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Die neue Welt · 1930-11-07 · Heft 164 (7.11.1930) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 164 (7.11.1930)
Date
1930-11-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 1 m mm mit Nr. 164 S 26«— S 36«— S 48 Uli, Knlserstrtifie 123' IX, AlserstrnBe 6 haben sie die größten Hoffnungen erweckt, beide werden als Täuscher, Heuchler und Verräter in der jüdischen Oes schichte verzeichnet werden. Eine Kette schamloser Verleugnung verbriefter Rechte für das jüdische Volk Ist der Weg ihrer Tätigkeit! Herbert Samuel kam als Treuhänder des auf zu« bauenden' Judenstaates mit klaren, darauf gerichteten Mandatssatzungen des Völkerbundes ins Land, um es unter Bedingungen zu verlassen, die nichts anderes als mandatswidrige, die künftigen Ereignisse vorweg* nehmende proarabische politische Taten bedeuten konnten. Ramsay Mac Donald übernahm die Regierung des britischen Imperiums, nachdem er vorher in zahl* losen Reden und schriftlichen Erklärungen die int e« grale Verwirklichung der ßaifour*Dekla* ration als selbstverständlich verkündet hatte. Er wird die Führung der Regierung verlassen als restloser Verdunkler und Liquidator dieser Deklaration. Weidmanns und seiner Exekutive historische Schuld ist es, loyal gegen die englischen Regierungen und illoyal gegen das jüdische Volk in den zwölf Jahren seiner Führung gehandelt zu haben. Auch in letzter Stunde wieder, wie so oft vorher, als der Inhalt des Statemans einige Tage vor der Veröffent? lichun'g sich in seinen Händen befand, hat Präsident Weizmänn seine verderbliche Taktik nicht geändert: Er hat das revisionistische Angebot, mit ihm in dieser schweren Stunde zur Vereitelung der Auswirkungen dieses Dokuments zusammenzuarbeiten, brüsk ab« gelehnt! Positive VOTs'cnläg^e'm dieser Richtung aus" „Loyalität" gegen die Regierung zunichte gemachti HVöizmann und seihe Executive, wollen die, Taktik ' des Schweigens und ruhigen Einsteckens weiter fortsetzen!,' Ein Beweis hiefür, daß er dem amerikanischen Sturm gegen' das -schändliche. Dokument öffentlich entgegen* getreten ist. Die nächsten Aufgaben? Kampf gegen die englische Regierung: Beseitigung der zionistischen Exekutive und Äenderung des politischen Systems von Grund auf i * Tür den Verband demokratischer Zionisten trat Robert Stricker auf die Tribüne, mit minutenlangem Beifall begrüßt. „Es ist in einem verhältnismäßig kurzen Zeitraum das drittemal, daß die Zionisten die Ghettomethode des Protestierens anwenden müssen. Früher eins mal haben wir nicht protestiert, sondern gekämpft und gefordert. Jetzt protestieren wir, weil das Ghetto über uns gekommen ist: Hier und in Erez Israel —• ein fürchters lieber Gedanke! Diesmal ist der Schlag von einer uner* warteten-.Seite gekommen: nicht von der Reaktion, nicht vom Vatikan, nicht von Rom, nicht von der Orthodoxie, dem zagenden Großkapital, der Assimilation, sondern von der Seite der „Freiheitskämpfe r", der Sozialisten. Nicht den in Fron robotenden indi« sehen Kuli, nicht den in unvorstellbarem Jammer dahin* vegetierenden ägyptischen Fellachen wollen diese Sozialisten „erlösen", sondern just den „arbeitslosen" Araber in Erez Israel. Dort in Indien und Aegypten um* schmeicheln sie seit Jahrzehnten die herrschenden Aus* beuterklassen. Hier haben sie Angst vor der — jüdischen Textilindustrie! Schamlose, abgrundtiefe Heuchelei! Welche Besorgnis einer Arbeiterregierung für das jüdische Kapital, das in Erez Israel ver« loren gehen könnte, welche Fürsorglichkeit dem arabischen Effendi, dessen Wohl Herrn MacDonald so ernstlich am Herzen liegt. Ein englischer Tartüff ist zu schreiben: Tartüff MacDonald mit der roten Fahne! Ist der Zionismus verlorengegangen? Nein! Verloren» gegangen ist jetzt jene Karikatur eines Zionismus, aus dem das Große und Starke Im letzten Jahrzehnt von seinen offiziellen Führern herauseliminiert und in den Kleines, Schwaches, Aalglattes hineingetragen wurde. Die „Repräsentation" durch die Notabein der erweiterten Jewish Agency, der von ihnen in Aussicht gestellte, allerdings ausgebliebene Goldregen, die Parole vom Asyl für bresthafte Juden, das Schlagwort vom geistigen Zentrum zeitigten Niederlage um Niederlage. Stark waren wir und erfolgreich, als wir die von Herz! als Pfeiler aufgestellte Idee In die Waag* schale warfen: die Stärke des jüdischen Volkes und die Größe seiner Forderung. Auf diesem Wege hatten wir bereits eine Entscheid dung in Händen: das im Friedensvertrag ven ankerte Mandat, das tatsächlich nichts anderes als den Judenstaat geschaffen sehen wollte, eine Tatsache, die Weizmann selbst seinerzeit zugegeben hat und wir Zionisten als klar, eindeutig und selbstverständlich angesehen haben. Zu protestieren ist nicht der letzte Zweck, sondern aus den Vorgängen zu lernen. Das Ucbcl ist der Unglaube der Führer. Wenn man nicht mehr glaubt, dann soll man gehen! Daß die Ungläubigen führten, die Gläubigen zu Hause bleiben mußten, das war unser Unglück. Das führte von Niederlage zu Niederlage. Aus dieser Situation heraus muß der Zionismus wieder an jeden einzelnen, Juden die Schicksals« frage richten. Wir dürfen uns keinen Illusionen mehr hingeben, wir müssen von vorn anfangen. Auf uns selbst gestellt, nicht hinter dem Rücken von Protektoren, was uns als' Schwäche ausgelegt werden muß, treten Wir gegen die Heuchelei und Niedertfacht der britischen Arbeiter« regierung auf. Aber das entscheidende Wort haben wir an uns selbst zu richten: Zurück zum einfachen, kristallklaren Judenstaat« Zionismus, der das Höchste will und der siegen wird." Nach dem diesen Worten folgenden enthusiasti» sehen Beifall begrüßte Leo Wechsler den der Ver* saminlung beiwohnenden amerikanischen Zionistcnführcr Julian Mack, der für die Begrüßung durch eine längere Ansprache dankte. (Wir haben die Ausführungen Macks in unserer lct'zten Nummer bereits wiedergegeben.) Die von uns veröffentlichte Resolution wurde vom gesamten Auditorium mit stürmischer Zustimmung arige» nommon. Die bedeutsame' Kundgebung der Zionisten Wiens wird sich den politischen Aktionen anreihen, die zur Konzentrierung auf den kommenden Kongreß und die wichtigen Entscheidungen' der nächsten Zeit vorbereiten sollen. Em Protestmeeting in den Sofiensälen« Nach der .. großen; Kundgebung der zionistischen Opposition gegen die. jüngsten Deklarationen der engli» sehen Regierung versammelten sich die anderen zioni« stischen. Gruppierungen, Misräcbi, Allgemeirie Zionisten, Hitachdüth und1 Pbäle Ziön; zu* einem Protesltmeeting in den Sofiensälen. Für den r,1M i s r a c h i ergriff Rabbiner Dr. David Feuchtwa das Wort. .In seinen Aus* führüngeh hob er Hervär, daß die ^Judeii in' den langen Jahrhunderten ihrer' Zerstreuung nicht aufgehört haben, ein Volk zu sein, und nicht aufhören werden, es zu bleiben, in der religiösen und wirklichen Sehnsucht nach Palästina. Kein Machtsprüch von außen kann seinen Willen brechen. Nach der Verlesung eines Briefes des jüdischen Schrift« stellers Schalom Asch protestierte aufs schärfste gegen das englische Weißbuch der Sprecher der/ Allgemeinen Zionisten D*. J. Löwenherz. Als der Redner auch öster* reichische inherpolitischc Ereignisse streifte, kam es zu. einer Kundgebung einer großen Zahl der Versammlungs« teilnehmer für die „Jüdische List c". Nach einer Rede der Vertreterin der Hitachdüth, Frau Dr. Martha H of m ann, glaubte der, Sprecher der Poale Zion, auch innerzionistische Probleme streifen zu müssen, in» dem er sich zu einem scharfen Angriff gegen die Revisio« nisten verstieg. Eine minutenlange Ovation für Jabotinsky war die Antwort der Ver* Sammlung; Die Annahme einer Resolution gegen die englische Regierung, die auch in dem Wunsch nach der Wiederherstellung der Einigkeit innerhalb der zionisti* sehen Organisation aüsklingt, beschloß die Kundgebung. Große Demonstrationen in Tcl-Awiw. — Zusammenstoße mit der Polizei. Jerusalem, 31. Oktober. Nach einer in Tel- A w i w abgehaltenen P p o t e s t v e r s a m m 1 u n g der Revisionisten gegen das neue Weißbuch der englischen Regierung kam es in den Straßen von Tel-Awiw zu heftigen Kundgebungen einer mehr als 6000köpfigen Menge, Unter Rufen, wie „Nieder mit Paßf ieldl", „Es lebe die Balfour-Deklaration!", „Es lebe die Mandatskommission!", „Hoch Van Rees!" (der Vizeobmann der Mandatskommission, der die Anschauungen der Kommission in der Palästina-Frage vor dem Völkerbundsrat vertrat), „Hocn die freie Einwände- Qagr. 1860 |0«er. 1800 Allgemeine Versicherungs-Gesellschaft „PHÖNIX" (Zosammenstfiluß von „PiDir, „Wiener i „Providentia") Begr. 1860 1881 1808 Direktion und Qniiral R«pe8t«ittai\z % Wienf IXay Otto Wagnerpl. 5/ Alserpl. 3 Telephons ••43>&«80 Sari« Uoboroanme almttlobir Schadenvtuicberungen zu den kulanteste» Bedingungen und Prämien illlllllllllllllHIIIIIIIIIItlllllltlltllllllllllllllllllllllllllllMHiil^ 51 Verband demokratischer Zionisten 2 5 Mittwoch, 12, Novombor 1930 um v39 Uhr abds. 3 s im Maral-saal des Vcrbanoaheima, lt.. Untere s S Augartenstraße 38 2 f Versammlung g Gegenstand: 5 5 Das Verhallen der zionistischen Landes« § s Organisation bei den Nationalratswahlen 5 S Referenten: S s *** I Robert Stricker, Dr. Leopold Plasdikes § S Gäste willkommen I 2 nllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllliilliir ru n gl", durchzogen die Demonstranten in geschlossenem Zuge mit einer zionistischen Fahne die Stadt. Es kam zu einem Zusammenstoß mit der Polizei; die unter dem Kommando des Polizeioffiziers Schiff die Menge zu zerstreuen versuchte. Polizeioffizier Schiff wurde von den Demonstranten ausgepfiffen and vom Pferde geworfen. Bei dem Zusammenstoß wurde ein I2jähriger Knabe verletzt, drei Leute, darunter ein Revisionist, namens Zeavi, wurden verhaftet. Zur Verstärkung der Tel-Awiwer Polizei wurde eine Schwadron von britischen Konstablern aus Jaffa berufen, die jedoch keine Gelegenheit mehr hatte, einzugreifen, da sich der Demonstrationszug unterdessen ohne weitere Zwischenfälle aufgelöst hatte. Appell der palästinensischen Jndenheit an Lord Plumer. Jerusalem, 31. Oktober. (J. T. A.) Der Waad Leumi hat an den Vorgänger Sir John Chancellors im Amte eines High Commissionere von Palästina, Feldmarschall Lord Plumer, nachstehendes Telegramm gerichtet: In Erinnerung an Ihre gerechte und faire Verwaltung unseres Landes appelliert die jüdische Bevölkerung Palästinas ehrfurchtsvoll in diesem Augenblick der Prüfung an Ihre Hilfe bei der Verteidigung des Rechtes der Juden, die historische Mission des Wiederaufbaues Palästinas fortzusetzen, unerschüttert durch die Verleugnung des feierlichen Versprechens, das uns das große englische Volk gegeben hat, seitens der Regierung. An den „Vater" der jüdischen Kolonisation In Palästina, Baron Edmond vp» Rothschild, hat der Waad Leumi folgende Botschaft gerichtet: Seien Sie versichert,, daß der Jischuw ehrenvoll auf seinem Posten ausharren. j*n& das mühevolle Werk des Wiederaufbaues Palästinas verteidigen wird. Ihre greiizehlösö Liebe und Hingab^ Ihre große Weisheit verleihen uns die Kraft in diesen ' Stunden schwerer Prüfung. Palästinas Arbeiter gegen den Treubrudi der englischen sozialistischen «Bruderpartei»« Nicht nur Verrat und Heuchelei,, ausgesprochener Antisemitismus. Am 28. Oktober fand in Tel-Awiw eine Sitzung des Gesaantausschusses der p a 1 fi s t in e n s i s c h e n Arbeiterpartei statt. Auf der Tagesordnung etänd die Erklärung der englischen Arbeiterregierung. In der Resolution, welche einhellig angenommen wurde, heißt es im wesentlichen: „Der Gesaantaiisschuß der Arbeiterpartei' Palästinas brandmarkt den Trug in der Erklärung der britischen Regierung, über ihre Palästina-Politik. Unter der Maske der Treue gegenüber dem Mandat, der Auerk enn un g des Nationalheimes,~ der „Sorge für die arabischen Fellachen" und des Appells zu einer j üd i s ch-a r a b is ch e n Verständigung ' verleugnet diese Erklär ung die Verpflichtung des englischen Volkes gegenüber dem jüdischen, verleumdet sie das zionistische Werk, verfälscht sie die Anweisungen des Mandats, bringt Araber und Juden in Konflikt und überläßt das Schicksal des Landes einem Rate englischer Kolonialbeamten und einer Gruppe gewinnsüchtiger Efendis, die das Land aussaugen, seinen Aufbau hemmen und die Arbeitermassen unterdrücken." „Diese Erklärung ist von einer A r b e i t e r r e g i er u n g gegeben worden, deren Führer mehr als einmal die Verpflichtung der Welt proklamierten, das,historische Unrecht gegenüber dem jüdischen Volke wieder gutzumachen -und ihm zu seiner Erlösung in seinem alten Heimat lande zu verhelfen. Unter ihren Mitgliedern befinden sich Menschen, die unsew; Arbeit im Lande, gesehen haben und den großen menschlichen und sozialen Wert des zionistischen Werkes, das hi erster Linie durch den jüdischen Arbeiter verwirklicht wird, gerühmt haben. Diese Regierung, die jetzt auf Grund imperialistischen Kalküls zu einem Bruch der internationalen Verpflichtungen gelangt ist, der das jüdische Volk des Rechtes an seinem Vaterlande'beraubt, hat mit dieser Erklärung den Verleumdungen der. Feinde des jüdischen Volkes und der W id e r s.a c h e r, d es, j üd i s ch e n Arbeiters eine offizielle Bestätigung gegeben." „In den Mittelpunkt ihrer Angriffe auf da« Nationalheini hat die Regierung eine Attacke gegen?M 5 .

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