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Die neue Welt · 1930-10-24 · Heft 162 (24.10.1930) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 162 (24.10.1930)
Date
1930-10-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Stifte I DIE NEUE WELT Nr. 162 $26.- S36.~ $45.- Vll, KniserstraBe 123 IX, fllserstrofte B Die Stimmung in London» Erklärungen der Revisionisten. (Telephonischer Bericht an die Union der Zionisten- ReTisonisten Oesterreichs.) London, 22. Oktober. « In den hiesigen zionistischen Kreisen haben die* Palästina-Deklarationen der englischen Regierung niederschmetternd gewirkt. Das hier befindliche revisionistische H a u p t q u a r f i e r ist sofort in Aktion getreten. Ueber die diesbezüglichen Schritte läßt sich im gegenwärtigen Augen-, blick noch nichts berichten. Jedenfalls haben die Revisionisten Pläne fertig, deren Ausführimg in Angriff genommen ist. Wie Ihr Korrespondent erfahrt, kann festgestellt werden, daß die Zionistische Exekutive auch aus diesem Niederbruch ihrer Politik nichts gelernt hat. Die Revisionisten haben aus einem Gefühl zionistischer Solidarität heraus sich der Zionistischen Exekutive für eine Zusammenarbeit zur Verfügung gestellt. Dieses loyale Angebot ist von der Zionistischen Exekutive zurückgewiesen worden. Erklärungen revisionistischer Führer zufolge fühlt sich natürlich die Union der Zionisten-Revisionisten weder an die Erklärungen der englischen Regierung noch an die der Zionistischen Exekutive gebunden. Sie wird ihre eigenen politischen Wege gehen. Sie erhebt nach wie vor die Forderung nach schleunigster Einberufung des Aktionskomites und des Kongresses, sie verlangt die provisorische Zusammensetzung eines politischen Komitees, das gegen den mehr als* feindseligen Akt "der englischen Regierung entsprechend auftretensoll. Im allgemeinen halten die zionistischen Kreise Londons die von Weizmann in seinem Brief an Für israelitische Wohlf ahrts- (Kultur-) Zwecke stehen vormittags große und schöne RäUltie (kiassen, Turnsaal) zur Verfügung ÖefU Anfragen unier nF. P." an die Red. d. Blattes. JWiiiWiMuiiiHiiiiiHHiiwuiuiiiiiiiwiiuiiiininiin^ Knabenhort sucht für die Nachmittage der Wochentage 1 tüchtigen Präfekten (Präfektin) Jude Unter „F. P/ an die Redaktion des Bl. § iiMffMiinniiwiimirtiuimitniiHiiiiHiHninnHiHHttniiinnifiiHitttttfiiHiifiiiffiiiiftr^ Passfield abgegebene Erklärung für gut. Die Demission Weizmanns wird hier für endgültig angesehen, zumal die gegenwärtige Situation eine andere Lösung nicht zuläßt. Beispielloser Verrat am jüdischen Volk« Lord Melchett zurückgetreten. (Meldung unseres Londoner Korrespondenten.) L o n d o n, 21. Oktober. Lord Melchett hat soeben in einem Offenen Brief angekündigt, daß er wegen der von der englischen Regierung in ihren zwei Denkschriften niedergelegten Palästina-Politik die Stelle des P r ä s i d e n t e n im Council der Jewish A g e n c y zurücklege. In diesem Brief erklärt Lord Melchett, daß die Memoranden der englischen Regierung nicht« -anderes bedeuten, als daß Großbritannien das der Judenhcit in der B a 1 f o u r- Deklaration gegebene Wort gebrochen habe. - Hiemit hat die englische Regierung leichtsinnigerweise die treue Unterstützung der Judenheit des Reiches verscherzt, die England und seinen Verbündeten im Weltkrieg so wertvolle Dienste geleistet . hnbe. Die Haltung der englischen Regierung stellt einen beispiellosen Verrat an einem leichtgläubigen Volk dar, das gehofft hat, unter dem Schutz der englischen Flagge und des Versprechens eines englischen Staatsmannes ein A«yl zu finden. HPII KI TD FW gegen asehia«, Hexenschuß, NeurllL,lL>I\UI\iai aigien und Rheumatismus in der EffnAnhoflHMftlfit 'Wienei Kuranstalt und Sanatorium), rnngOnBlinilSlQll ix,La*areitgasse20, TeU-25 0-83!! ItalieoiJtiiß Isifilas-Schnellkuren. Astnmakuren in Asthmakam mern 1! Gesamtes physlkaliiches Hellveflahi'cti PnrmlnnenbBder Höcht» equert»beriaiidlung An die Juden Oesterreichs! Der Kampfum Erez Israel ist hv eine neue Phase getreten. Die englische Regierung hat in zwei Memoranden ihre neuen Richtlinien bezüglich ihrer künftigen Pölitik in Palästina der Öffentlichkeit übermittelt Diese neuen Richtlinien bedeuten den Versuch, der jüdischen Sache einen fürchter 1 ichen Sch 1 ag zu versetzen. Die englische Labour-Regierung hat am jüdischen Volk beispiellosen Verrat geübt. Sie plant den schrittweisen Abbau der jüdischen Rechte bis zur Liquidation. Keine Einwanderung jüdischer1 Arbeiter, keine neuen jüdischen Bauernsiedlungen, keine jüdische Industrie im Lande, kein jüdischer Bödenkauf und keine Ueberlassung von Staatsböden an die jüdische Kolonisation! ... ,y. <„ „ , J? Hingegen soll eine gesetzgebende Korperschaft Gegr. 1860 Gegr. 1860 Allgemeine Versicherungs-Gesellschaft „PHÖNIX" (ZasammensdilaO von jLtt", Jleoer o. „Providentia41) Gegr. 1880 1881 1898 Direktion und General Repräsentanz? Wien, IX., Otto Wagnerpl. 5/ Alserpl. 3 Telephon: B-43-5-80 Serie Uebernahme sämtlicher Schadenversicherunge.i zu den kulantesten Bedingungen und Prämien mit erdrückender nichtjüdischer Mehrheit geschaffen werden. Hingegen sollen administrative Maßnahmen der* arabischen Bevölkerung politische und wirtschaftliche Vorrechte garantieren. Schwere jüdische Arbeit eines ganzen Jahrzehnts, vierzig Millionen Pfund« jüdischen Kapitals sollen vertan sein! Juden Oesterreichs! Das ist der Verrat der britischen Labour-Regierung. Aber auch auf der Zionistischen Leitung lastet Schuld. Allen Warnungen zum Trotz hat sie eine Politik betrieben, die zu dieser katastrophalen Situation führen mußte. Sie hat sich offiziell' der Idee des JYidenstaatcs begeben, die Auffassung Herzls von der Judenfrnge verleugnet. Juden Oesterreichs! Ein neues Kapitel der zionistischen Geschichte beginnt. Der verantwortliche Mann, Präsident Weizmann, ist zurückgetreten. »Jetzt gilt es, die p o s i t i v e n z i o n i s t i s c h e n Kräfte, neu zu sammeln, die zionistische Organisation zu erneuern und stark zu machen, eine neue planmäßige, großzügige zionistische? qj i. t i k zu inaugurieren. Juden Oesterreichs! Die zionistische Opposition fordert euch auf, in einer Massenversammlung gegen den heimtückischen Ueberfall der englischen Regierung zu protestieren. , Diese Massenversammlung soll ihre Fortsetzung in einem Gang zam Grab Theodor Herzls finden. Juden Oesterreichs! Wir rufen euch zur Sammlung aller auf den Judenstaat Ercz Israel gerichteten Kräfte! Union der Zionisten-Revisionisten Oesterreichs. .Verband demokratischer Zionisten Oesterreichs, Aufruf! An alle Männer und Frauen, welche für die „Jüdische Liste" sind! An alle Zionisten und Zionistinnen! An die zionistische Jugend! Wir bitten euch alle um Hilfe im schweren Wahlkampf um die jüdische Ehre. Wir verfügen nicht über die Hilfsquellen der großen Finanzmächte.' Unser Kapital sind die jüdischen Menschen, ihre Begeisterung, ihre Arbeit. Wer mitarbeiten will, komme ins Jüdische V o 1 k s h e i m, IL, Untere Augartenstraße 3 8, und melde sich zur Mitarbeit! Spendet für den Wahlfonds! Gelder nehmen Vertrauensmänner mit. Sammelbogen entgegen.. Abzuholende Gelder sind der Wahlleitung telephonisch oder brieflich zu, avisieren. Im Büro der, Wahlletung werden auch Meldungen zur Mitarbeit entgegengenommen. Büro der Wahlleitung: II., Untere Augartenstraße 38, Telephon A-45-6-34. Ständiger Dienst von 10 bis 1 Uhr und .4 bis 9 Uhr. ........ ., . . Ali die jüdisdien Studenten! Eine Schar mutiger Männer unter Führung Robert Strickers ist in den Wahlkampf eingetreten,1 um die Würde, Ehre und Sicherheit des jüdischen Volkes zu Wahren. •. t, Jüdische Studenten, die immer im Kampfe für die nationale Ehre und um die Interessen des jüdischen Volkes in erster Linie gekämpft haben, haben sich zusammengeschlossen, um , die „Jüdische Liste" im schweren Kampfe zu unterstützen. Wir rufen alle Studenten, die mit uns eines Sinnes sind, auf, sich dem von uns gegründeten Komitee anzuschließen und mit uns gemeinsam zu kämpfen für den Sieg der „Jüdischen Liste". : , Wahlkoinitee jüdischer Studenten, IL, Unt. Augartenstraße .38.: Kommet Donnerstag, 23. Oktober, um halb 9 Uhr abends, zu einer Besprechung ins Jüdische Verbandsheim* IL, Unt. Augartenstraße 38. Josche Beer will seine Armut kundtun und beginnt damit beim Dienstmädchfen. „"Wozu haltst du ein Dienstmädchen? Es ißt schwer . . ." Esther Bejle lächelt gutmütig; „Was kostet sie denn? Du wirst nicht reich" werden, wenn du sie7 wegschickst:" ,'..'[' „Ich will nicht reich werden. Ich will arm werden, verstehst dut" „Das bist du doch schon", .lacht Esther Bejle. „Nein,1 das bin ich nicht. Ich will, daß es die Welt weiß. Genug des Versteckens. Das drückt mich, verstehst du? Und es kostet außerdem zuviel. War ich ein bekannte/armer Mensch, konrft ich mir viel Dinge ersparen." „Was denn zum Beispiel?" fragt Esther Bejle. „Na, ich meine ... ein Almosen . . . Gebetehrungeh;;'. Spenden für Brautausstattungen . . . Immer kommt mau noch zu mir wie einst." „Dann gib nichts", sagte Esther Bejle unzufrieden. * Es geht zu Pessach. Kein Mensch weiß von Josche Beer« schlechten Verhältnissen. Endlich wird er eich olfenbaren müssen. „Esther Bejle, heuer geb ich kein Pessachgeld. AVA mit dem Pessachgeld!" Josche Beer hämmert auf jfajl Tisch; wich geb nichts mehr. Kein Einkommen und alles versetzt. Wenn man kommt, werde ich sagen: ich itau nicht, hab* selbst nichts. Gebt mir Pessachgeld! Ith Jm& selbst nichts auf Peeisach." I„Das mußt du nicht sagen", sagt Esther Bejle mit traurig lächelnden, nassen Augen. „Ich werde es sagen. Es muß. ein Ende nehmen." Aber das ist nur so gesagt. Pessachgeld wird er nicht nehmen, er wird diesmal nur keines geben. Vor allem soll man erfahren, daß Josche Beer heuer kein Pessachgeld gibt. Bis zum Nehmen ist noch Zeit. Er wird mit dem Nichtgeben anfangen, und dann wird's seinen gehörigen Lauf nehmen. Eine Woche vor Pessach hüllt Josche Beer seinen Pelz in ein Leintuch, gibt ihn dem Dienstmädchen und sagt: „Komm' mit mir." - Er begibt sich zu Chaini dem Wucherer, einem sehr diskreten Menschen. Für den Pelz bekommt Josche Beer 15 Rubel. 3 bezahlt er als Zinsen, mit den restlichen geht er nach Hause. Ein wenig heiterer, denkt er nicht mehr ans Nehmen von Pessachgeld. Auch nicht fürs nächste Jahr. Es wird schon gehen, es gibt noch Kleider und Silber im Haus. Aber geben — bestimmt nicht mehr: „Juden, ich kann nicht!" Aber als am nächsten Tag, da er nur mehr einen Fünfer hat, zu ihm zwei vornehme Bürgersleute kommen, nimmt er sie mit gutmütigem Lächeln auf und sagt freundlich: „Nehmt Platz, nehmt Platz!" Die Bürgersleute aber haben Eile, Es ist vor Pessach, und arme Leute gibt's genug, und sie rücken gleich damit heraus, was sie wollen: „Wir sind, Reb Josche Beer, um Pessachgeld gekommen." „Gewiß, gewiß", sagt Josche Beer, „ich verstehe Bchon." „Zu wem soll man kommen, wenn nicht zu Euch. Ihr gehört doch zu den ersten ..." „Versteht sich . . . versteht sich ... zu mir zuerst . . , Werdet ihr so freundlich sein, mir eine Banknote zu wechseln?" „Einen Hunderter? Wenn ein Hunderter, dann haben wir's noch nicht." „Nein", stammelt Josche Beer, „nicht gerade einen Hunderter, einen kleineren . . „Einen Fünfziger?" „Bewahre", sagt schon ganz verwirrt Josche Beer und zieht aus der Tasche einen Fünfer hervor. „Ach, ein Fünferchen, ein ganzes", wundert sich der Bürgersmann. „Ihr spaßt mit uns. Wir wollen, daß ihr uns das ganze Fünferchen gebt. Viele arme Leute gibt es Neujahr. Sie brauchen Mazzes, Wein, Kartoffeln..." Josche Beer sucht mit den Augen nach Hilfe. Niemand da. Er schiebt den Gästen das Fünferchen zu. „Habt es also ganz ..." „Eine schöne Spende, Reb Josche Beer, Gott wird euch helfen'*, segnen ihn die beiden und verlassen, die Mesusch küssend, das Haus*. » Da kommt Esther Bejle.

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