Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 163 (31.10.1930)
- Date
- 1930-10-31
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Na m 0!S NEÜE WECT Seite T Ueberteufung cu wählen. Wenn lieh auch über diesen Standpunkt diskutieren läßt, so ist es jedenfalls ein Beschloß der Organisation, der in entsprechender Form verlautbart wird. Ieh kann aber keinesfalls eine Zeitung unterstützen, die, sei es von der Redaktion aus oder durch einen Anonymus, eine Polemik in gehässiger Art gegenüber einem so verdienten Mann wie Stricker eröffnet Oder glaubt die Redaktion wirklich, daß es Stricker in einem Programm notwendig hat, seinen nationalen Standpunkt zu betonen? Ganz Fernstehende, mit denen ich Gelegenheit hatte, Uber die Wahlen zu sprechen, die nicht im mindesten zionistisch gesinnt sind, haben es für selbstverständlich gehalten, nach den Affären des Schober-Blockes eine zionistische oder jüdische Liste aufzustellen. Nur den sogenannten Zionisten ist es vorbehalten geblieben, die Kandidatur Strickers zu bekämpfen, bzw. von vornherein als aussichtslos hinzustellen. Im Rahmen des Gesagten würde noch passen, wenn die offiziellen zionistischen Organe empfehlen würden, irgend einen Flügel der Heimwehr oder Heimatblockes zu wählen. Die ganze Art liegt im Rahmen der Politik, die jetzt . gemacht wird. Es war nie bei Zionisten üblich, alle ihre Handlungen so einzurichten, ob diese erfolgreich sind oder nicht Nur jetzt wird es zur Methode, taktisch ohne Rücksicht auf An stand und ohne Blick auf die Zukunft vorzugehen. Die fortwährenden Rückschläge sind deshalb selbstverständlich. Es wird mich freuen, wenn es mir in absehbarer Zeit möglich sein wird, meine Stellungnahme Ihrer Zeitschritt gegenüber zu ändern. Inzwischen zeichne ich hochachtungsvoll J. Fruchter.." * Wir glauben, auf ein Kommentar verzichten zu können. Jeder nicht „sogenannte", sondern wirkliche Zionist wird am 9. November seinem „jüdischen Herzen" folgen und die „Jüdische Liste" wählen und bis zum 9. November für sie arbeiten. »iKüinimiiniMiOT 1 *| i Zum '\2 Preis 1000 Stüde wird noeh ein Rest von ttrka 1 Jüdischer und hebräischer Schailplatten sowte rund 1 3000 Stüde Wie ein Bischof die Juden rief* Die Gründung von Speyer* Von Jacob de Haas (New York). Der weise König ist für die schmerzliche Er» kenntnis, daß es nichts Neues unter der Sonne gibt, ver* antwortlich. Der historisch eingestellte Mensch freut sich dieser Einsicht, denn er ist bemüht, typische Geschehnisse zu registrieren, um zur Theorie zu gelangen, daß es weder Fortschritt noch Rückschritt gibt. Die jüdische Geschichte der Stadt Speyer er« härtet das. Speyer, Hauptstadt des bayrischen Palatinats, eine Stadt von ungefähr 25.000 Einwohnern, teilt mit Worms und Mainz die ehrwürdigste Vergangenheit des Rheinlandes. Es besitzt eine Kathedrale, die dreißig Jahre brauchte, um gebaut zu werden, und zu den be* merkenswertesten architektonischen Denkmälern katholi« sehen Baustils in Europa gehört. Hier liegen einige der berühmtesten Monarchen bestattet. Dem Be* sucher Speyers bietet sich in den ruhigen Straßen viel Interessantes ■< aus der Geschichte der Reformation dar. p Die Römer zogen hier auf ihrem Marsch nach dem Westen vorüber und fanden viele natürliche Wege durch das Rheintal und manch liebliche Stätte. So entstand auf dem Marsch eine kleine, typisch römische Kolonie für Soldaten und Kampfgenossen. So entstand hier auch die Keimzelle für das spätere Speyer. Attila der Hunnenkönig ging denselben Weg, und die römischen Spuren verschwanden. Im 4. Jahrhundert besaß Speyer bereits ein Bistum. Die Tage der großen Bischöfe, der militärischen Kleriker, die mit eiserner Hand regierten, großer Feudal« herren mit kirchlichem Titel, kamen erst lange nachher. Sie beginnen mit dem Jahre 610. Seit damals gilt Speyer als bevorzugter Handelsplatz und im Jahre 830 wurde es ein Teil des fränkischen Reiches. Es war ein kleiner Punkt auf der damaligen Weltkarte. Aber alle anderen waren auch nicht größer. Ein Dorf von 100 Häusern war eine ansehnliche Stätte im 9. Jahr« hundert. Und selbst damals war Speyer, wenn wir der Ge* schichte folgen, in eine Alt* und Neustadt geteilt, zwischen den Bewohnern des Hügels und denen des Tales. Im 11. Jahrhundert besaß Speyer einen Bischof Rüdiger, Sohn eines Speyerschen Bürgers, der während seiner Amtszeit von 1073 bis 1090 den Ehrgeiz hatte, seine Ge* burtsstadt groß und blühend zu machen. Er baute einen Wall mit Toren, errichtete Gräben und tat viel, um Speyer zu befestigen, hauptsächlich in der Richtung nach Worms. Aber Spejyer wollte nicht nach dem Wunsch des guten Bischofs wachsen. Und so erließ dieser am 13. Sep* tember 1084 eine Urkunde, die in den Annalen des Mittel« alters einzig dasteht. Sie lautet: „Im Namen des Herrn und der DreieinigkeitI Ich, Rüdiger, mit dem Beinamen Hutzmann, der demütige Bischof von Speyer, dachte, als ich aus meinem Dorf Speyer eine Stadt machen wollte (cum ex Spirensi villa urbem facerem), daß es zu seiner Ehre beitragen werde, wenn ich einige Juden heranzöge. (Putari milies amplificare honorem loci nostri, si et Judaeos colligerem.)" Es gab also im Jahre 1084 einen Bischof, der der anderer moderner Schlager-and 1 Tonplatten, die in den neuen M Katalogen nicht mehr enthmtien |j tind< ]| abgegeben j Nur solange der Vorrät reicht f j§ Wer früher kommt kauft besser! |j jg MUS1KHAVS EXCELSIOR I WIEN, /n ADLERGASSE 5, TeLR-23^90 I Afrika spricht zu Ihnen in dem ersteh deutsehen Ton- und Sprech- Expeditionsfilm der Ufa Rande der Sahara H (Das Land ohna Schatten) Hauptdarsteller der Spielhandlung: Harry Frank» Lani Sponhols Burg-Kino, I. Kreuz-Kino, I. Ufa-Ton-Kino, II. Flieger-Kino, IX, Ansicht war, daß man Juden heranziehen müsse, wenn man aus einem Dorf eine Stadt machen wolle und der jüdische Einwohner als eine Ehre für eine rheini* sehe Ansiedlungansah.. Der Bischof fährt fort: „Ich habe deshalb einige Juden ausgewählt and sie an einer Stelle abseits von den übrigen Einwohnern der Stadt angesiedelt und auf daß sie von Angriffen und Gewalttätigkeiten des Pöbels geschützt seien, habe ich ihr Viertel mit einem Wall umgeben. Das Land ihrer Behausung habe ich auf gesetzlichem Wege er» worben: den Hügel, den sie besiedeln sollen, durch Kauf und Handel; das Tal, das ich ihnen gegeben habe, erhielt ich als Geschenk von den Besitzern. Ich habe ihnen Hügel und Tal unter der Bedingung überlassen, daß sie jährlich 3 und % Pfund an Geld in die Kasse Speyers zugunsten der Brüder (Mönche) abliefern." Es gehört also Speyer zu den wenigen Städten der Welt, wohin die Juden gebeten wurden und wo deren Anwesenheit als Ehrung der Stadt angesehen wurde. (Derart übt ein Bischof vom Jahre 1084 an dem Deutsch« land vom Jahre 1930 Kritik.) Der Bischof fand es aus der Natur der Sache für nötig, den Juden zu schmeicheln, oder er war wirklich ein weitherziger, einsichtsvoller Mann; denn seine Urkunde hat weiters folgenden Wortlaut: „Ich habe ihnen das freie Recht des Geld« wechselns und der' Münzprägung gegeben und des Kaufs und Verkaufs von allem, was sie wünschen, inner« halb der Wälle und außerhalb des Tors längs der rheinischen Bootfahrt und auch am Ufer selbst. Außer« dem habe ich ihnen ein Stück des Kirchenbodens als Friedhof überlassen. Dieses Land sollen sie für immer besitzen. Es gibt noch andere- Dinge in diesem Dokument, //Die pussle Kreftsdhme/' Die zweite Premiere der Wilnaer. Dem Versuch, eine reine jüdische Prosabühne zu schaffen, geht die dichterische Konzeption eines reinen jüdischen Volksstückes voraus. Nnachdem in Kurz* erzählung, Novelle und Roman, auch in Sang und Volkslied, das Volksleben seine literarische Formung gefunden hatte und die Bühne durch das Goldfadensche Singspiel in diesem Sinne den ersten Ansatz dramatischer Ex» pression erhielt, später auf einer tieferen Ebene durch „Melodram" und „Lebensbild" seine Fortsetzung fand, mußte das Bühnenvolksstück eine gewisse Vertiefung in dramatischer und inhaltlicher Hinsicht erfahren. Alle Gattungen des Volksstückes, die soziale, volks* romantische, ja historizistische Stoffe zum Inhalt haben, füllen den Kreis der jüdischen Literatur aus. Auf dieser Linie stehen David Pinski als sozialer, Perez Hirsch« b e i n als impressionistischer, Leo K o b r i n als naturali« stischer, Schalom Asch als veristisch*problematischer Dramatiker. Sobald das jüdische Volksleben in Konflikt gerät mit seiner anders gearteten Umwelt, sein religiöser Bezirk eine Verschiebung erfährt, seine soziale Labilität an Schärfe gewinnt, so werden diese Phänomene zu Problem« Stellungen auch für das jüdische Volksstück. Und da dieses tief in den. unteren Schichten der Masse ruht, so müssen zuerst im romantischen Volksstück Spuk, Aberglaube, ge* bändigt durch religiösen Traditionalismus, treibende Motive sein. In der mehr stimmungsmäßigen als dynami* sehen Verwendung dieser Elemente ist Perez Hirschbein Meister. Neben „Tkis Kaf" („Der Handschlag als Ge« lübde") zeigt dies am reinsten „Di putste K t e 11 c h m e" („Die verödete Schenke"). Denn Stücke desselben Autors, wie „Grüne Felder" und „Des Schmieds Töchter"» neigen mehr der dramatischen Idylle .au, Im Mittelpunkt des Volksstückes „Di pusste Kretscbme'V steht keine Figur, sondern ein Stück Ver« gangenheit, die mit ihrem Aktionsradius die anderen Figuren erfaßt, Ein Stück Vergangenheit aber auch hu handlungstechnischen Sinne: Sie ist der Punkt, von dem alle Fäden ausgehen, zu dem alle Fäden zurückführen. Die Liebe zwischen Itzig, dem Naturburschen, und Mejte, dem Naturweib, gerät mit dem festen Gefüge der Umwelt in Konflikt. Die Lösung muß gefunden werden. Daß bei einem Dichter wie Perez Hirschbein dieses Motiv reich umrankt wird, daß eine Reihe von Retardierungselementen motivisch verwendet und in ein „Milieu" gestellt wird, ist mehr als selbstverständlich. Im ersten Akt schon will Benet, der Schenkwirt und Pferdehändler, den Knoten lösen. Zur Seite steht ihm seine Frau, Muttertyp, obwohl sich in ihrem Herzen Gefühle regen, die das Recht der Tochter Mejte anerkennen wollen; es drängt ihn aber Eisik, ein dörfischer Mephisto, dessen Aufgabe es ist, das Aberglaubenmotiv von der „pussten Kretschme" zu ver« stärken, um auf den Trümmern der Vergangenheit das Glück seines Sohnes Leibusch aufzubauen. Leibusch und Mejte machen Hochzeit, aber eine solche, die im Schatten der „pussten Kretschme" steht, indes Itzig die gespenster« haften Schatten des Aberglaubens nicht anerkennt, sondern das Recht des Blutes verlangt. Er siegt zunächst durch die brutale Gewalt der Hände. Nicht sorglos bleibt er im Besitz Mejtes. Mejte liebt ihn in Haßliebe, die pusste Kretschme zieht sie in ihren Bann — zurück ins Eltern* haus, wo ihre Triebe behütet sind, wenn sie sich auch tief im Innern Itzig verbunden fühlt. Dazu ein weiteres Motiv: Verletzung des einst getanen Gelübdes seitens Benet, dem jungen Itzig die Tochter zu geben. Nach der Ueberleitung des dritten Aktes schließen sich alle Motive zusammen. Die pusste Kretschme droht dem ins Wanken geratenen Vater Benet. Er wird irrsinnig, zündet das Symbol des Aberglaubens an und macht Plate dem Recht des Blutes: Itzig und Mejte haben zusammengehört Ueber die brennende Kretschme und den irrsinnigen Benet finden sich die beiden. Die Wilnaer spielen Hirschbein so, daß man von einer Fortsetzung der Tradition sprechen, kann, die ihnen den guten Namen gemacht h%Ul>\e(^^$^\ete tthw \hnw Gelegenheit, eindringlich zusein in der Mienensprache; der Text Gelegenheit zu akustischem Zusammenspiel; der Aufbau der Szenen Gelegenheit, Bilder zu komponieren, deren Bewegung nie erstarrt. Das Verdienst, dem Werk Geltung zu verschaffen, gebührt zunächst Alex Stein, dessen Talent sich an dem balladesken Stoff der „pussten Kretschme" entzündete. Adam D o m b als Benet konnte mit überaus interessanten Details aufwarten, in Maske und Haltung echt und bezwingend. Nach Manja Pikus spielte Sonja Altbaum das Mädchen Mejte mit der ganzen Kraft ihrer ursprünglichen Begabung. Frieda Vitalin trat als Mutter nach langer Zeit wieder in den Vorder« grund. Jakob S c h i g o r i n und Paula Walter spielten sich in phantastisch«gespenstische Sphären hinauf. Dem Handlungs« und Gefühlsinhalt, des Volksstückes wurden durch einen milden Realismus die Wege geöffnet. Die Wilnaer kämpften wieder in heißem Tempera« ment und riefen die Erinnerung an ihre besten Abende wach. Ein Stück aus dem Volk — fürs Volk, und darum ein Erfolg, der von Tag zu Tag sich steigert. Auch die Musik von J. Abramis mit ihrem echten Kolorit fand den Beifall eines begeisterten Hauses. Die Wilnaer haben wieder ihre „Linie" gefunden. o. r. Wochen-Kalender Okt-Nov. 1930 \m\ H'jnn Cheschwan 5691 31 Freitag 9-tD Sabbateingans 4*40 1 Samstag NM Sabbatansgang 8*22 iDMn neb missn 2 Sonntag 3 Montag ll-v ■■■ 4 Dienstag is-M .. . .; f..:: * Mittwoch "^^J^w^p i ir 1 i ' 0 Donnerstag