verbannten. Es sind viele Zionisten verhaftet worden.. Die Behörden versuchen, die Verbannten möglichst lange unter dem Drucke der G.P.U. (Politische Polizei) zu halten. Zu diesem Zweck erfindet die G.P.U. immer neue „Verbrechen" der Ver* bannten, damit diese nach Ablauf der Verbannungsfrist nicht befreit werden. Erfahrungsgemäß werden die meisten Verbannten, die unter einem solchen Vorwand wieder ver* haftet werden, zu erneuten Verbannungen oder zu Ge* fängnisstrafen im „Politisolator (Gefängnis für politische Sträflinge) verurteilt. — Anfang September fanden derartige Verhaftungen in Samarkand, in den zentralasiatischen und nordrussischen Verbannungsorten statt. Es wurden Zionisten, Sozialdemokraten, Sozialrevolutionäre u. a. verhaftet. Am 19. August fanden in Woronesch Haus» suchungen bei allen 27 Zionisten des Ortes statt. 19 Zio* nisten wurden verhaftet. Aus Käsakstan, wohin die kranken politischen Sträflinge zur Erholung geschickt werden, wird berichtet: Hier befinden sich zurzeit drei Zionisten, darunter ein 18jahriges Mädchen, das in der Schule verhaftet wurde. Die Verbannten müssen sich t H g 1 i c h bei der G. P. U. inelden. Auch das Mädchen, das schwer krank ist, muß sich mit Anspannung der letzten Kräfte täglich in das G.P.U.*Büro schleppen, Die Aerzte wollen ihr kein Krankheitszeugnis ausstellen, weil die G.P.U. es nicht gerne sieht,1 daß die Aerzte den Ver» bannten gegenüber menschlich handeln. Aus Krasnojarsk (Sibirien) wird berichtet: Hier waren drei verbannte Zionistinnen zur schwersten Arbeit gezwungen. Sie mußten große Strecken weit mit iloßen Händen schwere Holzbalken schleppen. 3er Weg zum Arbeitsplatz und zurüok dauert vier Stunden. Der Arbeitsplatz befindet sich auf einer Insel im Fluß Jenissej. . .. Aus Kursk wird berichtet: 50 Prozent' der Zioni* sten, die nach Ablauf ihrer Verbennungsfrist hier unter

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