Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 163 (31.10.1930)
- Date
- 1930-10-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2711613-2711736-2711781--2143-2715411- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
r fette 6 DIE NEUE WELT Nr. 165 Hnnmi.ii»NHiicii«imnii»!1!!!!!!)IiT!!1i!!l'I!!L'I1""'!!'iI""I'^i3''^ SIEGM. KORNMEHL OltOSmilSCHHAUIftll Zentrale IX.. Berggawe 19, Telephon 17-3-99 u. 16-9-34 Lieferant tttr Heilanstalten AbMJjlQgOSJEeM unter Anflicht dei Ehrwürdigen RabbtnaU der lar. Kttk» tuagemeinde Wien AMtosustallung keetenlo» IX., Bcrggatt« IS / XVIII., Wlhrlitwstr. «f su werden, aber alles Herumscharwenzeln habe nichts genützt. Und wenn jetzt die Nationalsozialisten der Hitler« Richtung kommen und sagen, -wir wären nicht antisemitisch genug, so ist das eine Unwahrheit Wir haben, sagte der Redner, im Schober*Block Juden nicht geduldet und die Idee des Antisemit tismus hat gesiegt. * Die Radauantisemiten rühmen sich, leider mit Recht, daß s i e im üchoberd31ock gesiegt haben, daß sie dort den Ton angeben. Triumphierend berichten sie über die Fußtritte, welche sie der bettelnden Demokratischen Mittelpartei des Herrn Klang gegeben haben. Schober hat sich unter den unmöglichsten Bedingungen der un» möglichsten Gesellschaft preisgegeben. Er ist kein Anti» semit und mußte sich der antisemitischen Parole fügen. Wenn er sich nicht durchsetzen kann, jet2t, vor der Wahl, wo seine sauberen, politischen Bsttgenossen noch keine Mandate haben, sondern sie erst dank seinem Namen bekommen sollen. Wie wird das erst nach der Wahl sein, wenn die Herren Waber, Wottawa, Schulz usw. ihre Mandate sicher in der Tasche haben werden 1 Können Juden, die etwas auf Ehre und Reinlichkeit halten, etwas politische Einsicht besitzen, die Schober« Liste wählen? Können sie ihre Stimmen d*en Herren Schulz und Wagner, den Kommandanten der Pogrom«=Macher geben? Das ist wohl, bei aller Achtung vor dein geehrten, aber jetzt scheußlich mißbrauchten Namen Schober, nicht möglich .--- Keine judi§dhe Siistiatae daif verlorengehenl Die „Jüdische Liste" wurde in allen Wiener Be* zirken eingereicht. Jede jüdische Stimme wird gezählt, wo sie auch abgegeben wird. Jede jüdische Stimme ist für die Reststimmenzählung von höchster. Bedeutung. Die Erlangung eines Restmandata kann von einer Stimme abhängig sein! Agitaiionsz ent r a I e der «Jüdischen Liste» im Jüdischen Verbandsheim, II., Untere Augartenstraße 38, Tel. Nr. As45«6*34. — Dort sind alle Auskünfte und auch Stimmzettel. anzufordern. Jeder Wähler erhält Stimmzettel durch die Post. Wenn die Sendung ausbleibt, Stimmzettel unter obiger Adresse anfordern! Endgültiger Freispruch der Demonstranten gegen Shiels. TekAwiw, 20. Oktober. (J. AT.) Am 18. August fand die zweite Verhandlung' gegen die wegen der Demonstrationen gegen den Unterstaatssekretär Doktor Drumond Shiels angeklagten Juden statt. " Nach einem Verhör, das den ganzen Tag gedauert hatte, fällte der Richter Harkavy einen Freispruch, durch den diese Ko» mödie der Irrungen von Freilassung und Wieder* Verhaftung endgültig abgeschlossen erscheint. Antisemitische Opposition gegen die Ernennung von Sir Herbert Samuel zum Vizekönig von Indien. London, 20. Oktober. (J. T. A.) Wie „Sunday Observer" aus Kalkutta meldet, hat dort eine große Versammlung von Europäern stattgefunden, in welcher ausgesprochen faschistische Tendenzen zum Ausdruck kamen. Die Tagesordnung der Versammlung bildete die Frage der - Sterlinganleihe. Auf Grund mangelhafter Informationen hatten die indischen Zei* tungen die Bedingungen dieser Anleihe als außerordent* lieh ungünstig kritisiert und es bemängelt, daß die Aufnahme der Anleihe in London ohne vorherige Be» fragung des vizeköniglichen Rates erfolgt sei. Diese Zeitungskampagne hat eine heftige antisemitische Bewegung hervorgerufen, unter deren Einfluß der Hauptredner in der Versammlung sich zu wütenden anti* semitischen Ausfällen hinreißen ließ. Die Nachrichten aus London über die bevor» stehende Ernennung Sir Herbert Samuels zum Vize» könig von Indien liefern dieser antisemitischen Bewe» gung neue Nahrang. Unter solchen Verhältnissen würde man auch in jenen indischen Kreisen, welche die Fähig« keiten Sir Herbert Samuels und die Dienste, die er Eng« land geleistet hat, voll zu würdigen wissen, die Er« nennung einer anderen Persönlichkeit nicht ungern sehen. Philipp Halsmann droht Verlust der lettischen Staatsbürgerschaft. Riga, 20. Oktober. (J. T. A.) Der berühmte Ver» teidiger Senator Oscar Grusenberg teilte dem J. T. A.« Vertreter mit, daß Philipp Halsmann bei der Fortführung seines Prozesses vor einem lettischen Gericht auf Grund des in Lettland geltenden russischen Rechtes von der Gefahr des Verlustes seiner Staatsbürgerrechte bedroht sei. das Gericht dürfe sich nämlich über das Erkenntnis des ausländischen Gerichtes nicht hinweg» setzen und könne bloß eine Verschärfung der verhängten Strafe aussprechen, falls eine solche auf Grund der russi» sehen Gesetze für das im ausländischen Urteil als er« wiesen angenommene Verbrechen in Betracht komme, Verurteilung wegen Vatermordes bedinge aber nach russischem Recht Verlust der Staatsbürger* rechte. Einstellung der Tätigkeit des Warschauer Emigrationsbüros. Warschau, 28. Oktober. (J. T. A.) Das Warschauer Emigrationsbüro, welches viele Jahre hindurch auf dem Gebiete der jüdischen Auswanderung eine segensreiche Tätigkeit entfaltet hat, ist infolge plötzlicher Einstellung der Subvention seitens der amerikanischen HIAS nicht in der Lage, seine Arbeit fortzusetzen. Hunderte jüdische Arbeiter, welche nach Westeuropa und Südamerika auszuwandern beabsichtigen, sind nunmehr den Machinationen gewissenloser Agenten und Schwindler ausgeliefert Wie die Jüdische Telegraphen- Agentur erfährt, hat der Landesrat der jüdischen Handwerkervereine Polens beschlossen, gegen das Vorgehen des amerikanischen HJAS energisch Protest einzulegen. Ritualmordmärehen vor einem Badener Gericht. Baden, 28. Oktober. (J. T. A.) In Mosbach in Baden wurde dieser Tage ein eigenartiger Prozeß verbandelt. In Freudenberg hatte in einer nationalsozialißtischen Versammlung der Zahnarzt Dr. Otto Hellmuth aus Marktbreit erklärt, am 13. März 1929 sei in Manau bei Hofheim an einem Kinde Karl Keßler ein RitualmoWd verübt worden; er. habe die Leiche des Kindes selbst untersucht und dabei festgestellt, daß an dem. Kinde S eh ä ch t s ch:^ i11 e vorgenommen worden seien. Auf Anzeige fies LandesYebandes Baden des Zentyalvereines deutscherStaatsbürger jüdischen Glaubens wurde Anklage wegen Beschimpfung von Religionsgesellschaften erhoben;' U e b e r e i n J a h f wußte der Beschuldigte;" der riätionalsozialistisclier Abgeordneter im bayrischen "Landtag ist, den Prozeß hinauszuzögern. Jn " der Verhandlung stellte er den Sachverhalt folgendermaßen dar: Er sei zufällig in jene Versammlung gekommen und habe bemerkt, daß Z e n t r vi m s 1 e u t e anwesend seien. Darauf habe er in der 'Diskussion jenen: auseinandergesetzt,, daß. das Zentrum und' die Bayf isöhe Völkspartei - keinereligiösen Parteien seien, wie* sie von sich behaupten, sondern auf Kosten der, Religion politische Geschäfte machten. Denn es sei, von dem Führer der Bayrischen Volk spart ei im Landtage und in gleicher Weise vom bayrischen Kultusminister erklärt worden, daß es R i t u.a 1 m o r d e...iü e gegeben hat. Das stände aber im W i d e r s p, r u c h mit dem, was der Katholik — er selbst bekannte sich als Katholik rz-u glauben habe (!). Denn durch die von den in kirchlichen Dingen unfehlbaren Päpsten vorgenommenen H ei ligsprech u n gen von Opfern jüdischer Ritualmorde seien diese uubezweifelbar. bewiesen. Den Mord von Manau habe er erwähnt, weil dieser die Rituahnorddeluitte im Bayrischen Landtag , hervorgerufen habe. . Er .habe aber betont, daß dieser Fall ungeklärt sei. Seine Ausführungen über daß Schächten von Kindern, über das. Weiterverleilen des Blutes an Rabbiner zu religiösen Zwecken hätten sich klar und ausschließlich auf die gerichtsnotorisch belegten (!) historischen Fälle (Simon von Tricnt, Thomas von Damaskus) bezogen. Der Angeklagte wurde freigesprochen. Der Freisprueh erfolgte, weil nach der von jenen Kreisen virtuos gehandhabten Methode des Herausredens das Gericht zu der Auffassung kam, daß die Aeuflerungen nicht so gefallen seien, wie die Anklage behauptete, und daß auch die vorliegenden Indizien ungenügend seien. Die jüdische Vergangenheit des Präsidenten de« polnischen Obersten Rechnungshofes. Warschau, 28. Oktober. Vor kurzem wurde General Jakob Krzemienski zum Präsidenten des Obersten Rechnungshofes in Polen ernannt. Aus diesem Anlaß | » „TOILETTESEIFE, hergestellt Ii aus den Blumen Galiläas und feinsten ätherischen Oelen. Veredelt und verschönt den Teint. •MtMMWMMINMMMNMIi Feinstes palästinensisch OUVENOEL - erstklassiger Qualität, frisch, In viereckigen Hth.Büchten. Zum Kochen, »taten, Backen und für Salat sehr ausgiebig. Nahihaft und leicht verdaulich, kräftigt und erfrischt es (nieder und Nerven. GAUL ALMONDOLIVE schäumt stark, ist mild, erfrischt den Körper, duftet angenehm, macht die Haut weich. In allen besseren Delikatessen- und Parftimeriegeschäften erhältlich. Bestellungen sind an den Alleinvertreter für Oesterreich S. Rabinowitsch "»"'""M zu richten. Telephon R-47-0-50 Mmtmmmmmmmmtmmmmtmmmm^mmtmmtmm» teilte die nationaldemokratische „Gazeta Warszaw^ka" mit, daß Krzemienski ein getaufter Jude sei, der früher Feuerstein geheißen habe. In einer ihrer nach* sten Nummern veröffentlichte „Gazeta Warszawska" fol* gehden Brief des Großindustriellen Isaak Feuer« stein: „Im Interesse der Ehre meiner Familie, die stets den Glauben unserer Vorfahren hochgehalten hat, stelle ich fest, daß sich in meiner Familie noch kein- Fall eines Glaubenswechsels ereignet hat. Krzemienökis ehe« maliger Familienname ist nicht Feuerstein, sondern Friedmann." Ein katholischer Pfarrer darf nicht gemeinsam mit Juden kandidieren. Posen, 28. Oktober. Wie „Kurier Poznanski" meldet, hat Erzbischof Twardowski dem Lemberger Pfarrer Szydelsky verboten; seine Kandidatur /um polnischen Sejm auf der Regierungsliste anzumelden, weil auf derselben Liste auch Juden kandidieren. Den ösieroeidiisdheri Zpohfeten! zur Wir haben es bisher unterlassen, auf das Verhalten der derzeitigen Führer der o f f i z i e 11 e n zionistischen Organisation Oesterreichs in Angelegenheit der .Nationalratswähl polomisch zu, reflektieren. Wir haben uns, im Interesse der Organisation und . des'Ansehens des Zionismus, die Kritik für ruhigere leiten vorbehalten. Wir verharren weiter ' auf /diesem Standpunkt und wollen nur einer der unzähligen Zuschriften und Aeußerungen von zionistischer Seite, welche das Vorgehen der derzeitigen Leitung gegen die von Robert Stricker geführte „J tid i s c he Li a t e", insbesondere die Handlungsweise des verantwortlichen pblitischen' Referenten Herrn 'Dr. DesiderVrle d man h und des Präsidenten Dr. Griinbaum verdammen, Raum gewähren. Sie ist charakteristisch. Sie bezieht sich auf das Verhalten des offiziellen -Parteiorgans „Die S t i m m e".i Ueber Veranlassung desc Herrn. Dr. Desider Friedmann ist in. den Tageszeitungen, zur Freude aller Antisemiten und .assimilatorischen Gegner, eine Verlautbarung des Landeskomitees erschienen, welche direkt gegen die „Jüdische L \ s t e" gerichtet war, und dies o h n e Befragung des Parteirates.; Der Sturm der Entrüstung, welchen diese „amtlicjie. Erklärung" unter allen Zionisten entfesselte, veranlaßte die genannten Herren, im Parteiblatte „Die" Stimme" eine Parole auszugeben, welche den Zionisten empfahl, so zu wühlen, wie es ihnen ihr „jüdisches Herz" vorschreibt. Um aber die Wirkung dieser neuen, wohl aus Furcht vor dem Unwillen der Zionisten ausgegebenen „amtlichen" Parole, welche doch zugunsten. der „Jüdischen Liste" gedeutet werden könnte, zu vernichten, erschien in derselben Nummer der „Stimme"1 ein — wir finden keinen anderen Ausdruck'— H e t z a. r"t i k e 1 ge g e n t die „Jüdische List e", voll von persönlichen Ausfällen gegen den Listeuführer Robert Stricker. Der Artikel ist nicht gezeichnet. Es ist aber klar, daß er entweder vom politischen Referenten Dr, Desider Friedmann geschrieben oder von ihm inspiriert ist nnd er die Verantwortung trügt. Dieses Vorgehen hat einen treuen und bewährten Zionisten, Herrn Josef. Fruchter aus WienerTNeustadt, veranlaßt, an ,iDie "Stimme" ein Schreiben zu richten und uns die Abschrift, zum Zwecke der Veröffentlichung zu übersenden. Der Brief an das offizielle Parteiblatt „Die Stimme" lautet; „Wiener-Neustadt, 25. Oktober. An die löbL Redaktion der „Stimme"! Es tut mir leid, Ihnen mitteilen zu müssen, daß ich auf die weitere Zusendung Ihrer Zeitung verzichte. Nachdem ich aeit Erscheinen Ihrer Zeitung Abonnent bin, dürfte es Sie vielleicht interessieren, warum ich das Abonnement kündige. Das Landeskomitee gibt in fetten Lettern bekannt, daß es jedem Zionisten freisteht, nach seiner 4. Hebräisches Konzert Sonntag, den 14« Dezember 1930, V28 Uhr abend«, im Großen Konzerthaussaal