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Die neue Welt · 1930-11-21 · Heft 166 (21.11.1930) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 166 (21.11.1930)
Date
1930-11-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Dafl diese Politik der englischen Regierung verhängnisvoll ist und viele Opfer an Güt und Blut kosten: wird, steht außer Zweifel, und'zwei Bataillone Infanterie und Flugfeeuggeschwadef sind ein ungeeignetes Mittel, um eine solche heuchlerische, frivole und die Rechte des jüdischen Volkes verächtende Politik durchzuführen, um so mehr, als kein Jude den wahnsinnigen Gedanken hegt, die Politik der englischen Regierung mit Gewaltmitteln zu bekämpfen. Die Worte, die Sie, Mylord, für die Ehre und das Recht unseres Volkes gefunden haben, werden ein Echo in den Herzen der gesamten Jüdenheit, aber auch der nichtjüdischen Welt finden. Sie entsprechen dem Geiste Herzls. Das englische Volk hat uns versprochen, hiezu zu helfen. Wir sind einmütig mit Ihnen des Willens, uns dieses Versprechen nicht durch Heuchelei und Deutelei subalterner Staatsmänner verkümmern zu lassen. Wir rechnen damit, daß es unserem Führer Jabotinsky, dem tapferen Vorkämpfer einer aufrechten, mannhaften Politik, gelingen wird, gemeinsam mit anderen Führern, die das Vertrauen des Kongresses haben, die Wege zur Erfüllung der Balfour-Erklärung durch das englische Volk zu finden. Der gegenwärtige Zustand kann uns nicht entmutigen, und im Kampf für. das große Ideal, das uns vorschwebt, wollen wir alle zusammenstehen. Dies Ihnen in aller Offenheit zu sagen und Ihnen meinen Dank für Ihr mannhaftes Auftreten auszusprechen, war mir ein unwiderstehliches Bedürfnis. Mit ausgezeichneter Hochachtung Euer Lordschaft ergebenster gez. Dr. Bodenheimer. ' * Mdehett antwortet. 35, Lowndes sqare, S. W. l. 4th November, 1930. Geehrter Herr! Ich empfing Ihr Schreiben vom 29. Oktober, das ich mit großem Interesse gelesen habe and wofür ich Ihnen' sehr verbunden bin.- '• Ich lege indessen Wert darauf, festzustellen, daß ich für die Politik; die von Herrn Dr. Weismann und der zionistischen Exekutive während der letzten Jähre erfolgt ist, nicht verantwortttch bin. Ich war selbst immer der Meinung, daß sie ze wenig Nachdruck auf unsere Rechte legte und in sehr sich bemühte, eine Verständigung in erreichen. Ich hoffe, nachdem nun die' Gelegenheit zur Wahl neuer Führer gekommen ist, daß alle diejenigen, die derselben Ansicht sind wie Sie, alles tun, was Sie für richtig halten, um Vertreter, aufzustellen, die Ihre Ansichten zum Ausdruck bringen. Ich selbst habe mein Amt in der Jewish Agency hauptsächlich aus dem Grunde niedergelegt, weil ich fühle, daß die Politik der Verständigung ein absolute* Fehlschlag war und daß eine gänzlich neue Richtung der Politik erforderlich ist, durch die die Leitung der Bewegung in neue Hände gelegt wird und der Sitz der Organisation nach einem anderen Lande als England verlegt wird. Leider erlaubt es mir mein Gesundheitszustand nicht, in eine längere Auseinandersetzung über diesen Gegenstand einzutreten. Ich muß es deshalb anderen tiberlassen, an der zukünftigen Gestaltung mitzuarbeiten. Ihr aufrichtig ergebener Melche tt. ..................HllllllimilllllllH..............Ii Sorgt für die Gesundheit eurer Familie durch den Gebrauch von feinstem P£l«!i!lä - Olivenöl *]f Tin TfcttUShemen" erstklassiger Qualltat, zum Kochen, Braten, Backen und Salat, ausgiebig, nahrhaft, leicht verdaulich» erfrischt und kräftigt Glieder und Nerven. PaSästina Tolf ettesaifa fBaalil*' veredelt und verschont den ff\JCilll Tejnt. ..(armel-'Fiawtirs" schäumt stark, Ist mild, macht die Haut weich. In allen besseren Delikatessen- und Paiiümerie« geschahen erhaltlich! Repräsentant; für Oesterreich: X. RABINOWITSCH "" """W; 18 Telephon R«47»0>eo g..........i.............................WM........... Die 1500 Zertifikate* Ein politischer Trick der Arbeiterregierung. — 8ie hat Furcht vor der jüdischen Protestbewegung. — Sie zittert um das Mandat in Whitechapel. London, IT. November. Das Büro der Jewish Agency für Palästina hat ein Kommunique herausgegeben, in dem erklärt wird, dafl die Bewilligung von u n g e f ä h r 1500 Zertifikaten für die Einwanderimg jüdisdier Arbeiter nach Palästina die durch das Weißbuch gesdiaffene Lage in keiner Weise ändere. Die Bewilligung der Zertifikate könne nur als augenblicklicher Notbehelf zur B e- »chwichtigung der Erregung unter den Juden angesehen werden. * Jerusalem, 15. November. Die revisionistische Zeitung ,*Doar Ha vom" schlägt vor, die bewilligten 1500 Eiuwandererzertifikate zum Zeichen der Entschlossenheit des jüdischen Volkes, den Kampf gegen das Weißbuch bis zu seiner Zurückziehung und bis zu einer radikalen Aenderung von Politik und Verwaltung in Palästin* fortzusetzen, der englischen Regierung wieder zur Veffügung zu stellen. Das Arbeiterblatt „D a w a r" bezeichnet die Bewilligung der 1500 Zertifikate als „Nedawa" (milde Gabe), die in keiner Weise das jammervolle Sdiauspiel ändere, das die englische Regierung biete, lindem sie sich der Verantwortung für die Verletzung des Mandates zu entziehen sucht und gleichzeitig fortführt zu beteuern, dafl sie an den Bestimmungen des Mandats festhalte. „Dawar" warnt vor den möglichen Folgen endlos wiederholter Erläuterungen seitens der Regierung, die im arabischen und im jüdischen Lager nur Er- NGELEN U6 der vollendetste Radioapparat Europas! empfang aller Weltstatonen. Ueberaus y preiswert (In allen besseren Fachgeschäften fegen ellzahlung) regung her vor rufen. Das Zögern der Regierung, eine entsdilossene Erklärung herauszugeben, in der die Araber davor gewarnt werdeil', ihre Zuflucht zur Gewalt au nehmen, grenze an politisches Verbrechen. Die Verantwortung für etwaige Unruhen treffe die Regieruhgen an London und Jerusalem. „Haarez" spridit ' sich gegen die Rückgabe der 1500 Ei n wand e r e r z er tif i&a t e aus. Wir werden, schreibt das Blatt, diese Zertifikate ebensowenig ausliefern wie wir im Kriegsfall das in unserem Besitz befindliche Land ausliefern wurden. Wir setzen die Einwanderung und das Aufbauwerk fort, kämpfen aber weiter gegen diejenigen*, die die Befriedigung unserer rechtlichen Ansprüche durch Gnadengaben ersetzen möchten. Auf die 1500 neuen Einwanderer warte die Arbeit heute ebenso wie seinerzeit auf die 2350, deren Zertifikate im Mai suspendiert wurden. , ludennotl Wien, IX., Türkenstraße 9. — Zum Tode der Gisa Leicht. Vor rund dreißig Jahren konnte man fast täglich Theodor HerZl in der Türkenstraße sehen. Sein Wagen kam vom Cottage und machte vor dem Haus Nummer 9 halt: einem bürgerlich aussehenden Zinshaus, mittleren Alters, in dessen Hoftrakt an der Verbreitung der ziönisti» sehen Volksbewegung niit allen ihren Attributen ge* arbeitet Wurde. Hier gingen die'ersten Groschen für den Nationalfonds ein, hier saßen Generaloberst v. Eis, der kleine kahlköpfige Nationalfondskommandant, und Teitel« 'bäum, dessen Buchhalter; hier ging die zionistische Hoch« sohuljugend ein und aus, von hier ging ein mächtiger Gedanke in die Welt, ein Riesertproblcm, das Problem der 'Judennot. Im Haus Tüfkenstraße 9 hat eine Studentin, ein jüdisches Mädchen aus Polen, ihrem Leben ein Ende gemacht. Arm, von Sorge zermürbt, saß sie über ihren Büchern, und als ihr Vater, der sie mit ein paar Schilling unterstützen konnte, starb, war es Ihr nicht mehr möglich, das Kollegiengeld aufzubringen. Tag und Nacht studieren unter Hunger und Kälte, mit der kleinen Hoffnung einer späteren Existenz, und schließlich halt« machen müssen, weil jede Fürsorge fehlt, die der Lands« ^jji jiu+iü; i! m r ni j i; nniMi niinnuiUHfi! HMmi;; üttu: niinirn?HiUTi*Hnm«j rr ttt unwtii mnnnü rTin i rniLLu^MMn [ VORNEHME FAM1LIENPENSION | 1 vormaia Dr. GRÜN BERG 1 AM SEMMERING | MÖCHSTRASSE Nr. 43 (BEI HOTEL PANHANS» § §§ Pension von S 12.— aufw. Kaffeehaus und Tanz- I | Gelegenheit im Hause ' Besitzer: ECKSTEIN - Tel I I Semniering Mr. 11 / tllafsftntfaa Warm« u. Kall« y I waiitr in jadem Simmer i iHÜl mannschaft, der Kultusgemeinde, der sozialistischen Stadt Wien — in solcher Lage blieb der jüdischen Studentin nichts anderes übrig als eine genügende Dosis Blausäure; in einer Stadt, deren Studienanstalten zu großem Teil von jüdischem Geld erhalten werden, in einem Haus, aus Welchem der Ruf zur Lösung der Juden not ertönte! Die Unglücklichel Aber es gibt noch ein Dutzend Glücklicher, die das Koilegicngcld autbringen, nicht zu Blausäure greifen, sondern voll Optimismus studieren bzw. studieren wollen: nicht etwa Medizin, worin sie ihre arischen Kollegen konkurrenzieren, nicht etwa Jus, womit sie ihre arischen Kollegen verdrängen könnten, neinl Es handelt sich um solche, die sozusagen den für Juden durch den Gang der Geschichte legitim gemachten Beruf des Händlers anstreben — an der Hochschule für Welthandel. Auch diese Glücklicheren müssen das Problem der Judennot am eigenen Leib erfahren: sie werden von ihren arischen „Kollegen" blutig geprügelt und aus den Hörsälen hinausgejagt. Und Seine zum Hüter akademischer Moral und Ordnung bestellte und verant* wortliche Eminenz der Herr Rektor haben für die Bitte der jüdischen Studenten um Lernfreiheit nur ein Achsel« zucken. Jude, du darfst auch nicht mehr handeln! So geschehen in Wien, wo die sozialistische Mehr« heit den Juden vor den Wahlen Schutz vor Terror ver* sprochen hat, so geschehen in Wien, wo aufrechte rote Wähler diejenigen Eltern sind, deren Söhne in der soziale stischen Presse Hakennhsler genannt werden, wo auf» rechte rote Wähler diejenigen sind, die vor dreißig Jahren aus Theodor Herzls Mund in der Türkenstraße Nr. 9 die Lehre von der Judennot empfangen haben. o. x. Petroleum \n Palästinn? Berlin, .IT. November. Der Jerusalemer Korrespondent des „Berliner Tageblatt" telegraphiert seinem Blatte: Trotz strengster Geheimhaltung seitens der Regierung erfahre ich, daß eine Konzessionserteilurig für Petroleum an englische Oelinteressenten bevorsteht, die durch einen Agenten namens Sutherland vertreten sind. Das Petroleum wurde in'der'Umgehung des Toten Meeres erbohrt. Von dem Konzeseianisbewerber wurden' vorläufig 250.000 Hektar: Petroleumland erworben. f Jerusalem, 18. November. (J. T..A.) Auf eine Anfrage der Jüdisdien Telegraphen-Agentur hat die Regierung die sensationelle Nachricht, daß einer mit der Standart Oil Company in Verbindung stehenden englisdien Gruppe eine Petroleumkonzession auf ein Areal von einer halben Million Acres aan Toten Meer erteilt worden sei, dementiert. Es wurde bloß bestätigt, daß der bekannte Bergingenieur Sutberland, hinter dem ein ungenannte« englisches Syndikat steht, eine kurzfristige Erlaubnis zu Bohrveranchen auf einem Gebiet von über 100.000 Hektar zwischen dem Töten Meer und Beer Scheba erhalten hat. „D oa r Hayo m" bringt den Bericht über die Konwsaionserteiluixg ah der Spitze des Blatte« und erklärt, es handle sich hier wieder einmal um ein palästinensisches Territorium, das von Engländern erworben werde, ohne. daß jemand Bedenken wegen des Schicksals In nd 1 ö s " w erdender Fellachen lufiere. Die Araber eröffnen ihre politische Kampagne. London, 16. November. (J. T. A.) Die politische Kampagne der Araber hat am 14. November mit einer Versammlung eingesetzt, an der zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten der englischen Gesellschaft, viele Lords und eine Abteilung von F aschisteninschwarzenHem de nt eilnahmen. Als Redner traten u. a. Lord I s 1 i n g t o n, M o h a m m e d Ali, einer der Teilnehmer an der indischen Round- Table-Konferenz und der Sekretär der palästinensischarabischen Exekutive, Jamal Hu sseine, auf, Lord Illing ton schlug; e^ne Resolution vor, in der gefordert wird, daß der Artikel 22 des Völkerbundvertrages auf Palästina Anwendung finden soll. Er drückte sein Bedauern, darüber., ans,. «Jtafl Araber von ihrem Boden vertrieben, wendeni und., erklärte, er sei »war "nicht Gegner der Niederlassung einer den Vorkriegs Verhältnissen entsprechenden geringen Zahl v o n J u d e a in Palästina» bekämpfe aber eine Einwanderung großen Maßstabes, durch die der Jewish 'Agency ein größerer Einfluß auf die Verwaltung Palästinas eingeräumt würde als dem Völkerbund, der Mandatskommission, der englischen Regierung und der Palästina-Regierung zusammen. Das Mitglied der indischen Round'Table-Konferenz M o h a m m e d A1 i schloß sich den Ausführungen Lord Islingtons an und warf die Frage

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