Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 165 (14.11.1930)
- Date
- 1930-11-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 2 DIE NEUE WELT Nr. M! I Ui il\J'< n \ :l, 'I ,m ' i? -*i y; f<?' 41 P TELEPHON U-22-3-69 ELZHAUS GEBRÜDER BRAININ WIEN I. BAUERNMARKT 2 a nommene Diskussion der Palästina-Frage aüf den 17. und 18. November zu vertagen, da ein detaillierte9 Memorandum der Jewish Agency als Antwort auf den Simpson-Bericht und'das Weißbuch in Vorbereitung sei, das .auf flem üblichen Wege an die Mandatskommission geleitet* wer den soll. Es bleibt abzuwarten, ob die Mrindätskoinmis sion dieser Bitte willfahren und einen bestimmten Zeitpunkt für die Erörterung des Palästina-Problems festsetzen werde oder ob die Diskussion darüber spontan von Seiten der Mitglieder der Kommission selbst werde eröffnet werden. Es bestehe weiters die Möglichkeit, daß eine konsultative Meinungsäußerung des Haager Internationalen Gerichtshofes, entsprechend dem Vorschlag von Lord Hailsham und Sir john Simon, über die Frage, ob das Weißbuch nicht dem Mandat widerspricht, eingeholt werden wird, und zwar entweder in der Form, daß sddi die englische Regierung oder daß sich. der Völkerbundsrat an den Haager Gerichtshof wendet. Prof. Weizmann erklärte zum Schluß, er wünsche, dem Aktionskomitee formell seine Demission als Präsident der Zionistischen Organisation zu überreichen. . Nach einem Antrag des Revisionisten Großmann, die Frage von Weizmanns Rücktritt zusammen mit der politischen Lage zu erörtern, verließ Dr. Weizmann den Saal. S. Kaplansky ergänzte die politischen Ausführungen Dr. Weizmanns und sprach ausführlich über die herrschende Stimmung in der Labour Party zur Palästina-Frage. Polen und Palästina fordern Rücktritt der Exekutive. Am zweiten Sitzungstage brachten der Bürgermeister von Tel-Awriw, Dizengoff, der Führer des - polnischen Misrachi, Deputierter H. Färb stein, und das polnisohe Aktionskomiteemitglied Dr. M. H i n d e s einen Antrag auf sofortigen Rücktritt aller ziöhistischen t Mitglieder der Exekutive der 'Jewish Agency und Einsetzung eines provisorischen Komitees zur Fortführung der politischen Arbeit ein. Deputierter Farbstein erklärte zur Begründüng dieses Antrages, der den Forderungen des Zentralkomitees der Zionistischen Organisation Polens Rechnung trägt, es gebe wohl kein einziges Mitglied des Aktionskomitees, das mit Dr. Weizmanns Rücktritt nicht einverstanden wäre. Die Vertreter der Arbeiterparteien wollten größeres Gewicht auf die Suche nach Mitteln und Wegen zur Verstärkung der Kolonisationsarbeit in Palästina gelegt wissen, statt auf eine Diskussion darüber, wer für die gegenwärtige Krise im Zionismus verantwortlich zu •< machen sei. , Außerdem beteiligten sich an der Debatte Doktor Mossinson, Kurt Blumenfeld und Suprasky, der feststellte, daß die Kompromißpolitik eine Niederlage erlitten habe und ein vollständiger Wechsel von Führerschaft und Politik erforderlich sei. Aus der Rede Farbsteins ist besonders interessant, hervorzuheben, daß er Dr. Weizmanns Erklärung auf der letzten Berliner Aktionskomiteesitzung neuerdings scharf angreift und der Meinung Ausdruck gibt, daß das britische Weißbuch in hohem Maße Resultat der schwächlichen Politik Weizmanns sei. Auch Dr. H i n d e s, der Vertreter der polnischen Et Liwnoth, einer Gruppe, die Weizmann Gefolgschaft geleistet hat, sieht sich genötigt, festzustellen, daß nach dem Ausbruch der Araberrevolte eine stärkere Politik, als sie Weizmann geführt habe, nötig gewesen wäre. Sie müsse geändert werden. Bürgermeister Dizengoff erklärte, die gegenwärtige Exekutive genieße nicht das Vertrauen der jüdischen Bevölkerung Palästinas. Er wies weiter auf die Gefahren von Komplikationen hin, die sich ergeben könnten, wenn nicht innerhalb der nächsten Jahre der gesamte in jüdischen Händen befindliche Boden Palästinas kolonisiert werde. Das Tempo der Kolonisation müsse beschleunigt und die Palästina- Kampagne im kommenden Winter verstärkt werden. Auch J. Naiditsch trat für die Einsetzung einer politischen Kommission ein. Er wandte sich gegen die bei einzelnen Mitgliedern der zionistischen Exekutive bestehende Neigung, Unterschiede zwischen dem Weißbuch und dem Simpson-Bericht zu konstruieren und in dem Simpson-Bericht eine geeignete Basis für Verhandlungen zu sehen. Der Standpunkt der Revisionisten, Meir Großmann erklärte, die Herausgabe des Statements der Revisionisten, von der Dr. Weizmann tagsvorher gesprochen hatte, sei eine im richtigen Augenblick getroffene richtige Maßnahme gewesen. Es sei die Absicht der Revisionisten gewesen, dör Presse eine jüdistihe Interpretation des Statements 2Ü übermitteln und die Aufmerksamkeit der Zionisten auf gewisse gefährliche Stellen des Weißbüches zu lenken. Das bisherige System sei nicht nur auf politischem Gebiet, sondern auch ätif dem der kolonisatorischen, finanziellen und organisatorischen Arbeit Völlig zusammengebrochen. Was habe Dn Ruppin im Auge gehabt, als er Sir john Hope Simpson begrüßte und ihm sein gesamtes Material Übergab» statt jede Mitarbeit mit einem MmisYär cl« s Kolonial am t es zu verweigern? Die Bereitschaft der Exekutive, ein Kompromiß mit der Regierung zu schließen, bedeute eine große G e fahr. Ein Wechsel der Zionistischen Exekutive wäre eine .Demonstration. der Entschlossenheit des jüdischen Volkes, den Kampf um sein Recht fortzusetzen. . Sodann verlas Großmann eine Resolution, in der erklärt wird, das Weißbuch sei nicht überraschend gekommen, es sei das Ergebnis einer langen Entwicklung auf Grund der Politik der früheren Regierungen. Die Zionistische Exekutive habe diese Politik systematisch gedeckt, die gegenwärtige Krise bedeute den vollständigen Zusammenbruch des Systems Weizmanns. Dr. Weizmanns Demission sei das Eingeständnis dieses Zusammenbruchs. Das Aktionskomitee müsse daher, die Demission annehmen, aber mich die gesamte Zionistische Exekutive, die für ■ diesen Zusammenbruch und die offizielle zionistische Politik verantwortlich sei, müsse zurücktreten. Bis zum nächsten Kongreß, der spätestens im Februar Zwischen Lipp' und Kelchesrand, Schwebt der finsteren Mächte Hand. Ihr Drohen kannst; jedoch leicht bannen, Trinkst Huber Likör du aus Kannen. abgehalten werden müsse, solle ein interimistisches Komitee die Leitung übernehmen. Ein Wahlkomitee aus Vertretern aller Parteien und Gruppen solle mit der Durchführung der Kongreßwahlen betraut werden. Falls kein Wechsel in der zionistischen Leitung eintritt, werden sich die Revisionisten genötigt sehen, ihre Position zu revidieren. Bei der Antwort auf das Weißbuch seien folgende Richtlinien' festzuhalten:" Erstens habe die Zionistische Organisation das Weiß b uch abzulehnen, da es mit dem .Mandat in Widerspruch steht und seine Veröffentlichung daher als illegaler Akt der Regierung anzusehen^ sei; zweitens habe die Zionistische Organisation jede Beteiligung der' Juden am Lögislati ve Counc,il abzulehnen, dies^ Ablehnung müsse auch.für die Jewish Ägen c y bindend "sein; drittens müsse beim Völkerbund Protest erhoben werden. Berl Katzenelson, der im Namen der palästinensischen Arbeiterschaft sprach, erklärte, das Schwergewicht der zionistischen Politik sei künftig auf die Schaffung von Machtpositionen in Palästina zu legen, und wandte., sich gegen die Forderungen der polnischenhZionisten; . .. . V' S V'T ^Nafr^ o % > A|s -letzter Diskussionsredner erklärte der Radikale Dr. Nahum Goldmanu, es müsse ein Kampf um die vollständige '. Verwerfung , des Weißbuches geführt werden. D(je politische Arbeit müsse von einer mächtvollen planmäßigen' K o 1 o n i s n t i o lt s a r b e i t im kommenden Winter gegleitet werden. Eine provisorische Exekutive sei zu ernennen, damit die Wintermonate, die durch positive" Arbeit in Palästina ausgenützt werden müssen, "nicht durch politische Kämpfe, die sich unvermeidlich einstellen würden, wenn die bisherige Exekutive im Amt bleiben sollte, verlorengehen. Nur wenn eine provisorische Exekutive gewühlt werde, käme eine Verschiebung der Einberufung des Z i onistenkongresses bis zum Mai, aber nicht länger, in Betracht. Es sei unverständlich, daß die Zionistische Exekutive nach den Demissionen Weizmanns, Warburgs und Lord Melchetts noch im Amt sei. Es geht jeden an denn jeder ist den Unbilden einer Verkühlung ausgesetzt, die von verhängnlsvöllen Folgen begleitet, sein kann, bei wirksamste Schutz gegen veikühlung' Ist die Abhärtung und die Stählung des Körpers, die am besten durch ständigen Gebrauch des FRANZBRANNTWEIN «lt Menthol f ermöglicht wird In Jedem besseren Geschulte erhältlich Verlangen Sie ausdrücklich „D I A N A" und nehrnen Sie nur „D 1 A N AM1 Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen Die Exekutive "will nicht gehen. Namens der Exekutive erklärte Harry Sa eher, so sehr er ursprünglich entschlossen gewesen sei, sein Amt niederzulegen, so sehr sei er jetzt entschlossen, dies nicht zu tun. Die Exekutive könne nicht zurücktreten* solange sie nicht wisse, wer ihr im Amte folgen werde und welchen Arbeitsplan ihre Nachfolger durchzuführen beabsichtigen. Es kann nicht die Aufgabe der Exekutive sein, den Emotionen der Massen entgegenzukommen, die in einem augenblicklichen Zustand der Erregung die Demission der Exekutive wünschen. Die Opposition entbehre einer politischen Einfühlung und eines klaren Programms. Das gegenwärtige Problem ist mehr außenpolitischer als innenpolitischer Natur, und der Eindruck, den ein Wechsel in der Leitung erwecken würde, könnte für unsere zukünftige Politik verhängnisvoll werden. Weizmanns Demission war nicht eine Demonstration nach innen* sondern eine solche nach außen gegen die Politik des Weißbuchs; sie hat eine nachhaltige politische Wirkung hervorgerufen. Welchen Männern sollen wir die Leitung der zionistischen Arbeit anvertrauen? Wir müssen auch die andere Seite nicht aus dem Auge lassen, nämlich die britische Regierung, die zu einer Aenderung ihres politischen Kurses bewogen werden muß. Es wäre ein Fehler, Dr. Weizmann aufzufordern, seine Demission zurückzuziehen, aber eine noch größere Gefahr wäre es, seine Demission von einem innerzionistischen Standpunkt aus gutzuheißen. Professor B r o d e t s k y erklärte, er sei niemals für ein Kompromiß auf der Basis des Weißbuches eingetreten. Er teile in dieser Hinsicht vollkommen den Standpunkt Dr. Goldmanns und habe die Exekutive vor jedem derartigen Kompromiß gewarnt. Eine vollständige Zurückziehung des Weißbuches sei unwahrscheinlich. Colonel K i s c h gab eine Darstellung der gegenwärtigen Situation in Palästina und schilderte die Wirkung des Weißbuches auf den Jischuw, der auf seinem Posten ausharren werde. Nahum Sokolow brachte eine Resolution ein, in der sich das Aktionskomitee mit den Motiven, die Weizmann zu seiner Resignation veranlaßt haben, solidarisch erklärt. Die Zionistische Exekutive, erklärte Sokolow, haben den Schritt Dr. Weizmanns gebilligt und sei nur deshalb nicht sofort zurückgetreten, um ein Chaos in der Zionistischen Organisation für die Zeit bis zum Kongreß zu vermeiden. Macks sonderbare Rede. Richter Julian Mack wurde Gelegenheit gegeben, seine Stellungnahme zur gegenwärtigen politischen Situation zu präzisieren. Seine' Ausführungen wurden mit Ueberraschung aufgenommen. Er erklärte, er wolle nicht behaupten, daß Doktor Weizmann für die augenblickliche Lage verantwortlich zu machen sei. Vielleicht, sagte Mack, trifft die Schuld uns alle, weil wir den Palästina-Aufbau nicht genug energisch durchgeführt haben. Wie Sie wissen, war ich seit 1919/20 Gegner Dr. Weizmanns. Ich habe gegen seine Tätigkeit viel einzuwenden. Meine Freunde und ich waren gegen die Erweiterung der Jewish Agency. Anderseits haben viele Teilnehmer dieser Versammlung Dr. Weizmanns Politik gestützt. Aber ich möchte heute nicht über Vergangenes sprechen. Es erscheint mir in diesem Augenblick gleichgültig, ob Weizmann Fehler begangen hat und in welchem Grade. Ich befasse mich bloß mit der gegenwärtigen Situation und mit der Zukunft. In diesem ernsten Augenblick müsseu wir geschlossen vorgehen. Wir mögen unsere persönlichen Anschauungen aufrecht erhalten und unseren inneren Kampf fortführen, nach außen hin aber müssen wir geeint sein und eine geschlossene Front bilden. Wir würden uns selbst schlagen, wenn wir Weizmanns Demission annehmen. Richter Mack fuhr fort: Sie können sich nicht vorstellen, wie empört die amerikanischen Zionisten über das Weißbuch sind. In irgend einer Form wird dieses Dokument aus der Welt geschafft werden müssen. In diesem Bestreben ist Dr. Weizmann mit uns einig und wir müssen, auch wenn er nicht länger unser Führer zu sein wünscht, ihn veranlassen, zu bleiben. Es mag seltsam erscheinen,- mich so über Dr. Weizmann sprechen zu hören, aber ich wiederhole, daß mich die Personenfrage nicht interessiert. Uebrigens hat nach dem Statut der Administrative Council der Jewish Agency in dieser Sache das letzte Wort zu sprechen und es wäre sehr unangenehm, wenn der Administrative Council einen Beschluß des Aktionskomitees umstoßen müßte. Xolonisations- und Finanzfragen. Die Nachmittagssitzung des 6. November war der Diskussion über die Finanzberichte sowie der Erörterung von Einwanderungs- und Kolonisationsfragen gewidmet. Im Vordergrund der Debatte stand die Frage der Mittelstandsansiedlung. Von mehreren Rednern wurde darauf hingewiesen, daß die beschleunigte An» Siedlung von Juden mit kleinem eigenem Kapital auf Nationalfondsboden sich nach zwei Seiten hin günstig auswirken würde. Einerseits würde dadurch die Mittelstandseinwanderung und die Kultivierung des gesamten in jüdischen Händen befindlichen Bodens gefördert, anderseits mehr Geld ins Land gebracht werden. Colonel K i s c h erklärte, es sei zu erwarten, daß das Kolonialamt