Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 165 (14.11.1930)
- Date
- 1930-11-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 165 DIE NEUE WELT Seite 3 eine bedeutendere Anzahl von Arbeiterzertifikuten, wenn t auch nicht in dem von der Exekutive der Jewish Agency vorgeschlagenen Ausmaß, bewilligen werde. Er beklagte es, daß im Budget der erweiterten Jewish Agency ein so geringer Betrag für die Landentwicklung in Palästina ausgeworfen worden sei, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die zu Beginn des nächsten Jahres ia Amerika durchzuführende Kampagne für den Keren Hajessod die gegenwärtige Boreitschaft der amerikanischen Juden zu verstärkten Leistungen für den Palästina- Aufbau entsprechend auswerten werde. Es wurde der Vorschlag gemacht, die Kampagne für den Keren llajessod in Amerika in Verbindung mit der für den Keren Kajemcth durchzuführen. Die Finanzexperten des Keren Hajessod wiesen darauf hin, daß eine Einberufung des Kongresses mitten im Winter die Kampagne für den Keren Hajessod schädigen würde, doch betonten alle Redner die Notwendigkeit, den Kongreß nicht später als Ende Jänner einzuberufen. Die Sitzungen wurden Samstag, den 8., und Sonntag, den 9. November fortgesetzt. Den Abschluß der Tagung werden wir in der nächsten Nummer veröffentlichen. * Anmerkung der R c d a k t i o n: Die Sitzungen des A. C. sind vertraulich und die ausgegebenen Berichte werden von der zionistischen Leitung verfaßt. Die vorstehenden Tagungsberichte stammen also lediglich aus dieser Quelle. Wir können nach den bisherigen Erfahrungen die Verantwortung für ihre volle Objektivität nicht übernehmen. Passfield, Räuber und Beraubte. Eine arabische Bodenverkaufsgesellschaft in Haifa, die Finna Salim Nazar Allah Khouri, ist mit 15Ü.00U englischen Pfund Passiven in Konkurs gegangen. Das ist die neueste wirtschaftliche Nachricht aus dem von Passfiehl gesperrten Lande. Die maßgebenden volkswirtschaftlichen Kreise führen den Krach der arabischen Gesellschaft auf die Bodenkrise zurück, die infolge der Unterbindung der jüdischen Initiative durch Maßnahmen der britischen Regierung eingetreten sei. So lautet z. B. das Urteil des alle bedeutenden Wirtschaftsländer umspannenden Crcdi'torcn Vereins (Wien): Das jüngste britische Weißbuch und der Simpson- Bericht sind bekanntlich um das Schicksal der Araber sehr besorgt. Die zionistische Kolonisation habe den Arabern Schaden gebracht und England müsse alles daransetzen, das wieder gutzumachen: durch endgültige Sperre der Einwanderung, durch Verbot , des frpien. Bodenkaufes, durch Errichtung antijüdischer Körperschaften, wie Arab Agency und Parlament mit englisch-arabischer: Mehrheit. Damit ist das Paradies für die Araber sichergestellt. Die Firma Salim Nazar Allah «Khouri dürfte allerdings anders denken. Sie weiß, daß schon die sogenannte „provisorisch e" Einwanderuugssperre vom Mai 1930, also im knappen Zeitraum eines halben Jahres, 150.000 Pfund gekostet hat. Ja, England ist ein Araberfreund. England gibt, England nimmt. Das Mandat schreibt die Zuteilung vou Staatsländereien an die Juden vor. England gab sie den Arabern. Diese bearbeiteten das Land beileibe nicht, zauberten nicht wie unsere Pioniere Städte und Dörfer aus Sumpf und Sand hervor, sondern verkauften es zu phantastischem Preis an eben diese unsere Pioniere. Sie trieben Schacher, gründeten Gesellschaften zum Schachertreiben mit Sumpf- und Sandboden, sie wucherten fleißig und waren zufrieden mit dem „jüdischen Bodenraub"! Nun will England uns jüdischen Bodenräubern das Handwerk legen. Denn England gibt nicht nur, England nimmt auch. Der jüdische Bodenräuber kann keinen Boden mehr kaufen, der arabische Beraubte geht mit 150.000 Pfund krachen. Und England erfüllt seine Mandatspflichten, es hebt die Wirtschaft des Landes! Passfield schreibt Weißbücher. Wir dürfen nicht ins Land. Arabische Firmen gehen krachen. So sieht der Beginn der „a raberf rcundllche n" Aera der britischen Regierung aus! 1500 Zertifikate freigegeben. London, 8. November. (J. T. A.) Wie das Kolonial« amt in London der Jüdischen Telegraphen»Agentur mit» teilt, hat die britische Regierung den High Commissioner für Palästina, Sir John Chancellor, ermächtigt, 1500 Ein* wanderungszertifikatc für jüdische Arbeiter (Chaluzim) freizugeben. Damit ist die im Mai d. J. verhängte Sperre der Einwanderung für jüdische Arbeiter nach Palästina durch* brochen. Die damals vom High Commissioner bewilligte und gleich darauf vom Kolonialamt suspendierte Arbeiter» schedule betraf 2300 Zertifikate. Von diesen waren zur Zeit der Suspendierung 900 bereits ausgenützt, so daß die jetzt bewilligte Zahl von 1500 Zertifikaten etwas höher ist, als die der von der Suspension tatsächlich betroffenen Bewilligungsscheine. Arabische Stimmen zum englischen Weißbuch* Hämischer Jubel der Araber. — Der Mufti will den Juden den Boden nehmen. — Der Gouverneur Sir Chancellor schürt. Die Arbeiterregierung hat ihrem Weißbuche, welches den Zionismus vernichten will, die heuchlerische Versicherung vorausgeschickt, die Erklärungen im Weißbuche verfolgten den Zweck, 'die Gegensätze zwischen Arabern und Juden in Palästina auszugleichen. Tatsächlich hat das Weißbuch die Araber in eine Stimmung zynischen Uebermutes und hämischer Schadenfreude versetzt, welche Versuche einer . Verständigung auf unabsehbare Zeit unmöglich, gemacht haben. Nachstehend einige Proben, welche diese Stimmung charakterisieren. , * Das Organ des Großmufti ,?E1 Janiea el A r a b i a" erklärt, die palästinensisch-arabische Exekutive hätte kein Hecht gehabt, den diesjährigen Proteststreik am Balfour-Tage abzusagen. Die Situation in Palästina sei durch die Politik des neuen Weißbuches nicht geändert worden, da die Balfour-Deklaration weiterhin int Geltung und die;Unabhängigkeit Palästinas nicht proklamiert worden sei. Wenn die Regierung wirklich die Forderungen der Araber erfüllen wolle, dann möge sie jene Millionen von Dunams, »wAeseußG« anrufender bequemste quemsre , Waschtag! #Ht- 4^»*i ''A i* 'f,d\ v> :< "£ /V^SS^S I TEL' S24-5-20 StftlE f. ftixtftt enghfttieStoffe d&IjBSKX1 K^JRiDT ^2$zr gedr. 1191 ~s*s^ WIEN I. FREISINGERGASSE 1 Telephon U 2o Z M die im Besitze der palästinensischen Juden sind, expropriieren und tleu Araberngeben. * Die arabische Zeitung „F a 1 a s t i n" fordert die arabische Bevölkerung auf, mit der englischen Regierung zusammenzuarbeiten und die Einsetzung des Legislative Council zu akzeptieren, die trotz der Weigerung der Juden, sich an den Wahlen zu beteiligen, erfolgen werde, da die Regierung entschlossen sei, jeden jüdischen Widerstand niederzuringen. Obwohl der Council sich faktisch von dem im Jahre 1922 in Vorschlag gebrachten nicht unterscheide, bestehe für die Araber angesichts der radikal zu ihren Gunsten geänderten britischen Haltung kein Grund, Wahlabstinenz zu üben. Es sei unwahrscheinlich, daß die vom High Commissioner zu ernennenden Mitglieder des Councils aus dem englischen Beamtenstand eine judenfreund 1 i c h e Stellung einnehmen würden. „Falastin" weist sodann mit Behagen auf die Verstimmung hin, die die Regierungserklärung bei den Juden hervorgerufen habe, und schreibt, von der B a 1four- Er kl ä r u n gs e i nie h t s ü b r'i g g e bl i e b e n außer dem b l o ß e n N a in e n. Das Weißbuch, welches kein einziges für die Juden günstiges Wort enthalte, bedeute einen glorreichen Triumph der Araber. Bezüglich der Bodenfrage habe der Simpson- Bericht die Behauptung der Araber, daß unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Wirtschaftsmethoden keine Landreserve für die Ansiedhing neuer Einwanderer vorhanden sei, als zu Recht bestehend erkannt und fordere daher die. Juden (!) auf, die Fellachen mit der intensiven Bodenbearbeitung vertraut zu machen, um so „die Fellachen von den ehrlichen Absichten, der J u d e n z u^ überzeugen im deine 1 a n g s a m e, aber sichere E r schließ u n,g weiterer Ländereien zu . ermöglichen, ohne daß hiedurch irgend jemandem U nr c cht zugefügt wir d". * _ Der Gouverneur Sir Chaneellor tut. alles, um die Juden zu demütigen und die Araber zu.-ermutigen.!Als Ingenieur K u t h e n b e r g, Präsident des . Waad leumi (Jüdischer Nationalrat) bei ihm vorsprach und jüdische Forderungen vorbrachte, sagte Chancellor:'„Was wollen Sie? Welche Ansprüche stellen Sie? 'Palästina ist doch arabisches V a t e r 1 a n d!" Welche Wirkung solche Aeußerungen, die natürlich sofort den Arabern übermittelt werden, auf diese ausüben, kann man sich vorstellen. * Jerusalem, 8. November. Im Hinblick auf die auf Grund der Richtlinien des neuen Weißbuches zu ermt Bevditsdiewer schlägt einen Juden* Eine chasäidische Geschichte, erzählt . von. Josef Margosches. Wenn wir einfache Menschen, Alltagsmenschen, an unseren großen' Zaddikim Dinge bemerken, die wie ein Stück Ungerechtigkeit aussehen, so müssen wir genügend Verstand besitzen, um zu begreifen, daß es da sicherlich um keine einfachen Dinge geht und daß sie, die großen Zaddikim, eine gewisse Absicht verfolgen, die wir mit unseren Sinnen nicht fassen können. Wir dürfen deshalb daraus keinen Fingerzeig für unsere Lebensführung ableiten, und werden uns auch da« nach aufführen. Denn wir sind in der Sache nicht ganz drin und könne, bewahre, so tief in den Straßenkot sin« ken, daß wir aus ihm, Gott sei davor, nicht herauskriechen könnten. * Alte Chassidim pflegten in Verbindung mit einer solchen Angelegenheit sich diese sehr sonderbare Ge» schichte zu erzählen: Der große und überall bekannte chassidische Rabbi, der Rabbi Reb Boruchl Mesebischer, war der richtige Enkel des heiligen Bai Schern, des Gründers der chassi* dischen Art und der Rabbi und geistige Vater aller chassidische» Rabbis. Er, Reb Boruchl, war sehr stolz auf seine hohe Abstammung, pflegte daher auf die an« dern chässidischen Rabbis von oben herab zu blicken. Er hielt sich für den größten und bedeutendsten von ihnen und hatte an jedem größere oder kleinere Fehler auszu* setzen. Er war auch ein Mann der scharfen Zunge und des klaren Hirns und liebte es, eine geschliffene Wen* dung zu hören oder selbst zu sagen. Und er pflegte sich solcher oft zu bedienen, wenn ei* von den andern Rabbis sprach. Fast keinen von ihnen ließ er aus, sprach von ihnen mit Verachtung oder mit Hohnworten. Seine nächsten Anhänger, die ihn gut kannten, behaupteten stets, der Rabbi meine damit, bewahre, nichts Böses, sort* dem verfolge damit eine tiefere Absicht, die zu ver* stehen nicht jedem gegeben ist. Aber ein größter Gegner pflegte er zu sein dem weltberühmten Zaddik, dem Berditschewer Reb Levy Jizchok. Ihn verfolgte er : geradezu, sprach alles Böse von ihm,-wiewöhl er sein Jugendfreund war und ihn mit seiner ganzen Seele liebte. Er pflegte sehr oft seine An« hänger aufzufordern, über den Berditschewer zu spotten, über seine Art, zu beten und andere Gewohnheiten, und konnte ihm jemand etwas Schlimmes vom Berditschewer erzählen, so hatte er große Freude daran und bedankte sich beim Erzähler gar sehr. Das war so Art des großen Zaddiks, die wir einfachen Mensen mit den kleinen Hirnen nicht fassen können ... Eines Tages ereignete sich diese Geschichte: Es war an einem Freitag. Der Rabbi Reb Boruchl saß mit einer sehr großen Zahl von Chassidim beim Sabbatmahl, als er sich plötzlich erhob und sagte: „Wer mir jetzt irgend eine Geschichte, eine lächerliche oder gar sündhafte, vom Berditschewer zu erzählen weiß, dem sei ein großer Anteil an der künftigen Welt beschieden." Das ganze versammelte Volk schwieg, und antwor« tete nicht. Erstens wußten sie, bewahre, nichts Schlimmes vom heiligen Zaddik, dem Berditschewer, und wenn auch, so hatten sie einfach Angst, mit ihm anzubinden; denn sie wußten sehr wohl, daß man über Talmide Cha* chamim nichts Böses sprechen dürfe. Ein einziger junger Mann nur wollte sich an des Rabbis Tisch drängen und just eine Sache oder einen Spaß über den Berditschewer vorbringen. Er hatte nicht wenig Lust, so leicht einen großen Anteil an der künftigen Welt zu verdienen. Die andern Chassidim, die seine törichte Absicht verstanden oder ahnten, hielten ihn zurück, drängten ihn mit alier Kraft von des Rabbis Tisch ab, redeten es ihm aus und schärften ihm ein, nicht mit dem Feuer zu spielen. Das gleiche geschah auch am Sabbat beim Mittagmahl. Auch da forderte der Rabbi Reb Boruchl die Chassidim auf, mit dem Versprechen von der künf* tigen Welt, ihm eine Geschichte oder eine Sünde des Berditschewers zu erzählen. Auch jetzt wieder wollte der junge Mann zum Tisch des Rabbis. Und auch jetzt hin* derten ihn die Chassidim daran. Aber als er zu den Schalosch Seudoth kam, als es im Beth Hamidrasch schon dunkel war und der Rabbi Reb Boruchl wieder ein* mal seine Aufforderung richtete, hielt niemand mehr den jungen Mann zurück und der rief laut: »Rabbi» ich weiß