Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 167 (28.11.1930)
- Date
- 1930-11-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile DIE NEUE WELT Nr. m P TELBpHO.N U3#-3*69 ELZHAÜS GEBRÜDER BRAININ WIEN I. BUJERnMAUKT 2 a stig fundierteste Rede war 2weifeillös die von Herbert Samuel, die j ü d i s c h e s E m p* finden mit s t a a t s m ä n n i s c h e in G e i:s tj v e r* b a n d." / Während die Akte des Schauspiels' äuf der Paria* mentsbühne abrollten, Vorhang auf ~ Vorhäng zu, saß auf der Zuschauertribüne ein Mann, der schließlich auch in gewissen Beziehungen zu den besprochenen Dingen steht. Sie lobten ihn alle und machten ihm Komplimente. Alle. Ausnahmslos. Besonders Amery und Samuel, nicht zu vergessen an MacDonald, den Hausherrn, der dem Gast, als er dessen Namen aussprach, einen freundlichen Blick nach oben zukommen ließ. Sie waren alle mit dem Gast zufrieden, alle. Hat er es ihnen doch in den zehn Jahren seiner Praxis leicht gemacht, das Zerstörungswerk zu üben. „Das Weißbuch bleibt in Kraft", rief Shiels am Schluß der Debatt.e, deren Ergebnis resü* mierend, fest aus. Vor Mitternacht. Und am nächsten Morgen schon sah man Weizmann und seine Freunde im Namen der Agency an einem runden Tisch mit den Herren des Weißbuches verhandeln. Man verhandelt noch immer. Man wird vielleicht noch lange verhandeln. Das Weißbuch steht und die Agency verhandelt. Gelegentlich der Betrachtung über die Ergebnisse der A.sC.fSitzung in London berichteten wir über die Absicht, den Zionistenkongreß für v den Februar einzuberufen. Das Chaos ist da und das Spiel noch immer nicht zu Ende. Durch den zionistischen Blätterwald schwirren Gerüchte, mit der Tendenz, die für das Chaos Verantwortlichen noch weiter an der Ober* fläche zu halten. Das Weißbuch steht, die Agency verhandelt, der Kämpf um den Kongreß beginnt. * Amery für den loyalen Weizmann. Aus der am 17. November begonnenen Palästina- Debatte im englischen Unterhaus haben wir in der vorigen Nummer die Rede Lloyd Georges, die die; Debatte eröffnete, sowie die Antworten' des Unterstaatssekretärs für Kolonien Dr* S h i &l s und MacDonaldsv; in* -rhieri>" Grundzügen wiedergegeben. Unserem diesbezüglichen Londoner Brief schließen wir nunmehr den weiteren Be* rieht an: Nach Dr. Shiels und vor MacDonald ergriff der ehemalige Kolonienminister der konservativen Regierung, Amery, das Wort und führte aus: „Wir begrüßen die gegebenen Zusicherungen, daß keine -Absicht".besteht, in der vollständigen Ausführung^ des Mandats in;der Richtung zurückzuweichen, daß die; Entwicklung -des jüdischen Nationalheims in seiner; gegenwärtigen Form kristallisiert wird. Ge* wiß, wir haben beiden Teilen der Bevölkerung Palästinas qne faire und eine große Chance zu bieten. In dem' Weißbuch von 1922 wurde der Welt erklärt, daß wir nicht das Mandat annehmen mit der Perspektive, einen nationalen jüdischen Staat;in Palästina auf .Rechnung der Araber aufzurichten*.Wonach wir.An jenem Weißbuch strebten, war, daß wir Arabern und Juden die Möglichkeit zu geben wünschten, in jenem Lande im wahrsten Sinne des Wortes ihr National« heim zu entwickeln. Unter diesem Gesichtspunkt waren wir verpflichtet, darauf zu bestehen, daß die Entwicklung des jüdischen Nationalheims in Palästina auf einem Recht beruhte und daß dieses Recht nicht der Entscheidung eines widerstreitenden arabischen Nationalheims anheim* gegeben würde. Diese Interpretation war zweifellos unbefrie* digend für die extreme Gruppe der Zio« nisten. Die Zionistische Exekutive unter der Führung Dr. Weizmanns akzeptierte sie mit unbeirrter Loyalität. Ich habe immer gefunden, daß Weizmann, obgleich er ein begeisterter Enthusiast der Sache, der er sein Leben hingegeben hat, ist, Vernunftgründen zu* gänglich war, daß er bereit war, die Schwierigkeiten der britischen Regierung anzuerkennen und die außer« ordentliche Unpopularität auf sich zu nehmen, die ihm manchmal dann bei den Verhandlungen mit seinen eigenen Leuten begegnete." Amery schildert die Entwicklung in Palästina in den Jahren, in denen er das Amt eines Kolonienministers bekleidete, und fährt dann fort: I Sir John Hope Simpsons Bericht ist zu einer Zeit erschienen, in der die Landwirtschaft der ganzen Welt unter einer schweren Depression leidet, und das Bild, das er von der Lage des arabischen Land* bebauers in der jetzigen Zeit gibt, konnte nur pessi« mistisch sein und seinem Bericht einen gewissen negativen Charakter verleihen." \mery analysiert eingehend Simpson »Bericht , und Weißbuch, unterzieht beide Dokumente einer Kritik und fährt dann fort: „Nach der Meinung hoher juristischer Autoritäten, wie Lord Hailsham und Sir John Simon, bestsht die Frage, ob nicht das Weißbuch Dinge enthält, die in direktem Widerspruch mit ausdrücklichen Bestimmungen des Mandats stehen. Dem sei, wie es mag. Zweifellos war der Eindruck, der im Gehirn der gewöhnlichen Leser, Araber oder Juden oder Eng« länder daheim, hervorgerufen wurde, daß die ganze Aus« führung des Mandats für eine unbestimmte Zeit von Jahren kristallisiert würde in dem Stadium jüdischer Entwicklung, die auf dem von den Juden bereits erworbenen Boden stattfinden könnte, und daß die jüdische Einwan« derung streng sq lange, unterbrochen werden sollte, wie ein einzelner Araber ohne Arbeit sei. Kein Wunder, daß ein Aufschrei durch die ganze Welt .ging! Wir können von Passfield kaum erwarten, eine revi* dierte Ausgabe d es. W e i ß b uc h e s unter Auf* hebung der früheren Ausgaben herauszu« bringen; aber auffjeden Fall können wir um vollste und klarste Erklärung unter seiner, Autorität wie unter der des Vertreters des Colonial Office bitten, daß kein Abweichen beabsichtigt wird von der so viele Jahre mit solchem Erfolg betriebenen Politik und daßj wenn der . J fatale Fehler gemacht wurde, nicht alle betroffenen In* stanzen vorher zu befragen, dieser Fehler, wie es der Unterstaatssekretär angedeutet hat, beseitigt wird." Herbert Samuel. Nach MacDonald sprach Sir Herbert Samuel. Er führte ungefähr aus: Es ist zu begrüßen, daß die Vertreter der Regierung sich entschieden zu dem' Mandat bekannt haben, aber das Gesagte ändert wertig an der geschaffenen Situation. Die Balfour»Deklaration hat zwei Teile. Wenn die Bestimmung bezüglich der Wahrung der Interessen der n i c h t j ü d i s c h e n Teile der Be# .völkerung im Mandat nicht enthalten wäre, wäre es dennoch unabweislich gewesen, sie bei der Verwaltung Palästinas zu beachten. Würde es darum gehen, die 600.000 Entschließe dich: Soll alles Glück dir sprossen, So nimm uns an zu deinem Weggenossen. . Wir öffnen deinen Sinn fürs Schöne und fürs Hehre, Denn wir sind die guten, sind die HubersLiköre. Araber aus ihrer Heimat zuvertreiben, um Platz für das jüdische Nationalheim zu schaffen, oder aber die Araber einem anderen;.-Vpike' ^politisch, zu,/ ''unterwerfen, ihre heiligen' Stätten dem Einfluß "anderer zu unterstellen, oder .; V ••'/... . ,,y . •.. - . .. \. .••. ■ ähnlichem, dann Vf'&it die Politik durchaus'falsch. Aber ■f ■■ - ' '• , ' '■"*).. v t "' "v -J ■•' k-'' diese 'Politik wurde niemals; beäbsiclitiglv Die' Jüden* haben selbst jaj?r£ünde|ä^ang - unt^jpljJ^erdrüQkung gelitten und es wäre unfaßbar, wenn sie ,:aus.-dieser Unterdrückung ^njichis*'. «ncteteV. 'g$&rV( ^hatlef^' 'ats wie i&an sie-'ausübt. Bedeutet die Anwesenheit einer Bevölkerung von 600.000, daß kein Platz für" das' Jüdische ' Kationalheim ist? Bei geeigneter 1 a n d wir t s c Haft1 i c "h e r und i n d u* strieller Entwicklung, kann Palästina in naher Zukunft ein-e Bevölkerung von zwei Millionen erhalten und es besteht kein Grund, zu bezweifeln, daß das Land in etwa einer Generation viel* ' jleichl; d? e i M i 11 i o n e n .erhalten kann. Wenn das Jü* .dische Volk ein; Nationalheim,, in Palästina wieder,/auf* Mbauenv, will, so: geschieht dt*s nicht aus. einem unklaren Gefühl, alten Glanz wieder herzustellen, noch beruht es auf bloßen p o 1 i t i s c h e n oder ökonomischen, Motiven, sondern es soll bin Antri-eib f ür geistige und r e 1 i g i ö s e K r ä f t e sein, die lange Zeit teilweise brach lagen, aber nicht;tot sind. Sicherlich haben/diese Ideen niemals einen bedeutenderen Führe^a-ls ßjr. We i z_m an n. e, r frü\ 111. Als ich das. Weißbuch;» mit dem 2>impson*Bericht verglich, hatte ich deii Eindrück, daß jemand den Auftrag1 örhielt, aus dem Simpsört*Bericht! alle Stellen herauszufischen, die eine S t e 11 u n g.nahm e gegen die jüdische Kolonisation ermög* liehen. Die Regierung hat gesagt, sie wolle das Mandat aufrechterhalten und das jüdische Volk solle seihe Kolo» nisationsarbeit fortsetzen. Aber das- Weißbuch, besagt im Effekt, daß dies an zwei Bedingungen gebunden sein soll. Gelehrte Beamte Arbeiter Künstler sind sich einig darüber, daß erfolgreiche Arbeit nur bei bestem Kräftezu8tand, mit ruhigen Nerven und, in guter Stimmung zustande kommen kann. Zur Kräftigung und Erfrischung aes Korpers, zur Gesunderhaltung der Organe, zur Bekämpfung von Mattigkeitsgefühlen gibt es ein zuverlässiges Mittel: FRANZBRANNTWEIN mit M«nthol Anwendung: Auftirilsh zu Einreibungen, Umschlägen, Abwaschungen; inn«r<t«h als Mund« und uufgelwasser sowie zu verschiedenen anderen Zwecken, - SsltJairx nnt^hoekannt und entmannt »J« mawl.» it»f0r<.«riib«s Hau«mlt<sl. * Diana Franzbranntwein •oll In kalnem Haushalt tahlen» Verlangen Sie ausdrücklich D> ANA und nehmen 61« nur DIANA. Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuw#ieen. Ja jedem besseren Oeschlft erhältlichT Szunla Passwej Josef Nierenstein Zahnarzt, Antwerpen Wien empf bhlen sich als Verlobte Erstens sollen sie keinen Boden mehr bekommen, und zweitens keine Menschen mehr hereinbringen. Wenn man sich an das Weißbuch hält, muß dies zwei Konsequenzen haben. Die erste wäre eine schwere Entmutigung der ganzen zionistischen Bewegung, die andere ein Aufhören der jüdischen Einwanderung. Das Schlimmste an den jetzigen Aenderungen liegt darin, daß man in Palästina und anderen Landern auf den Gedanken kommen kann, Massakers seien ein Mittel, um Konzessionen durchzusetzen. Ich bin über* zeugt> daß die zwei Zwecke der Balfour*Deklaration, das jüdische Nationalheim und der Schutz der arabischen Rechte, nicht unvereinbar sind. Die Regierung muß eine Politik des Gleichgewichtes treiben, aber nicht eine Politik des Schwankens. Freunde und Gegner. Nach Herbert Samuel sprach Col. Howard Bury, der bekannte konservative Antizionist, der Passfield lobte und das Weißbuch mutig und unparteiisch nannte. Bury zitierte Artikel des „Jewish Chronicle", aus denen die Forderung der Juden nach einem jüdischen Staat in Pälä* stina hervorgehe, was die Araber in berechtigte Empörung versetze. Herbert Samuel (dazwischenrufend): Der „Je« wish Chronicle" vertritt niemand außer seinen Herausgeber. Harry S n e 11, Mitglied der Shaw*Kommission, in deren Bericht er ein sogenanntes prozionistisches Minder« heitsvotum abgab, lobt den Brith Schalom und tritt für ein binationales Staatswesen in Palästina ein. Hopkin Morris, das liberale Mitglied der Shaw* Kommission, verteidigt ebenfalls das Weißbuch und meint: Die Zionisten haben ganz recht, wenn sie der britischen Regierung Betrug vorwerfen. Denn 1917 wurden sie wirklich zu dem Glauben verleitet, man wolle in Palästina einen Judenstaat gründen. Dieser Vorwurf trifft nicht Lord Balfour, der sich stets sehr vor* sichtig ausgedrückt hat, aber z. B. Churchill und auch Sir.Herbert Samuel sprachen noch 1919 und 1920 über einen Judenstaat. Die Araber wehrten sich gegen dieses Projekt und 1922 wurde das bekannte Weißbuch erlassen, das zum erstenmal den Gedanken des Judenstaates in klaren Worten ablehnt. Wenn also ein Betrug seitens der Regierung vorliegt, d a n.n w u r d e e r 19 2 2 b e g a n g e n, Coöks (Arbeiterpartei) zitiert einen Artikel der englischen Ausgabe des „Dawar" vom 5. November, -die allen Parlamentsmitgliedern zugeschickt wurde, worin es heißt: „Transjordanien muß für die Ansiedlung landloser Araber und für die Ansiedlung von Juden frei* : .gegeben werden." Wer Transjordanien kennt, fügt Cooks hinzu, muß sagen, daß dies ein sehr schlechter Rat-ist. Die Regierung hat ein ausgezeichnetes Weiß* buch herausgegeben. Sir George Jones (konservativ) betont die Ver* pflichtungen der Regierung gegenüber den Juden. Der jüdischen Arbeiterorganisation kann man keinen Vorwurf machen, wenn sie für jüdische Arbeit eintritt, um den Lebensstandard des jüdischen Arbeiters aufrechtzu* erhalten. Das jüdische Geld wird in der Welt nicht ge* sammelt für die Beschäftigung von Arabern, sondern von Juden. Ich bin so optimistisch, zu glauben, daß England auch die Lösung dieses schwierigen Palästina*Problems gelingen wird. Rothschilds würdige Haltung. James de Rothschild (liberal): Durch den Zu* fall der Geburt bin ich Vorsitzender der PJCÄ, durch deren Tätigkeit vor 50 Jahren der Zionismus begann. Weißbuch und Simpson*Bericht heben hervor, daß die Kolonisten der PJCA*Kolonien in besseren Beziehungen zu den Arabern ihrer Nachbarschaft stehen als die der Nationalfondskolonien. Tatsächlich werden auch in den PJCAaKolonien fortschreitend immer mehr Juden und weniger Araber beschäftigt. Trotzdem ziehen die umwohnenden Araber Vorteil aus der jüdischen Siedlung. Es .besteht kein Grund, warum Juden und Araber nicht in guten Beziehungen sein sollten. Es gibt eine Broschüre, die erklärt, Palästina schreie geradezu nach mehr Menschen, mehr Arbeit, nach Hunderttausenden von Juden. Diese Broschüre heißt „Ein Sozialist in Palä* stina" und ihr Verfasser ist Ramsay MacDonald (Heiter* keit). Wenn dieses Weißbuch nicht nur im Wortlaut, sondern auch im Geiste aufrechterhalten bleibt, dann könne man sagen, daß den Juden die Hoffnung auf ihr Heim genommen wurde. Major Eliot (konservativ) zieht eine Parallele zwischen den Vorgängen vor 2000 Jahren und heute und weist an Hand des Buches Esra nach, daß das jüdische Volk auch damals schon die gleichen Schwierigkeiten zu überwinden hatte und siegte. Es werde auch d i e s e s Weißbuch überdauern. SchluBwort der Regierung. .Marineminister Alexander, der das Schlußwort für die Regierung hatte, führt aus: Wenn man alle vor*