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Die neue Welt · 1930-11-07 · Heft 164 (7.11.1930) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 164 (7.11.1930)
Date
1930-11-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite! DfE NEUE WELT Nr. 164 ff SIEGM. KORNMEHL dftOSmilSCHH Alf 1*11 fj Zentrale IX., BerggaM» 19, Telcphprt u. 16-9-34 I L i e t e r a n i tür Heilanstalten II Abteilungen fflr ittt3«Pleltch Ii «ater Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinets der Itr Kai* if tusgemeinde Wien II Autoxuat«llun§ ko«t«itl*t | IX., Berggast« IS / XVIII.« Wlhrlngcrstr. »7 >iwfflmimtnm«niiitm'itm'Hmi»w^ iirr«xmiiiitmcNmrimmmi(mrimitiHM(tHi „Ueber das Endziel , dir zionistischen Arbeit gibt es sehr verschiedene Meinungen, von der extremen Linken in der zionistischen Organisation, die dem Ausgleich mit den Arabern zuliebe auf dl« jüdische Mehrheit ausdrücklich verzichten will, bis zur extremen Rechten, den Revisionisten (sie hatten beim letzten Kongreß 21 Stimmen von Insgesamt 310), welche die Erreichung der jüdischen Mehrheit aus* drücklich verlangen. Die Masse der Zionistcn hofft, einmal die Mehrheit zu erhalten, sieht aber darin nicht die entscheidende, unumgängliche Bedingung für die Möglichkeit sinnvoller Aufbauarbeit. Die zionistische Organisation und ihre Tagungen haben nie den Juden« staat oder die jüdische Mehrheit als Programmpunkt aufgestellt. So zu schreiben wagt ein hoher zionisti» scher Beamter! Für alle Zionisten ist die Erlangung der jüdischen Majorität eine Sache zweiten Ranges. Nur die „Extremisten", dos kleine Häuflein „rechter Extremisten" will ausdrücklich -die jüdische Mehrheit in Palästina 1 Und den Judenstaat will überhaupt niemand 1 Was soll man mehr anstaunen bei diesem Herrn, der zionistischer Beamter ist: den Mut, die ganze Zionistische Organisation zu provozieren und ganz ins Horn der britischen Regierung zu stoßen und wie sie von „Extremisten" zu sprechen, oder den Mut zur Unwahr« heit, zur fäustdicken Unwahrheit Alle Zionisten wollen die jüdische Mehrheit und halten ein wirkliches Nationalheim ohne sie für eine ganz leere Illusion! Alle! Die anderen sind keine Zionisten! Als sich bei der letzten A.*C.«Sitzung Weizmann gegen die Idee vom Judenstaate versündigte, sie preisgab, da standen alle; all e gegen "'ihn auf! Aber "der zionistische Beamte redet, wie der wortbrüchige Passfield, von „Extremisten", als ob er im Auftrage der englischen Rc« ßierung spräche! veinde im eigenen Lager .... Wie lange noch wird dieser katastrophale Zustand in der Zionistischen Organisation andauern? Wie lange noch werden Feinde des echten Zionismus Mithelfer an der Verkleinerung, an der Vernichtung" des Zionismus, Feinde im Rücken, von offiziellen Stellen aus mit den moralischen, politischen und ritateriellen Mitteln der jüdi* sehen Volksbewegung schalten* und walten? Der verlogene «Daily Herald». Die Roten lernen bei, den Schwarzen. Zu den-schwersten Anklagen, welche die Sozialdemokraten gegen, die heutige. Gesellschaft erheben, gehört die Anklage gegen die Diplomatie dieser Gesellschaft. Die heute herrschenden reaktionären, aristokratischen und klerikalen Diplomaten, Außenminister und Gesandten bedienen sich der Lüge und vergiften durch sie die; Stimmung zwischen den Nationen. Wenn die Vertreter des „Volkes", wenn die Sozialdemokraten aus Ruder kommen, dann wird es anders werden! Die Lüge wird verschwinden, goldene Wahrheit wird im Verkehr der Nationen'herrschen! In England sind die Sozialdemokraten zur Regierung gekommen. Sie besorgen jetzt dort das diplomatische Geschält. Ist mit ihnen auch die goldene Wahrhaftigkeit gekommen? Nein! Sie lugen, daß ihre abgebrühtesten Vorgänger aus der alten Lügenschule vor Neid bersten. Der Herr Kabinettschef Mac Donald bricht Ehrenwörter, als ob es Streichhölzer wären, der Außenminister Passfield lügt, daß sich die Balken biegen, und ihr biederes Organ, das Blatt der sozialistischen Regierung, der Lon doner „Daily H e r a 1 d", arbeitet mit Betrüg, Verdrehung und Totschweigen,r soweit es. nur geht. * . » Im „Manchester Guardian" vom 89. Oktober 1930 veröffentlicht Pr, Weiznjann folgenden Brief: ' ' „In einem Brief an die „Times" vom 23. Oktober 1930 haben Mr. St. Baldwin, Sir Austen Chamberlain und Mr. Amery der Regierung den Vorwurf gemacht, daß sie die Anregung unbeachtet ließ, die ich am 19. September Lord Passfield machte, dahingehend, daß die Regierung eine Verständigungskonferenz von Juden und Arobern einberufen möge. * Der „Daily Herald" (das offizielle Blatt der Regierungspartei) erklärte am nächsten Tage, daß diese gegen die Regierung gerichteten Anträge entschieden unwahr seien und daß ein Versuch, meine Anregung zu verwirklichen, erfolglos geblieben war. Daraufhin schrieb ich dem „Daily Herald**, daß Lord Passfield meine Anregung vom 19, September -nie bea nt warte te*« Der „Daily Herald" lehnte es jedoch ab, meinen Brief zn veröffentlichen, und deutete an, daß ein Versuch zur Einberufung einer Konferenz zur Verständigung zwischen uns und den Arabern zu einem früheren Zeitpunkt (d. h. vor dem 19. September) unternommen wurde. — Ich antwortete der Zeitung am 26. Oktober d. J.: .,Da wir zu einer solchen Konferenz nie eingeladen wurden, kann Ihre Feststellung sich nur auf irgend welche Anerbieten beziehen, die den Arabern gemacht wurden und bei ihnen offenbar keine Zustimmung fanden. Wie immer es sich damit verhält, wurde uns Anfang September im Kolonialamt erklärt, daß unter den Arabern gemäßigte Meinungen herrschen, und daß die Regierung ihre Politik dementsprechend formuliert. In Anbetracht der neuen Situation und in dem Gefühl, daß eine einvernehmlichere Lösung entschieden erwünscht ist, erneuerten wir unseren Vorschlag einer Verständigungskonferetiz. Dieser Vqrschlag wurde von Lord Passfield ignoriert und der Vorwurf, der ihm in dem Brief der konservativen Führer gemacht wird, ist deswegen berechtigt und r e 1 e v a n t." , „Da der „Daily Herald" sich weigert, meinen Brief abzudrucken, wäre ich Ihnen verbunden, wenn Sie meine Erklärung publizieren würden." / NGELEN U6 der vollendetste Radioapparat Europas I Empfang aller Weltstationen Ueberaus preiswert! (In allen besseren ) iiffj Fachgeschäften gegen Teilzahlung) .\*¥*t4& $W «ehen in den Kampf! n v v i ■ Wladimir Jabotinsky. ' Die Nichtzionisten in jener hohen Körperschaft, die juns seit dem letzten Kongreß der Erlösung zugeführt, 'beginneninteressant zu ^werden. Ich fühle mich nahezu bereit, yfegen ihrer, langen Ignorierung durch mich an die Brust-zu schlagen. Habe-ich doch vor einigen Wochen gestanden, bis ,zu .dem.. -Zeitpunkt der Erweiterung der Jewish Agency nicht einmal ihre Namen gekannt zu haben. Das war in einem Artikel des „Rass wjet". Sehr ungünstig war die Reaktion darauf gegen midi. Wie kann ich denn:wagen zlü bdia'upTten, daß Herr Maier und ■Herr 'Müller "'„örtliche" Berühmtlieiten" seien? Na gut. '! ' ' Anerkennen wir sie als ganz große Figuren und tun wir ihnen die Ehre an, uns mit ihrer Psychologie in den Spalten eines Blattes zu befassen. Ueberhanpt jetzt, wo sie sich „entpuppt" haben als Kämpfer. Sie gehen dodi mit uns in den Kampf gegen Lord Passfield. Regimentskameraden sozusagen. Eine' neue jüdische Legion. Und ah.der. Spitze eines «einer Bataillone steht nicht, bewahre, Patterson, sondern clor Jude Mr. War bürg aus NteW York. Als Goj mit gojisdiem Verstand war Patterson der Arme ein Anhänger des Judenstaates und ist es audi geblieben. Das jüdische Hirn ist, wir wir wissen, raffinierter. Nebenbei: wenn man heute von den Nichtzionisten in der Jewish Agencyi spricht, so darf man nicht mehr nür auf die zweite Fifty hinweisen. Auch in der alten, ersten haben sich maudie als Nichtzionisten „entpuppt". Denn was ist Zionismus, wenn es kein leeres Wort sein soll? Ist zum Beispiel, der Gründer des Brith Schalom auch Zionist? Oder überhaupt ein Mensch, de ran den Judenstaat nicht glaubt und den Judenstaat oder eine jüdische Mehrheit nicht anstrebt? Denn ein zukünftiges Palästina, das keine jüdische Mehrheit hat, muß eine arabische Mehrheit haben, d. h„ es wird der Tag kommen, da es ein a r a b i s c h e r Staat werden wird, genau so arabisch wie z. B. Polen polnisch, ungeachtet nationaler Minderheiten. Und im arabischen Staat werden die Juden in der Minderheit sein, und da dieser arabische Staat sich natürlich an eine größere arabische oder panarabische Föderation anschließen wird, so werden die Juden in dieser Föderation nicht eine' Minderheit schlechtwegs, sondern ein verschwindendes Häuflein darstellen. Man kann ausrechnen, daß, wenn auch die Juden in) Jahre 195Q ein ganzes Drittel in Palästina bilden, sie in einer Föderation, die Palästina mit Syrien und dem Irak vereinigt (schon nicht zu reden von einer panarabischen Föderation), nicht mehr als vier Prozent der Bevölkerung ausmachen würden. Es fragt sich also: ein Mensch, der zu diesem Ideal als dem Ziel der nationalen Bewegung hinstrebt, ist das auch ein Zionist? Ich will, Gott behüte, niemand beleidigen: der Naime Nichtzionist ist doch kein Schimpfwort. Im Gegenteil. Seit dem 16. Kongreß ist das ein offizieller Titel, auf den man stolz ist und für den man Ehren einheimst. So ist es also keinesfalls eine Beleidigung, wenn ich die Tatsache konstatiere, daß sich in der ersten Fifty Nichtzionisten herangebildet haben, obwohl man uns sechs Jahre lang versicherte, der Prozeß werde ein umgekehrter sein, die anderen und nicht die von uns würden sich bekehren. Aber Tatsache bleibt Tatsadie, und Tatsadien muß man feststellen. Dr. Weizmann z. B. darf es mir nicht übelnehmen, wenn ich hier seine Kampfpsyehologie zusammen mit Herrn Wartburg analysiere. Ohne Unterscheidung. . * Zunächst die erste Frage. Warum ist Herr W a rb n r g auf das englische Kabinett böse? Rein logisch ist das nicht leicht zu verstehen. Ich glaube, das Weißbuch ist nichts anderes als die konsequente Durdifivhrung des Prinzips, nach welchem Nationalheim keine jüdische Mehrheit bedeutet. Wer eine jüdische Mehrheit will, muß die ökonomische Entwicklung des Landes forcieren wollen, außerordentliche Anstrengungen machen zur Platzschaffung für neue Massen. Er darf vor der arabischen Unzufriedenheit nicht zurückschrecken, denn es ist seine Pflicht, die Juden in Massen hereinzubringen. Wenn aber keine Mehrheit, wozu dann die Eile? Was ist der Unterschied zwischen 1000 mehr oder 1000 weniger? Wozu den Arabern Besorgnisse schaffen? Man schreibt dann ein Weißbuch genau so wie man ein Imraigrationsgesetz in irgend einem anderen Landgebiet schreiben würde — und nicht einmal ein antipathisch.es Gesetz. Denn schließlich ist die Immigration nicht verboten, sondern nur den Interessen der gegenwärtigen Bevölkerung gemäß begrenzt. Ich darf dagegen protestieren. Denn ich lege die Balifour-Deklaration als das Versprechen eines Juden- Staates aus, aber Mr. Warburg darf von dem Standpunkt aus natürlich nicht protestieren. Und doch sehen wir, daß er protestiert. Wogegen protestiert er also? Einen Grund seiner Unawf.riedenheit hat er uns mitgeteilt. Er klingt sehr sonderbar. Herr Wariburg beschwert sich, daß Lord Passfield ihn in seinem Londoner Gespräch „verführ t" habe, einfach nicht das gesagt, was er gemeint habe. Noch einfacher: betrogen habe. Lügen erzählt. Es klingt sonderbar. Der Herr der Welt ist mein Zeuge, daß ich von Herrn Passfield of Hebron and Safed eine sehr schlechte Meinung habe. Aber alles, sogar eine schlechte. Meinung, muß seine . Grenzen halten. Ich kann z. B. nicht glauben, daß Passfield lügen soll. Was ihr wollt, aber keine Lügen! Mr. Sidney Webfo, der jetzt Lord Passfield heißt, ist eine weltbekannte Figur. Seine Physiognomie ist eine bekannte Physiognomie. Und genau so wie ich nicht glaube, daß er seine Schwiegermütter ersdilagen hat, genau so lasse ich mir nicht einreden, daß er einen New Yorker, Bankier au sich geladen habe, um ihm Lügen zu erzählen. Soll Mr. Warburg es mir nicht Übel auslegen: Minister, besonders so kluge Leute wie Sidney Webfo, haben oft die Gewohnheit, „diplomatisch" zu sprechen, d. h. unangenehme Absichten in delikate Worte zu kleiden, wobei sie natürlich darauf bauen, daß der Zuhörer begreift Ueber e i n Kapitel des Londoner Gesprächs besteht kein Zweifel. Passfield hat Warburg klar gesagt, daß die Regierung eine Art Parlament schaffen" werde, und Warburg hat das nicht nur verstanden, sondern dem Minister auch ganz klar versichert, die Juden würden an diesem Parlament teilnehmen. Das hat Warburg selbst eingestanden, er ist sogar hingegangen und hat das Geschenk des Ministers und seinen eigenen politischen Scharfsinn in' einem Kommunique für die Presse in Berlin niedergelegt. Wie soll man nun annehmen, daß, nachdem Passfield ihm ganz klar das Schlimmste aus dem Inhalt des Weißbuch e s mitgeteilt hat, er ihn plötzlich in anderen Dingen, weitaus weniger gefährlichen, belogen hat? Eine sehr sonderbare Beschuldigung. Ich fürchte, daß Passfield, wenn er davon erführt, mit irgend einem beißenden Aphorismus antworten wird, des Inhalts, daß es nicht nur darauf ankommt, wie einer spricht, sondern auf das Talent des anderen," zu verstehen. Also den Din Thora über Passfields Unredlichkeit lassen wir lieber beiseite. Der gesetzgebende Rat kann nicht der Grund von Werburgs Kampfstimmung sein. Die Anti judenstaatstendenz des Weißbuches ist für ihn kein Kriegsfall. Was denn also? Ich fürchte, der Grund von Herrn Werburgs schmerzlicher Empörung ist wieder ein Mißverständnis. Wiederum hat er nicht richtig das, was man ihm sagt oder was man in einem Weißbuch schreibt, dechiffriert. Diesmal ist er in das entgegengesetzte Extrem verfallen i~ seine Auffasung ist „zu pessimistisch". Er muß Passfields letztes Meisterwerk dahin verstanden haben, daß kein einziger Jude künftighin eingelassen werde oder die Erlaubnis erteilt wird, auch nur einen Quadratmeter Boden zu kaufen. Ein solches Unrecht kajin das patriotisehe Herz nicht ertragen. Und das awängt mich in eint* schwere Rolle: ich muß Passfield in Schutz nehmen, ja, diesen Lord Passfield of Hebron, denn nicht er und nicht einmal die Palästina-Bürokraten, die ihm seine Politik' diktieren, haben die Absidvt, so weit zu gehen. ' Gott bewahre! Sie haben die ehrliche Absicht, jüdische Jmjni- .

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