Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 161 (17.10.1930)
- Date
- 1930-10-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Softf 6 DIE NEUE WEL Nr. 161 [Inhaber: \U\rU I., Richard Herzog WIM Aaltrgissft I Tel. ft.2S.4-0O Kl. Plarrg.lt Tel. A-4f Sprechmaschlnen, Schallplattan und Rundfunkgeräte Jüdischen iindhebrOisciien Schnllplotfen sowie alle modernsten Tanz- und Gesangsachlager in teiihstir Auswahl auf Ltigtr Auch Teilzahlungen! Provinzversandl iatbtn mw oriQhvil-amtr-.btniachi Litfirw-.gt» tingilatiyt Okkasions-Verkaut neuer Schallptatten ä S 3.8(1 essen für immer gefährden; sie kann die großen konstruktiven Leistungen der letzten zehn Jalire untergraben. Der Zionismus muß heutzutage den jüdischen Willen zu festen und entschlossenen Taten repräsentieren, gerade jetzt, da die Lage der Weltjudcnheit eine verzweifelte is t." Erbauladies aus Sowj'elrußland* Und wann wird erschossen? Die offizielle jüdisch - kommunistische Zeitung ,.Emes" in Moskau bringt einen Bericht über die schlechte Luge in den jüdischen Kolonien. „Eines" schreibt, daß die gegenwärtige schwierige Situation in den jüdischen Distrikten, wie zum Beispiel in Kalinindorf, vor allem darauf zurückzuführen sei, daß die Einbringung des Getreides nach der Ernte nicht rechtzeitig erfolgte. Dieser Fehler sei auf Mangel an Organisation und Disziplin, auf Interesselosigkeit und verbt e ch erische Nachlässigkeit zurüdezuführen. Wenige Tage vor Beginn der Wintersaat habe das Getreide noch unged roschen auf den Feldern gelagert und sei teilweise schon in Fäulnis übergegangen. Das ukrainische Distrikts-Landkommisssiriat habe seine äußerste Unzufriedenheit mit diesen Zuständen kundgegeben und sie der Aufmerksamkeit der jüdischen Behörden empfohlen. In dem Artikel wird weiter darüber Klage geführt, daß die Anzahl der Feldarbeiter in den jüdisdien Betrieben zu geling sei und daß Frauen und Kinder der jüdisdien Bauern auf den Feldern nicht m 31arbeiten, Dies sei der Hauptgrund für die katastrophale Lage. So weit „Eines". Das kann schön werden! Auf „Disziplinlosigkeit" , und „verbrecherische Nachliissigkeit" bei der Arbeit ist in Rußland die Todesstrafe gesetzt. In den letzten Monaten allein wurden über tausend so begründeter Todesurteile gefällt und vollzogen. Um ein Gegeugewidit gegen die zionistische Kolonisation.in Palästina zu schaffen, haben die Moskauer Machthaber mit Hilfe des Geldes reidier amerikanischer Juden die Judenkolonisation in Szene gesetzt. Juden wurden einfach aufs' Land kommaud^iert. In eine'feindliche Umgebug, ungeschult, ohne ausreichende Mittel. Schachfiguren in einem politischen Spiel. Dazu kamen „Kommissäre", welche die Juden schikanierten. Wer davonlaufen konnte, lief davon. Die, welche übrig blieben, hungerten im Schmutz. Nun ist das Elend zutage getreten. Das Werk ist mißlungen. Die Regierung darf nicht schuldig sein. Andere Schuldige müssen her. Die .Kolonisten sind schuld. Ihr Hunger ist „Konterrevolution", ihr Elend „verbrecherische Nachlässigkeit". Wunn wird mit dem Erschießen begonnen werderl? — — * Geschäfte mit Grabsteinen. Es wurde darüber berichtet, wie grüudlidi sich die Sowjetregierung mitdem Vermögen ihrer Juden befaßt. Erst hat sie ihnen Gold und Juwelen weg- Vo rtragssaal am <B IS m m lfc für einige Abende der Woche zu Vergeben! Für Nachmlttagssunden steht auch ein Beratungszimmer zur Verfügung. Auskünfte im Verbandsheim, Untere Augartenstraße 38, im Hof, Tel, A-45 6-34 genommen. Dann die Häuser und Wohnungen, Pelze, Kleider. Als nichts mehr 2U nehmen war, verlegte man sich auf die Synagogen und konfiszierte die heiligen Geräte. Schließlich nahm man die hebräisdien Schriften und Gebetbüdier und ließ sie durdi findige Agenten, natürlidi jüdische, in Amerika und Westeuropa verkaufen. Was nun? Andere Räuber wären jetzt ratlos gewesen, sind abgezogen. Nidit so die Sowjetleute. Die finden, dort noch etwas, wo der findigste Einbrecher nidits mehr findet. Die Juden haben ja Grabstein ei Her mit den Grabsteinen! Dieser Tage ist ein Regierungserlaß erflossen, nach weldiem alle Grabsteine von den jüdischen Friedhöfen zu entfernen und an die Baustellen der Regierung abzuliefern sind. Sie sollen als Material bei Neubauten Verwendung finden. Das nennt man gründlich. Was für Narren sind doch die deutsdien Antisemiten. Sie gehen auf jüdische Friedhöfe und zerbrechen jüdische Grabsteine. Tölpel! Die Sowjetleute nehmen sie weg und madien Kasernen Und Ställe dr; 11 s. Man darf wieder schnorren. Die J.T. A. meldet aus Moskau: „Das Präsidium des Zentral-Exekutivkomitees gibt bekannt, daß Sowjetbürger, die aus dem Ausland Geld in Form von Erbschaften, Auszahlung von Versidierungssummen, Alimenten oder Geldunterstützungen von Freundän und Verwandten, erhalten, dadurch nicht das Wahlrechtes und der anderen Bürgerrechte verlustig gehen. Diese Bckanntmndiung des höchstens gesetzgeberischen Organs der Sowjetunion rief unter zehntel ueenden jüdischen Familien, die von ausländischen Verwandten Unterstützungen erhalten, Genugtuung hervor. Bisher pflegte man Personen, die Geldzuwendungen aus dem Ausländ erhielten, zu m 1 Union der Zlonteten-Revisionisten Oesterreichs | Montag, dmn 20. Oktober 1030, 7,9 Uhr abends, 1 im Cafe Arkaden, I., Universitätsstraße 3 (Souterrain) 1 § Thema: | Das Verhältnis der Revisionisten zur Histadruth! | Organisatorisches | Redner: Benjamin Lubotxky - Fritx Richter 1 Eintritt frei! Gäste willkommen! den „nichtarbeitenden Elementen" zu zählen und ihnen das Wahlrecht vorzuenthalten." Die Hochherzigkeit der Sowjetregierimg. ihren durch sie ausgeplünderten, hungernden Bürgern das Betteln im Ausland zu erlauben, ist rührend. Ftwus Geschäftstüchtigkeit ist allerdings auch im Spiele. Juden, welche vom Ausland Geld in fremder Währung erhielten, wurden bisnun nidtt nur genötigt, dasselbe bei den Regierungsknssen gegen ein Zehntel des wirKliehen Wertes einzutauschen, sondern wurden seitens übereifriger Organe audi nodi politisch entrechtet und schikaniert. Als Verdächtige! Darauf blieben die Geldsendungen aus. Das paßte der Regierung nicht. Sie dämpfte den Uebereifer der unteren Organe. Dio Juden dürfen wieder ungestraft Geld bekommen und es für ein Zehntel des Wertes abliefern. Die Regierung bekommt nicht nur Geld, sondern ihre Juden werden außerdem mit Genugtuung erfüllt! Ueber was so ein armer russisdier Jude „Genugtuung" empfindet! Die rumänische Regierung verhöhnt die Posromopfer. Entschädigung! Wer soll sich der Unglücklichen annehmen! — 25 Dollar für ein xerstörles Heim und ein geraubtes Vermögen* Noch vor wenigen Jahren gab es in P a r i s eine Stelle, an welche sich .verfolgte Juden aus aller Welt um politischen Schutz wenden. konnten, welche Beziehungen mit allen Regierungen, vor altem mit dem Völkerbunde, mit der Weltpresse unterhielt. Es war das „K oraitee der jüdischen Delegationen" unter Führung des bewährten M otzki if^Esj^war eine z i o n i s ti s ch e Schöpfung, eine der r b e s.te n, zionistischen Schöpfungen und wirkte segensreich. Es war der Sammelpunkt aller Vertreter des bedrängten Weltjuden* RHMi<tuii<iiiiii>>uinimurHHntttiiniiiii<MMiitiiiiiiii!nim>iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiniiiniM xnn........ii«iiii[ii!iiiHHiiiniiiiii>ttni>ratiKi>iiiii*nia>'j ' ttiimiiHi-miflittHHiitmmwiiHtiiMnHiimntmiHnimttMH^^ SIEGM. KORNHEHL II OROSSFLEISCHHAUERfil f j 7ontra'» IX.. Rffrgfr*««- 19, Telephon n. 16-9-34 Lief er an' ' ü i Heilanstalten) , A mi«.wM ii unter Aufsicht des Ehrwürdigen Kabbinats der Isr Kuf* tusgemeinde Wien Autocustollung kostanlo« IX. Berggasse 19 / XVIII., WShrlngarjtr. 91 <inntllllimilttll.-<>llnti:ll|l<IMlMMIIH.Iitll|(Mllll>IMI(llllllll4llMIIII»ll)(|MllttllllMMMHhll|lllltllt(lll...................* ■ H.....I ■ I. .1 II t II I ItJ Vt MI JH HlllltttlKI *ÖMNnMMinommtiiiiwmiuiimHiiiiimiiiniri tums. Es trat für verfolgte österreichische, polnische, ungarische, russische, türkische, kurz für Juden aller Länder in, Aktion. Diese3 Zentrum existiert nicht mehr. Es* wurde aufgelöst. Auch ein Opfer der Politik der der« zeitigen Exekutive der Zionistischen Weltorganisation. Es war den reichen Assimilationsjuden, gewissen Re» gierungsstellcn ein Dorn im Auge. Also wurde es durch Budgetentziehung, Diskreditierung, auch Verhöhnung seitens der zionistischen Bürokratie systematisch ver» nichtet, im Zuge jener Politik, welche noch heute, zum Unglück des Zionismus, die herrschende ist, welche auf Unterdrückung des nationalen Charakters der Be* wegung gerichtet ist. Wer die folgenden Zeilen liest, wird den Verlust dieser segensreichen Institution doppelt schmerzlich empfinden. * Die rumänische Regierung hat in alle Welt ge> senrieen, daß sie die jüdischen Pogromopfer aus* reichend entschädigen, ihnen den Autbau neuer Existenzen ermöglichen wird. Wie sie das tut, möge nachstehender, dem „Czernowitzer Morgenblatt" ent* nommene Artikel demonstrieren: Die Regierung unter der Führung des gewesenen Ministerpräsidenten Maniu hat ihr Wort gehalten. Sie wird die Opfer der Exzesse in Balaceana und in Suczawa und die Juden von Borscha, deren Hab und Gut von den Ciuisten zerstört worden ist, entschädigen. Qie Juden von Balaceana und die von Suczawa werden an der Staatskasse 90.000 Lei (600 Dollar) erhalten, während die Juden von Borscha 1,800.000 Lei (10.000 Dol* lar) bekommen. Diese Entschädigung ist gar keine Entschädi* gung. Aber selbst die Zumutung, in dieser Art der Entschädigung einen Akt der Gerechtigkeit zu er* blicken, ist krankend. In Balaceana sind 26 jüdische Familien in einer verhängnisvollen Julinacht zu Bettlern gemacht wor* den. Ihre Waren, ihre Wohnungseinrichtungen, alle ihre Habseligkelten wurden auf die Straße geworfen und zer* stört. Es war eine Bartholomäusnacht. Die an* gerichteten Schäden, die ausgestandenen Schrecken, die Demütigungen und Verängstigungen — das bewertet die Regierung mit' 90.000 Lei. Die Cuzisten werden sich durch diese Munifizenz der Regierung in ihrem verbrecherischen Tun form* lieh ermutigt sehen. Sie werden sich denken: 90.000 Lei ist das schon wert, ein paar Dutzend Juden zu verarmen, ihnen die Bärte zu raufen und ihnen einige Schreckens* nächte zu, bereiten. Da hat die Regierung, sicherlich nicht zuviel bezahlt. Wenn man die Summe von 90.000 Lei auf die 26 Familien, welche geschädigt worden sind, verteilt,. so ergibt sich für jede Familie der Betrag von 3800 Lei. .(25 Dollar). Damit sollen die zerstörte Wirtschaft, das vernichtete Heim, die verschleuderten Waren wieder her* gestellt werden. Und das hat man mit dem Ernst und der Würde eines Regierungsaktes getan, damit die Welt sieht, daß bei uns tatsächlich Ordnung und Ge* rechtigkeit walten. Die Regierung soll damit dartun, daß sie die Exzesse, welche die Cuzisten hervorgerufen haben, mißbilligt und sich veranlaßt sieht, die Opfer dieser Exzesse zu entschädigen. Aber niemand wird darauf hereinfallen. Das Bekanntwerden dieser Art der Entschädigung wird jenen Eindruck nicht auf* kommen lassen, den dio Regierung damit hervorzurufen beabsichtigte. 25 Dollar sind doch ein etwas zu kleiner Betrag für eine zerstörte wirtschaftliche Existenz. Selbst ein Jude aus Balaceana, mag er noch so anspruchslos sein, wird nicht wissen, was mit diesem Gelde anzufangen. Diese Entschädigung ist ein Hohn auf die gekränk* ten, gedemütigten, verarmten Juden von Balaceana, ist aber auch ein Hohn auf die Gefühle der jüdischen Bürgerschaft, welche darin einen schweren Affront erblicken wird. . . Das ist einfach eine Schande und eine be* schämende Zumutung an die Juden von Balaceana. Nicht weniger kränkend ist die Behandlung der Juden von Borscha. In Borscha ist bekanntlich das ganze Juden* viertel der nazistischen Zerstörungswut zum Opfer ge* fallen. Dort sind über 100 jüdische Häuser zerstört wor* den. Der Schaden beziffert sich auf 100 Millionen Leu Aber die Regierung hat sich in ihrer Großherzigkeit ent* schlössen, den Juden von Borscha 1,800.000 Lei zu be» willigen. " ' ' Dieser Betrag wird nicht einmal hinreichen, die Stellen sro markieren, auf denen sich einst Häuser be» fanden. Ja, dieser Betrag wird nicht einmal-auf Reisespesed hinreichen, um ■ etwa nach Palästina zu gelangen, wenn die Regierung mit dieser Spende den Juden von Borscha symbolisch den Rat erteilen wollte, den BorschaeJ Staub von ihren Füßen zu schütteln. Mit diesem