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Die neue Welt · 1930-10-24 · Heft 162 (24.10.1930) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 162 (24.10.1930)
Date
1930-10-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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{ Settel Öffi NEUE WELT Nr. 162 i i i / <!i SIMM. KORN MEHL CfttttnitUMMAUtllftl fctntnd« IX». Btrggft«»« 19, Telfephon 17-3-9V o, 16-9-34 Llefer&ft* iür Heilanstalten JMMM|ng4^^ anter Aufsieht dt» Ehrwürdigen Rabbiftats der Isr. fCul* tusvemnitide Wien Äutosuetellufi« kfteteftlM IX. ftetfiiilelS / JtVHh, Wfthrlrlfier jfr. tf i fÄti(wH*w§HH m Bhi ww i WftiwHtHrtttti i mt» i iwwitMOiiiiWWiwm^tWIliHnwmtfiomi) HWmtirtnitntiflrtffifJifft' TiinntnmiiminfftnitiiltffitHtmitmmii iwttiritum»fi»fimiüjm itt*mMitUftmiHi*it< zeihen, dufch die Identität der z i o tt I s t i s o h e n Grundauffassung Verbunden. —- Schwer zü aagfcn, worin diese besteht. Es ist nicht, wie ahnungslose Kf itik|r de$ Revisionismus meinen, das formulierbare System der Politik und WirtstehfifVrJaß dfe Gerneiris^fokett dös pOMi* sehen Wollens schafft. Dieses System ergibt sich vielmehr umgekehrt — und in jedcf Epoche ih heuen Abwandltih* gen — aus der gültigen Haltung, tüe der Zionist ~ der „Judcnstaats"*Zioftist — zum jüdischen Volkstum, zur Umwelt, zur zionistischen Forderung hat. öle ttaltiing, die nach meinem Gefühl der zionistische Politiker in jeder Situation einzunehmen hat, die Fähigkeit, politische Entwicklungen zu berechnen und zu nützen, die richtige Mischung von Wirklichkeitssinn und unbeugsamem Be* harren auf dem Zielgedanken, auch die Bereitschaft zum Kompromiß, das aber die Sache selbst nicht gefährden darf, die instinkthafte Sicherheit der Volksführung, — das alles sehe ich in der Gestalt Jabotinskys verwirklicht. Darum gehe ich mit ihm und lasse mich durch die Irrtümer nicht verwirren, die seinen Meinungen und Taten nicht seltener anhaften, als den Meinungen und Taten anderer bedeutender Menschen. Meinungen Sind diskutabel und Handlungen sind reparierbar, solange sie nicht die Seele der Sache preisgeben. Das wird nie dort geschehen, wo Jabotinsky steht, Und darum ist er in einer Epoche, die in einem festlich gestimmten Artikel mit keinem Wort charakterisiert werden soll, die H o f f n un g der Bewegung. Zionistischer Sieg bei den Wahlen in die Jüdische Gemeinde von Saloniki. Saloniki, 19. Oktober. Die Wahl der Repräsen* tantenversammlüng der Jüdischen Gemeinde fand auf Grund des allgemeinen Wahlrechtes statt. Die aus 70 Personen bestehende Versammlung wird nach ihrer Konstituierung einen zwölfgtieürigcn Gemeindevor* stand wählen. Von etwa 7000'Wahlberechtigten haben 62Ö1 ihr Wahlrecht ausgeübt. Auf die zionistische Liste entfielen 2123 Stimmen, auf die Liste der „Natio* naleii Union", einer Vereinigung Von Misrächisten, einigen zionistischen Dissidenten und Antiziönisten, entfielen 174 2 Stimmen. Die Kommunisten erhielten 1015 Stimmen, die mehr oder weniger anti zionistischen Anhänger der Alliance' 864, die Gewerbetreibenden 327 Stimmen. 148 Stimmen waren zersplittert. Somit haben die zionistische Liste und die der „Nationalen Union" etwa zwei Drittel der abgegebenen Stimmen auf sich ver* einigt. - / Anfechtung eines MÜliardenlegafs nn die rumänische Akademie der Wissenschaften wegen der antisemitischen Unruhen in Rumänien. Prag, 19. Oktober. Wie das „Prager Tagblatt" berichtet, haben die Wiener Verwandten des im Alter von 75 Jahren unverheiratet verstorbenen Bukarester Bankiers Jacques Elias, dessen Legat von einer Milliarde Lei an die rumänische Akademie der Wissenschaften angefochten. Aus dem Ertragnis der „Elias-Stiftung", die hauptsächlich aus großen Liegenschaften, insbesondere aus -wertvollen Häusern in Bukarest besteht, sollten Wohlfahrtseinrichtungeh und wissenschaftliche Institutionen, insbesondere Versuchsstationen, Laboratorien und Heime für die rumänischen Studenten errichtet werden. Durch diese jüdische Stiftung war beabsichtigt, dem Antisemitismus der rumänischen Studentenschaft den Boden abzugraben. Die Verwandten des verstorbenen Bankiers führen nun,an, daß durch die B ra nd s tVf t u ngo ri, i ri Börse ha, die Ausschreitungen der „Eisernen Garde" und die T e m p e 1 s c h ä n d u n g e n in , Neurunij|nien die Absicht <|e8 Stifiers als ei.te Yt und die Bedingungen, unter denen das Legat" gewährt wände; &ls nicht erfüllt anzusehen seien, und fordern daher von der rumänischen Regierung die Herausgabe des Nachl&eetß vott Ja cqüee Elias, Abermaliges Einsetzen der antisemitischen Propaganda in Rumänien; Bukarest, «19. Oktober. In dei\ T4gen des Regierungswechsels in Rumänien verstärkten die Antisemiten ihire Propaganda. In mehreren Straßen und Kaffeehäusern Bukarests wurden a n t is e m i t i*«ii e Broschüren und Zeitungen zum Kauf angeboten, Es kam als Folge der provokatorischen Haltung und der Reden der in B^uerntracht gekleideten antisemitischen Agitatoren zu lauten Skandalen. Die Polizei stellte die Ruhe wieder her. „Dimineatza" lenkt die Aufmerk, samkeit des neuen Ministers des Innern Mi ha lache auf diese Vorkommnisse und spricht die Hoffnung aus* daß es dem neuen Innenminister gelingen werde, dein die Hetzpropaganda verbietenden Gesetz Geltung zu verschaffen. Auch aus B ess a r a b i e n kommen Meldungen über andauernde cuzistische Agitation. In der Gegend von Hotin verteilten antisemitische Studenten, die im Auto aus Czernowitz gekommen waren, Manifeste Unter die Bauern, in welchen die Juden als die Urheber der gegenwärtigen ökonomischen Krise hingestellt werden und den Bauern verheißen wird, dafi der „große Professor" (Cu/.a) die Güter der Juden konfiszieren und unter die Bauern aufteilen werde. Die Exzesse in Berlin» Nach dem Ghettoviertel der „reihdeutsche" Westen. Von unserem Berliner I. K.*Korrcspondenten. Berlin, Mitte Oktober. Nach den Exzessen sah die Berliner City, das Zcn* trum, det Rayon um den Potsdamer Platz, sonderbar aus. In den größten Geschäften auf der Leipziger Straße, die auf ihre eleganten Schaufenster stolz sind, zeigen sich heruntergelassene Jalousien. Am zweiten Tag nach den Ereignissen zieht durch die Straßen ein Bataillon von Glasern, die in der Hauptsache die Aufgabe haben, so rasch wie möglich zunächst die breiten Spiegelscheiben des Wertheimschen Warenhauses in Ordnung zu bringen. Vor den Fenstern staut sich eine Menge und liest die sonderbare Aufschrift: „Im Geschäft ist eine Ausstellung. Seht sie euch von innen anl" Einige Schritte weiter ein anderes Plakat am Wäschehaus Grün Fe 1 d : „Wegen Gewalttätigkeiten Besichtigung im Geschäft!" Das ist bereits das zweite Plakat bei Grünfeld. Das erste lautete so: „Wegen des Vandalismus jugendlicher Banden . . ." Unweit davon Warnungstexte: „Hütet euch vor Glas* splitternl" Man hämmert, repariert, legt provisorisch Holzbretter an, verpickt die Berliner Schande. Die ganze Berliner Oeffentlichkeit war aufs höchste gespannt, wie sich jene Elemente, die die Sache unmittel« bar angeht und auf denen die Verantwortung für das Geschehene lastet, dazu stellen würden. Man mußte mit Ekel feststellen, daß die ganze Rechtsfront ungewöhnliche Feigheit an den Tag gelegt hat. Kein einziges der reaktionären Blätter wagte die Huligans in Schutz zu nehmen, ihre Taten, wie üblich, mit dem „Zorn des Volkes" zu motivieren. Im Gegenteil. Die Hakenkreuzler aller. Schattierungen wendeten allerlei Tricks und Kunststücke an, um sich von den Heldentaten ihrer Leute zu distanzieren. Zuerst wurde die Version in die Welt gesetzt, daß die Ueberfälle von den Korns munisten organisiert seien, daß. die. sogenannte „anti* faschistische Liga" sich mit, der Hakenkreuzlermenge gemischt, und die jüdischen Geschäfte pogromiert habe. Die Untersuchung jedöch stellte bereits nach 20 Stunden fest, daß unter den 100 Verhafteten kein einziges Mitglied der Antifaschistcnliga sich befunden habe. Dann redete sich die Rechte darauf aus, daß es jedenfalls die Kom« munisten waren, die die Hakenkreuzler zu den Exzessen verführt hätten, mit der Absicht, sie öffentlich zu kom* prommittiren. Außerdem trage die Polizei schuld. Sie habe die friedlich, gestimmte Masse, in Erregung versetzt, kurz,. alle, hätten schuld, nur nicht die Hitler*Leute. Die Leitung der nationalsozialistischen Partei hat sogar eilig eine Erklärung veröffentlicht, wonach sie von nichts wisse und, Gott behüte, mit den Ereignissen in kleinerlei Zu* sammenhang stehe. Selbstverständlich ist die Aktiqn von den National* j Sozialisten vorbereitet und organisiert worden. So erklärt sogar die gemäßigte, rechtsgerichtete „Deutsche Allgemeine Zeitung", daß auf jeden Fall die Hitler*Partei in dem Sinne die Verantwortung trage, daß sie Zusammenrottungen auf der Straße provoziert habe. Daß die Exzesse keine zufälligen waren und aus* schließlich antijüdischen Charakter trugen, beweist der Umstand, daß die Demonstranten mit Steinen in den Taschen erschienen — auf Berliner Straßen sind Steine nicht aufzutreiben — und daß die christlichen Kaufhäuser H e p p i c h und die Preußische Porzellanmanufaktur neben und gegenüber Wertheim unberührt blieben. Die sozialistische und demokratische Oeffentlichkeit muß zwischen zwei Feuern lavieren. Einer* » Feinstes palästinensisches OUVENOEL erstklassiger Qualität, frisch, in viereckigen lith.Büchsen. Zum Kochen, Bisten, Backen und für Salat sehr ausgiebig. Nahrhaft und leicht verdaulich, kräftigt und erfrischt es Olleder und Nerven. 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In allen Lagern Deutschlands ist man ob des Eindrucks, den die Exzesse im Ausland gemacht haben, erschrocken. Im Verlauf einer ganzen Nacht und eines ganzen Tages wurde unaufhörlich von den Wichtigsten amerikanischen und europäischen Punkten telephonisch und tclcgraphisch angefragt, was los sei. Das Hauptinteresse richtete sich auf die Juden. Gewisse demokratische Organe fanden es merk« würdig, daß in New York einige Blätter die Eröffnungs* Sitzung des Reichstags unter den Tisch fallen ließen, hin* gegen sich mit den antijüdischen Exzessen ausführlich befaßten. Die Oeffentlichkeit tröstet sich zwar bezüglich des ausländischen Bankenkredits mit der Wiederherstel* lung der Ruhe, aber man beeilt sich gar zu sehr, die „übertriebenen ausländischen Meldungen" zu dementieren^ Natürlich spricht eine Zeitung wie das „Berliner Tageblatt" von Exzessen überhaupt. Aber das Kommunique des Polizeipräsidenten Zörgiebel sagt ausdrücklich: „Antijüdische Exzess e." In der Stadt herrscht jetzt Ruhe. Die Polizei sorgt dafür, daß die Exzesse sich nicht wiederholen. Die Stimmung in der jüdischen Bevölkerung allerdings ist sehr gedrückt. Das Simchath*Thora*Fest war zer* stört. Die diesmaligen Unruhen unterscheiden sich von jenen der Inflationstage 1923 dadurch, daß damals das ostjüdische Viertel um die Grenadierstraße der Schauplatz war und der „Westen" sich mit dem zweifei* haften Trost hinweghalf, daß nur „Valutenschieber" und „fremde Elemente" gemeint seien. Diesmal war, wie aus einer gewissen Absicht heraus, die Grenadierstraße die ruhigste Gegend. Man betete dort ruhig und ungestört. Am Tage der Reichstagseröffnung und später. Gemeint war diesmal just der „reindeutsche" jüdische Westen, die Gity — von nie* mand erwartet, weder von den Parteien, noch von der Polizei. Nach dem jüdischen Ghetto der Grenadier« straße das autochthone D e u t s c h j u d e nt um d et Leipziger Staße — ein bezeichnendes Symptom! Wilhelm II. — Geldgeber der Hakenkreiwler? Berlin, 21. Oktober. Das „8-Uhr-Abendblatt" teilt mit: Das Geheimnis der nationalsozialistischen Wahlgelder scheint sich zu lüften. War es doch allen einsichtigen Beobachtern klar, dafi die in die Zehntausende gehenden Versammlungen Geld, und zwar sehr viel Geld, erforderten und daß die benötigten Millionenbeträge nicht nur aus den Taschen der Durchschnittsanhänger flössen, die sich zum guten Teile aus Arbeitslosen, Kleinrentnern, Pensionären und wenig oder nichts verdienenden Jugendlichen, zusammensetzen. Es war bekannt, daß einige Großindustrielle im Rheinland, in Thüringen und Sachsen, einige Geldgeber in Bayern und Großgrundbesitzer in Schlesien und in der Mark Brandenburg, vereinzelt auch in Pommern und Ostpreußen, größere Beiträge gestiftet hatten; aber auch diese Summen reichen bei weitem nicht aus, um die Unkosten des letzten Wahlkampfes zu decken. Es lag nahe, zu vermuten, daß bei den guten Beziehungen, die zwischen Personen der Hitler-Partei und gewissen Auslandskreisen herrschen, auch von jenseits der Grenzen Gelder geflossen seien. Der frühere Reichsbankpräsident Doktor Schacht, der anscheinend darüber informiert ist, hat in Amerika mitgeteilt, daß Hitler ganz auf deutsches Geld eingestellt sei. Bekanntlich hat ja Hitler entschieden abgestritten, französische Sub,sidien bekommen zu haben, dagegen soll er von amerikanischen Bewunderern seinerzeit reichlich unterstützt wo_rden sein, ein Zuschuß, den er übrigens jetzt entbehren muß. Dagegen verlautet, daß ganz erhebliche Summen vor der Wahl auch wieder aus dem Ausland gekommen sind, und zwar aus Holland. Allerdings können diese Gelder nicht als ausländische betrachtet . werden, stammen sie doch von den deutschen Steuerzahlern, denen sie abgenommen wurden, um Wilhelm II. zu „entschädigen". Denn der Schloßherr von Doorn, zu dem ja durch seinen Sohn August Wilhelm jetzt eine besonders gute Verbindung, von den Nazis herführt, soll in erster Linie die Hakjenkreuzpropaganda finanziert haben. Allerdings — so fährt das „8-Uhr-Abendblatt" fort — sind die Summen nicht direkt aus Holland gekommen. Man hat sich vielmehr gewisser monarchistischer Organisationen bedient, die vor der Wahl ihre Arbeitstätigkeit außerordentlich vergrößert haben, In diesem Zusammenhang wird Übrigens auch der ehemalige- Polizeihauptmann Stennes genannt, der Führer der Berliner Hakenkreuzler, KU**-

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