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Die neue Welt · 1930-11-14 · Heft 165 (14.11.1930) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 165 (14.11.1930)
Date
1930-11-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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fette § DIE NBim WELT Nt. 165 ■fügff SIEQM. KORNMEHL <MtOtfFUIsti Zentrale IX-, 6errta»M l»JTe<«<>toi 17-3-99 6, 16»9«34 Liiiirm i ilr Hiiln t taltm JmmmäSSäKKUB^^ aater Aufsieht des Ehrwürdigen Rabbinatt der Isr. Kaitusgemeinde Wien AMtS*StfS4eMtM)SJ ix., i«mhn ig /xm«.,w«ihn»i«ritf. §7 iMsfef i UtRAIiMtfM KtMMl I I |(Ul Ifj >v WTiimtinpiimniiimiftniuiniaH)itm>in Das nennt man anständigen Lohn für anständige Arbeit. Das Wiener zionistische Landeakoraitee und die Arbeiterpartei „Poale Zion" haben bis «um Wahltag in den Nationalrat, bis zum 9. November, im Dienste der Sozialdemokraten die von den Ziönisten aufgestellte „Jüdische ' Liste" und den Zionistischen Listenführer Robert Stricker wacker bekämpft und beschimpft. Jetzt, am 11. November, verhöhnen Wiener Sozialdemokraten die englische Arbeiterfegierung," weil sie sich „ein* schüchtern" läßt Und doch jüdische Arbeiter 1 in ihre Heimat läßt. Anständiger Lohn für anständige Arbeit! Nach zwei Tagen ausgezahlt! Ein Wohltöter der Menschheit. Im Alter von 70 Jahren starb in Lausanne 4er he« kannte Bakteriologe russisclw.iüdischer Abstiiinmun? Chawkin (nach englischer Schreibweise Haffkine), der zu den bahnbrechenden Forschern auf diesem Gebiet gehörte und dessen Name In dieser Wissen« schaft auf derselben Stufe wie die von Robert Koch, v. Behring usw. stand. Waldemar Mordechai Wolff Chawkin wurde März 1860 zu Odessa in Rußland geboren, besuchte das Gymnasium zu Bertjansk (Krim) und die medizinische Fakultät zu Odessa. Nach der Ab« solvierung seiner ärztlichen Studien arbeitete er 1884 bis 1889 am Zoologischen Institut in Odessa, war darauf ein Jahr Professor der Physiologie in Genf und vier Jahre lang Assistent' am Institut Pastcür in Paris. Dort begann er seine Untersuchungen über Schutzimpfung gegen die Cholera und ging 1893,. nach zahlreichen Versuchen und nachdem er sein Verfallreh an sich selbst ausprobiert hat, auf Einladung der englisch »indischen Re* gierung nach Indien zur Bekämpfung der Seuche. Er blieb dort länger als ursprünglich beab* sichtigt war, da er 1896 beim Ausbruch der Beulen* pestepidemie in Bombay, den Auftrag erhielt, ein Impfverfahren auch gegen diese Epidemie' auszuarbeiten. Es gel a n g d a n.k dem von ihm erfundenen V e r f a h r e n, die S t e r b 1 i c h k e i t b e i d e r Pest* epidemie um.85 Prozent zu verringern, Mil* Honen von Menschen wurden darauf nach seinem- VefY fahren mit Erfolg geimpft. Er blieb im Dienst der indi* sehen Regierung in Kalkutta bis 1915, gründete in Born« bay das staatliche Untersuchungslabbr'atorium, das jetzt seinen Namen trägt (Haffkine Institute), war Mitglied des Rates der Londoner Gesellschaft' für tropische Me* dizin und Hygiene und zahlreicher anderer gelehrter Ge* Seilschaften. Die letzten Jahre seines Lebens hielt er sich in Paris auf. Wie der Pariser „H a j n t" aus sicherer Quelle zu melden weiß, soll Prof, H a f f 'k'i n e,' der fein streng reu* giöser Jude war, § Millionen Francs testamentarisch dem „Hilfsverein der deutschen Juden" mit' der Bestimmung vermacht haben, mit diesem Gelde ausschließe lieh Jeschiwoth (Talmudschulen) zu unterstützen. Er hat den Wunsch ausgedrückt, daß die Jeschiwoth in Osteuropa, die aus diesem Fonds unterstützt werden, modernisiert werden sollen. Faschismus und Judentum. Berlin, 10. November. Der römische Vertreter des Organs der deutschen Katholiken „G ermtui a" zieht eine Parallele zwischen dein italienischen Fase h i s m u s und seinem minderwertigen deutschen Ersatzprodnkt, dem N a t i 0n a;'lso z ialls m u s. Mussolini wußte, führt der Korrespondent aus, daß auch das Judentum in Italien weder politisch noch weltanschaulich noch sozial einheitlich abgestempelt werr den kann. Das Verhüliuis der italienischen Juden zum Staate war unter dem früheren Parlamentarismus durchaus, gut. Die Juden spielten zuweilen sogar eine prominente Rolle in der Staatsleituag. Da* Mini« sterpräsidium (Luzzatti) und die oberste Verwaltung der Hauptstadt Rom (Bürgermeister N a t h a n) ruhten um 1909 in jüdischen Händen. Trotzdem hegt Musso- Uni keine Antipathie gegen die Juden. Ein Kenner vom wissenschaftlichen Range des Professors der Nationalökonomie an der Universität Rom und Perugia Robert Michels berichtet in seinem Werke „I teilen von heut e", daß des Judentum bei den Italienern in jener Zeit in höchster Ehre stand. Niemals hat der Duce verkannt, welche hervorragenden Dienste der gefeierte jüdische Nationoliikonom Luigi Lutxatü» der mehrmals Ministe, jjiäsidcnt uud linanzroinister Wir, dem Lande erwiesen hat. Oer Faschismus warf eine Flage für oder wider das Judentum erst gor nicht auf, sondern trachtete danach, daß iatalUgente juden sieb positiv zu ihm einstellten. Nach anfänglichem Abwarten aiif selten der Juden vollzog sieh die Annäherung eines Teiles derselben an den Faschismus mit kaum beachteter Seibstverstlndiichkeit. Von den Juden, die dem Faschismus ihre Kräfte zur Verfügung stellten, sind zu nennen der Schriftsteller Gino Arias, der Publizist Gino Rocca, Prof. Georgio Del Vecchio, der des Guten etwa zu viel tut und als Rektor der Universität Rom die jüdischen Professoren und Dozenten am liebsten sogleich in einer Linie mit dem Regierungssystem gesehen hätte. Großes Ansehen innerhalb des Faschismus genießt die als Jüdin geborene und mit einem Juden verheiratete Schriftstellerin Margherita G. S a rfatti, die Verfasserin des Buches „Dux", der meistgelesenen Biographie Mussolinis. Die faschistische Presse bescheinigt den Juden, daß sie beste Staatsbürger seien. Ein derartiges Zeugnis, schließt der Korrespondent, offenbart denn doch eine Kluft zwichen dem Denken der Faschisten und dem der deutschen Nationalsozialisten. Es wäre deutsche Michelhaftigkeit, das Interesse, das die faschistische Presse für gewisse Außenseiten der Nazibewegung zeigt, für eine innere .Gesinnungsgemeinschaft oder gar für das Vorzeichen einer außenpolitischen bündnisbereiten „Marsenbereitschaft" anzusehen. Leben wir nicht in außenpolitischen Utopien, nachdem wir im Weltkriege unter den Folgen solcher optimistischen Walingebilde schon so furchtbar gelitten haben? Die Juden und die amerikanischen Wahlen. New York, 9. November. (J. T. A.) Bei den am 4. November stattgefundenen Wahlen in den Vereinigten Staaten wurde der bekannte jüdische Philanthrop Julius Meier, Besitzer eines der größten Warenhäuser Amerikas, als Kandidat der unabhängigen Republikaner zum Gouverneur von Oregon, der hervorragende Führer der Demokraten Artur Seeligmann, der eben* falls aktiven Anteil an jüdischen Angelegenheiten nimmt, zum Gouverneur von N e w Mexico gewählt. Zum ersten Mal seit 1887 hat diesmal Massachusetts einen Juden, den Demokraten David G 0 1 d s t e i n, in den Kongreß entsendet. Ferner wurden alle acht bis« he r igen Jti d isehen Kongr eßm i t gIi e der wiedergewählt. Zahlreiche Juden erlangten durch die Jüngste Wahl verschiedene Staats» und Gemeindeämter. LERNET FWjEMP*E »PRÄCHEN §? ' , ■ ' c$ m aa&v v" . Berlitz School.Wien I, Graben 13 - " "si^3j^J2SB2£lM«»«i—»Ä^— y,;* •' >■■■„ y;f . # Weranaiin schreibt' seihe Memoiren. ■ "• '• ■ . 'i» it**? $' 4?-V London,Novein%eÄ (J. T.'fA.) Der bekannte Lon- ^|uier Vorlag Vi(jtor 'jGojyij(incz Ltd. teilt mit, daß Pro* :wssör Dir; Chaim Wge:i£tnann gegenwärtig mit der Abfassung seh\er iMemoiren. beschäftigt ist. Die Memoiren >We|zma$Hß' ^er'den, nach, , ilr er Vollendung im Verlag •&llahcz;^scli&^ . , '; .■ . -rr-rr-r. > Tngore für eine, . jüdißcJi-arabische Einheitsfront [•7. ' gegen England. :[.'//;C New( York, 7. November. (J.T.A.) Rabindranath Tagore erklärte in einem Interview, er stehe den zionistischen Bestrebungen mit voller Sympathie gegen* über. Er rate den Juden; sich mit den Arabern Palästinas gegen England zu. vereinigen, um das palästinensische Problem einer befriedigenden Lösung zuzuführen. Die Juden seien stets die großen Lehrmeister der Welt ge* wesen. Sie mögen daher jetzt nicht bei England um ihr Recht betteln, sondern die Araber zu dem Verständnis der Tatsache erziehen, daß durch die jüdische Einwände» fung das materielle und kulturelle Niveau der Araber Palästinas gehoben wird. Die 95. Friedhofsschälldung. Königsberg, 5. November. In der Nacht vom 20. 'zum 30. Oktober drangen bisher unerkannt gebliebene Täter in den Friedhöf der jüdischen Gemeinde von Tilsit (Ostpreußen) ein und richteten ungeheure Zer* "Störungen an. Nicht weniger als acht Grabsteine wurden umgeworfen. Es kann sich hier nicht um einen leicht* sinnigen Streich von Sichulkindern handeln, da solche nie« imals in der Lage gewesen wären, die schweren Steine! umzustürzen; man nimmt darum an, daß es sich um { durch die andauernde judenfeindliche Agitation der Na» tionalsozialisten politisch verhetzte Kreise handelt, die zu solchen Untaten angereist wurden. Die Tilsiter Krv minalpolizei ist eifrig bemüht; dl« Täter m ermittein, für deren Ergreifung eine Belohnung von mehreren hundert Mark ausgesetzt wurde. Es ist dies die 05. Schändung jüdischer Friedhöfe in Deutschland in den letzten Jahren. Die 96. Friedhofschändung. Breslau, 9. November. (J.T.A.) Der jüdische Fried* hof auf dem Pfarrberg zwischen Trebnitz und Ober« nigk wurde von bisher unerkannten Tätern geschändet. 34 Grabsteine wurden umgeworfen, andere mit Haken* kreuzen bemalt. Die Fenster der Leichenhalle wurden ein« geschlagen und die Wände mit Aufschriften „Heil, HitlerI Juda, verrecke 1" beschmiert. Die jüdische Gemeinde hat eine Belohnung von 100 Mark für Ergreifung der Tüter ausgesetzt. Antisemitische Studentenhetze. Wien, 11. November, Gestern erschienen etwa 50 völkische Hörer der Hochschule für Bodenkultur in der Aula der Welthandelshochschule und vereinigten sich dort mit Mitgliedern des Studentenfreikorps der H e i m> wehr. Dann betraten sie die Lehrsäle und erklärten den Professoren, sie hätten im Auftrage der deutschen Studentenschaft alle jüdischen II ö r c r hinauszubefördern. Der Führer des Freikorps sicherte den jüdischen Studenten, freies Geleite zu. Im gegenteiligen Falle, setzte er hinzu, müsse Gewalt ange* wendet werden. Als die Professoren gegen die S p r e n* gung der Vorlesungen protestierten, er* klärten ihnen die Hakenkreuzler, dies sei zwecklos, da der Rektor von ihrer Aktion wisse. Um gewalt* same Zusammenstöße zu vermeiden, verließen die jüdi« sehen Hochschüler die Hörsäle. Hiebei mußten sie ein Spalier durchschreiten, das von den Nationalsozialisten und Heimwehrstudenten gebildet wurde. Es war ein buch« stäblicher Spießrutenlauf. Trotz der Zusicherung des freien Geleites wurden die abziehenden Hochschüler mit Stöcken über die Köpfe geschlagen. Sieben Studenten sowohl jüdischnationaler wie demokrati* scher Parteizugehörigkeit wurden durch Stockhiebe leicht verletzt, ein Hochschüler namens Aronowicz blutiggeschlagen. Abermals antisemitische Exzesse auf den Bukowinaer Eisenbahnen. Czernowltz, 8. November. (J. T. A.) Am letzten Sonntag ereigneten sich im Eisenbahnzuge Noua Sulitza — Czernowitz Ausschreitungen antisemitischer Natur. Junge Hakenkreuzler, die sich auf der Fahrt von Bessarabien nach Czernowitz befanden, attackierten jüdische Reisende, mißhandelten sie wieder« holt und warfen ihre Reisekoffer durch die Coupefenster hinaüs. Schwer mißhandelt wurden u. a. die Czernowitzer Kaufleute Hersch Rosenblatt und Lechtig. Die Exzeden* ten drängten die jüdischen Mitreisenden von ihren Sitzen weg, schlugen in den Zwischengängen auf sie ein und hinderten sie überdies am Aussteigen in der Station Bojan, weil sie ihre Opfer bis Czernowitz bearbeiten wollten. Die Exzcdenten stimmten antisemitische Lieder an, wenn die mißhandelten Reisenden um Hilfe riefen, um die Hilfe* rufe zu übertönen. Sie hinderten ferner die Reisenden daran, die Notbremsen zu ziehen. Der diensthabende Kon* dukteur, an den sich die bedrohten Reisenden wandten, sagte nur: „Das geht mich nichts an!" Die Presse fordert die vorgesetzte Bahnbehörde auf, die Schaffner darüber zu belehren, daß sie bedrohte Reisende schützen müßten. Die Prinzipien de§ Keren Haje§sod* (Zum zehnjährigen Bestehen») Von J. N a i d i t s c h, Paris. Zehn Jahre sind seit dem Tage vergangen, an dem die Gründung des Keren Hajessod proklamiert wurde; denn die eigentliche Vorbereitungsarbeit für die Schaffung dieses Fonds hat bereits im März 1920 be* gönnen, die tatsächliche Arbeit der Geldsammlung aber wurde erst im Mai 1921 in Amerika eingeleitet. Es waf Die Mdisch-akacUmischa Vorblndu»* „Maccabaaa", Wl«n, gibt biemtt allen ihren A H. A. H., Bb. Bb., Freunden und Gesinnungsgenossen Kenntnis von dem plötzlichen Ableben ihres A. H. Alfred Wolff X. aXP » XXfX, XX>PXi XXPX, XXPX Er ist am 8. November 1930 in Kattowitz nach kurzer Krankheit verschieden, woselbst die Beisel/ung erfolgte. — Der Trauerkonvent findet am 14. November 1930 um 8 Uhr abends auf der Bude: Wien, III., Rechte Bahngasse 22, statt. PH r den Alt« Her ran Verbands Alaxandür Kremanoaky Präses des A.H.V, Für die Activitas Or. IMtjrt Msjhter X PIOWCITI

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