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Die neue Welt · 1930-11-14 · Heft 165 (14.11.1930) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 165 (14.11.1930)
Date
1930-11-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 165 DIE NEUE WELT Seite 1 nach der offiziellen Uebergabe des Mandats an Englaad auf Grund des Vertrags von San R e m o. Die historische Stunde forderte von uns den Beginn großzügiger und breiter kolonisatorischer Arbeit. Aber die Kasse der Ot# ganisation war zu jener Zeit erschöpft und leer. So erhob sich vor uns die Frage in ihrer ganzen Schärfe: Wie können wir die Mittel für das große Werk de« Aufbaues erhalten, der unserer Zeit als Auf» gäbe auferlegt ist? Der erste Vorschlag lautete: durch eine Anleihe unter Garantie der britischen Regierung. Herbert Samuel und Sir Alfred Mond erklärten uns aber, daß von der britischen Regierung keine Mittel zu er» warten sind, da während der Verhandlungen über das Mandat ausdrücklich verabredet wurde, daß uns kein Geld gegeben werden soll, da das jüdische Volk selbst die erforderlichen Summen beizustellen hat. Auch der zweite Vorschlag, der geäußert wurde, Aufnahme einer Anleihe beim jüdischen Volk, ohne jede Garantie der Mandatarmacht, hatte keine konkreten Grundlagen: Wir besaßen in Erez Israel keine unbeweglichen Güter, die als Sicherheit für eine Anleihe hätten dienen können. Schließlich blieb noch ein dritter Vorschlag, näm« lieh die Errichtung einer großen Ko Ionisation s« bank, die Aktien herausgeben und unter allen Schichten des jüdischen Volkes verbreiten sollte. Aber auch diese Idee war undurchführbar. Denn eine Kolonisationsbank konnte in dem öden und verlassenen Land, das Erez Israel zu jener Zeit war, kein Tätigkeitsfeld finden. Es bestand keine Aussicht, den Aktieninhabern in den nächsten Jahren Dividenden zu zahlen. Erst dann kam die Idee auf, die Gründung eines öffentlichen Fonds, eines Fonds des Volkes, zu proklamieren, zu dem jeder Jude, der die Erlösung seines Volkes und seines Landes ersehnt, seinen Beitrag beizu* steuern hat. Es gab noch nie einen Fonds, der unter so vieler Mühsal, Auseinandersetzungen und so großer Gegnerschaft geschaffen wurde, wie der Keren Hajessod. Aber trotz der großen Schwierigkeiten, auf die wir stießen, I iben wir unsere Idee nicht aufgegeben und sind nicht zurückgewichen. Wir waren tief überzeugt, daß dies der einzige Weg war, um sofort mit dem Aufbau be< ginnen zu können. Nur auf dem Wege der Volksspende konnte man an die riesenhafte Arbeit herangehen, die vor uns stand, die allein einmal unsere Sehnsucht und unsere Träume verwirklichen wird. Was sind die Prinzipien des Keren Hajessod? a) Selbsthilfe. Man kann und soll von den Regierungen verlangen, daß sie unsere Idee unterstützen; aber wenn das Volk wirklich den Aufbau seines Landes will, dann muß es sich an dem Aufbauwerk tatkräftig beteiligen; dann reichen keine zufälligen Spenden aus, sondern das Volk muß regelmäßig einen Teil seiner Einnahmen dafür hingeben, so wie jedes Volk Steuern für sein Land entrichtet. b) Ein einheitliches Budget. An Stelle der vielen zersplitterten Geldsammlungen, für jeden ein« steinen Zweck gesondert, muß eine einheitliche Kasse des jüdischen Volkes geschaffen werden, die die Steuern sammelt und sie je nach den Bedürfnissen der Koloni* sation, Erziehung, Gesundheit und all unserer Versuche in Erez Israel verteilt Mit diesem Prinzip ist die Idee eines öffentlichen Budgets verbunden, das alle Aufgaben einschließt, die nicht durch Privatinitiative oder Aktiengesellschaften durchgeführt werden können. c) Das Volkskapital gilt als Pionier für das Privatkapital. Der Keren Hajessod will den Bedarf an Privatkapital nicht verringern oder die Bedeutung des Privatkapitals beeinträchtigen. Der Keren Hajessod will als Wegweiser für das Privatkapital dienen, er will zeigen und offenbaren, was in Erez Israel sowobl auf dem Gebiete der Kolonisation als auch in anderen Wirtschaftszweigen geleistet werden kann. Jedes neue Unternehmen, das mit Privatkapitalien errichtet wird, soll vom Keren Hajessod gefördert werden, falls es von Bedeutung für die Allgemeinheit ist. Als vornehmstes Beispiel kann der Elektrifizierungsplan von Ruthen* b e r g dienen. Die Leiter des Keren Hajessod haben nie geglaubt, daß man dieses große Unternehmen nur mit Hilfe dieses. Fonds wird errichten können. Es ist aber Tatsache, daß der Keren Hajessod es war, der die erste S u m m e hergegeben hat, und damit die Einleitung dieser Arbeit ermöglichte. Grundlage des Keren Hajessod war die Idee, daß das; V o l k uns helfen wird, die erforderlichen Summen aufzubringen, daß es vor allem bei der Verteilung der Gelder zu entscheiden haben wird. „Geht ins Volk! Das ist der einzige Weg, der uns ziemt. Nicht einzelne, son* dem das Volk kann und wird mit seinen Kräften seine Sehnsucht verwirklichen." Mit diesen Worten habe ich. mein Referat über den Keren Hajessod auf der Londoner Konferenz geschlossen. 2. Heranziehung von nichtzionisti« sehen Kräften für die Aufbauarbeit,. Der Zionismus; der vor allem auf der Idee eines ein hei t> liehen jüdischen Volkes in allen Ländern der Welt begründet ist, konnte keine Anhänger unter den assimila* toriseben Schiebten finden, die die Existenz eines jüdi* sehen Volkes leugnen. Nur die Idee, auf der der Keren Hajessod basiert, daß jeder Jude verpflichtet ist, seinem Volke beim Aufbau von Erez Israel zu helfen, kann neue Mensehen für unsere Arbeit gewinnen, selbst wenn sie sich noch nioht zur zionistischen Idee bekannt haben. Durch die breite und intensive Propaganda, die der Keren Hajessod schriftlich und mündlich betrieben hat, durch seine besonderen Delegierten, die er in alle Länder der Welt gesandt hat, hat er viel zur Verbrei* tung der Palästina «Idee unter allen Schichten' unseres Volkes beigetragen. Unser Glaube, daß die Volksmassen durch ihre Opferwilligkeit den Fonds errichten und auch als Vorbild für die Vermögenden dienen werden, hat sich als richtig herausgestellt« Wenn wir in Rechnung ziehen, was Polen jährlich auf* bringt, so werden wir Uns überzeugen, daß gerade die Schichten des Volkes, die1 weder zu den Reichen noch zum Mittelstand gehören, dem Keren Hajessod weit mehr gegeben haben, als sie eigentlich leisten konnten, Nachdem der Keren Hajessod, mit der Kolonisation im Emek Jesreel und der allgemeinen Entwicklung der Landwirtschaft, den Weg geebnet hatte, ist auch das Privatkapital ins Land gekommen, hat die Privat« initiative sowohl in der Pflanzungswirtschaft als auch auf industriellem Gebiet viel geleistet. Die wunderbare Hin* gäbe unserer Chaluzim, ihre außerordentliche physische und seelische Opferwilligkeit, die freiwillige Bereitsteh hing von Mitteln für den Aufbau des Landes, haben der ganzen Welt unsere schöpferische Kraft, unsere koloni* satorischen Fähigkeiten offenbart; sie haben uns ferner gezeigt, welche landwirtschaftlichen Möglichkeiten in Erez Israel bestehen, wenn nur die für die Erschließung des Landes notwendigen Summen beigestellt werden. Ich habe schon oben erwähnt,, daß der Keren Hajessod Pf. 100.000 für das Elektrizitätsunter« nehmen hergegeben hat, ebenso einen größeren Betrag für die Tote«Meer«Konzession. Große Summen wurden für Sani er ungsarbeiten, für Er« Ziehung, landwirtschaftliche Versuchs« Station usw. ausgegeben. Wenn wir heute nicht m SIT n F=\ F=^. Nach ÄGYPTEN und PALÄSTINA mit den Luxusdampfern im rfinrniMii »I1VIPVIIIII || Rundfahrten Im Mlllnlmnnr Genua — Neapel — Sizilien — Aegypten — Paliithu — Syrien — Zypern — Konstantinqpel — Athen — Neapel — Marseille — Genua zu besonders ermäßigten Preisen Auskünfte: »Sittnar*. L Kärntnerring 18 (Ecke Schwarzenbergplatz) Telephon U-45009 ||| B*^^ff^**^^^pd*^^F^?*^^^^^^33B5jBB3EBB8flB 10.000 Ansiedler auf nationalem Boden hatten, sondern 50.000, so wäre die Lage der Dinge im Lande ganz anders, weder allgemein politische Probleme noch die arabische Frage könnten ernste Befürchtungen hervorrufen. Und auch jetzt, in dieser schweren und gefahr* vollen Stunde, kann unsere Arbeit fortgesetzt werden, wenn genug Mittel vorhanden sein werden. Und für das neue Jahrzehnt in der Keren-Hajessod« Arbeit muß die Parole sein: Nicht 5 Millionen, sondern das Zehnfache dessen 1 „Selbsthilfe", so schrieb Pinsker als Titel seiner Broschüre. Auch uns soll dieser Gedanke als Grundlage unserer zukünftigen Arbelt dienen. Wie werde kh rekh und glütklidt? dunh Klassenlotteriegewinne bei der Glüikstelle Stein! aoo.ooos 5 00,00 0 s 3 00.00 0 s lOO.OOOs lOO.OOOs 80.000s BO.OOO 60,000 60.000 SO.OOO widaTreffwMU 4Q.OQO j ao.öoo 9 90,000 s tO.OOO t S.OO0t Bestellen Sie noth heute mi$ Postkarte: _ ■ | VslosSG | | V*los$n\ \1/ilosS48\ GlütkslelleStein Wi«nLWipplingerstr.21 U4% dm*mHohmnB*ütk+m liehungföu.20 November & \ Jüdisches Geld für die anderen* l1/« Prozent für Palästina! So begrüßenswert es ist, wenn jüdische Wohltäter auch nicht jüdischen karitativen und wissenschaftlichen Institutionen Geld zukommen lassen, so muß doch die Frage gestellt werden, wie es um den Teil bestellt ist, welcher auf die jüdischen Institutionen entfällt, die Frage nach der Verhältniszahl des von Juden einerseits jüdischen und anderseits nichtjüdischen Zwecken zufließenden Geldes. Dies um so mehr, als die jüdische Not ungeheuer gestiegen ist und von nichtjüdischer Seite so gut wie gar nichts für Juden und jüdische Zwecke hergegeben wird. Wenn auf jüdischer Seite stolz und begeistert die Hochherzigkeit jüdischer Spender gepriesen wird, beschleicht denjenigen, der nicht nur die Riesenziffern hört, sondern sie auch vom jüdischen Standpunkt prüft, ein wenig erhebendes Gefühl. * , , Die .i amerikanische , MdiscJ»^, Zeitung ,,Th e B^iffalo Jewfs'h/ Re^vie^w'' rechnet aus, daß im Jahre 5690 (Oktober 1929 bis September 1930) von amerikanischen Juden genau 32,601.610 Dollar in Einzelbetrugen von mehr als 50.000 Dollar für jüdische und nicht jüdische Zwecke gespendet wurden. Davon, und das ist bezeichnend, waren nur 9,689.610 Dollar für jüdische Zwecke bestimmt: Unter den von der genannten Zeitung aufgezählten Spenden von mehr als 50.000 Dollar gibt es nur eine Spende für den Keren Kajemeth, und zwar 75.000 Dollar und eine Spende von 150.000 Dollar füT die hebräische Universität in Jerusalem, eine Reihe von größeren Spenden für den Jewish AUied Campaign und zahlreiche Spenden für die verschiedensten Zwecke. Die größte Spende betrug 10,000.000 Dollar, die Maurice Falk für die Wohlfahrtsinstitutionen der Stadt Pittsburg stiftete. Die nächste ist eine 6,000.000- Dollar-Stiftung des verstorbenen Conrad Aubert für jüdische, katholische und protestantische Wohltätigkeitsinstitutionen. An dritter Stelle die 5,000.000-Dollar- Stiftung von Louis Bamberg er für ein Institut für höhere Bildung. Ansonsten gibt es viele Juden, die offenbar annehmen, daß die jüdische Wohltätigkeit saturiert ist. So schenkte Daniel Guggenheim der Kongreßbibliothek 140.000 Dollar zur Anschaffung von Büchern über Aviatik und ein gewisser Max Epstein in Chikago stiftete 50.000 Dollar zur Errichtung eines Negerspitals. Dabei muß mau feststellen, daß das humanitäre Wirken der amerikanischen Juden für qhristliche Zwecke fast kein Echo bei Stiftungen christlicher Amerikaner findet. * Fast vier Fünftel des jüdischen Geldes für nicht- Wochen-Kalender November 1930 iwn n*mn Cheschwan 5691 14 Freitag 23-33 Sabbateingang 4*20 15 Samstag 24-d Sabbatausgang 5'02 im "faro mtaön ,rrw *n 16 Sonntag . 25-ro 17 Montag IS Dienstag 27-q 19 Mittwoch 28-ra 20 Donnerstag 29-B3

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