Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 163 (31.10.1930)
- Date
- 1930-10-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2711613-2711736-2711781--2138-2715406- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Preis 35 *?Hl yer$itlit sblbli{ othek Wi*n, I Mmm** Wimm V.b.b. BEZUGSBEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljahrig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.— r Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.—, vierteljährig Kc 15 —; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.— Rumänien monatlich Lei 40.- vierteljährig Lei 120.—. REVUE BEZUGSBEDINGUNGEN Deutschland monatlich Mark 1.—. vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlieh Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 1.20. Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.- Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50; vierteljährig: Schwefe« Francs:. 4;50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion and Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: B-48-504 — Erseheint reden Freitag Jahrgang 4 Freitag, den 3h Oktober 1930 Nr. 163 Listenführer: ODerDournt | Entscheidet euch für jüd. Ehre u. jüd. Recht ( Wählet am 9. November iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiH machen sie dem jüdischen Wähler vor, daß sie seine Interessen schützen werden. Wer als Jude die Christliclisözialen wählt, luden Wiens, wählet! Wahlwerbende Parteien/ eine Unzahl von ihnen, wenden sich an den jüdischen Wähler. Der Wütendsten Propaganda sind die einhundertzehn t a u s e n d wahlberechtigten jüdischen Frauen und Männer ausgesetzt: Brüllende Plakate, ein-jMeer von Papier ins Haus geschwemmt, bearbeiten' die Juden* Agitatoren von hüben und drüben schleppen sie in die Wahlversammlungen. Unsinnige Schlagworte wollen in den Reihen der Juden Panik erzeugen. Hunderte Federn werden in Bewegung gesetzt, um die jüdischen Stimmen zu gewinnen. Unter dem Trommelfeuer dieser Plakate,^ Zeitungen, Flugblätter und Versammlungsphrasen soll der jüdische Wähler von seinem geraden, ein- Jüdische Liste* _en* Donnerslag^ 30» Oktober* Festsaal des Hotel Continental, II., Taborstrafie 2, 8 Uhr abends. Jüdisches Verbandsheim, IL, Untere Augartenstraße 38, 8 Uhr abends: Blindenversammlung. ji Cafe Donaupark, IL, Obere Donaustraße 1, 8 Uhr abends. Samstag, 1» November; Jüdisches Verbandsheim, IL, Untere Augartenstraße 38,? Uhr abends: Versammlung jüdischer Angestellter und Arbeiter. Restaurant „Zur goldenen Glocke", VII., Neubaugasse 5, 8 Uhr abends. Bethaus . Chassidim, IL, Herminengasse 8, 4tl/s Uhr nachmittags. [ _ Bethaus Emeth we Schulom, II., Große Schiffgasse 24, 4Va Uhr nachmittags. Sonntag, 2» November* Cafe Astor, IL, Praterstraße 60, 10 Uhr vormittags. Nordhahn-Kino, IL, AniTabor 22,10 Uhr vormittags. Bethaus Lywiath Chejn, IL, Hollandstraße 2, 41/« Uhr nachmittags. Montag, 3« November; Restaurant Beyer, IL, Prater, Venedigerau 176, 8 UJir abends. Cafe City, IX., Porzellangasse 1, 1. Stock, 8 Uhr abends. Gastwirtschaft Heinrichshof, XX., Jägersir. 17, ' 8 Uhr abends« Dienstag/ 4* November; Terrassencafe, V., Margaretenplatz 4, 8 Uhr abends. Restaurant Sternbach, XX., Jägerstraße 2, $ Uhr abends. Mittwodi, 5* November t Jüdisches Verbandsheim, IL, Untere Augartenstraße 38, 8 Uhr abends. Sitzungssaal des Währinger Rathauses, XVUL, Martinstraße 100, 8 Uhr abends. zig möglichen Weg abgebracht werden — in dieser schweren, für das Judentum Oesterreichs vielleicht entscheidenden Stundef v Wir haben dieser: zügellosen, gewissenlosen, Volksgeld vergeudenden'Verwirrungstaktik nichts entgegenzusetzen als die einfache Wahrheit für das österreichische Judentum! Wer von den Juden Wiens sich einer nicht-* jüdischen Partei verschreibt, seine Stimme am 9. November für eine nJcJhijüdische;; Kandidatur ab«; gibt, begeht Verbrechenfä^^ Wer als Jude die sozialdemokratische Partei wählt, ';' : unterstützt eine Partei, die systematisch alles Jüdische auszurotten sich bemüht; die einen verleumderischen Kampf führt :gegen den Willen des jüdischen Volkes zu seiner Befreiung im alten Heimatland Palästina; die in Wien .und Oesterreich mit allen ihren Machtmitteln jede jüdische Regung unterdrückt; keine Schule gewährt; keine Unterstützung unseren notleidenden Hilfsvereinen; die nichts übrig hat für unsere Altersversorgung, für unsere Krüppel, für die Institutionen unserer Kultusgemeinde, für unsere Sport- und Erziehungsanstalten; die unsere Studenten verhöhnt, in ihren Zeitungen antisemitelt, den Pogromexzessen der Hakenkreuzler nicht entgegentreten will, um nicht als „Judenschutztruppe" zu gelten; die jeden Austritt aus der jüdischen Gemeinde'beklatscht und unseren Kindern Verachtung für alle jüdischen Werte beizubringen sucht. Wer als Jude den sogenannten Schober-Block wählt, wählt damit eine Parteiengruppe schärfster antisemitischer" Tendenz. Jeder Jude kennt die Großdeutschen. Er keimt sie als die Partei, die zähe am Rassenstandpunkt festhält und ihn erst jüngst wieder offen und vor aller Welt anläßlich der Verhandlungen mit dem Bundeskanzler Schober bekundet hat. Im Schober-Block stehen vor allem Männer, die jeden Juden s cho n im Mutterleib als ehrlos betrachten; die nach dem Umsturz entgegen den Bestimmungen des .Friedensvertrages den Juden die österreichische Staatsbürgerschaft verweigert haben; die jüdischen Studenten aus den Hochschulen hinauswerfen. Im Schober-Block sitzen Hakenkreuzler der sogenannten-Schulz-Gruppe, die, wie ihre Genossen aus der Schule Hitlers, die blutrünstigsten Pogromantisemiten sind. Im Schober-Block sitzen Männer, der Wirtschaft, die Boykott predigen gegen jüdischen Handel und Gewerbe.' Wer als Jude die demokratische Mittelpartei wählt, wählt eine Gruppe von Staanrntischleuten, die den Anschluß an die Zeit versäumt und ihre Rückgrat-i losigkeit durch die Anbiederung an den antisemitisehen Schober-Block bewiesen haben.. Vom Schober-; Block 'hinausgeworfen, wollen nun diese Würdelosen und Ziellosen aufs Geratewohl jüdischen Stimmenfang betreiben. Nicht jüdisch, ohne Programm, ohne die geringste Aussicht auf Erfolg* Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen JSoüzeu sind durch ein beigefügtes E bezeichnet* wählt eine katholisch-antisemitische Partei, die nur zeitweise, aus taktischen Gründen, ihren. Antisemitismus versteckt; wählt eine Partei, die Klassenpolitik betreibt, genau so wie die Sozialdemokraten; wählt eine Partei, die, dem Vatikan verbunden, Todfeind ist der Zukunftshoffnung des jüdischen Volkes auf Palästina. Wer als Jude die Heimwehr wählt, macht sich schuldig eines schmählichen Verrats an den vitalsten Interessen seiner Gemeinschaft,; er machtsich schuldig an der Begünstigung, der F e i n (&e*d e r D e m b k r a t i e und einer Diktatur*;, die,schließlich zur völligen Entrechtung des j ü d i s c h e n E l e rn e n t s f u h r e h in ü ß t e.. Das Haupt der Heimwehr, Bundesrat Pfrimer, hat sich offen gerühmt, daß seine Verhandlungen mit dem deutschen Pogromhäuptling Hitler völlige Ein-r stimmigkeit bezüglich der antisniitischen Richtung gezeitigt haben. Wer als Jude die „Jüdische Liste" wählt, wählt eine Partei, die offen, ehrlich, w ü r d i g das jüdische V o 1 k v e r t r e t e n kann. Ihre Männer sind nichts als Juden. Ihr Führer ist ein Mann, der mehr als dreißig Jahre im jüdischen Leben steht und niemals andere als jüdische Interessen vertreten hat. Wer als Jude die „Jüdische Liste" wählt, wählt eine demokratische Liste, eine Liste gegen jede Art von Diktatur, für das Gesamtwohl der österreichischen Republik. Wer als Jude die „Jüdische Liste" wählt, stimmt für die Forderung nach Ermöglichung eigenen jüdischen Lebens, für die gerechten wirtschaftlichen Bedürfnisse aller jüdischen Schichten, für die jüdische Schule und Erziehung, für die sittliche Kraft des jüdischen Volkes und seine Verbundenheit mit dem Weltjudemuni und seinen Volksgenossen in Palästina. Wer als Jude die „Jüdische Liste" wählt, schützt Ehre und Würde seiner Geraeinschaft! Gegen den britischen Wort« brudi* — Richter Made spricht in Wien« Die große Wiener Kundgebung. -»*• ]Mack über Weizmann und die Jewish Agency. Wien, den 29. Oktober, . Der Sturm der Entrüstung gegen die neue PalästinjuPolitik der britischen. Regierung hat mit Gewalt die Wiener Zionisten ergriffen. Dies bezeugte eine Massenversammlung im Festsaal des Hotels Post, die von der Union der Z i o n i s t e n * R e v i s i ö n ü .sten.und vom Verband der demokratischen Z i o n i s t e n für. Dienstag, den 28. Oktober, einberufen forden war. Mit höchster Ergriffenheit und Teilnahme folgte die Zuhörerschaft, die sich aus allen Kreisen der Wiener Judenheit zusammensetzte, den Ausführungen der beiden Referenten, Dr. Bukspan (Revisionisten) und Robert Stricker (Demokratische Zionisten),. die nach einer kritischen Analyse der englischen Dokumente zum echten, unverfälschten HerzUZionismus und zum treuen Feithalten am Palästina*Werk aufriefen. .(Wir