Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 163 (31.10.1930)
- Date
- 1930-10-31
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2711613-2711736-2711781--2145-2715413- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- hazzan 1× ep/1004827
OCR text
fette S DTC NEUE WELT Nr. 165 itttttflm m VllffllflMVI>«W Kritnur jlißf Spion II., Unter* Augarttnitr. 3S Vormittagskurs 9 bfs V,1 Uhr / NschmittaRskuis 'Iß bis V,6 Uhr / Kurs für rhythmische Gymnastik / Nachmittags* kurs für Scuulkinder bis zu 10 Jahren / Einschreibungen täglich von 9 bis lo Uhr vormittags Imimmtfi^^ die später als Präzedenz für die Zugeständnisse seitens der Herrscher Deutschlands an die Juden gegolten haben: „Der Hauptpriester ihrer Synagoge solldieselbe Stellung und Autorität unter ihnen ein« nehmen wie* der Bürgermeister der Stadt unter den Bürgern. Wenn er irgend einen Fall nicht zu ent« scheiden vermag, so soll er ihn vor den Bischof oder seinen Kammerherrn bringen." Von den Juden wurde gefordert, „ihre eigenen Wälle zu bewachen, zu verteidigen, wozu ihnen ihre Diener behilflich sein sollen". Des Bischofs Liberalität schloß auch die Erlaubnis für die Juden ein, Christ» liehe Mägde und Diener zu halten, und er gestattete ihnen sogar, die „Speisen, die ihnen ihr Gesetz zu ge* nießen verbietet", an Christen zu verkaufen ' Um seinen guten Willen zu beweisen, stellte Rüdiger fest: „Ich habe, um mein Wohlwollen für sie zu ver« stärken, ihnen die günstigsten Gesetze und Bedingungen gegeben, die die Juden in irgend einer Stadt des Deutschen Reiches besitzen." Rüdiger war bekanntlich keine Memme. In den Kämpfen,, jener Periode unterstützte er Heinrich IV., bekam .einen Ehrenplatz in der Kirchengeschichte seiner Zeit und seine Zugeständnisse an die Juden wurden in der Folge yom J Herrscher bestätigt. Seine Toleranz ist. umso bedeutsamer, als. wir sehen können, daß sogar 200 Jahre späterdje deutschen Monarchen den. Mord an einem Juden nicht als eine Notwehr ansahen. . -;S,Werwaren. die Juden, die nach : Speyer, eingeladen wurde^ und,wie..verhielten sie sich': zudes- Bischofs Auf» f orderung? An der jüdichen Hochschule Londons befindet sich ein. einzigartiges Dokument, das im zeitgenössischen Hebräischdie erste Ansiedlung in Speyer vermerkt.' Dieses, /historische Dokument, das die Gründung der Synagoge;, in Speyer 1084 beschreibt, bringt die Unsicher* 'heit "jener^.Epocbe zum Ausdruckt" ,;,,Am Anfang kamen wir nach. Speyer/ um unsere heilige : Stätte' aufzurichten. Das geschah nach dem Feuer/, das. in der großen Stadt Mainz ausgebrochen war,:?rder''.Stadt unseres Wohnens, der Stadt [unserer Gebjirt, .der, Stätte unserer Väter, der ältesten gepriesen« st«n-'vj«nja;-;'ang<f8ehensten Gemeinschaft unter allen Ge* mefns'eh^jFteh ./.dgs. Reiches... Zu dieser Zeit . hatte Mayer Kohn aus Worms in seinen Händen das Buch, Thora Kohanim. Sie dachten, daß er Gold oder Silber trage und sie erschlugen ihn... Und wir beschlossen - auszuwandern und einen neuen sicheren Platz zu ' firideni Rüdiger bedachte uns mit Güte. In der Tat, er schickte uns seine Herren und Ritter. So zeigte er uns das Ende der Stadt und versprach uns, es mit Wall und Toren zu umgeben und uns zu schützen gegen Ver* fblguhg. so daß es uns diene als eine Festungl Und er; liebte; uns wie ein Vater liebt seine Kinder. Und wir beteten zum Schöpfer des Morgens und Abends in d^er Synagoge'."- '" ■; Das ist wahrscheinlich der erste Mauerwall — im. Ghetto des westlichen Europa. Die Urkunde des Bischofs macht den Zweck klar und die hebräische Schrift ver* merkt, warum die Juden eine so strenge Abgeschlossen* flllllllllllli« | Untot» 4er Zionisten-Revis'onlsten Oesterreichs | 1 Montag, «tan 9. Nov«mb«r 1930, Vs9 Uhr abends,. 1 1 im 'Cate Arkaden, I., Universitätsstraße 3 ^Souterrain) I heit vorzogen. Aus diesen geschichtlichen Dokumenten: können wir dje ersten Siedler Speyers feststellen. Es waren Mitglieder einer berühmten italienischen Familie, die zu Beginn des 10. Jahrhunderts aus« wanderten und sich im Rheinland niederließen, die Familie •K sl;%n-y m os. Die drei angesehensten Mitglieder waren Jud* ben Kalonymos, David ben M esc hui» Um und Moses ben Tekutheil. Der erste war des Hsupt,-der zweite der Chasan, der dritte später Haupt;4m Gemeinde Speyer. Diese Männer bekamen keine Sinekuren. Als der Bischof im Jahre 1090 starb, hatten diese drei Führer, die Sache der Juden von Speyer zu ver« treten. Sie gewannen, ihren Rechtsstreit vor dem Fürsten, aber die Juden Speyers waren die ersten, die während der Massakers der - Kreuzfahrer im Jahre 1096 vernichtet würden. Des Bischofs Urkunde ist ein verwelktes Blatt der deutschen Geschichte.' Es folgte ihr ein sonderbarer Epilog. Speyers Juden befanden sich unter jenen, die der berühmte Rabbi Meir von Rothenberg im Jahre 1286 sammelte zum merkwürdigen Versuch, die rheinischen Juden nach Palästina zurückzuführen, auf daß sie dort die Ankunft de9. Meseias erwarten. Letzte Nadiridif! Der Verrat der englischen Sozialdemokratie am jüdischen Volke. — Die schamlose Antwort MacDonalds. Der frühere südafrikanische Ministerpräsident Smuts hat der englischen Arbeiterregierung Verrat am Zionismus und schnöden Wortbruch gegenüber dem jüdischen Volke vorgeworfen. Jetzt liegt der Wortlaut des Erwiderungstelegrammes MacDonalds vor. Es ist verlogen und kündigt an, daß den Juden der Boden* kauf und die Errichtung von Industrien.ver* boten bleibt. Aber trotzdem ist MacDonald für das „Jüdische Nationalheim". Kein jüdischer Boden und keine jüdische Arbeit. Der Zynismus dieser „sozial« demokratischen" Politiker geht ins ungemessene! . .. Das Telegramm lautet: «General Smuts hatte in einem Telegramm an MacDonald die Regierungserklärung scharf kritisiert , und gegen eine Politik,, die die Aufgabe der Balfour*Deklara* tion bedeutete, protestiert. MacDonald erwidert hierauf-: „Ich bin sicher, daß die Ansichten, denen Sie in Ihrem Telegramm vom 22. Oktober Ausdruck gegeben haben, auf einem unvollständigen telcgraphischen Bericht über-den Inhalt der britischen Regierungserklärung und über'den bedeutsamen Bericht von Sir John Hope Simpson beruhen. Wehn Sie denn Textdieser . beiden Dokumente gelesen haben werden, so werden Sie, Wie ich glaube, zu* geben, daß angesichts der'neuerlich zu unserer Kenntnis gelangten Tatsache die Regieifcüngserklärung bei objektiver Beurteilung n i c h t als, ei n Abweichen von der Balfour*Deklaration bezeichnet werden kann. Die Balfour=Deklaration sah ausdrücklich vor, daß nichts getan werden sollte, was die bürg e r 1 i c h e n und religiösen R c e h t e von vorhandenen n i c h t j ü d u sehen Gemeinschaften,, in O Palästina beeinträchtigen könnte. Seit der Arinahn>e? d$S( iP^lastina*Maqidates hat die Entwicklung der' Ereigniisef insbesondere;> manche von dem bei der Errichtung-« des jüdischen Nationalheims an* gewandten A rb ei t sm;et h öd c n, zu einer Gefährdung der Lage der nicht jüdischen Gemeinschaften in einem Maße tendiert, welches uns in der Beleuchtung des Hope* SimpsomRepöfts schwere Bedenken verursacht hat. >D|ei britische;, Regierung hat. die von der P e r m a n e at e n Mandatskommission und dem | '• . . r ■ Völkerbundsrat bestätigte Ansicht bekräftigt, daß die .in dem'.$aridat niedergelegten Verpflichtungen gegenüber den beiden:-;Bevölkerungsgruppew von gleichem Gewicht sind. Unsere gegenwärtige Politik ist in Uebereinstimmung mit dieser Anregung. Unsere Politik sieht den Plan einer mehr m ej^h o d j SvQ b e n landwirtschaftlichen E n t* wi p kfiujng vor, tli,e, wie Hope»Simpson rnachweist, - die einzige . Methode darstellt, bei deren Anwendung . qinc Ausdehnung <Jer jüdischen1' landwirtschaftlichen Siedlung mög)jcji werd|en wird. •v Die britische Regierung hat es in der Regierungs* erklärung klargestellt, daß Maßnahmen für landwjrtschaft* liehe. Entwicklung in Aussicht genommen .sind, an; deren Wohltäten sowohl Juden wie Araber einen Antejl.haben können; Weder hinsichtlich der Bodenpolitik noch hinsichtlich: der E i n wä'nderung beabsichtigt die britische Regierung, •. das jüdische nationale Heini im geigen wärt igen Stadium seiner Entwicklung zu kr.ijstaUisiieren. Die Regierungserklärung fcjelf.-.aufkeine Einstellung oder auch nur Suspendierung der Kqloni* sation auf dqt) weiten, b e r e i t s i m j ü d i s c h e n B. e* sit'« b ef ind.lichen und noch unentwick e 1 t.e n L ändere Ten. (Anmerkung: Also, kein weiterer Boden darf- Von Juden besetzt werden 1) , Hinsichtlich der n i c h t 1 andw.irtscha f t*; lieh e n- Immigration war es ständige Politik verschie* dener Regierungen, daß jüdische Einwanderung die ökono* mische-Aufnahmefähigkeit des Landes für neue Ankömm* linge nicht überschreiten soll. Die britische Regierung hat anerkannt, daß die von. ihr dargelegte: Politik notwendigerweise die Hoffnungen der! r> a d i k a 1 e r e n Elemente beider Gemeinschaften enftäutechen mvß. Die;Regierung vertraut aber darauf, daß sich immer mehr Unvoreingenommene finden, werden, die davon überzeugt sind, daß diese Politik nicht allein; mit ..illllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllli, iumm chneidergehilfe! sucht zwecks weiterer Ausbildung Pesten . );r in besserer: Werkatätte. A. Kohn,» Wien, , i ^„ Quellenstraße 4t. , . '''Illllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllliiiiiiiiiiiiiiiiii'' den Mandatsverpflichtungen übereinstimmt, sondern auch den Interessen beider Gruppen der palästinensischen' Be« völkerung dient, deren Wohlfahrt der britischen Regierung ernstlich am Herzen liegt," Schwere Stunden in London* Die Thronrede. — Ein Brief Baron Rothschilds. —' Ans griffe gegen Baldwin. —- Einspruch des Präsidenten Hoover? tDrahtbericht unseres englischen Korrespondenten.) London, 28. Oktober. Heute mittag eröffnete der König durch Ver* lesung der Thronrede die neue Session des Parlaments. Am Nachmittag begann im Unterhaus die allgemeine Aussprache über die Thronrede. Gleich bei Beginn der Debatte verlangte Baldwin, der Führer der Konser» vativen, Auskunft darüber, ob die englische Regierung die Absicht habe, die bisher von Englahd befolgte Pälä« stina* Politik zu revidieren. Mit besonderer Betonung erklärte er, daß seine Partei den Eindruck gewonnen habe, daß England das den Juden im Jahre 1917 gegebene Ver* sprechen zurückzunehmen im Begriffe sei, .„Zweifel an Englands Vertragstreue", rief Baldwin aus, „sind verhänigsvoll, - besonders im ' Hinblick auf die un* geklärten Verhältnisse im Orient. England m u?ßsein Wort halten, auch wenn ihm die Erfüllung seines Versprechens noch so unbequem ist." Darauf gab MacDonald eine höchst gewundene, verlegene Antwort. Es sei nicht die Absicht der eng* lischen . Regierung, den Geist des den Juden gegebenen Versprechens (!) zu verleugnen. Die seinerzeit gegebenen Versprechungen seien zum ••Teil ohne Schuld der Arbeiterregierung widersprechend gewesen, und seine Regierung habe jetzt die una'nge* nehme Aufgabe, die Widersprüche aufzuklären, und werde dies im Geiste des England übertragenen Man* dats tun. i:: Die dem Berliner sozialistischen „Vorwärts"; aus Palästina zugekommene Nachricht, wonach; :der Vizekönig von Indien, Lord Irving, Initiator der proanibischen Politik Englands sei und auch eine Revi* sion der von den Juden bereits gemachten Bodenkäufe verlange, wird hier für wahr gehalten. . Aus den aus Genf hier eingetroffenen Drahtnach* richten ersieht man, daß in V ö 1 k e r b u n d k r e is e u über die letzten englischen Regierungserklärungen großes- Staunen herrscht. Nach .der Akzeptierung der kritischen Zurückweisungen der ständigen. •, Maudatskommission, seitens der 'britischen Vertreter wurde in -Genf' - ep: :,.a 11 der e s; k o.n s, t.r.u lc t i v e s. .Programm erwartet,;. r -Besonders"'die St^ng«^hni^e 'der Rothermere*Pr$ssc' '• gegen, den. Protest der ^johsers-: vativen Führer. Ueberaus. scharf wird B a fd wl n wegen, seiner prozionistischen Haltung angegriffen, die in seinem Schreiben an die „Times" zum Ausdruck kömmt.^ Die antizionistische „Daily Mail" ^erlangt. Balduins..' Rücktritt von der Führung der . konservativen Parte). . Der diplomatische Korrespondent, des Regierungs* organs „Daily Herald" greift ebenfalls- Baldwin,. Chambcrlatn und Amery scharf an, die, wie' das Blatt' sagt, aus der K r i s i s des Zionismus Kapital schlagen wollen. Im übrigen sei ihre Behauptung, daß der Vorschlag Weizmanns einer direkten Konferenz mit den Arabern von der Regierung nicht aufgegriffen wurde, unwahr. Eine solche Konferenz sei von der Regie* rung ohne Erfolg angestrebt worden. Im Zusammenhang damit stellt Weizmann einem J. T. A.*Vertreter gegenüber fest, daß. seine und( der Konservativen Behauptung richtig sei. ■■;>■■ .'/; / Soeben trifft' noch die New Yorker Meldung ein, daß Senator Co Her im Namen von 50 Senatoren ^siieh an: den Präsidenten Hoover mit der Bitte angewendet -habe,, die englische Regierung darauf aufmerksam zu machen, daß sie der Balfour?Deklaration zuwiderhandle. . Tribüne« Um dos Wiener Rabbinpt. Die „Neue Welt" erhielt von den unterzeichneten Herren nachstehende Zuschrift mit dem Ersuchen um Publikation: „Die am 25. Oktober 1930 tagende Versammlung von Obmännern und Vorstandsmitgliedern fast samtlicher orthodoxer Bethausvereine, Delegierter verschiedener humanitärer Vereine und vieler jüdischer Bürger aus den Bezirken Wiens stellt fest, daß die vom Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde äussere ch n et. am Erew Rosch Haschonu veröffentlichte Aus» Schreibung eines Konkurses für einen neuen Rosch Beth Din des Wieher Rabbinats, zur Zeit, wo Herr Rabbiner Meier söhn schon mehr als dreißig Jahre in djesero Amte mit einer besonders zu bewundernden geistigen und körperlichen Frische wirkt, einen argein Verstoß gegen die religiösen und traditionellen Gefühle und des gesell* schaftlichen Anstandes bedeutet.; Die Versammlung nimmt mit Bedauern zur Kenntnis, daß sich der Vorstand der israelitischen Kultus« gemeinde dazu hergegeben hat, eine unter Zwang abgegebene Rücktrittserklärung Sr. Ehrw. des Herrn Rabbiners Meiersohn als bindend zu betrachten. Under* klärt, daß sie ein derartiger Schritt nicht verpflichtet, und erwartet, daß auch Herr Rabbiner Meiersöhn sich ^ihrem Verlangen anschließen wird. <Weiters erklärt die Versammlung mit aller Ent» schiedenbeit, alle ihr geeignet erscheinenden Mittel anzu* wenden, die Bestellung eines neuen Rosch Betb Din. zu verhindern. . Die Versammlung warnt jedermann vof der Bewerbung um diese Stelle und erklärt, falls es einen Rab*