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Die neue Welt · 1930-10-31 · Heft 163 (31.10.1930) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 163 (31.10.1930)
Date
1930-10-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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SftTfeS Dffi NEUE WELT Nr. 163 P TELEPHON 0-23-3-5* ELZHAUS GEBRÜDER BRAININ WIEN I. BAUERNMARKT 2 a werden auf die beiden großzügigen Referate eingehend zurückkommen.) Eine besondere Note erhielt die Prötestkund« gebung durch das Erscheinen des amerikanischen Richters Mack, des Ehrenvorsitzenden des Administrativkomitees der zionistischen Organisation Amerikas. Richter Mack ist ein intimer Freund des Oberrichters Louis Brandeis, und einer der Männer, der sich um diese Persönlichkeit scharenden zionistischen Gruppe der Vereinigten Staaten. Das Erscheinen Macks auf der Rednertribüne der Protestkundgebung ist um so bedeutsamer, als die Brandeis*Gruppe den nächsten Zionistenkongreß wesentlich beeinflussen wird. Richter Mack, von der Versammlung stürmisch be» grüßt, richtete folgende Ansprache an die jüdischen Massen: „Ich komme soeben aus Erez Israel und kann als Ausländer (bei den Juden bin ich allerdings als juae kein Ausländer!) zu vielen hier berührten Fragen noch nicht sprechen. Sprechen werde ich erst in London auf der A.»G»Sitzung. Ich erachtete es als meine Pflicht, hieher« zukommen, wo Zionisten versammelt sind, um zu hören und zu lernen. Es wurde hier vom Sturm gesprochen, den das britische Statement in Amerika ausgelöst hat und da« von, daß der Führer in London (Weizmann) damit nicht ganz einverstanden sei. Ich glaube, wird werden noch stürmischer werden. Aber sprechen darf ich über Erez Israel. Es ist größer, stärker, schöner geworden seit den sieben Jahren, wo ich nicht dort war. Unsere Pioniere spürten schon lange, was sie von der englischen Regie« rang zu erwarten haben, aber sie stehen fest unter der Devise: Wir sind hier im vollen Recht, wir bleiben hier, komme, was mag! Dessen müssen wir Juden Amerikas und Europas gedenken." Mack betonte, daß man von den Ni c h t* zionisten nicht das Heil zu erwarten das Recht habe ünd die Verantwortung für das Werk auf eigenen Schultern tragen müsse. Auch seine Gruppe war gegen die Erweiterung der Jewish Agency in der bestehenden Form. Vom Rücktrittsbrief Felix Warburgs, der als Nichtzionist nicht wärmer hätte sprechen, können, ging Mack auf die letzte A.*C.*Sitzung in Berlin über, und auf die Frage eines Zwischenrufers, was denn mit Weiz* manus Abschwörungsrede sei, meinte er mit einer Geste der Erledigung für künftighin: „Wir haben Weizmann vor neun Jahren sprechen gehört und sind weggegangen. — Wir haben ihn jetsit sprechen gehört — Schwamm drüber!" Mack schloß seine Rede: „Die Erklärung der kon« servativen Führer gibt uns noch die Hoffnung, den Glauben an das britische fair play vielleicht nicht ganz verlieren zu müssen. Das wird sich bald zeigen. Wenn nicht, dann müssen wir. uns, wie immer, auf uns selbst verlassen. Wenn sich das jüdische Volk hier und in Amer i ka so hält wie unsere Pioniere in Palästina, dann werden wir gewinn e n." Dieser Ansprache Macks folgten begeisterte Öva* tionen, worauf durch den Vorsitzenden der Versammlung folgende Resolution zur Verlesung kam: * Die Resolution. Die am 28. Oktober im Festsaal des Hotels Post in Wien tagende jüdische Massenversammlung hat ein* hellig folgende Resolution angenommen: „Großbritannien, seine Verbündeten und der Völkerbund gaben der Judenheit der ganzen Welt das feierliche Versprechen, die Wiederherstellung des jüdi» sehen Nationalheims zu sichern. Im Sinne der Mandats« bestiramungen und im Namen des Völkerbundes über* nahm Großbritannien vor aller Welt die Verantwortung für die Durchführung dieser Politik. Trotz aller Störungen seitens der palästinensischen Administration, hat das jüdische Volk mit der britischen Regierung loyal zusammengearbeitet und seine Aufgabe vollauf erfüllt, indem es Pioniere und immense Kapitalien hergegeben hat. Nun bricht eine britische Regierung den mit dem Völkerbund und dem jüdischen Volk geschlossenen Ver* trag. Es ist Pflicht der gesamten Judenheit, zu erklären, daß sie das sich von der britischen Regierung usurpierte Recht, den Zweck des Mandats zu ändern oder zu revidieren, kategorisch ablehnt; daß es die im letzten Statement versuchten. Modifizierungen und Be* grenzungen nicht anerkennt; daß es die äußersten Be« mühungen machen wird, um die geplanten Maßnahmen zum Bruch der Mandatsbestimmungen zu vereiteln; daß es niemals kooperieren wird mit der britischen Regierung bei der Schaffung von Instrumenten, die eine weitere Entwicklung des jüdischen Nationalheims zu verhindern beiwecken. Wir führen keinen Kampf gegen das englische Volk. Wir haben unseren Glauben an seine Ehrenhaftig* keit trotz allem nicht verloren. Aber wir sind ent* schlössen, mit allen Mitteln das an uns begangene unge* heuerliche Unrecht zu bekämpfen. Bezüglich der innerzionistischen Politik fordert die Versammlung: 1. Rücktritt der gesamten Zionistischen Exekutive bei der bevorstehenden A.«C.*Sitzung. ■2. Einsetzung eines Notstandskomitees zur Fort* führung der zionistischen Geschäfte bis zur Wahl einer neuen Exekutive am nächsten ordentlichen Kongreß. 3. Eheste Einberufung eines ordentlichen Kon« gresses auf Grund von Neuwahlen. 4. Schaffung eines Spezialfonds im Rahmen des Nolstandskomitces zur Aufrcchterhaltung der Arbeit in Palästina." Die Referate und die Resolution wurden mit ein* mutiger Zustimmung aufgenommen. Das Absingen der „Tikwah" schloß die imposante Kundgebung. Dokumente des Verrats und der Sdimadi* Was bedeutet die neue Palästina-Politik der englischen Regierung? Gibt es noch eine Battour-Deklaration für die Labonr-Regierung? Die von uns in der letzen Nummer veröffentlichten Berichte über die britische Regierungserklärung zur Palästina* Politik und über das Gutachten Simpsons, das dieser neuen Politik als Grundlage dienen soll, nabeln im wesentlichen den gefährlichen An«- schlag der LaboüroRegierung gegen das jüdische Werk klargemacht. Aus den nun vorliegenden Dokumenten ersieht man noch genauer, mit welcher Verlogenheit, Scheinheiligkoit urid Felonie die englische Regierung ihre Palästina*PoIitik zu betreiben beabsichtigt. So behauptet diese neue Res gierungserklärung, an den Richtlinien festhalten zu wollen, die in dem von der englischen Regierung im Jahre 1922 veröffentlichten Weißbuch enthalten sind. Bei dieser Gelegenheit aber unternimmt sie eine Interpretation der klaren Bestimmungen des Mandatstextes über das Wesen des jüdischen Nationalheims und der Jewish Agency, eine Interpretation, die eine gänzlich neue und völlig antithetische Deutung darstellt. Sie versteigt sich zu folgender Auslegung: ' ' „Es geht klar hervor, daß die Bevölkerung Palä* stinäs ■ als Ganzes,1 nicht / aber die" Interessen eines ihrer Teile- .Gegenstand der Fürsorge der Regierung zu sein hat. Sieh',' die' Elemente hassen ' Das Gebiid" der Menschenhand. Doch werden sie Dir! Frieden lassen, Trinkst Dq den. guten -HubersBraud. Auch sei festgestellt;, daß die^orgesehene-Züsammenarbeit mit der Jewish Ägeiricy bei der Durchführung öffentlicher Arbeiten bloß fakultativ, '.friert ah'e r obligatorisch ist und nicht im Gegensatzzu den allgemeinen Interessen stehen darf." " „Auf diese Punkte mußte hingewiesen werden, weil seitens der Jewish Agency Anspruch auf eine Stellung in der allgemeinen Verwaltung'des Landes erhoben wurde, die nach der Meinung der Regierung Sr. Majestät weit über die klaren Absichten des Mandats hinausginge. Darüber hinaus wurde zur Unterstützung der zionistischen Ahsprüchcj das Argument angeführt, das Schwergewicht des Mandats liege in den Abschnitten über das Jüdische Nationalheim, die Abschnitte hin« gegen, die sich mit dem Schutz der Rechte der nichtjüdi* sehen Bevölkerung befassen, seien bloß sekundäre Er* wägungen, die den primären Zweck des Mandats nur in bedingtem Maße einschränken." „Es ist dies eine Aufassung, welche die Regierung Sr. Majestät stets als völlig irrig betrachtet hat. Vom Gesichtspunkt der Regierung aus ist es, so schwierig die Aufgabe auch ein mag, im Hinblick auf die klare Ab*, sieht des Mandats unmöglich, das Problem durch Unten Ordnung einer der beiden Verpflichtungen unter die andere zu lösen." Das heißt also: Die Gründung des jüdischen Nationalheims ist nicht Aufgabe der Mandatspolitik, die Jewish Agency ist ein privater Verein, dessen Aufgaben die englische Regierung nichts angehen, kurz, es ist nicht ein» zusehen, was Worte, wie „Jüdisches Nationalheim" und „Jewish Agency" im Mandatstext überhaupt zu suchen haben. ALT WERDEN UND JUNG BLEIBEN möchte jeder. So schwierig es scheint, es ist dennoch ltlch' errei.hbar durch ständige, sorgsame Körperpflege. / Ein hervorragendes Mittel dazu Ist DIANA FRANZBRANNTWEIN mit IK-nfhel Massagen (Einreibungen1 mit Diana-Franzbranntwein erfüllen mit verjüngender Kraft Ebenso wertvoll «ur Muad- und Haarpflege* Und dabei »ehr »Ml* Nehmen Sie nur Diana und weisen Sie wertlose Nachahmungen energisch zurück. Ueberau tr HllllicHi Ein noch schöneres, aber immerhin etwas plumperes Verdrehungskunststück leistet sich dieses famose Doku« ment mit Beziehung auf die letzten Beschlüsse der Mandatskommission. Die betreffende Stelle lautet: „Der Bevollmächtigte der englischen Regierung hat sich, als er am 9. Juni d. J. vor der Permanens ten Mandatskommission des Völkerbun» des erschien, bemüht, die Stellungnahme der Regierung Sr. Majestät gegenüber den mit dem Mandat verbun* denen Schwierigkeiten darzulegen. Die Permanente Mandatskomision hat in ihrem Bericht an den Völker« bund folgende wichtige Feststellungen gemacht, die als Kommentierungcn der Erklärung des britischen Ver» treters zu werten sind: „Aus allen diesen Erklärungen lassen sich zwei Grundsätze herausschälen: 1. daß die im Mandat hinsichtlich der beiden Teile der Bevölke*- rung festgelegten Verpflichtungen von gleicher Be* deutung sind, 2. daß die beiden der Mandatarmacht auf* erlegten Verpflichtungen keineswegs miteinander unver* einbar sind." „Die Mandatskommission hat gegen diese beiden Grundsätze keinen Einwand zu erheben, da sie auch ihrer eigenen Anschauung nach das Wesen des PalästinasMandats zum Ausdruck bringen und die Zu* kunft Palästinas sichern." In Wirklichkeit weiß alle Welt, daß die letzte Session der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes die bisher schärfste Kritik an der Mandatsmacht England geübt hat und die eng' lischen Vertreter diese sich mit den Forderungen der Juden deckende Kritik zustimmend eingesteckt haben. Das Dokument hat noch einige heiteren. Seiten. Betrüger pflegen sich zu verraten. Herr Mac Donald steht bekanntlich auf dem Boden des Weißbuches vom Jahre 1922 und will nichts anderes. Wir sind der Ansicht, daß er etwas anderes will. Und siehe da! Bieder heißt es in der Regierungserklärung: „Es muß ein Unterschied gemacht werden zwischen der Siedlungsarbeit der Palestine Jewish C o 1 o* nization Association (PTCA) und der unter z i o n i s t is c h c n Auspizien durchgeführten Koloni* sation." „Insoweit die Politik der PIG'A in der Vergangen« heit in Betracht kommt, hat der Araber von der Er* richtung der Kolonien zweifellos erheblich profitiert und die Beziehungen zwischen den Kolonisten und ihren arabischen Nachbarn sind in der Vergangenheit aus* gezeichnet gewesen. Die jetzt von den jüdischen maß» gebenden Stellen zitierten Fälle zur Stützung der Bc> hauptung, daß jüdische Kolonisation den benachbarten Arabern Vorteile gebracht hat, beziehen sich auf die PICAsKolonien, die errichtet wurden, bevor die von dem Kercn Hajessod, dem Hauptinstrument der Jewish Agency, finanzierte Kolonisation ins Leben trat." „Einzelne der Versuche, die gemacht wurden, um den Beweis zu erbringen, daß die zionistische Kolonisa* tion nicht die Wirkung gehabt hat, die früheren Land* Pächter in die Klasse der Landlosen zu überführen, haben sich bei näherer Nachprüfung als nicht über* zeugend, um nicht zu sagen, irreführend, heraus* gestellt." Die ganze, von Balfour»Deklaration und Mandat inspirierte, von der ganzen zivilisierten Welt als einzig* artig anerkannte historische Leistung, die zionisti« sehe Arbeit, wird als für die Araber verderblich hin* gestellt und der Zustand vor der Balfour*Deklaration an« gestrebt. Herr Passfield hat somit die Balfour*Deklaration aufgehoben. Das sind neue Richtlinien und nicht die Basis von 1922. Bodenfrage und soziale Ordnung. Denselben Geist bezeugt die englische Regierungserklärung auch in der Bodenfrage. Sie will nichts anderes als den Juden den Erwerb von Boden ein für allemal unterbinden. Die britische Palästina* Administration wird künftighin strengste Kontrolle beim Bodenerwerb üben: „Die für die Entwicklungsmaßnahmen verantwort* liehe Behörde muß notwendigerweise die Kontrolle über alle Bodentransaktionen in ihrer Hand behalten. Bodenübertragungen werden nur insoweit zulässig sein, als sie in die Pläne dieser Behörde nicht ein* greifen. Im Hinblick auf die Verantwortlichkeiten der Mandatsmacht ist es klar, daß diese Behörde die Palästina*Regierung sein muß."

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