Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 159 (3.10.1930)
- Date
- 1930-10-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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I n Sowjetrußland hat Dr. Jochelmann ein Uebereinkommen mit der Regierung g e* troffen, demzufolge das Kommissariat für öffentliche Wohlfahrt (Narkomsobess) sich bereit erklärt, dem Hilfswerk für die russischen Juden eine halbe Million Rubel zu widmen, wenn der Londoner Verband jüdischer Hilfsorganisationen den Örtlichen Hilfskomitees die Summe von 20.000 Pfund für den gleichen Zweck zur Verfügungstellt. Von der Berliner jüdischen Gemeinde. Die Berliner jüdische Gemeinde, die im letzten Jahre ihren Wirkungs* kreis über die nördlichen Vororte bis Oranienburg und über die östlichen Vororte bis Köpenick ausgedehnt hat, feierte in Oranienburg die Uebernahme dieser Ge» meinde und ihrer Institutionen. In der festlich geschmück* ten Synagoge übergab der bisherige erste Vorsitzende des Oranienburger Gemeindevorstandes, Rechtsanwalt Doktor B ä r w a 1 d, den Berliner Gemeindebehörden das Gottes* haus. Im Namen des Berliner Gemeindevorstandes dankte Direktor K a r e s k i für den Willen zum brüderlichen Anschluß. Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee sprach . im Namen der Repräsentantenversammlunp. Rabbiner Doktor Emil Levy hielt die Festpredigt. Der jüdische Friedhof von Toledo. Die Altertums« abteilung im spanischen Kultusministerium beschloß, die Ausgrabung des jüdischen Friedhofes von Toledo in Angriff zu nehmen. Der Kunstwart von To* ledo, Francisco de B. San Roman Fernahdez, erklärte, daß die Arbeiten noch vor Eintritt des Winters beginnen sollen. Man erwartet von ihnen umfangreiche Auf« Schlüsse über die spanischen Juden und hofft, auf Ueberreste jüdischen Lebens von 500 vor Chr., der Zeit, zu welcher Juden die alte Kaiserstadt gegründet und den Friedhof angelegt haben, zu stoßen. Das Interesse der spanischen Öffentlichkeit soll auf die Ausgrabungen da« durch hingelenkt werden, daß eine Ausstellung sämtlicher in spanischen Museen aufbewahrten Judaica in Toledo veranstaltet wird. Diese Ausstellung,.für die die Regierung bereits Mittel bewilligt hat, findet im Hospital Santa Cruz in Toledo statt und wird in wenigen Monaten eröffnet. Don San Roman, der sie leiten wird, hofft, daß die jüdisch«wissenschaftliche Welt ihm bei der Erforschung der auszugrabenden Denkmäler behilflich sein wird. Seit BenJehudas Weggang von Madrid konnten nicht einmal die Inschriften der gefundenen Grabsteine gelesen werden. Jüdische Kommunisten in Polen zum Tode verurteilt. Das Kreisgericht in Biala Podläska, Wojwodschaft Warschau, verurteilte drei junge jüdische Kommunisten aus Radzin, Abraham Kahan, Pinchas Sosnowicz und Abraham N-i e w i a z s fc i, zum Tode durch den Strang. Die Verurteilten werden beschuldigt, am 31. Mai 1930 in Radzin den ehemaligen Kommunisten und späteren Polizeikonfidenten Siedlacz ermordet zu haben aus Rache dafür, daß. er Kommunisten der Polizei verraten hat. Das Urteil wird in Polen scharf kritisiert, weil die Angeklagten nicht geständig waren und für ihre Täterschaft nur schwache Indizien vorlagen. Kahan konnte sogar nachweisen, daß er an dem kritischen Tage iu seiner Geburtsstadt Mezricz geweilt hat. tüchtige Pääagogin, mit langjäliiiggr Praxis lind besten Referenzen, suchfPosten, auch in Privathaus. Btdlt m aeiraist&ee Zuschriften erbeten unter „Tüchtig" an die Expedition dieses Blattes. »Zwei Herzen im Dreivierteltakt« »Nieder mit den luden« audi in Prag Das schöne Prag, die Metropole der jungen tsche* choslowakischen Republik, ist für einige Tage der Schau« plat« einer kleinen Hetze gewesen. Es sieht so aus, als wollte es sich ein Beispiel Kh den anderen mitteleutopäi» sehen Hauptstädten nehmen, wie Wien, Budapest, Buk«r<*<u und Warschau, wo periodisch ein bißchen Krawall gema«f»f wird: Krawall aus einem Instinkt der Unzufriedenheit, der sein Abreagieren wie gewöhnlich im Objekt einer im Lande ansässigen Minderheit findet. Und da die Juden überall Minderheiten sind, befinden sie sich in der Rolle dieses Objekts. Raufen Sozialisten und Hsimwehrler in Wien, werden jüdische Studenten an der Universität blutig* geprügelt; führen die sogenannten „demokratischen" Nationalzaranisten in Rumänien einen Machtkampf mit den Reaktionären, so gibt es brennende jüdische Ort* schatten; probiert Pilsudski seine Macht am polnischen Parlamentarismus, herrscht Pogromstimmung im Lande. Liegt tschechisches Filmkapital mit deutschem im Kampf, so gibt es im Präger Beth Haam eingeschlagene Fensterscheiben und vor dem in diesem jüdischen Volks« haus befindlichen Kino ruft der Mob „Nieder mit den Juden 1 Prag den Tschechen, Palästina den Juden!" Der!Beginn: Seit Wochen laufen in Prag deutsche Tonfilme, die scheinbar den Tschechen, Deutschen und Juden besser munden als die Produkte einheimischer Pro« venienz. Besonders hat es dem Publikum der sentimentale Internationales Matadoren "Meeting am Trabrennplatz Bei der Rotunde am 4 *• 8. 77.;i 12. 76. Oktober /^^^vidli^^jtiijiciii' iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiw bei elektrischer Beleuchtung! Kitschfilm „Zwei Herzen im 'Dreivierteltakt" angetan. Darob Entrüstung in der tschechischen nationalistischen Presse, Zusammenrottung zweifelhafter/ Elemente, Stein« würfe gegen deutsche Theater, deutsche Zeitungen, das deutsche Nationalhaus, gegen — natürlich — jüdisch aus« sehende Passanten, jüdische Geschäftsschilder, jüdische Kitffeehäuser und gegen das jüdische Volk »hau*. Was haben die Juden mit deutschen Tonfilmen zu tun? Mit deffi Kampf zwischen Deutschen und Tschechen überhaupt? Das ist eine verwickelte Sache. Deutsche und Juden sind für ein chauvinistisches tschechisches Hirn immer noch dasselbe. Rächen sich hierin alte Sünden? Einmal waren die Israeliten Prags stramme Deutsehe, von jenen Deutschen, die von den Tschechen als ihre Unterdrücker angesehen wurden. Aus vielen dieser Israeliten , sind inzwischen ebenso stramme Tschechen geworden. Die Volkszählung vom Jahre 1921 hat das kuriose Bild gezeigt, daß von den 31.700 Seelen Prags sich 16.300 zur tschechischen, 7400 zur deutschen und 5900 zur jüdischen Nationali« tat bekannt haben. Also mehr als die Hälfte aller Juden der Hauptstadt sind damals vom deutschen ins tschechU sehe Lager abgeschwenkt. Warum also der Spektakel? Alte Sünden 1 Die Juden können es niemals rechtmachen. Ob deutsch oder tschechisch, immer fällt's bös ausl Wir nehmen die Exzesse rings um die „Zwei Herzen im Dreivierteltakt" nicht gerade für den Augenblick tragisch, vielmehr als Symptom der neuen Situation, die sich dem zentraleuropäischen Judentum öffnet. H'tlers Siegeszug in Deutschland kündigt sie an. Werden die Juden daraus lernen? Der tschechoslowakische Staat hat seine Juden als Minderheit anerkannt, aber die Konsequenzen in diesem Sinne nicht gezogen. Trotzdem den Juden beispielsweise das Bekenntnis zur jüdischen Nation freisteht, wird ander* seits für die jüdischen Minoritätsschuten nicht gesorgt und so indirekt die jüdische Assimilation befürwortet, wodurch letzten Endes das jüdische Element in den poli« tischen Kampf der Nationalitäten einbezogen wird. Erst jüngst wurde wiederum, und zwar durch den Mund des eigenen Gouverneurs, die Not der karpathorussischen Juden vor aller Welt enthüllt. Den Juden Karpathoruß* lands wird keine Hilfe zuteil, aber bei Wahlen werden sie durch allerlei Machinationen zur Sprengung der jüdi« sehen Front benützt. Das Minoritätenrecht allein genügt nicht. Herr Benesch hat sich vor einigen Tagen in Genf für die Er* Weiterung der Minoritätenrechte ausgesprochen. Ist er wenigstens gewillt, die geschilderten Uebelstände in der Behandlung der Juden abzustellen? Die Regierung hat es dem jüdischen Vertreter Dr. Singer versprochen. Damit ist noch nicht alles getan. Entschiedene Orientierung tut beiden not, der tchechischen Regierung und den Juden. Sonst Werden die Rufe des Prager Mobs „Nieder mit den Juden 1" nicht so bald verschwinden. AUS PAUKSTINA. Rosch Haschanah in Jerusalem. Jerusalem. (J. T. A.) Die Rosch Haschanah-Tage sind in Jerusalem ohne wesentliche Störungen vorübergegangen. Juden aus dem ganzen Lande waren zur Klagemauer gepilgert und besuchten die große Synagoge in der Altstadt. Dieser gewaltige Zustrom von Menschen bewirkte eine noch stärkere Ueberfüllung der Synagogen als in früheren Jahren. An der Klagemauer wurde fast ununterbrochen Gottesdienst abgehalten. Das von Rabbi Sonnenfeld geleitete Maarew-Gebet war von überlautem Gesang einer kleinen Gruppe von Betern in der Zawieh-Mosch.ee begleitet. Das Verbot des Schofarblasens an der /x Klagemauer nötigte die dort Betenden, zum Mussaf die ständigen Synagogen aufzusuchen. Während des Maarew-Gebetes an der Klagemauer wurden zwei Steine unter die Versammei t e n g e s c h l e u d e r t, glücklicherweise ohne jemand zu treffen. Eis gelang den Polizeipatrouillen, welche die Zugänge zum Platz vor der Klagemauer bewachten, nicht, der Täter habhaft zu werden. Am Abend des zweiten Festtages waren die Straßen Jerusalems, durch zahl reiche 'Spaziergänger belebt, die Filmtheater wiesen nach der zweitägigen Spielpause einen Rekordbesuch auf. Große jüdisehe Bodenkäufe. Jerusalem, (j. T. A.) Nach einer Meldung des „AI Hayat" hat die Palestine Jewish Colonisation Association (P. J. C. A.) ein Areal von 45 0 0 Dunam im Dorfe Baraka (Jaffa-Distrikt) aus dein Besitz eines schwer verschuldeten Kaufmanns erworben. Das Blatt verzeichnet mit Bedauern, daß von jüdischer Seite eine weitere Erwerbung tob 3 5.0 0 0 Dunam im Süden des Landes geplant sei. Sabbat in der Verfassung von Tel-Awiw. In einer Unterhaltung des Legal Adviser, Mr. ßentwich, mit einer Delegation der jüdischen Gemeinde von Tel-Awiw, au der auch Rabbiner Usiel teilnahm, regte Herr Bentwich an, in die künftige Verfassung von Tel-Awiw eine Bestimmung aufzunehmen, nach der der Sabbat für den Bereich der Stadt Tel- Awiw für jüdische Einwohner der Stadt zum gesetzlichen Ruhetag erhoben wird! Der ehemalige Militärgouverneur von Palästina gestorben. Generalleutnant Sir Louis Bols, der frühere Generalstabschef Lord Allenbya' und Militärgouverneur von Palästina im Jahre 192G, ist gestorben, Während seiner Amtsführung fanden, zum ersten Mal in Palästina, Ausschreitungen gegen die Juden statt» Neue Polizisten für Palästina. Der Kommandant der palästinensischen Polizei, M a v r o g o r d a t o, begilbt sich im Laufe dieser Woche nach London, um 200 Polizisten für Palästina anzuwerben. Gleichzeitig werden 200 Polizisten, die nach den vorjährigen Unruhen nach Palästina gekommen waren, nach der Heimat entlassen. Ein jüdischer Richter für Haifa. t Die jüdische Handelskammer in Haifa hat sich an den Distriktsgouverneur von Haifa mit der Bitte gewandt, im Bezirksgericht von Haifa einen: jüdischen Richter zu ernennen, nachdem seit zwei Jahren in diesem Gericht kein jüdischer Richter vorhanden ist, obwohl das Gericht in sehr hohem Maße durch jüdische Parteien in Anspruch genommen wird» Die Einkommensteuer. Jerusalem. Wie die Jüdische Telegraphen» Agentur erfährt, plant die Palästina* Regierung die Einführung einer Einkommen* Steuer in der Höhe von 2,5 b \ s 5 P r o z e n t des Einkommens. Auch wird der Ersatz der Werko-Steuer und des Zehentsystems durch eine einheitliche Grundsteuer erwogen... In .der. Übergangszeit;wird d«r Zehen«; von 10, auf Prozent ermäßigt werden. Vereinigung der zion.-demQkr/ Jugend; Wien, II., UnUrt Augartengtrafle 38 Samstag, en 11. Oktober findet um 8 Uhr abends Jus •nd A k a d e m I« jgtatt. — Pas reichhaltige Programm bringt u. a.: SpNKh* Mltti'0IMNMI9tflt#f<h jmMtemiS*****^ .. ., ftt »