Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 160 (10.10.1930)
- Date
- 1930-10-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 160 0IE NEUE WELT Seite $ LERNET FREMDE SPRACHEN in der Berlitz School, Wien I, Graben 13 Prospakt 7 auf Wunsch Ersuchen des Vizebürgermeistcrs von TeUAwiw, Ro* keach, hat die Polizei der Ruhe halber die weiteren Vorführungen des Films verboten. Die britische Po* lizei half den lokalen Behörden bei der Herstellung der Ordnung. Mehrere der Ruhestörer, die während der Skandale von der Polizei verhaftet wurden, sind auf Grund einer persönlichen Garantie des Vizebürger* meisters Rokeach wieder aus der Haft entlassen worden. * Auf Grund einer Vereinbarung zwischen dem Bürgermeisteramt und dem Kinobesitzer wurden die gesprochenen und gesungenen Stellen aus dem Film „D i c jüdische Mutter" herausgeschnitten. Die weiteren Vorführungen des nunmehr stummen Films verliefen ohne Störung. Die Demonstration gegen einen anderssprachigen Tonfilm in Palästina fand fast gleichzeitig mit den Prager Demonstrationen gegen den deutschen Tonfilm statt. Beide sind gleich zu bewerten. Sic sind beschämend. Die hebräische Sprache hat Palästina erobert. Wer mit Tintenfässern und Stinkbomben für sie arbeiten zu müssen glaubt, erweist ihr den schlechtesten Dienst. Hebräische „Kultur" ist das nicht. 5* Uebrigcns fehlt auch das jiddische Gegenstück nicht. Auf dem Kongresse für das arbeitende Palästina, welcher in der Vorwoche in Berlin stattfand, veranstal* teten die linken Poalc«Zionisten einen heillosen Skandal, weil einige Referenten sich der hebräischen Sprache bedienten. Also Stinkbomben da und Stink* bomben dort. Da sollte die jüdische Oeffentlichkeit doch rückhaltlos Stellung nehmen. Anders ist solchen Auswüchsen der Intoleranz nicht beizukommen. Aus Rumänien* Prozeß in Szighet trotz antisemitischen Terrors. — Den geschädigten Juden werden nicht einmal zehn Prozent der Schäden ersetzt. Marmarosch*Szighet, 3. Oktober. Das Gericht in MarmaroschsSzighet hat die Forderung der jüdischen Gemeinde, den Prozeß gegen die Urheber der a n t i* semitischen Exzesse in Borscha der Sicher« heit halber nach einer anderen Stadt zu verlegen, weil in Szighet ununterbrochen antisemitischer Terror herrscht,, der. Leben , und Eigentum der. Jud,en dieser Stadt, die die Mehrheit der Bevölkerung bilden, gefährdet, zurückgewiesen, so daß der Prozeß am 7. Oktober in Marmarosch*Szighet stattfindet. Dadurch ist nicht allein die jüdische Gemeinde von Szighet gefährdet, sondern man befürchtet, daß das Gericht unter dem Terror der Straße den 17 mitangeklagten jüdischen Bürgern von Borscha nicht wird Gerechtigkeit widerfahren lassen. Diesen schuldlos Angeklagten wendet sich die allgemeine Teilnahme aller gerecht Denkenden in Rumänien zu. In Borscha fanden zuletzt von tausenden Personen besuchte antisemitische Versammlungen statt, in denen die Agita* toren Cuzas die Losung ausgaben: „Keine Steuern zahlen, mit denen man die Juden entschädigt, rein christliche Stadtverwaltungen, nicht mit Juden zusammen wohnen'." Eine Regierungskommission schätzte den Schaden, den die jüdische Einwohnerschaft von Balaceana durch die fürchterlichen Exzesse und Zerstörungen erlitten hat, auf nur 200.000 Lei (zirka 5000 M.), obwohl Gendarmerie und Staatsanwaltschaft seinerzeit den Schaden mit 2% Mil« lionen Lei — nach Ansicht der Juden viel zu niedrig — bemessen hatten. Unter der Judenschaft Balaceanas herrscht darüber Empörung und Verzweiflung, weil die neu festgesetzte Schadenssumme lange nicht 10 Pro» zent der wirklichen Schäden decken würde. * Bestien in Priesterkleidung. Aus der Anklageschrift gegen die Pogromisten von Borscha: In der Nacht des 5. Mai begaben sich Danila, Dumitrescu, Berindc, die Frau des letzteren und Timis zur Wohnung des Chaim Ber Gantz. Dort angelangt, gaben sie mit Trompeten Alarmsignale, Danila erbrach die Türe mit einem Holzpflock, er drang mit seinen Genossen in die Wohnung ein und forderte die Familie auf, ihre Sachen zu packen und sofort die Wohnung zu verlassen. Die Schwester des Gantz flehte, man möge sie wenigstens bis zum Morgen in der Wohnung lassen, worauf sie von Danila an den Haaren auf die Gasse gezerrt wurde, dann wurde auch Gantz unter Mißhandlungen herausgeholt, er und ''ue Schwester zum Fluß geschl pt, wo an ihnen ebenfalls die „Taufe" durch dreimaliges Untertauchen im Wasser vollzogen wurde. Während dieser Taufprozedur schlug Pfarrer Dumitrescu auf die beiden mit einem Stock eiu. Nachdem sie aus dem Wasser herauskamen, wurden Gantz und seine Schwester Lenke gezwungen, das Kreuz zu machen und ihren Peinigern die Hände zu . küssen. Diese Tatsachen sind durch das Ge» ständnia des Petru Timis, durch die Aussagen des Petru -Bodnar und der Mißhandelten festgestellt. Numerus clausus auch an Volks« und Mittelschulen in Rumänien. Bukarest, 3. Oktober. An einer Anzahl Mittelschulen in Siebenbürgen ist cino Art Numerus clausus für jüdische Schüler und Schülerinnen eingeführt worden. Aus budgetären Rücksichten verfügte das Unter« richtsministerium die Abschaffung von Doppel« und Parallelklassen in allen Mittelschulen. Um dem Antrag der lernbegierigen Jugend zu den regulären Klassen gerecht werden zu können, helfen sich die einzelnen Ortsschul* behörden dadurch, daß sie die jüdischen Schüler fast restlos zurückweisen. An einigen Klausen* burger Schulen sind zirka 90 Prozent der sich meldenden jüdischen Schülerschaft zurückgewiesen worden. Abg. Dok« tor Fischer, der in dieser Frage beim Unterrichts« minister und beim Premierminister intervenierte, erklärte dabei, das sei nicht mehr Numerus clausus, sondern schon Numerus nullus. Die Mitglieder der Regierung ver« sprachen, die Angelegenheit zu untersuchen, wiesen aber gleichzeitig auf die schwierige Lage in den Staats» schulen hin. Das ,.Czerno\virzer Morgcnblatt" wendet sich scharf gegen die Auflösung einer Mittelschule in Czcrno* witz, die von jüdischen Schülern besucht wurde, und weist darauf hin, daß an der Jubiläumsvolks* schule wegen angeblichen Raummangels Kinder einer nationalen Minderheit (gemeint sind jüdische), die bereits an dieser Schule eingeschrieben waren, aus derselben eliminiert wurden. Die Zeitung fragte ob man am Ende fühlbare Unterschiede auch schon in ----- —~ ,~ »---e>*r ..... *-----~ rschiede .in der nationalen Zugehörigkeit der ^o^^c^le^machen wolle. Der liberale Parteiführer I. G. Duca über die Judenfrage in Rumänien. Bukarest, 3. Oktober. Die liberale Partei hat in ihrem jüngst veröffentlichten Programm für den Fall ihrer Rückkehr zur Macht die antisemitischen Un« ruhen scharf verurteilt. Um eine klarere Stellung« nähme dieser im politischen Leben Rumäniens sehr bedeu* tenden Partei zu bewirken, hat sich der J. T. A.*Vcrtrcter CescKkßL CD S 26«—" S 36b"- S 45«"- un, kd»äße 123" ix, mmd. 6 an I. G. Duca, führendes Mitglied der liberalen Partei und gewesenen Außen* und Innenminister, um einige Aufklärungen gewendet. Herr Duca führte aus: Antisemitische Ueberfällc sollen und müssen mit äußerster Energie geahndet werden. Alle dicjnigen, die sich der Aufwiegelung gegen die jüdische Bevölkerung schuldig machen, sollen zur Verantwortung gezogen werden, anders wird es nicht möglich sein, zu einem sozialen Frieden zu gelangen. Die liberale Partei, die die erste in Rumänien war, die bei der Uebernahmc der Re* gierung einen politischen und Wahlpakt mit der jüdischen Bevölkerung geschlossen hat, erachtet es als ihre Pflicht, in Zukunft die Verständigung mit den Juden noch zu ver* stärken, um so ihre positive Politik gegenüber den Juden verwirklichen zu können, nämlich eine Politik der Ge* rechtigkeit und des brüderlichen Zusammenarbeitens. Die antisemitische Bewegung, die sich durch periodische Aus« brüche kundgibt, sollte im Auslände nicht allzu ernst ge« nommen werden, die Außenwelt sollte Zutrauen haben in den Gerechtigkeitssinn und das gesunde politi* sehe Gefühl des rumänischen Volkes, welche uns gebieten, in energischester Weise dem Rassenhaß entgegenzuwirken. In der Konferenz der Avercscu*Partei in Sighisoara (Siebenbürgen) bemerkte der gewesene Minister Gr. Trancu*Iasi ironisch, die gegenwärtige Regierung habe „das Minoritätenproblem in Borscha g c 1 ö s t". Die Partei des Generals Averescu aber wolle, wenn sie ans Ruder käme, für alle Konfessionen und Minoritäten vollste Freiheit der Entwicklung anstreben. (Es ist merkwürdig, wie judenfreundlich viele Minister sind, wenn andere auf ihren Sesseln sitzen!) Eine Million Dollar für Krebsforschung. Stiftung eines amerikanischen Juden. Wien, 2. Oktober. (J. T. A.) Auf dem Wiener Konsulat der Vereinigten Staaten von Amerika wurde zwischen dem jüdischen Krebsforscher Dr. S a 1 z b o r n und dem Präsidenten der großen New Yorker pharmazeu« tischen Handelsgesellschaft „Venicc Corporation of America", Herrn Josef Julius Kraus, ein Abkommen getroffen, wonach dieser sich verpflichtet, den Betrag von 1,000.000 Dollar zur Errichtung eines Forschungsinstitutes zum Ausbau der Krebsheilmethodc Dr. Salzborns aufzu* bringen. Als Anzahlung auf diesen Betrag erlegte er die Summe von 50.000 Dollar. Wie Herr Kraus dem JTA.* Vertreter mitteilte, ist er der Förderung seiner Be* strebungen durch zahlreiche jüdische und nichtjüdische Freunde in Amerika sicher, Diese beabsichtigen, eine An» Der größte Haupttreffer der Klassenloiterie wieder bei der „Glückstelle Stein44, Wien, Art def „Hdheu Brücke44, gewonnen. Wie uns mitgeteilt wird, haben wieder, wie schon so oft, glückliche Kunden der „Ulückstelle Stein", Wien, I., Wipplingerstraße 21, an der „Hohen Brücke" den größten Haupttreffer der Klassenlotteric S 300.000 auf Los Nr. 57.807 gewonnen. Das geflügelte Wort: „Ueber die Hohe Brücke führt der Weg zum Glücke" hat sich wieder bewährt. (Entgeltlich.) zahl amerikanischer Acrztc zwecks Studiums und späterer Verwertung der Heilmethode Doktor Salzborns in Amerika nach Wien zu entsenden, falls diese Methode, die bisher in 70 Prozent der Fälle von Erfolg begleitet war, sich auch weiterhin bewähren sollte. Das Interesse des Herrn Kraus für Krebsforschung rührt daher, daß sieben Mitglieder seiner Familie an den Folgen von Krebserkrankungen gestorben sind. Einweihung eines neuen jüdischen Asyls für Durchwanderer in London. London, 2. Oktober. Das neue Gebäude des Jcws' Temporary Shelter (Asyl für Durchwanderer) in London, wurde am 21. September durch den Präsidenten Otto M. Schiff eröffnet und durch den Dajan Dr. A. Feldman, in Vertretung von Chief Rabbi Hertz, eingeweiht. Otto M. Schiff erklärte, das Werk des Sheltciß sei in der denkbar besten Weise gefördert worden. Anstrengung einzelner hätte nicht zustandebringen können, was durch gemeinsame Arbeit einer großen Gemeinschaft ermöglicht wurde. Die Tore des Asyls seien bisher allen Juden und Nichtjuden offengestanden und kein Bedürftiger sei abgewiesen worden, solange Mittel und Raum vorhanden waren. Mi Herfolg der antireligiösen Kosch-Haschanah- Kampagnc in Rußland. Moskau, 2. Oktober. (J. T. A.) Die antireligiöse Kampagne, welche von den jüdischen K o m m u- , nisten für Rosch Haschanah proklamiert wurde, ist völlig wirkungslos geblieben. An beiden Rosch« Haschanah/Tagen waren die Synagogen in Moskau und in den übrigen Städten Rußlands überfüllt. Der von den jüdischen Kommunisten geplante antireligiöse Marsch fand nicht statt. Die Charkower jiddisch*kommunistischc Zeitung „Stern" schreibt in einer Betrachtung über das Versagen der antireligiösen Propaganda: „Unsere Kulturbrigaden haben geschlafen statt zu marschieren." Auch „Emes" gibt den Mißerfolg des antireligiösen Marsches zu und ruft zu dessen verstärkter Wieder* holung anläßlich des Jörn K i p p u r auf. Jeder jüdische Arbeiter solle an diesem Tage arbeiten und den Tages* lohn dem Fonds für den Bau eines S o w j c t f 1 u g* .zeuges zuführen. Die nichtjüdische Presse Sowjet* rußlands hatte die jüdischen Kommunisten in ihrer antireligiösen Kampagne nachdrücklich unterstützt. In vielen Städten hatten die nichtjüdischen Zeitungen seitenlange Artikel in jiddischer Sprache über den JCulturmarsch gegen die Religion gebracht. England und der Auf bau Palästinas. Von J. Z i m ix n (Jerusalem). in der Antwort der britischen Regierung auf den Bericht der Mandatskommission über die August- Ereignisse 1929 in Palästina heißt es: „Es ist richtig, daß bis in den letzten Jahren . die Notwendigkeit bestand, der Palästina-Regierung mit Zuschüsse n aus der britischen Staatsk u s s c zu helfen. Die Ausgaben, die S. M. Regierung zufolge des Palästina-Mandates aufgebürdet wurden, waren in der Tat beträchtlich. Aliein die in der Periode seit 1921 von S. M. Regierung verausgabte Summe beträgt über 9 Millionen Pfund. Dieser Betrag enthält natürlich auch die Ausgaben für den Schutz des Landes. Ueberdies erhielt die Palästina- Regierung im Jahre 1927, unter Garantie S. M. Regierung, eine Anleihe von 4,500.000 Pfund zur Verausgabung für Eisenbahnen, Hafenbau und -Reparaturen, sowie für öffentliche Arbeiten." Wären solch hohe Beträge wirklich der Wirtschaft des Landes zugutegekominen, welches Aufblühen hätten wie verursacht! Aus der Erklärung der englischen Regierung kann man den Eindruck erhalten, daß England VoHraqssaal für einige Abende der Woche zu vergeben! Für Nachmittagsstunden steht auch ein Beratungszimmer zur Verfügung, Auskünfte im Verbandsbeim, II, Untere Augartenstraße 38, im Hof, Tel. A'45-6-34