Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 163 (31.10.1930)
- Date
- 1930-10-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 163 DIE NEUE WELT Seife 5 greß (mit Wahlen) muß einberufen werden. 5. Ein repräsentatives zentrales Wahlkomitee muß ein« gesetzt werden, um die Kongreßwahlen zu kontrollieren. 6. Ein speziellcrFonds muß beim Notstandskomitee zur Aufrechterhaltung der Arbeit in Palästina geschaffen werden. 7. Bis zur Sitzung des Aktionskomitees muß sich die Zionistische Exekutive auf administrative Arbeiten der Zionistischen. Organisation beschränken. Wie die Stimmung bei den zionistischen Massen be« schaffen ist, beweist der Zustrom der Zionisten Berlins zu einem Vortrag Wladimir Jabotinskys und die enthusiastische Aufnahme seiner Ausführungen unter dem Titel „England, Araber und die Juden". Die Wiener Zionisten reagierten zunächst durch ein Massenmeeting der zionisti« sehen Opposition, der ZionistensRivisionisten und des Verbandes der demokratischen Zionisten, worüber wir an anderer Stelle dieser Nummer eingehend referieren. Soziale Errungenschaften ohne Brot? Soll der^üdi'sdie Arbeiter und Angestellte jfidffdi oder sozialdemokratisch wählen? Urlaub, Arbeitslosenversicherung, Altersversorgung, Regelung der Lohnverhältnisso durch Kollektivverträge usw. stellen Errungenschaften dar, auf welche jüdische Arbeiter und Angestellte nicht verzichten können und nicht verzichten sollen. Wer gegen den Schutz der Arbeitenden, der Arbeits* losen, der Kranken und Alten ist, verdient keine Arbeiter« oder Angestelltenstimme. Es ist selbstver« ständlich, daß die Vertreter einer „Jüdischen Liste" . Auf die Erhaltung dieser Errungenschaften ver* pflichtet sind. Die Vertreter der „Jüdischen Liste" haben, als sie im österreichischen Nationalrate und Wiener Gemeinde« rate Sitz und Stimme hatten, in diesem Sinne gehandelt, und sie werden wieder so handeln. Sie werden mehr tun. Sie werden, frei von jeder egoistischen Parteieinstellung, darauf dringen, daß die von der Bevölkerung für die Er« füllung sozialer Pflichten gebrachten Opfer rationell und nicht zugunsten Irgend eines Partei« apparates verwaltet werden, damit diese Opfer In vollem Ausmaße jenen zugute kommen, für welche sie bestimmt sind. Mit Hinblick auf die soziale Fürsorge haben die jüdi* sehen Arbeiter und Angestellten keinen Anlaß, der „Jü* dischen Liste" ihre Stimmen zu verweigern. Sollen die jüdischen Angestellten und Arbeiter, wie sie es - in Wien bisher in der überwiegenden Majorität getan, haben, sozialdemokratisch wählen? Haben sie durch Abgabe des sozialdemokratischen Stimmzettels ein System gefördert, welches sie wirt* schaftlich gestützt und ihre Existenz erleichtert hat? Die österreichische Sozialdemokratie entfaltet eine Tätigkeit; welche r— beabsichtigt oder nicht — unge» zählte jüdisch« Unternehmer und Mittel» Ständler ausschaltet. Durch Gründung von Kon» sumvereinen, Warenhäusern, vor allem aber durch Lieber* tragung ungezählter wirtschaftlicher Unternehmungen in den Gemeindebetrieb, werden tausende jüdischer Unter* nehmungen überflüssig gemacht. Kann der jüdische An« gestellte öder Arbeiter an dieser Erscheinung achtlos vorübergehen, weil der Ruin jüdischer Unternehmer eine ihm fremde „Klasse" betrifft? Nein, denn mit dem jüdischen Unternehmer werden seine jüdischen Angestellten und Arbeiter brotlos. Sie können keinen Ersatz für die verlorene, Arbeits» stelle finden. Sie können sich nicht erfolgreich bei nichtjüdischen Firmen um Ersatz bewerben, weil christliche Firmen, fast au hundert Prozent, keine Juden einstellen. Wohl gibt es leider auch jüdische firmen, welche engherzig denken und Juden nicht be« schäftigen. Aber man kann ohne Uebertreibung behaupten, daß weit Uber fünfundneunzig Prozent aller jüdischen 4 Arbeiter und Angestellten in Oesterreich bei jüdischen Finnen eingestellt und rettungslos verloren sind, wenn die jüdischen Unternehmungen verschwinden. Die Arbeit für die Erleichterung der Stellung des schwer bedrohten jüdischen Mittel* Standes, weiche die „Jüdische Liste" auf ihr Programm gesetzt bat, ist daher keine Arbeit gegen die Interessen der Klasse der jüdischen Angestellten und Proletarier. " Die Arheit für den jüdischen Mittelstand, ver* bün*ui mit der Arbeit für Erhaltung der sozialen Er* rungenschaften der Arbeiterschaft, ist Arbeit für die j ü d i s c h e a A n g e s t e 111 e n und Arbeiter, ist Arbeit für Erhaltung ihrer Arbeitsplätze. Derzeit der einzigen Arbeitsplätze für Juden. « Die österreichische Sozialdemokratie saugt, haupt« sächlich im Wege der Unternehmungen der Wiener Ge* meinde und der Partei, eine ungeheure Zahl jüdischer LJnternehmungen auf. ' Versorgt sie die bieduroh frei gewordenen jüdischen Arbeitskräfte, tibernimmt sie diese durch den Auf« saugungsprozeß brotlos gewordenen Juden in ihren Dienst? Nein! Wieviel jüdische Hilfsarbeiter, qualifizierte Arbeiter, Monteure, Installateure, Handelsangestellte, Bürokräfte, technische Beamte, Schaffner, Motorführer usw. sind in den Gemeindebetrieben beschäftigt? So gut wie gar keine. Die von der Sozialdemokratie betriebene Aufsaugung und Wegschaffung jüdischer Firmen läßt die arbeitslos ge« wordenen Juden ins Leere, ins Elend fallen. Ist dieser Zustand erträglich? Muß nicht mit allen Kräften dahin gearbeitet werden, daß der jüdischen Jugend und den jüdischen Arbeitslosen aller Kategorien der Weg zu Arbeitsplätzen in den immer größer werdenden Gemeinde« und Staats* betrieben und öffentlichen Aemtern freigemacht werde? Muß nicht gegen die Judensperre bei Staat und Ge* roeinde gekämpft werden? Wer soll es tun? Die Sozialdemokraten! Sic stellen ja selbst keine Juden in ihrem Machtbereiche an, wollen und können daher vom Staate nicht fordern, er möge Juden beschäftigen! Bemühen sich die sozialdemokratischen Führer jüdi* scher Abstammung etwa in dieser Richtung, die Herren Breitner, Austerlitz, Bauer, Pick usw.? Sie vermeiden es ängstlich, sich auf dieses Gebiet zu >>>hv^ Die neueste Schöpfung des Meisterregisseurs E. A. DUPONT der deutsche Sprech- und Tonfilm Zwei Welten mit der großen Staibesefzung Heute und täglich in naohttehenden Tonflimtheatern: Opern-Kino I., Elisabethstiaße 3 Tel B-27-1-47 Vorstellungen: Wochentags: 5, 7» 9 Uhr Sonnu.Feiertags: ab 7,4 Uhr lmperioi-Klno I., Rothgasse 9 Tel.U-22-1-12 Vorstellungen: Wochentags: 5, /, 9 Uhr Sonuii. Ftltrtaga: ab a/44 Uhr Busch-Kino Harl a-Tlt ereslen-Kino II., Praferstern Tel.R-43-102 Vorstellungen: Wochentags: 5, 7, 9 Uhr Sonnu. Feiertags: ab 3 Uhr VII., Mariahilfersiraße 70 Tel. B-35-5-19 Vorstellungen: Wochentags: 5, 7,, 9 Uhr Sohnu. Feiertags: ab 3 Uhr Monopol i Koppelmann & Reiter, Wieri VII. begeben. Sie kämpfen nur für die' „Allgemeinheit", für allgemeine soziale Errungenschaften! Aber können die schönsten „allgemeinen" so« zialen Errungenschaften denjenigen glücklich machen, den die Judensperre von den meisten Arbeitsmöglichs keiten ausschließt? Die schönsten sozialen Errungenschaften bleiben für den jüdischen Arbeiter und Angestellten eine leere Illusion, wenn er keine Arbeit findet! Männer müssen in die: öffentlichen Vertretung*» körper hinein, jüdische Männer, welche unablässig in dieser Richtung arbeiten, das öffentliche Gewissen aufrütteln! Wer soll es denn tun? Die Antisemiten unter Seipel oder die unter Schober? Die Sozialdemokraten,' welche dafür nicht zu haben sind? Juden müssen hinein! Gewiß wird ihre Arbeit ungeheuer schwer sein. Aber sie muß immer und immer wieder geleistet werden! Man darf nicht verzweifelt die Hände in den Schoß legen. Man muß immer und immer wieder für die jüdische Exi* stenzkämpfen. Die Männer der „Jüdischen Liste" geloben diesen Kampf um Recht und Arbeit für die Juden. Und wir fragen die jüdischen Angestellten und Arbeiter heute vor der Wahl: „Wollt ihr kampflos zugrunde gehen und unsere Jugend zugrunde gehen lassen?" Jüdische Angestellte und Arbeiterl Man will euch einreden, daß ihr gegen euer Standesinteresse wählt, wenn ihr der „Jüdischen Liste" eure Stimmen gebet. Das ist nicht wahr! Was fördert den Antisemitismus? Bischöfe/ katholische Ehe ele* Juden müssen ruhig und würdig ihr Recht verlangen, für ihre eigenen inneren Angelegenheiten sorgen und es unterlassen, sich in die inneren Angelegenheiten anderer einzumengen. So handelu heißt den Antisemitismus dämpfen, anders handeln, heißt ihn echüreu. Ein Beispiel aus den letzten Tagen. Das Organ der christlichsozialen Regierung, das sich seit langem Mäßigung bei Behandlung der Judenfrage auferlegte, brachte dieser Tage einen giftsprübenden antisemitischen Leitartikel. Anlaß bot die Behandlung des Hirtenbriefes der österreichischen LERNET FREMDE SPRACHEN in der Berlitz School, Wien I, Graben 13 Prospekt 7 aul Wunsch l Bischöfe an die katholischen Wähler. In den Blättern der Sozialdemokratie und den ihr befreundeten Zeitungen wurden die Bischöfe bekämpft, verspottet, zurecht« gewicsen, ebenso in Versammlungen. Nun sind die meisten links orientierten Journalisten und viele Versammlungsredncr Menschen jüdischer Abstammung. Wuterfüllt ßchreit die „Rcichspost" in die katholische Welt hinein, daß Juden die Bischöfe verunglimpfen, dieselben Juden, welche auch sonst gegen die Einrichtungen der Kirche verächtlich vorgehen, wie z. B. gegen die Unlösbarkeit der katholischen Ehe! Was geht das die frechen Juden an? Dieser Schrei der „Reichspost" geht nicht ins Leere! Er peitscht den Antisemitismus fürchterlich nuf! Die Sozialdemokratie glaubt den Kampf gegen die Kirche führen zu müssen. Ihre Sache! Aber ist es Sache der Juden? Sollen sich die Juden damit identifizieren? Sollen sie eich mit dem Kampfe gegen die katholische Kirche identifizieren? Und doch sagt man, daß die Juden zu ihrem Schutze sozialdemokratisch z u wählen und zu agitieren hoben! Ist das richtig? Leset doch die „Reichspost"! Man soll auch wissen, wie die Gegner denken. Insbesondere den f r o m m e n, glaube n streuen Juden, welche aus irgendwelchen Gründen mit der sozialdemokratischen Liste kokettieren, sei Nachdenken über diese Dinge anempfohlen. Wählt einer rot und glaubt dem Judentum zu dienen, so erweist er dem Judentum in Wirklichkeit damit einen ganz bösen Dienst. vom §dhober*BIodk* Radauarifisemiten geben int Block den Ton an* — Schober muß schweigen« Versammlung des Schober^Blocks in Döbling, Gast* haus „Zur deutschen Eichc". Hier braucht man sich nicht zu genieren. Keine jüdischen Herren vom Indus striellen*Verband, vom Gewerbevercin, von der Handels* kammer sind da. Man muß keine Rücksichten auf gclds gebende Juden nehmen. Vorsitzender und Redner der nationalsozialistischen Arbeiterpartei, Richtung Schulz»Gattermeyer, welche bekanntlich dem Schober=Block beigetreten ist und auf der Schober*Listc kandidiert. Der hakenkrcuzlerische Bezirksrat Hans Wagner beschäftigte sich mit der Wirtschaft bei den Bundes« bahnen und erklärte, die Nationalsozialisten „Österreichs scher Prägung" (zum Unterschied von den Hitler»Hakcn» kreuzlern) seien dem SchobersBlock beigetreten, weil sie wegen des geltenden Wahlrechtes allein nicht mit Aus« sieht auf Erfolg in den Wahlkampf eingreifen können. Der Eintritt in den SchobersBlock sei ihnen nicht schwer gemacht worden, denn in diesem Block gebe es nur nationale Parteien. Daß R ö m 1 i n g e und Juden f erns gehalten wurden, sei ein Sieg des Antisemit tismus. Zu Schober habe Redner volles-Vertrauen, denn er werde als korrekter Beamter der nationalen Idee dienen. Hierauf sprach der aus den Krawallen gegen den Zionistenkongreß bekannte Parteiobmann der österreichischen Haken kreuzler Schulz. Er erklärte, man dürfe den Nationalsozialisten keinen Vorwurf machen, daß sie dem SchobersBlock beigetreten sind, denn dieser Block sei judenrein. Die Juden von der Demokratischen Mittelpartei hätten wohl vers zweifelte Anstrengungen gemacht, um aufgenommen Zentralsparkasse llllllllllllllltllilllllllllllllllllllllllN der Gemeinde Wien § «•«•* ■s o s PO •KT I N N <S Wien A Wipplingerstraße 8 Fernruf: U-23-5-60 Kreditverein der Anstalt: VII, Neubaugasse 1 Die Gemeinde Wien haftet § mit ihrem gesamten Vermö- I gen für alle Einlagen in der j Anstalt § i