Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 161 (17.10.1930)
- Date
- 1930-10-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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»f. Kl DIE NEUE WELT Seite? Betrag können sie nicht nach Palästina kommen, können also den Wunsch der Cuzisten, welcher ja offenbar, viel* leicht unbeabsichtigt, von der Haltung der Regierung unterstützt wird, nicht erfüllen. Die Juden von Borsch» und Balaceana werden diese Spende einfach zurückweisen. Denn damit ist weder ein Akt der Gerechtigkeit vollzogen, noch ist damit ein wirtschaftlicher Zweck erreicht worden. Wenn die Geschädigten diese Beträge annehmen, so geben sie damit zu, daß sie die Rolle annehmen, die ihnen die Re< gierung 7.utcilt. ' '■ '■ nämlich die Rolle von privilegierten rumänischen Bettlern. Diese Beträge sind nichts anderes als ein Bettel, den die Regierung in offizieller Form jüdischen Bürgern verabreicht, obwohl sie sonst das Betteln verbietet. Damit stellt sie einen neuen Grundsatz auf: Betteln und Ha usieren für Borschaer und B a 1 a* ceaner Juden gestattet! Die erste Spende, gibt die Regierung. So muß man die Art der Entschädigung charakterisieren. Es wird Sache der jüdischen Vertreter sein, die in der letzten Zeit so viel von Judenschutz sprechen, diese Entschädigung mit dem entsprechenden Nachdruck zurückzuweisen und von der neuen Regierung zu verlangen, daß die Entschädigungsfrage ernst und würdig behandelt wird. Denn die Annahme dieser Entschädigung würde eine stillschweigende Bestätigung der offenbar in ge# wissen Kreisen herrschenden Ansicht sein, daß die Juden von Balaceana und Borscha Bürger fünften Ran* g e s sind. Diese Art der Entschädigung muß, selbst auf die Gefahr hin, daß man gar nichts erhält, zurück* gewiesen werdenl Vereinigung der zion.-demokr, Jugend Wien. II., Untere *UQBrten«tr«Be 38 Samstag, den 18. Oktober 1930 um 8 Uhr abends im 2H«rzt-Saal" des Verbandsheims demokratischer ionisten, Wien, II., Untere Augartenstraße 38, J u gen d m e e t i n g Thema: DI« Natlonalratiwahlen Referenten: Obwbaiirat R. Stricker» lno«i)i«iir i. Buchbinder und Laon Wechsler Jugendliche, erscheinet in Massen! „Das goldene jüdische Herz/' Frick verbietet „gefährliche Filme"1. Von unserem Berliner Korrespondenten, Berlin, Oktober 1930. Die Geschichte beginnt mit dem „Jazzsänger", mit dem Filmschauspieler AI Jolson und mit dem all« mächtigen Hugenberg. Eines schönen Frühmorgens nahmen die treu« deutschen Söhne und Töchter aus dem völkischen Lager wahr, daß der jüdische Feind in die mächtige politische Festung von heute, den Film, einzudringen verstanden habe, um so auf neuem Wege schlau jüdische Propaganda zu betreiben und den verderblichen jüdischen Einfluß zu verstärken. Aus Amerika kam das Unglück. „Jazz« sänger" hieß der Film, in hunderten Kinos lief er, vor ausverkauften Häusern, unter rauschendem Applaus, mit kolossalem Erfolg. Ein Film, in dem der Odessaer „Ost« jude" Joelsohn, der sich unter dem Namen AI Jolson versteckt, die Hauptrolle spielt, nur eines im Sinne { habend: die sittliche christliche Welt zu verführen, sie kraft seines Singens zu umnebeln, ein sogenanntes ethi* sches jüdisches Familienleben vorspiegelnd und wie immer die Juden als die besseren Menschen hinstellend. Wer be» greift das nicht? Die Geschichte vom Chasensöhnchen, das Sängertalent hat, ein großer Künstler wird, das jüdi» sehe Milieu verläßt, um schließlich zu seiner geliebten Mutter und zu seinem Vater zurückzukehren, am Jörn Kippur in einer jüdischen Betstube vorbetet, um dem in Agonie befindlichen Vater Freude zu machen, nicht nur ihm, sondern auch allen andern braven, lieben, herrlichen jüdischen Menschenl Wer kennt diese Kunststückchen nicht? Gott sei Dank, die vaterländischen Führer sind wach. Der Aerger hat eine doppelte Ursache. Dieser süßliche jüdische Kitsch wird dem Publikum von niemand anderem als vom „Kopf" selbst serviert, von Hugenberg, In seinen Kinos läuft der Film, sein Apparat sorgt für die Popularisierung, in seinen Lichtspieltheatern erklingt das jüdische Kol N i d r e, das „bekanntlich die Juden von Gelübden, Schwüren, Ver» pflichtungen gegenüber den Gojim freimacht". Da muß ein Mißverständnis vorliegen. Man muß Hugenberg klar* machen, daß er in diesem Fall das Werkzeug in den Händen jüdischer Ratgeber sei. Sie haben ihn in diesen Sumpf geführt, diese „Ware" eingeschmuggelt. Und man begann es Hugenberg klarzumachen. In allen völkischen Zeitungen. Tagein, tagaus. Unter» dessen lief, der Film weiter. Ein Wettkampf war's zwischen Geschäft und Ideologie. Die antisemitische Presse tobte und der „Jazzsänger" brachte in die Filmkassen Haufen Geld. Wer wird siegen? MAUS fl RADIO 11 TECHNIK EUGEN GOLDSCHMIED WIEN« VII., NEUBAUGASSE 3 40 ABTEILUNGEN 4 ETAGEN BESONDERE E RO PFN UNGS P R El S1 ... .. ______...... i...... ABTEIL U N 0 1 MS Amerikanische Dauerbrandöfen; Automatische Waagen / Auto- und Motorrad-Ausrüstung und Zubehör / Bekleidungsartikel für Autonnd Motorradfahrer / Elektrische Koch- und Heizapparate / Elektrische Kontroll-Uhren / Elektro- Mnterial / Fahrräder / Fernsen-ApparKte / Feuerzeuge"/ Phofo-Apparatc nrtd Zubehör / Gas-Apparate und »Herde / Gerfite aus Metall für Haus*, nnd Küchenbedarf / Glühlampen / Grofilantsprecher-Anlngeit / Klaviere mit orchestraler Tonwiedergabe / Kühlschränke / Laubsägen aller Art / Lüster. Kipp- und Stehlampen / Mechanische Spiel* waren / Medizinische Apparate / Messer nnd Stahlwaren aller Art / Nähmaschinen / Oesterreichischer Erfinder- Verband (Ausstellung) •>/ Radioapparate und Radiohestandteile / Registrierkassen / Schwadtstrombelcnchfang ' / Schreibrequisiten aus Metall / Sprechnnd Aufnahmeapparate — Melograph / Sprechmaschiiien und Platten aller Märken / Spiritnsnnd Petrolcumapparate / Staubsauger aller Art / Taschenlampen-Hülsen und Zubehör, Fahrradbeleuchtung / Uhren aller Art / Warmwasserspeicher / Waschmaschinen / Werkzeuge. KREDIT BIS ZU 20 MONATEN Das Geschäftsprinzip siegte. Der „Jazzsänger" lief so lange wie es nur ging. Just in den Kinos des großen Führers Hugenberg. Das war vor Monaten, vor den Wahlen. Bevor fast 7 Millionen Menschen Hitler ihr Vertrauen aussprachen. Bevor Frick Herr Thüringens war. Bevor der Weg zum „goldenen dritten Reich" ange* -3 Dolly Haas der entrückende Uebermut in mit O. KarlweiB, Allred Abel, Paul Gerron, Hermann Blaß, Erich Kestin Eine Sprech- und Qesangsäiomödfe der Ufa Bloch-Rabinowitsch-Produktion Regie: Anatol Lltwak Uraufführung ab Samstag, den 18. Oktober Inn BURG-KINO UFA-TON-KINO L, Opernring 19, Tel. B-20-3-99 II., Taborstraße 8, Tel. R-41-2-41 FLIEGER-KINO - , IX., Liechtensteinstraße 37. Tel. A-18-1-52 :||lil!l(!ll!)ll!ll!lllll|[lllllllllll!llllll|ll!llllllilllll!l)[llfill treten wurde. Jetzt wird ein» für allemal die unver* schämte Attacke seitens des jüdischen Films aufhören. Frick wird Schluß machen. Wozu Hugenberg sich nicht freiwillig entschließen wollte; aus'idealistischen Gründen, das wird Frick Kraft der Macht, die er von seinem patriotischen Volk bekommen hat, erledigen. Die Gelegen« heit dazu? Die wird sich schön finden. Die Gelegenheit gab der Film „Zwei Welten" des Regisaeurs Dupont. Ohne besonderen Lärm, aber mit verhältnismäßig viel Erfolg ging in Berlin ein paar Wochen lang dieser neue Film über die Leinwand, der wiedr einmal — zum wievieltenmal? — das Leben eines kleinen galizischen Städtchens, das während des Krieges von den Russen an die Oesterreicher, von den Oester« reichern an die Russen fällt, das Leben erschreckter, gequälter, armer jüdischer Eirfwohner zum Gegenstand hat. Natürlich fehlt auch der Dämon nicht. Der Österreichische Offizier, dem es nicht gelingt, vor dem Eindringen der Russen zu flüchten, wird von den jüdischen schönen, schwarzen Mädchen versteckt gehalten. Ihr Vater wurde just von diesem Offizier zu Unrecht bestraft. Aber dieser Jude liefert den Offizier nicht aus, verbirgt ihn vielmehr unter Lebensgefahr. Der Offizier hat ein Auge auf die einzige Tochter geworfen, verführt sie. Der Jude sieht die Undankbarkeit, kann sich dennoch nicht entschließen, den Verführer zu denunzieren, um es zuguterletzt doch zu tun, gerade als die Russen im Abzug begriffen sind. Dem Offizier geschieht nichts. Allerdings wird auch der Jude nicht mehr verfolgt. Nur die Tochter ist verloren. Eine Fabel nach bekanntem Rezept, nicht sehr talentvoll gemacht, nicht sehr spannend. Lange Jahre wären dem Film bestimmt nicht beschieden gewesen, wenn nicht Dr. Frick--. Als der Film nach Thüringen kam, erkannte dieser sofort die Gefahr. Was? Die Ehre der Bruderarmee aus Oesterreich beflecken? Bei Frick nicht. Und „Zwei Welten" wurden* verboten. Die jüdische Frechheit muß mit der Wurzel ausgerottet* werden, (Uebrigens wirkte das gewesene Mitglied der Habima, die Schauspielerin Mirjam Elias, zum erstenmal in einem Film mit. Sie wohnt nach ihrer Rückkehr aus Amerika in Berlin.) Eigentlich war es eine Sünde von Frick, den Dreyfus'Film durchgelassen zu haben. Aber es ist begreiflich. Den Franzosen rechtgeben, das wäre noch zu früh. Dafür ist ein dritter Film da, der jedem anständigen Christen die Augen öffnen muß: „Dreimal Hoch* z e i t." Die Amerikanerin Anne Nichols, die mit diesem Stück „Abbics Irish Rose" 5 Millionen Dollar verdient hat, natürlich auch eine Jüdin 1 Ihr „Werk", das die Mischehe predigt, Bilder so komischer, alter lieber Juden zeigt, ist ein Dolchstoß in den Rücken der Rassen« t h e o r i e. Wird Frick den verfilmten „Abbies Irish Rose" nach Thüringen hineinlassen? Wir werden ja sehen. Für die Herren aus dem vaterländischen Lager tut sich ein weites Feld auf. Warum nur der Film? Warum nicht auch ein wachsames Auge auf das Theater? Schon bei der Aufführung der Komödie „Konto X." beklagte sich eine gemäßigte Berliner Zeitung darüber, daß man alles schon von vorneherein kenne — das goldene jüdische Herz, das siegen, über* zeugen, Sympathien erwecken müsse. Alle Deutschon sind schlecht, dumm, der jüdische Advokat ist gutherzig und klug. Natürlich wirft sich ihm das blonde deutsche Mäd* chen an die Brust. Das goldene jüdische Herz siegt. So ist's im „Konto X.", so war's in dem Stück „Haus Danieli", so ist es jetzt in dem neuen „Jud Süß" von Paul Kornfeld. Ueberall die beschränkte deutsche Ge* Seilschaft und als einziger Lichtpunkt der Israelit! Die Juden mögen sich in Acht nehmen. Wollen sie das Theater und den Film zur Aufzeigung des Unterschieds zweier Welten, zweier Rassen verwenden, so kann dies manchmal das verkehrte Resultat zeitigen. Ja, die Hauptsache habe ich vergessen. All die im* portierte Ware nichts anderes für uns als harmloser, banaler Kitsch, nicht einer künstlerischen Beachtung wert. Aber die vaterländischen Herren wittern selbst darin eine ernste politische Gefahr. Die Herren benehmen sich rigoros und stumpfsinnig. Die gerichtliche Entscheidung höherer Instanz hat jetzt gefällt zu werden, ob das Verbot Fricks in Kraft bleibt. Originell ist Frick allerdings auch hier nicht. Noch vor ihm haben die Türken die Gefahr jüdischer Filme erkannt. In Stambul hat die türkische Polizei den „J a z z# sänger" verboten, weil er Propaganda für die jüdische Religion betreibe. Man war nicht umsonst Verbündeter. Man hat voneinander gelernt. J. Klinow. 136,000 Stimmberechtigte zu den Repräsentantenwahlen der Berliner Jüdischen Gemeinde. Berlin, tO. Oktober. (J. T, Ä.) Die Repräsentanten- Versammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin erledigte in ihrer Sitzung vom 9. Oktober die Einsprüche, betreffend die Wahllisten gemäß der Vorlage des Vorstandes. Dabei wurde festgestellt, daß die Wählerliste zu den am 30. November stattfindenden Repräsentanten-; wählen rund 136.000 Namen enthält. Wochen-Kalender Oktober 1930 ntfn M'sin . : Tischri 5691 17 Freitag ■tt-ro / Sabbateingang 8*00 18 Samstag 26-13 Sabbatauagang 8*46 . rrso ,idm ro 'toon «nwrp 19 Sonntag 27-ra 20 Montag 28-ro > '•. : 21 Dienstag W-to «nn ff *n aiy 22 Mittwoch S(H> «nn my\ n 21 Donnerstag nn mr\ 6