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Die neue Welt · 1930-11-28 · Heft 167 (28.11.1930) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 167 (28.11.1930)
Date
1930-11-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 35 Gro*«h*^ 18« Jh:. K V«b> bi öEZUGSBEDlNGUNGErN Oesterreich monatlich S 1.50, - Mfc mmm mm M M mW§ BEZUGSBEülNOUNÜtiN Deutschland monatlich vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—, Polen monatlich MW II ■ ■ Mark L— vierteljährig Mark 3.-, Bulgarien monat- Zloty 2.-. vierteljährig Zloty 6.- Tschechoslowakei Bk BP WM I I Hch Lewa 40.-, vierteljährig Lewa 1.20 /Italien monatlich Kc. 6.-, vierteljahrig Kc 15 —; Jusommm. mW mh—J mWH monatlich Lire 5.-, vierteljährig Lire 14.- Schweix slawieii monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.- : .. ■ ■• .___TT Ä _ TTÄ _ ~ ZTT~. r* . ~ #, ~ und dle Übrigen Länder monatlich Schweizer Rumänien monatlich Lei 40.- vierteljährig Lei 120.-. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Francs 4.5P. Redaktion and Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: B-48-504 — Erscheint reden Freitag Jahrgang 4 Freitag, den 28. November 1930 Nr. 167 zur CHANUKA-FEIER KAUFET PRACHTVOLLE HALSTÜCHER SEIDE NUR BEI BREIT WIEN I, HERRENGASSE 2 (ECKE MICHAELERPL.) QUALITÄTSWAREN ZU FABRIKPREIS! N CHAN U K A - O K K A S I O N Und Judenstaat. Zu den Verhandlungen Prof. Weizmanns . mit der englischen Regierung. Im Gegensatze zu den Meinungen und Beschlüssen der wichtigsten zionistischen Körperschaften, welche dahin gingen, jede Verhandlung mit der englischen Regierung abzulehnen, solange das berüchtigte „Weißbuch" bestehen bleibt, sind Dr. Weizmann und einige Vertreter der erweiterten Jewish Agency in solche Verhandlungen getreten. Ueber den Verlauf dieser „vertraulichen" Beratungen gibt die Jüdische Telegraphenagentur (J. T. A.) folgenden Bericht aus „zuverlässiger Quelle". Nachdem die J. T. A. die ihr als Nachrichtenstelle gebotene Objektivität in letzter Zeit nicht einhält und tendenziös für die Weizraann- Ricfttung arbeitet, seien ihre diesbezüglichen, nicht kontrolliCTb*ren^KNach«eh^ gegeben.1 ■ , V. .- "/ * '; . ' .. . ' London, 2(. November. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur aus zuverlässiger Quelle erfährt, ist das Zustandekommen der Konferenz zwischen Regierung und Jewish Agency auf die p e r s ö n 1 i c h e Intervention des Ministerpräsidenten Ramsay MacDonald zurückzuführen. Hätte MacDonald nicht eine persönliche Einladung an Weizmann gerichtet, in der er ihn ersuchte, „das Weißbuch einen Augenblick beiseite zu lassen und die Situation praktisch zu betrachten", so hätte sich die Jewish Agency niemals zu.Verhandlungen vor Zurückziehung des Weißbuches bereit erklärt. Die erste Beratung hat bereits am Tage der Parla.imentsdeb'ätte über Palästina am Montag, den 17. November stattgefunden. Den Vorsitz führte Außenminister Arthur H e ü d e r s o n,; die anderen Vertreter der Regierung waren Kolonienminister Lord Pas sf i e.l d und Marineminister Alexander. Für die Jewish Agency waren Dr. Weizmann, d'Avigdor Goldsmid, Prof. Brodetsky und Harry Sacher erschienen. Die Beratungen fanden unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt. Dienstag, den 18. November, morgens, wurde die Konferenz fortgesetzt. Auf Grund eines Beschlusses der. Politische n Kommission der Jewish Agency hat Weizmann in der Konferenz zunächst keine positiven Forderungen ausgesprochen, sondern, einen allgemeinen. Ueberblick über die im Weißbuch zum Ausdruck gebrachten Ungerechtigkeiten gegeben. Der. Bericht über die zwei-, eihhalbstündige Rede Weizmarins ist den Konferenzteilnehmern als vertrauliches Dokument zugegangen. Es verlautet, Weizmann habe , scharf pointiert ausgeführt, die Behauptung, mit der Balfour-Dekla-. ration sei den Juden Palästina als jüdisches .. Nationalheim, nicht aber als Judenstaat versprochen worden, entbehre jeder Grundlage, Es seien noch Staatsmänner am Leben, die, bezeugen könnten, ,■ daß 'die]' britische | Regierung, im, Jahre .191,7 . nichts arideres als de^ 'Judenstaat ini Sinne gehabt habe. . r. Wenn er, Weidmann,'. dieserTatsache •, bis jetzt nicht Ermahnung getan hiahe,* so" bedeute das-f riecht, daß sie bei, den, Juden in Vergessenheit geraten seL n E i n w.a n d e r u n g erklärte 'Wei Bezüglich, der, eiz- S 1 ' - •:. '■ . : i ma^nn, die . Bestimmung; der Anfzahl zuzulassender' jüdischer Einwanderer dürfe.;nicht::von .der A.r:b.eits-, 1 o s igke.it u n t e r den.Ar.ab.ern, ja nicht einmal von der A r beitsl-ös-igk. eit "unt er den J udeu abhängig gemacht werden, sondern einzig und allein von den Beschäftigungsmöglichkeiten, die den Neuankömmlingen geboten werden. Die Juden seien zwar im Jahre 1922 bereit gewesen, sich an einer gesetzgebenden Körperschaft zu beteiligen, heute aber nicht mehr. Denn im Jahre 1922 bestanden keine Beziehungen zwischen den arabischen Extremisten und der Palästina-Regierung. Seit 1922 aber sei der Einfluß des extremen arabischen Flügels auf die Palästina-Regierung, die sich seinen Forderungen stets gefügig gezeigt und ihn sogar vielfach ermutigt hat, stetig gewachsen. Auch genössen die palästinensischen Regierungsbeamten, denen ein Teil der Sitze im geplanten Legislative. Council vorbehalten ist, nicht das Vertrauen des jüdischen Volkes, weil es an die Bereitschaft dieser Beamten, die Verpflichtungen des Mandates zu erfüllen, nicht zu glauben vermag. Die Antwort der Regierung auf die Darlegungen ^jl t im iimiii if i f in f if 11 Hilf f if ii ir ririiri Iii ft fiiiiiJiifitf iiiiit mm itiiif iii miiifirif im inif fiiij^. | LESE- UND REDE HALLE 1 | JÜDISCHER HOCHSCHÜLER | 1 HEUTE DONNERSTAG, 8 UHR ABENDS, SPRECHEN §' | IM .iOf EL' POST, I, FL EiSCHMARKT 24 (Eing. Oradung) 2 I LUDWIG BATO I 1 Oberbaurat ROBERT STRICKER I ig: 'Hirn i» :.S. | iuiimusmiiiiiii^ Allgemein zugänglich'{'i ^11 iFTUEtME MIIMtlllllfl TC51UIM ((Ulli tnajU!Mni(MtlIUtlUtlfnilUHI MlllllMttMIIUtf ntu ttt^ — 1—" -itei '■......: - Bei rheumatischen Schmerzen/ Kopfweh, Schmerzen in den Gelenken und Gliedern wirken Togal- Tabletten ganz hervorragend. . Absolut unschädlich. Ein Versuch überzeugt 1 — In allen Apotheken. — Preis S 2.40. Weizmanns wird für Freitag, den 21. oder Sonnabend, den 22. November erwartet. Sollte die Regierung in ihrer Antwort dem Standpunkt Weizmanns Rechnung tragen, so werden die inzwischen auf Montag, den 24. November vertagten Verhandlungen von jüdischer Seite wieder aufgenommen werden. Wenn aber die Regierung Weizmanns Standpunkt nicht oder nur ungenügend berücksichtigen sollte, so werden in diesem Falle die Verhandlungen als zwecklos betrachtet werden müssen. Es käme dann zu einem offenen Konflikt mit der englischen Regierung, der kaum beigelegt werden könnte, solange das gegenwärtige Kabinett im Amte ist. * Aus diesen Darlegungen ist zu ersehen, daß die englische Regierung ihren taktischen Erfolg erzielt hat, ohne ihrerseits auch ein positives Zugeständnis zu machen. Sie konnte unter Berufung auf die JV^handlungen die Parlamentsdebatte dämpfen. Daß Weizmann, Welcher die Judenstäatsidee zehn Jahre sy^temätisch ^bekämpft und sie vor wenigen Wochen öffentlich verdammt hat, nunmehr auf diese Idee zurückgreift :(pder zurückgreifen muß), ist für die Zerfahrenheit d«r der- ' seifigen ziohistis'chert Politik symptomatisch. Ueber diesen Gegenstand soll noch gesprochen werden.; Die Rück-;k',e h r zu He r z 1 m u ß komm en! Leider kommt sie langsam und schmerzvoll. ,; ( . Schluß der Palästina-Debatte im englischen Unterhaus« Das große Ereignis ist vorüber. Vierzehn Monate lang hatte man darauf gewartet, einen Zeitabschnitt lang, in den die arabische Revolte, der Sha\v*Bericht, Verhand* lungen der Mandatskommission im Völkerbund, Einwan* derungssperre, Simpson=Bericht, Weißbuch, zionistische Tagungen, Aktionskomifee?Sitzungen fallen, ein wildes, wirres Ringen um die Zukunft des jüdischen Volkes. Kein Tag ohne Spannung, und innere Erregung, Befürchtung, Besorgnis, Hoffnung, Neuerungsversuchc, zähes Beharren auf eingenommenen Positionen ging vorüber. Stürme von Protesten hallten durch die Welt. Das große Ereignis hatsich als ein kleines er* wiesen. Denn prüft man die Ausführungen der siebzehn Männer, die sich acht Stunden lang einem ganz großen geschichtlichen Problem, nichts Geringerem als dem Sein oder Nichtsein eines ganzen Volkes, gegenübergestellt sahen, und: wägt man Negatives und Positives dieser De* batte gegeneinander ab, so bleibt ein trüber Rest, etwas Leeres, Schales, ein bitterer Geschmack im Munde zurück. Und selbst das größte Wohlwollen, der um jeden Preis eingeschaltete Optimismus kann auch nur einen Funken von gutem Willen in der Behandlung des Problems ent* decken. Lloyd Georges Rede, wie groß und schön und gerecht sie auch war, fiel ins Leere; nicht minder die würdige Haltung James Rothschilds und einiger weniger anderer, platonischer Freunde. Dafür sorgten vor allem zwei Männer. Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelt. lieben Notizen sind 'durch ein beigefügtes. E bezeichnet." htichttcr Qualität BÄSCH. IV. ArgeWinierstraQe 22 Talaoho» Twopnon u«41*2*$7 Den einen wird die jüdische Geschichte künftiger Zeiten als einen ihrer schlechtesten, mißratensten, un* würdigsten Söhne verzeichnen. Herbert Samuel,'' der erste jüdische Oberkommissär des als Judenstaat aus* ersehenen Palästina, ist, man kann es ruhig sagen, der Totengräber der Hoffnungen auf die britische Palästina« Debatte gewesen. Sein jüdisches'Leben ist nun für alle Zeiten gekennzeichnet durch zweimal verübten Verrat. Begleitet vom Jubel eines um seine Freiheit ringenden Volkes, wurde ihm die Gnade zuteil, einen zweitausend* jährigen Traum verwirklichen. zu können. Aber statt dessen tat er alles, um seine Verwirklichung zu ver* hindern. Der Grundstein zu jenen traurigen Dokumenten, die das Weißbuch 1930 abschließt, ist das Werk seiner politischen Tätigkeit, die alle Merkmale gewollter Ten* denz an der Stirn trägt. Zum zweitenmal, am 17. No* vember, hat der Jude und „Zionist" Herbert Samuel in gefahrvoller Stunde die Ziele des Zionismus verraten. Neben Herbert Samuel, dem Juden, nimmt sich Amerys feindselige Rede immerhin noch bescheiden aus. Ariiery war Kolonienminister und hat,, beraten oder be* ratend, mit Herbert Samuels Grundprinzipien Hand iri Hand gearbeitet. Allerdings als imperialistischer Engländer und nicht als zionistischer Jude. Beide Reden, Amerys und Samuels, waren auf Brith Schalom eingestellt, getragen vom Geist der Fürsorge für die bejammernswerten Araber, gegen die „extreme n Zionisten", für die gemäßigten, die mit der vollen Brieftasche nach Palästina kommen und brav von einem religiösen und geistigen Zentrum schwärmen dürfen. . 1 ' Sie taten Shieis nicht weh. SHiels hatte f einen guten Tag. Er war ins Parlament gekommen, voll Schuldbewußt* sein,, voll Angst davor, welche Welle von Angriffen gegen ihn losplatzen werde. Und richtig: Am Nachmittag hatte Lloyd George ihn am Kragen. Vor Mitternacht; war er Herr der Situation: D a s Weißbuch bleibt! Amery und'Samuel hatten ihm geholfen. Und es blpibe. für den künftigen'jüdischen Historiker vermerkt, daß '!ein zionistisches-Blatt,' die „J ü d i s c h e ■ R u n d s c h a u'V XXXV. Jahrg., Nr. 92, Berlin, 21. November 1930,. über Herbert Samuels Rede schreibt: „Die politisch und' gei*

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