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Die neue Welt · 1930-10-10 · Heft 160 (10.10.1930) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 160 (10.10.1930)
Date
1930-10-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 DIE NEUE WELt Nf. 160 la Wirklichkeit für die ökonomische Entwicklung Hä§ Landes viel geleistet hat Unterzieht man aber diese Ziffern einer genauen Prüfung, so stellt sich folgendes heran*: Erstens: in der Summe von über 9 Millionen Phuul sind dir A n s g a b e n für den Schutz des Landes nicht blofl „enthalten", sondern diese Summe ist a n s * r Ii l i <• ff Ii c h für die FJrhnltting der Land- und Luftstreitkräfte im Mandatsgebiet von 1921—28 verausgabt worden. Luit den Jahren verteilt sich der Betrag wie folgt: Inhr 1921/22......3.m000 Pfund „ 1«M2'23......l.m.*2l 1923/24 ...... 1.S0O.31S „ „ 1924/25 ...... 849.ff>9 „ »925/26 ...... 738.023 „ „ I92W27...... 331.374 „ 1928/29 . , , . . . 100.000 ., 9,t23T76*Pfiind Aus der Tabelle folgt, daß der weit gröfitc Teil (6,003.(100 Pfund, d. h. 72 Prozent) auf die Jahre 1921/24 entfällt. Mit anderen Worten: kurz nach der Eroberung hatte England die Aufgabe, das Land zu beruhigen, die Yurkriegsvorwaltung zu reorganisieren. Sirherheil und Ordnung herzustellen. Hier ist nicht der Ort flir eine detaillierte Aufzählung der Interessen, die Englnnd überhaupt im nahen Osten ha t; Das eine ist klar: wenn England auf diesem Fleck Erde seine Macht behaupten will, braucht es dazu kostspielige Land- und Luftstreitkräfte. Die Lasten, die England für die Aufleehtcrhaltung seiner Position in Palästina trägt, hat es im Laufe der Jahre bis auf ein verschwindendes M i n im u m eingeschränkt, so daß dieser Posten im Jahre 1928/29 nur J00.000 Pfund betrug. Zweitens wurde der Betrag von über 9 Millionen Wund nicht nur für Palästina, sondern auch für I r a n s j o r d a n i e n verausgabt. Im ganzen sind 831.283 Pfund nuch Trnnsjordanien geflossen, und von den 100.000 Pfund im Jahre 1928/29 entfallen sogar auf dieses Gebiet 70.000 Pfund nnd bloß 30.000 Pfund auf Palästina. Ucberdies läßt sich England von der palästinensischen Verwaltung die Mehrkosten zahlen, die die Erhaltung seines Heeres in Palästina gegenüber der einer gleich großen Truppe in England verursacht. Diese Summe betrug in den letzten drei Jahren 84.000 Pfund. In der Antwort der englischen Regierung wird auch die Tatsache hervorgehoben, daß England dank .seiner Bürgschaft der palästinensischen Regierung die Anfnahme einer Anleihe von 4H Millionen Pfund ermöglicht hat. Auch liier müssen die Ziffern kritisch untersucht werden, um zu sehen, wie dieser Betrag in Wirklichkeit verwendet wurde. Von den Geldern der Anleihe wurden der englischen Regierung sogleich folgende Reträge angezahlt: 1,000.000 Pfund für die Vorschüsse an Eisenbahnen u. i. und 1,514.324 Pfund für die Eisenbahnen selbst, insgesamt ali>o 2.514.324 Pfund oder 56 Prozent tief ganzen Anleihe. Nach Abzug der Unkosten bei der Beschaffung der Anleihe (120.000 Pf.) verblieben «tlso nur ungefähr 1,750.000 Pfund für die lintwicklungdes Landes: 1,115.000 Pfund für die Arbeiten xam Haifaer Hafenball und der Reparierung des.^ jnlfe imlMß^d%m^(ioMm^nMm memmöf Bauten, Grundaufwendungep für ^Telegraph und Telephon und verschied#ne"örleriSlichd tVfbeiten. Mit anderen Worten: dem Lande selbst kamen nicht einmal 40 Prozent der Gcsamtanleihe zugute. Dabei wird aber von der palästinensischen Bevölkerung die Zeitlich genau begrenzte Rückzahlung der vollen Anleihesumme verlangt. Zur Kritik der Mandatskommission, daß die englische Regierung verschiedene Wirtschaftszweige, insbesondere die Landwirtschaft vernachlässigt habe, bemerkt die Regierung, die Mandatskommission sei wohl der irrigen Annahme, daß die palästinensische Regierung über unbegrenzte Summen verfüge. Demgegenüber sei an die Tatsache erinnert, daß die. Einnahmen der palästinensischen Verwaltung (sie stammen zu 45 Prozent aus dem jüdischen Fünftel der palästinensischen Bevölkerung!) eine solche Höhe erreichten, daß sie nicht nur die ordentlichen Ausgaben bei weitem übertrafen, sondern es der Verwaltung auch ermöglichten, eine Reihe grundlegender und wichtiger Öffentlicher Arbeiten (im Post- und Telegraphen- sowie im Eisenbahnwesen und für 737.000 Pfund auf anderen Gebieten) für insgesamt 1,318.000 Pfund ins Werk zu setzen. Aber außer diesen berechtigten Ausgaben, die der Entwicklung des Landes zugutekamen, hat dieser gewalti .. . - >HßdifeMög| u^^###nl^#l^I^#,»idi| 1 keit geferinTdie fi&lgeftR %%ul$effi effe k(£ w~—» des Landes leisten: Der Anteil Palästinas an sehen Schuld wurde mit 810.000 das Defizit aus der Zeit der Landesverwaltung mit 206.000 Pf un und die Eisenbahn Jaffa—Jerusalem für 280.! e fc'Jß i n «s- Jcklung elleifc zu *m der o t jy> njgg$ i- Pfurid a||etragen, m i 1 i t ä:'. Si VÖrlNSHME HJMJL1ENPENSIO vormala DfY GRUNBER AM SEMMERI KOCHSTRASSI Nr. 43 (ftll HOTEL PAlfM Pension von S 12.— aufw. / Kaffeehaus un»T gelegfUlMit im Hause / Besitzer: 1CKSTII ntimityiiiMfi \\ f fflftlt*"*** Warm* '«^■■^■»lWnPBbm Ummer erworben. Bei alldem blieb der Verwaltittg Ende 1928 eine Ucberschuß von 590.000 Pfund. Der Ueberschuß des Jahres 192" (1.387.206 Pfund) wurde im Laufe des Jahres 1928 größtenteils verbraucht (644.000 Pfund für die Tilgung der ottomanischen Schuld und 206.000 Pfund zur Deckung des Defizits der Militärverwaltung). Wenn man daher einerseits nicht von unbegrenzten Summen der palästinensischen Verwaltung sprechen kann, so darf doch andererseits nicht übersehen werden, daß der Regierung dieses kleinen und dürftigen Landes verhältnismäßig große Geldbeträge zur Verfügung standen. Die Verwaltung hätte diese Beträge verwenden können, um das ökonomische Leben dos dem englischen Mandate anvertrauten Landes zu heben. Statt dessen wurden Aufwendungen für Dinge gemacht, deren absolute Notwendigkeit im gegebenen Zeitpunkte nicht einzusehen ist. S c h u l d e n d e c k u n g ist gewiß ein gesundes Prinzip, aber ein Land, das sich noch in wenig entwickeltem Zustand befindet, bedarf zuerst gewisser Aufwendungen, damit es später zu Abzahlung reif wird Das Land, das ohnedies mit genug Schwierigkeiten zu kümpFcti hat. hätte diese Aufwendungen aus eigenen Einnahmen decken können, wenn die ihm nicht für andere Zwecke entzogen worden wären. * Anmerkung der Redaktion: Die größten Länder Europas haben es mit der Bezahlung Ihrer ^^irnimfrfmnfrpmirirmfiimtnifmifnmifmtrifrrtiifififiiirniifttirriiiiiiinuffti Die größte Auswahl an «ur erstklassigen Die modernsten Schlaget und Opern, von den prominentesten Künstlern gespielt und gesungen die basten Spreehmasehinen der Welt Radio- und Rundfunkgeräte f. den Ortsu. Fernempfang mit direktem Netzanschluß «u den angenehmsten Zahlungsbedingungen nur im iiiiaus Olli lies. 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September abends wurde im Sitzungssaal des ehemaligen Herrenhauses zu Berlin der erste Weltkongreß für das arbeitende Palästina in Anwesenheit von mehr als 2.00 Delegier teiv^r... verschie*. deri^ett.#?htühgen?,aer "^»eHtn^'SSm^mh^i Wer Lä$e'£-ü*d\ etwa" ro^jf" Gäst$H\ «Ater-^BfBffejÄ*^ EinJ* siein. Nahum Sökolöw, Edtiard JJernstein, ^^tj^nsr^., Professor Dr. M. Sobernheim, Jean Longiiet, Joh. Sass^jjj^ bacbficAbg. Louis Piera% m., ,^ÖffÄ^^V( ty$ * ^.«qf; 0 ^ivfo«H£ t. \{ > p-sy*» r*fltef*»w' fV \ Die Eröffnungsansprache hielt der Vorsitzende der igsanspracl Allgemeinen Jüdisöfren Arbeiterorganisation P a 1 ä s t i ri 0 * (HiStäirtith klolith) D. Ben-Gurion rn f=y Nach ÄGYPTEN und PALÄSTINA mit den Luxusdampfern a mnrni ntf »liwvvuui M< Rundfahr(«n Im Mittelmfter Genua - Neapel — Sizilien — Aegypten — Palästina — Syrien — Zypern — Konstantinopel — Athen — Neapel — Marseille — Genua zu besonders ermäßigten Preisen Auskünfte: »Sittnar", 1. Kärntnerring 18 (Ecke Schwaizenbcrgplatz) Telephon U-45009 Uli in Hebräisch. Nach den ersten Worten des Redners erscholl von den Bänken der Fraktion der Linken Poale Zion stürmischer Protest; ununterbrochen wurde gerufen: .Jiddisch 'reden, jiddisch reden!", während der Kongreß' dem Redner Beifall spendete und ihn ermutigte, hebräisch fortzufahren. Etwa eine Viertelstunde dauerte der Lärm, schließlich trat Ruhe ein und der Redner konnte hebräisch fortfahren, um dann den zweiten Teil seiner Ansprache in jids dischcr Sprache zu halten. Kaplansky begrüßte den „Altmeister -des internationalen und des deutschen Sozialismus" Edüard Bernstein, den „führenden Geist unseres Jahr« hunderts" Professor Albert Einstein, den Vor* sitzenden der Zionistischen Exekutive Nahum Sokolow, den Sekretär der Gewerkschaftsinternationale Sassen* b a c h, den Direktor Donau vom Internationalen Ar* beitsamt in Genf, den französischen Sozialistenführer und Enkel von Karl Marx Jean Longuet, den Se* kietär des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftabundes Alexander Kn oll, den großen hebräischen Dichter Saul Tschernichowski. Begrüßungsansprachen hielten Eduard Bernstein, Professor Einstein, Generalsekretär Sassenbach im Namen des Internationalen Gewerkschaftsbundes. Als dem Präsidenten der Zionistischen Exekutive Nahum Sokolow das Wort erteilt wird, verlassen die Linken Poale Zion den Saal. Jean Longuet bemerkte, zur Linken gewendet, er hoffe, daß seine französische Ansprache — ob» wohl auch nicht von allen verstanden — weniger Protest auslösen werde als die hebräische des Vor« sitzenden. Kaplansky verlas sodann Begrüßungsschreiben von der englischen Arbeiterpartei, vom Führer der tschechischen Sozialdemokratie Soukuup, vom Mitglied des englischen Unterhauses Harry S n e 11. In einem arabischen Begrüßungsschreiben dankte der aras bische Arbeiterkltib Von Haifa der jüdischen Arbeiterorganisation für die Förderung gemeinsamer Ar* beiterinteressen. Als letzter Redner sprach der Führer der ame« rikanischen Arbeiterdelegation über das Thema „Die jüdische Arbeiterschaft und Palästina". Durch Zwischenrufe Von der Linken schon zu Beginn seiner Rede wieder« holt unterbrochen und irritiert, Heß sich Shipliakoff zu einigen heftigen Ausfällen gegen die Linke Poalo Zion und deren Führer Serubowel hinreißen. Hatte schon seine Bemerkung, er habe in den palästinensischen Siedlungen Menschen verschiedenster Parteistellung, aber keine „Linken" gefunden, stürmischen Protest aus* gelöst, so steigerte sich der Widerspruch der Linken Poale Zion zu einem wilden Tumult, ab er diese als „unsere Araber" apostrophierte. Erst als Shipliakoff seine Aeußerung zurückgezogen hatte, konnte er seine Rede unter stürmischem Beifall beenden, worauf die Sitzung unter dem Absingen der Internationale in j i d* d i s c h e r und hebräischer Sprache geschlossen wurde. Am Vormittag des 28. September wurden die Be* ratungen fortgesetzt. Es fiel auf, daß die Fraktion der Linken Poale Zion fehlte. Die Delegierten dieser Fraktion waren durch eine Verfügung des provisorischen Kongreßpräsidiums bis . auf weiteres von der Teilnahme am Kongreß ausgeschlossen. Das Kongreßpräsidium hatte als Bedingung für deren weitere Teilnahme von der Frak* tion eine schriftliche Erklärung verlangt, daß sie fernerhin auf jede Obstruktion verzichten werde. Die Abgabe dieser Erklärung war aber verweigert worden. Der Wahl des Präsidiums folgte eine Bcgrüßungs* anspräche des Dichters Ernst Toller, welcher den Kongreß aufforderte, sich durch das Schreiben der Labour Party nicht täuschen zu lassen. Die wahre Gesinnung der englischen Regierung zeigte sich in der Einstellung der jüdischen Immigration. Eingekeilt zwischen arabischem Nationalismus und eng* lischem Imperialismus, könne die jüdische Arbeiterschaft ihr Heil nur von einer wirklichen Bindung mit der ara* bischen Arbeiterschaft erwarten. Die jüdischen Arbeiter mögen sich nicht durch nationalistische Ten« denzen zu einer chauvinistischen Haltung verleiten lassen. Ben-Gurion erwiderte, es gäbe nicht nur einen eng* lischen, sondern auch einen russischen, französi* sehen und leider auch arabischen Imperialismus. Artur Ruppin erstattet sein Referat über „Die soziale Struktur des jüdischen Volkes", Er führte aus; Zur Zeit der Zerstörung des jüdi* sehen Reiches gab es in Palästina eine Million, in den Nachbarländern 3,5 Millionen Juden. Die Juden um* faßten ein Zwölftel der Bevölkerung des römischen Welt* reiches. Später verringerte sich ihre Zahl durch die mittelalterlichen Verfolgungen, Wanderungen und Konzentrie* rung in Städten mit ungünstigen sanitären Verhältnissen; im 17. Jahrhundert gab es nur mehr anderthalb Millionen Juden. Eine neue Epoche beginnt mit der französischen Revolution. Durch Besserung der sani« tären Verhältnisse in den Städten steigt die Zahl der Juden. Ende des 18. Jahrhunderts gibt es 2,5 Miflonen Juden, davon 1 Million orientalische und 1,5 Millionen europäische, von denen 1,25 Millionen in Polen wohnen. Während die orientalischen Juden sich bis heute kaum

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