Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 166 (21.11.1930)
- Date
- 1930-11-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 4 DIE NEUE WELT Nr. 166 Cf^cl'UjLn ^^^^j^^j^B il^V _r^_iif^**"^^h JK $ 26 *™" S 36 S 45 Uli, KÖlserstroBe 123' IX, Alserstrafie 6 er ruft sie auch da2u. Er beruhigt das Parlament mit der Versicherung, er verhandle gerade jetzt mit den Vertretern der zionistischen Bewegung! Also alles in schönster Ordnung. Shiels baut sein arabisches Nationalherim, lobt die „klugen und verstän digeu" unter den zionistischen Führern und MacDoiiald verhandelt mit ihnen. Diese haben allerdings auch vom letzten A. C. die Möglichkeit dazu bekommen. Daß sich diese Exekutive und die Agency zu Verhandlungen hergeben, kann in einem Augenblick, wo sie die oben analysierten Pläne kennt, dem Herrn MacDonald zur Verwirrung, der vielleicht gegen diese Pläne im Parlament vorhandenen Gegnerschaft Schützendienste leistend, ist das Resultat der letzten A.-C.-Sitzung. Der Kongreß ist für den Monat Februar angesetzt. Wenn teott will, findet er tatsächlich in diesem Monat statt und das Martyrium des Kampfes um den Kongreß seit August 1929 hat ein Ende. So oder so, der einzige Ausweg aus dem wüsten Chaos ist das Rüsten zum Kongreß, damit dort endlich die Entscheidung falle. Der Kongreß wird Schluß machen müssen mit dem traurigen Spiel, das jetzt gespielt wird. Eine Folge der Wiener Wahlen* Gegen die ^Umsturzjuden". ~- Rote Krokodils-. •Vt^ :fj:';: tränen/;.';• '- "\ I Bei der t.A^itataon^ für .die von der erdrückenden Mehrheit der Wiener Juden abgelehnte „Jüdische Liste" wurdel ständig betont,; daß die Sammlung der Juden -um eine jüdische Liste geeignet ist;:auf-den Antisemitismus, dämpfend zu wirken. Daß hingegen eine einseitige Stellungnahme der Juden im Kampfe der großen, um die Macht ringenden Parteien, aufreizend, wirken muß. Wie .recht die Vertreter dieser Anschauung hatten, geht aus nachstehend zitiertem Artikel der „Christlichsoziajen Arbeiter-Zeitung" hervor. Zum besseren Verständnis sei bemerkt, daß diese Zeitung das Organ des Abgeordneten Kunschak und seiner Richtung ist. Kunschak ist heute der Verfechter des demokratischen Gedankens in seiner Partei. Ihm ist es zu verdanken — unddas erkennen auch seine sozialdemokratischen Gegner an — daß die christlachsoziale Partei nicht dem reaktionären und antisemitischen Faschismus verfallen ist. Aüch in der Judenfrage hat sich Kunschak von jeder Ruthmann regte sich auf. „Tatsachen. Tatsachen des Verrates der Zionisten an den blutigsten Interessen der jüdischen Massen. Lies!" .„Ich will nicht." Sie fuhr fort, das Herzl-Bild abzustauben. „Willst du nur bland glauben? Du mußt doch eine Frage objektiv studieren." „Ich habe sie studiert und habe meine Ansicht" „Du warst ja damals doch noch jung," flehte bereits Ruthmann, „noch unentwickelt. Vielleicht standest du unter irgend jemandes Einfluß." Penina wurde nervös „Was willst du heute von mir? Willst mich auf einmal zu einer Bundistin machen? Ihr habt Mitglieder genug". „Ja, aber denken sollst du, objektiv sehen, Einmal vom; Zionismus trunken und nicht loskommen wollen... Penina fuhr hartnäckig fort,.das Herz-Bild abzustauben. „Das Bild beleidigt mich, beleidigt meine Gefühle", platzte Ruthmann los. „Das ist mir neu. Schäm dich, so zu sprechen. Da wirst doch auch als fanatischer Gegner anerkennen, daß' Herzl eine wundersame Gestalt war", sagte Peaina. „Es ist für mich der Ausdruck deiner Hartnäckigkeit, deiner Fremdheit zu mir und zu meinen Ideen ..." Penina lachte L..W,meniatxrdgoumhlweniaiumlhgm Penina lachte ironisch auf. „Armer Herzl! Du wdrjst so viel geliebt in aller Welt. Hast Leidenschaften entfesselt überall, wo Juden wohnen. Und jetzt gar noch . . » ist man eifersüchtig auf didi , , . eifersüchtig auf dein Bild . . . an einer Wand , . . in New York!" Ruthmann schwieg. Er sali, wie Peniuas Hand zitternd über Herzte Bild strich. ,,Neio. nein", fühlte er, „mein Freund hat nicht recht! . , . Ich dürfte sie eigentlich nicht Perele nennen ... sie .heißt Peuiua!" (Fred nach dem Jüdischen.) Het2e losgesagt. Seit Jahren hat man yöh seiner Seite keine antisemitische Hetzrede gehört. Nun schreibt sein Organ: „Eine sehr dankenswerte Klärung hat das Ergebnis des Wahlkaropfee auch hinsichtlich der Ge sinnung des Judentums gebracht. Die sozialdemokratische Partei dankt in Wien ihren Stimmenzuwachs ausschließlich den Juden. Diese Tatsache belehrt uns darüber, daß die Judenschaft, mit ganz geringen rühmlichen Ausnahmen, ein destruk tives Element und daher auch in jedem Augenblick bereit ist, dem bodenständigen Volk und dem Lande, das ihnejtt Heime ts rechte gegeben, in den Rücken zu fallen, sich mit deren Feinden zu verbinden. Wenn biß nun viele Leute daran geglaubt haben mochten, daß die Juden nur das sozialistische und kommunistische Führer tum stellen, so sind sie jetzt darüber belehrt, daß sich die Jttdenschaft im Ernstfall mit diesen Elemen ten verbunden fühlt und ihnen ohne weiteres S c h ü t z e n h d 1 f e leistet." Ein Auftakt zu neuer aktiver Feindseligkeit gegenüber den Juden. Anders sind diese Worte wohl, nicht zu deuten. Dter erste Erfolg jener jüdischen Politik, welche dem Antisemitismus -dadurch zu;be* gegnen glaubt, daß sie den Sozialdemokraten alle jüdischen Stimmen zutreibt. Aber das ist nur ein Anfang.. Die sozialdemokratische „Arbeiter-Zeitung" glaubt dem Organe Kunschaks antworten zu müssen und Schreibt: „Die Christlichsozialen haben demnach von den Juden die Vorstellung, daß sie, die Christlic^sozialen, „ihnen Heimatsrechte gegeben haSen"i4 wonach die Juden nicht nach ihrer politischen Ueberzeugung stimmen . dürfen, vielmehr den Christlichsozialen blinde Gefolgschaft leisten müssen. Man muß schon sagen: eine hübsche Auifassung haben die Cristlichsozialen v. o*n d,.e r v e r f a s s u n g 6 m" ä ß i g v ö r b ü r g- J- HPII inTDFN 8«fl«n lachtet, HajienaehtiB, Naur* IICILIVUIVLH afgian und Rhaumatlamua in der (Wiener Kuranstalt und Sanatorium) IX,Lazarattgasse20, TsU-25 0-83 .„T._________________stfimakureoin AJthmakaramern l! , Oeaanttas physikalisches HaUverfahten DarmlnnanbBdar Hochlrequansb« Handlung ten Gleichheit vor dem Gesetz, wenn sie den Juden das staatsbürgerliche Recht •^e,.ß'cf,riei.e:a-Wlaiil b'.esit.r ei(£e jxW v/^V■? Und das schreiben Wiener Sozialdemokraten. Das "schreiben die Vertf^W^>ieM#ar4lii>£!^3l^^1^ Ju#4 ••' 7 , . , .ii "JA einen brutalen Gesinnungszwang ausübt, wie Inn aie '«-.fH --VC* tü: jvw ^Gesinnungjszwang kähn^:.:'^h^iMiefk^nm jttbj^e|ien JfäW?- Ei* Jude, d^rsclie fön%urgeruhg, redne sielIfe^ne£Könzession, eine Ermäßigung -der städtischen Steuern*- . Zuweisung einer Lieferungj. anöffentliche Anstalten, eine Gemeindewohnung usw. will, wird erst zum Beitritt :zur politischen sozialdemokratischen Örg^ähisatiört gepreßt, dann nimm,t/man ihm das Ehrenwort ab; (laß er immer nur sozialdemokratisch wählen wirdl In die Zehntausende geht die Zahl der Juden, die in. solcher Weise zu politischen Werkzeugen erniedrigt und der Gesinnungsfreiheit beraubt wurden; Wir; können nach Belieben Namen nennen! Die „Acbeiter-Zeitung" aber weint blutige Zähren über die von den Christlichsozialen bedrohte „verfassungsmäßig verbürgte" Gesinnungsfreiheit der Juden. Sie darf es tun. Die Wiener Juden werden auch dazu schweigen! Uber jüdische Audi an die Adresse der österreichischen Juden. A. L. Zissau, eine der markautesten Persönlichkeiten unter den jüdischen Intellektuellen Rumäniens, der im Wirtschaftsleben seines Heimatlandes eine führende Rolle spielt und auch als feinsinniger Schriftsteller bekannt ist, empfing den Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur undäußerte sich auf dessen Frage, wie er sich die künftige Gestaltung der jüdischen Politik in Rumänien angesichts "der" .Verschärfung des Antisemitismus im In- und Auslände vorstelle, in folgender Weise: Ich sehe nicht ein, welchen Einfluß eine Verschärfung des Antisemitismus hier oder im Auslande auf die Richtung der Politik der Juden in Rumänien nehmen könnte. Die tiefgehende Umwälzung, welche die nationale Renaissance im jüdischen öffentlichen. Leben hervorgerufen hat, ist dadurch gekennzeichnet, daß äußere Erscheinungen, Konjunkturen und Phänomene aufgehört haben, bestimmende Formen der jüdischen Politik zu sein. Deutlicher: Die jüdische Politik hat auf« gehört, sich auf die Abwehr von Angriffen z u b e s c h r ä n k e n. Sie ist aktiv geworden, ihre Initiative entspringt einer eigenen schöpferischen Ideologie und ist daher einer Inspiration von außen nicht zugänglich. Unsere Emanzipation datiert nicht von dem Tage, an dem wir durch Gesetzesdekrete zu Bürgern erklärt wurden, sondern von dem Augenblicke, in dem wir im Zuge unserer Renaissance zum Bewußtsein erwachten, daß uns Rechte vorenthalten wurden, die unsgebührten. Mit anderen Worten: Jüdisches öffentliches Leben hat nicht mit der Wählerkarte begonnen, sondern mit unserer inneren Emanzipation, glllllllllllllllllllllllllllltlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll 1 Verband demokratischer Zionittcn | Mittwoch, 26. N*vamb«r1930 um 7,9 Uhr abds. I im Nerxl-ftaat das Varbanashalms, II., Untere 5 S Augartenstraße 38 S I Versammlung f 5 Gegenstand: .5 I Nach der A.-C-Sitzung und dar E Untarhausdebatte | S Referent: s | Roberl Stricker § 5 Gäste willkommen! nTitiiiiitiiiiiifiiiiiitiiiiiiifiiiifiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiifirfitfil= Uebrigens lehrt uns zweitausendjährige Erfahrung, daß der Kampf gegen den Antisemitismus zwecklos ist und daher nicht einmal als Teilaufgabe jüdischer Politik am Platze erscheint. Antisemitismus war zu allen Zeiten, in allen Ländern« und in allen Lagern ein bequemes und stets wirksames Mittel, die Aufmerksamkeit der Massen von den wirklichen politischen Tatsachen abzulenken. Vielen bot er die Möglichkeit gesicherten Emporkommens, anderen verlieh er eine Art von Immunität gegen die Folgen schwerer Verfehlungen. Wieder anderen diente der Antisemitismus dazu, sich mit dem heroischen Nimbus eines geschwätzigen oberflächlichen und wohlfeilen Patriotismus zu umgeben, wohfeil deshalb, weil jüdische Köpfe, jüdische Schläfenlocken, jüdisches Geld seine Kostenzu bestreiten hatten. Die Erscheinungsformen des Antisemitismus ändern sich zwar, wiederholen sich aber in einem durch die jeweiligen Verhältnisse bedingten Kreislauf. Alle erdenklichen Bekämpfungsmittel wurden der Reihe nach diesen' verschiedenen Erscheinungsformen angepaßt. Und das Resultat? Der Antisemitismiis ist* nicht nür nicht verschwunden, ' ja nicht einmal geschwächt worden, sondern ist heute mächtiger denn je, weil er dem allgemeinen Bedürfnis der Menschen, Cliquen und Staaten nach Ablenkung und Auf f rischung entgegenkommt. Man nenne mir ein einziges Mittel, das bisher noch nicht zur Bekämpfung des Antisemitismus angewendet wurde, und ich werde mich geschlagen geben. Bis dahin aber sei es mir gestattet, jeden, der zur Bekämpfung des Antisemitismus, somit zur neuerlichen Anwendung jener Mittel auffordert, die hundert- und tausendmal versagt haben, entweder für einen politischen Charlatan oder für einen Menschen, der von einem anderen Planten kommt, zu halten. . . Was nun die Betätigung der Juden im öffentlichen- Leben Rumäniens anlangt,'so muß: festgestellt werden, daß-die Juden den Kampf um ihre Einbürgerung nicht-zu dem Zwecke geführt haben, daß die heutigen häßlichen Formen des politischen Lebens in Rumänien fül ewige Zeiten erhalten bleiben. Innerhalb der heute bestehenden Parteien aber, in denen sie nur geduldet werden, weil man ihre Stimme braucht, bilden sie. eine verschwindende Minderheit, die notgedrungen von der herrschenden Atmosphäre infiziert wird. Nur in einer eigenen Partei organisiert, hätten die Juden die Möglichkeit, ihrem Wunsche nach einem reinen öffentlichen Leben Ausdruck zu verleihen. Der Zusammenschluß der Juden in einer eigenen Partei, ist aber nicht nur von diesem allgemein ethisch-bürgerlichen Standpunkt, sondern auch vom jüdischen Standpunkt aus wünschenswert. Eine Politik der jüdischen Forderungen — vorausgesetzt, daß es jemand gibt, der diese Forderungen formulieren könnte ■— kann nicht in der Form geführt werden, daß heute von der einen, morgenvon der anderen Partei etwas erbettelt wird, wobei noch das Risiko besteht, daß übermorgen alle diese Parteien zusammen in holder Eintracht ihre Gnadengaben' wieder zurückneh m.e n. Die Politik der Juden muß wie die einer jeden Kollektivität kontinuierlich sein. Ihre Führung muß einer Organisation anvertraut sein, die sich ausschließlich dieser Aufgabe widmet, und die Gogr.1860 Oege isqo Allgemeine Verskherungs-Gesellschaft „PHÖNIX" (ZusammensdiluO von Jüönlx", „Wiener u. „Provldeofla") Begr. 1860 1881 1888 Direktion und Genaral-Raprasantanst »Vleilf -IXaf Otto Wagnerpl. 5/ Alserpl« 3 Telephon* B-43.&.80 Sarla Uebernahme sämtlicher Schadenvergloherungen zu den kulantesten Bedingungen und Prämien