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Die neue Welt · 1930-11-07 · Heft 164 (7.11.1930) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 164 (7.11.1930)
Date
1930-11-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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**9W—MH| .M=-^~r!3^3i£äfc * Nr. 164 DIE NEUE WELT Seife 9 p a 1 äs t i n e n s is c Ii e Arbeiterbewegung, ihr koloiusatörisches und organisatorisdics Werk, ihri? sozialen Errungenschaften und ihre genossenschaftlichen Unternehmungen gerückt. Die starken Angriffe gegen das Werk der Renaissance des jüdischen Volkes richten eich gegen das Recht der jüdischen Massen auf Arbeit, gegen die Arbcitercinwandcrung und gegen die Ansiedhtng, die auf nationalem Boden und auf Selbstarbe.it begründet i«tP „In vollständiger Verleugnung der Stellung' des Lauour-Vertreters in der Shnw-Koinmission und durch die offizielle Uebcrnahme der Verleumdungen der Kommissionsinehrhcit schildert die Regierung in ihrer Erklärung die jüdische Arbeiter-koloni« »ation in einer Weise, als ob sie die arabischen Arbeiter beeinträchtige, vom Boden und aus ihren Arbeitsplätzen verdränge. Mit diesem Wink e 1z u g beabsichtigt die Regierung, ihren Verrat am jüdischen NationaHicim vor den Augen der britischen und der internationalen Meinung zu rechtfertigen." „Aus dem Willen heraus, das zionistische Werk zu, lähmen, ignoriert die britische Erklärung wissentlich die ausschlaggebende Tatsache, daß die Juden, die nach Palästina gekommen isind und sidi hier in Stadt und Land angesiedelt haben, nicht in die arabische Wirtschaft eingedrungen .sind und nicht den Platz arabischer Arbeitet' besetzt haben, sondern neue Existenzqucllen geschaffen, brachgelegene Naturschätze entwickelt, öde, unbesiedelte Landstriche erschlossen, neue Dörfer und Siedlungen erbaut und Industrie- und Gewerbezweige, die vor der jüdischen Kolonisation nicht im Lande existiert haben, neu eingeführt haben. Die E r k 1 ä r u n g der britischen A r b e i t e r r e g i e r u n g befleckt mit ihrer falschen, trügerischen Darstellung und ihrem Ha.fi di* Arbeite rbewegun g." In einer zur gleichen Zeit .stattfindenden Arbeiter- Versammlung sprach der Präsident der palästinensischen Arbeiterschaft, Ben Gurion, über die Handlungsweise der englischen Arbeiterregierung. Er sagte: „Die Erklärung der Arbeiterregierung ist nicht nur ein Dokument heuchlerischen Verrates, sie ist ■ erfüllt von ausgesprochen antisemitischer Verleumdung!" Wedgwood klagt an! ' Er verdammt die Politik der eigenen Partei Die „Times" vom 30. Oktober veröffentlichen ein Sphreiben des Abgeordneten Colonel Jos i ah C. \Vedgwood, in dem er u. a. ausführt: Vor ungefähr zwei Jahren beteiligte ich mich an der Gründung einer aus Engländern und Juden zusammen« gesetzten „S e v c ri t h Dominion League", die sich die Schaffung eines englandfrcundlich.cn Palästina, das eine feste Stütze des Reiches werden sollte, zum Zjele nahm. . „Heute ist die Freundschaft der Juden für England und damit die Liga tot. Es erscheint unglaublich, daß m i 11 e 1 a-11 e t» liehe Hassen Vorurteile unsere Aussichten in Palästina zerstören, die Juden der ganzen Welt zu unseren Feinden machen und unseren Ruf als ehrliche, Saeh waltet schänden durften. Was wird, geschehen, wenn die Regierung ihre Politik nicht andern wird? Die Juden werden die neue Verfassung und die Palästina<Regierung boykot* tieren. Das Budget Palästinas, bisher zum großen Teil getragen von Arbeit und Kapital, die von Juden ins Land gebracht wurden, wird ins Wanken geraten. Statt In Jerusalem und Whitehall um Gerechtigkeit au bitten, wird die Jcwish Agency alle Uebelstände in der englischen Presse der ganzen Welt beleuchten und alle Beschwerden vor die Mandatskommission des Völkerbundes bringen. Zentralsparkasse fmitiififititmimHiMinittniiiniiniiininniiinmtiititiiifiiiiiiiifiiiiiiiHifiitiifttfifiifiiiiii^ der Gemeinde Wien Wien I, Wipplingerstraße 8 Fernruf* U-23»5*60 kreditverein der Anstalt: VM, Neu baugasse 7 Die Gemeinde Wien haftet mit ihrem gesamten Vermögentür alle Minlagen in der Anstalt 3 m Sie wird sich möglicherweise in Genf für die Ucbertrngung des Mandats an eine andere M acht einsetzen. Heute wollen auch jene, die all dies Unheil heraufbeschworen haben, das Mandat nicht aufgeben — das Mandat, wie sie es auffassen. Die Argumcn* tation, daß keine andere Macht das Mandat übernehmen werde, weil kein Staat geneigt sein werde, zum Schutze der Juden in Palästina eine Armee zu unterhalten, ist falsch. Die jüdischen Siedler sind fähig, sich selbst zu vers teidigen, wenn man ihnen nur die dazu nötigen Mittel zur Verfügung stellt. Um weitere Schäden abzuwenden, genügt es nicht, das Weißbuch abzuändern. Der Geist der Verwaltung im allgemeinen muß eine Wandlung erfahren. LERNET FREMDE SPRACHEN in der Berlitz School, Wien I, Graben 13 Prospekt 7 auf Wunsch Polen fordert die Ausschaltung Weizmanns* Einstimmige Erklärungen der polnischen Zionisten. Am 27. Oktober trat in Warschau das Zens cralkomitee der Zionistischen Organisation Polens zu einer gemeinsamen Sitzung mit der Politischen Kommission zusammen, die seinerzeit vom zionis stischen Parteitag gewählt wurde. Nach längerer De« batte wurden vier Resolutionen gefaßt. In der ersten wird ausgedrückt, daß der Rück« tritt Weizmanns nicht nur ein Protest gegen England, sondern auch das Ergebnis des vollständigen Zu» sammenbruches der politischen Methoden darstelle, die Dr. Weizmann in den letzten Jahren Vertreten hat. Die zweite Resolution verlangt die völlige Au Sc Schaltung Weizmanns von der Führung und den Rücktritt der gesamten Exekutive. In der dritten Resolution wird das am 4. November zusammen« tretende AktionssComitö aufgefordert, eine proviso« rische Leitung einzusetzen, die bis zum Zionisten* kongreß die organisatorischen Aufgaben, insbesondere die Vorbereitung des Kongresses, wahrzunehmen hätte. Sollte die Schaffung einer derartig provisorischen Lei« tung sich als unmöglich erweisen, so soll das Aktions* Comite die Exekutive bevollmächtigen, im Demissions* zustand die Geschäfte der Organisation weiterzuführen und dafür zu sorgen, daß der XVII. Zionistenkongreß nicht später als im Februar 1931 zu* sammentrete. In der vierten Resolution wird lAAÄAAAAAAAAAAlAAAi VW WWW WVWWt HF1I KfiPFN «•«•" Ischias, H «x«iisclt«ft» U*w 1IL,1LI\UIU*U aigtvn und RtraumatlsmM in der Fan joueiiflnstait 11 ItaMäe Isöiias-Söinellkurßn. «stnmakuren in fcMttW! I Gesamtes physikalisches Heilverfahren Parmlnnenbäder Hochlfeo;uenib#h*ndtunB verlangt, daß die dringendsten politischen Angelegen« heiten von der Politischen Kommission der Jewish Agency wahrgenommen werden sollen. Diese Kommis* sion muß durch Hinzuziehung eines revisionisti* sehen Vertreters verstärkt werden. Die letzte Resolution wurde gegen die Stimme des revisionisti« sehen Vertreters gefaßt, welcher erklärte, daß die Re« visionisten sich an keinem Organ der Jewish Agency zu beteiligen vermögen. * Die Resolutionen, welche von der grüßten aller Zionistischen Organisationen einstimmig, also mit den Stimmen der bisherigen treues ten Anhänger Weizmanns gefaßt wurden, bezeichnen die Stimmung jener Massen, die am innigsten mit Palästina ver* bunden sind. Die zweite Resolution, welche uie völlige und sofortige Ausschaltung Weizmanns fordert, ist aügen« scheinlich durch die letzten Schritte W c i /« m a n n s und die Haltung gewisser zionistischer und jüdischer Organe hervorgerufen, welche, wenn auch ver« hüllt, daran sind, Weizmann als reines Opfer der Eng« lünder hinzustellen und ihn wieder zur Macht gelangen zu lassen. Besonders aber durch die letzte Handlung Weizmanns, welche eine schwere Schädigung der künftigen zionistischen Arbeit beinhaltet. In seinem Demissionsschreiben an die englische Regierung hat Weizmann es über sich gebracht, von dem den Zionismus vernichtenden Simpson«Bcricht zu bc* hnupten, er hätte, wenn er auch schlecht sei, eine Basis für Unterhandlungen mit den Zionisten abgeben können! Man wird sich in Hinkunft bei den Verhandlungen mit den Zionistcn und vor dem V ö 1 k c r b u n d c gewiß auf diese Behauptung Weizmanns berufen. Welche große Erschwerung das für die künftigen Vertreter der zioni» stischen Interessen bedeuten wird, ist klar. Wenn man das in Betracht zieht, erscheint die scheinbar rücksichts« lose Forderung der polnischen Zionisten nach sofortiger Entfernung Weizmanns verständlich. Sie ist in Wirklich« keit von voller Rücksichtnahme auf die Zukunft des I Zionismus diktiert. ♦♦♦»»»♦♦♦»«♦♦♦♦»♦♦♦»♦♦♦♦♦»♦♦♦»♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦»♦♦♦+♦♦♦♦♦»♦♦»♦♦»♦ Feinde im eigenen Lager! Der Bund „Brith Sdialom" gegen die Judensdiaft Palästinas* — Unzuverlässige Beamte, unzuverlässige Fuhrer im Augenblicke höchster Not» Nie hat die Zionistische Organisation willensstarke vom Glauben an das zionistische Ideal erfüllte Führer so gebraucht, wie jetzt. Nie aber haben sich Zag* haftigkeit und Unzuverlässigkeit in die Reihen der Führer und führenden Beamten so verderblich eingenistet wie jetzt, im Zeitpunkte höchster Gefahr. « Die englische ArbeitersRegicrung hat, als härtesten Schlag gegen das jüdische Aufbauwerk in Palästina, die Errichtung einer parlamentarischen Kör* perschaft angekündigt, in welcher Araber und antizionistische und antisemitische eng« Iis che Beamte die erdrückende Majorität, die Juden eine ohnmächtige, verschwindende MinorU tat bilden werden. Die Regierung hat — ganz zutreffend — vorausgesehen, daß die Judenschaft Palästinas in diesem „Parlament" lediglich eine gegen den Zionismus gerichtete Vernichtungswaffe erkennen und jede Teilnahme an Wahlen in diese Körperschaft ablehnen wird. Sie hat daher gleichzeitig angekündigt, daß für den Fall, als die Juden die Teilnahme an den Wahlen ab» lehnen sollten, die Regierung Juden zu Mitgliedern dieses „Parlaments" ernennen wird. Wieder in der leider r i c h* tigen Voraussicht, daß sich auch in Palästina Juden finden werden, bereit, dem eigenen Volke in den Rücken zu fallen. Und es haben sich wirklich solche gefunden im Bunde „Brith Schalom", jener Vereinigung, die seit Jahr und Tag an der Verkleinerung des Zionis» mus und damit seinen Feinden in die Hände arbeitet. Sein Haupt ist M a g n e s, der Rektor der Jeru« salemer Universität, seine Organe sitzen in der höchsten zionistischen Beamtenschaft und in der obersten zionistischen Leitung. ' , Sofort nach Bekanntwerden des teuflisch aus* gedachten Parlamentsplanes trat der Jüdische Nationalrat (Waad leumi), die gewählte Vertretung der gesamten Judenschaft Palästinas, zusammen und beschloß einstimmig, jede Teilnahme an Wahlen in dieses „Parlament" abzulehnen, Auch die Vertreter der sonst antizionistisch ein« gestellten Agudah stimmten diesem Akte der Betonung nationaler Würde und Pflicht bei. Auch von seiten eines Vertreters des „Brith Schalom" lag eine Zustimmung vor, . Wenige Tage später veröffentlichte die Leitung des „tirith Schalom" eine Erklärung, in welcher sie ihren Ver« treter desavouiert und bekannt gibt, daß sie sich dem Beschlüsse der Gesamtjudenaehsft akht aneehliefitt Die englische Regierung hat also richtig spekuliert, als sie mit der Existenz jüdischer Deserteure rechnete! Feinde im eigenen Lager . , , *. Vor einigen Monaten mußte eines der aktivsten Mitglieder des „Brith Schalom", Herr Dr. Hans Kohn, dem Unwillen der palästinensischen Judenschaft weichen. Er war einer der höchsten Beamten der Kcren*Hajessod* Zentrale in Jerusalem, mit der Leitung der Weltpropa* ganda betraut. Die Stimmen in der Oeffentlichkeit, welche sich gegen das gefährliche Verbleiben Dr. Kohns auf einem zionistisch so wichtigen Posten erhoben, wurden so laut, daß Herr Dr. Kohn seine Demission geben mußte. Nun wird uns aus Jerusalem folgendes berichtet: In der letzten Aktionskomiteesitzung wurde die Einrichtung eines Referats für arabische Angelegen* heiten bei der Zionistischen Exekutive in Jerusalem be« schlössen. Die palästinensische Exekutive besteht derzeit aus den Herren Kisch und Ruppin, Vertreter der ZionU sten, und Hextcr und Senator, Vertreter der amerikanw sehen Juden. Mit Ausnahme von Kisch alle Freunde oder Mitglieder des „Brith Schalom". Gegen die Stimme von Kisch (Ruppin war nicht anwesend) wurde beschlossen, den vom Keren Hajessocl aus politischen Gründen ge* schiedenen Herrn Dr. Kohn mit der Leitung des hoch* politischen Referats für arabische Ange* legenheiten zu betrauenl Herr Dr. Kohn, der wohl das Arabische nicht beherrscht, zu den Arabern keinerlei Verbindung hat und nur Anhänger der gefährlichen Richtung ist, welche den Arabern alles geben und den Juden ein „geistiges Zentrum" statt eines National« heims lassen will. Diese Provokation des jüdischen Volks« willens und Zerstörungsarbeit am Zionismus hat sich eine oberste zionistische Behörde erlaubt.* Herr Kisch soll dann über Aufforderung von außenher Protest in London eingelegt haben. Wir wissen nicht, mit welchem Erfolge. Feinde im eigenen 'Lager ... .. Die perfide Handlungsweise der Arbeiter*Regierung hat auch in der nichtzionistischen und nichtjüdischen Welt große Bewegung hervorgerufen. Die Zeitungen in aller Welt brachten Artikel. In mehreren Blättern in der Tschechoslowakei war ein Artikel zu lesen, von Herrn Dr. Hugo Herr mann verfaßt. Herr Dr. Hugo Herr« mann ist beamteter Chef der Zentrale des Keren Hajessod in der Tschechoslowakei und ge* hört — fast möchte man sagen; selbstverständlich! *~ zum Kreise „Brith Schalom". In seinem Artikel „Krise dor Palästina>PoÜUk" schreibt er u, a,\

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