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Die neue Welt · 1930-10-03 · Heft 159 (3.10.1930) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 159 (3.10.1930)
Date
1930-10-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Na 15$ DIE NEUE WELT Seite 3 ' kationen des K. K. L. sollen eich nur mit Fragen beschäftigen, über welche keine Meimingsversobieden* heften bestehen. Hieher gehört 2. B. das Bodenproblem und andere allgemeine zionistische Fragen. Diese Vernachlässigungen wollen wir jedoch nicht zum Gegenstand von literarischen Diskussionen machen. Ich hoffe, daß sich die Revisionisten mit meinen Erklärungen be- , begnügen werden und ihre Resoltitionsanträge zurückziehen.'* Vorläufig haben sich die Revisionisten im Inter* esse der günstigen Abwicklung der Keren Kajemeth- Kampagne mit dieser Erklärung zufriedengegeben. Die Angelegenheit wird ober noch einer restlosen Erledigung zugeführt werden müssen. Mandat und Palä§tuia*PoHtik finale in Genf In der am 23. September abgehaltenen Sitzung der Politischen Kommission in Genf kam die Sprache auf die Arbeiten der Mandatskommission; von samt« liehen Rednern wurde die glänzende Durchführung dieser Arbeiten durch taktvolle und ihrer Sache voll ergebene Männer hervorgerufen. Der englische Vertreter CharlesRodenBuxton brachte zum Ausdruck, daß die Mandatskommission bei seiner Regierung hohe Achtung genieße. Diese habe die Arbeiten der Mandats* kommission zustimmend verfolgt und sie stütze in auf« richtiger Weise das Mandatssystem. Ein Beweis hiefür sei Hendersons Erklärung, daß er trotz abweichender Anschauung im einzelnen der Mandats« kommission das Recht der Kritik zubillige, ja die Ausübung dieses Rechtes sogar für ihre Pflicht halte. Der Vertreter Italiens, Bonin Longare, brachte die vorjährigen Ereignisse in Palästina zur Sprache, mit denen sich auch die sechste Politische Kommission nicht nur aus geographischem und ökonomischem Interesse, sondern auch wegen der der gesamten Christenheit und der ganzen zivilisierten Welt teuren Erinnerungen, die dieses Land birgt, beschäftigt habe. Dank den energischen Bemühungen der Mandatskommission sei eine gründliche Aenderung der Lage eingetreten. Die Anstrengungen zur Beseitigung der Schwierigkeiten, welche noch im Vorjahre der Mandatsdurchführung entgegenstanden, seien glück« lieh beendet und hätten befriedigende Resultate gezeitigt. Der Franzose Francois Poncet schloß sich den Erklärungen des italienischen Delegierten an. Frankreich freue sich über die Wiederherstellung des Friedens in Palästina, erstes weil es als Mandatar Syriens ein Interesse daran habe, daß eine befreundete Macht in einem an« grepzenden Gebiet nicht vor Schwierigkeiten gestellt sei, und zweitens im Hinblick auf die historischen Erinnerun« gen, welche Frankreich an die Heiligen Stätten knüpfe. Der deutsche Delegierte Koch« Weser brachte seine Befriedigung über die glückliche Lösung der Palästinafrage durch den Völkerbundsrat zum Ausdruck. Er glaube, jeder Freund des Völkerbundes wisse Henderson Dank für seine Erklärung, welche diese Lösung ermöglicht habe. Die Tatsache, daß die Mandatskommission das Palästinaproblem gründlich studiert hat,, sei von hohem Interesse. Er hoffe, daß die Ratschläge der Mandatskommission und des Völkerbunds« rate8 eine für beide Teile billige und gerechte Lösung ermöglichen werden. Der Pole T a r n 0 w s k i unterstrich die Interessen seines Staates in Palästina und gab der Hoffnung Aus« druck, daß die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims und der Wohlfahrt der übrigen Be* wohner Palästinas in Zukunft auf keine Hindernisse stoßen werde. Der finnische Delegierte Valvanne wurde an Stelle Procopes, der nicht in der Lage ist, bis zum Schluß der Session in Genf: zu bleiben, zum Bericht» erstatter für Mandatsfragen gewählt. Die Zusammensetzung der sechsten Kommission war diesmal eine wesentlich andere als bei der Beratung der Minderheitenfragen. Während Briand, Curtius, Zaleski und Benes fehlten, waren Procope und der Vertreter Persiens Khan Ala anwesend. An Stelle Professor Rappards war der Führer der Schweizer Delegation, Bundesrat M o 11 a, erschienen! Ferner nahmen zwei Mitglieder der Mandatskommission, der Spanier Palacias und der Portu« giese Graf Penha Garcia, an der Sitzung teil. Die Gerüchte, daß die katholischen Mächte unter dem Einfluß des Vatikans das Problem der Heiligen Stätten zur Sprache bringen würden, haben sich nicht bewahrheitet. Waffenlager in den arabischen Dörfern. Jerusalem. (J. T. A.) Die Beschlagnahme von 100 Militärgewehren in einem Dorfe des Haurandistriktes in Französisch*Syricn lenkt die allgemeine Aufmerksam« keit auf das Vorhandensein zahlreicher großer Waffen« ÖfeuUH-S^ Scilm- GRÖNANGEWSe Q£ /WV xf&l, Sc^ttärGr^^hf. whtäm&sm (^epj»t<Jj.e^l3W$foffe u.£vfi) und Munitionslager in den arabischen Dörfern Syriens und Pa 1 ästinäs. Viele dieser1 VVäffenlager wurden zu einer Zeit angelegt, als die Türken auf ihrem Rückzug aus den syrisch*palästinehsischcn Schlachtfeldern große Mengen von Waffen im Stiche lassen mußten. Aber auch nach dem Kriege gab es einen lebhaften Waffenhandel und viele Dörfer haben ihren Waffenbesitz ständig ver* mehrt. Aus verläßlicher Quelle erfährt die J. T. A., daß trotz der Wachsamkeit der Polizei der Waffen* s c h m u g g e 1 über den Jor da nun v e ita i h d e rlt„ andauert. Man schätzt die Anzahl der Gewehre, welche im Laufe dieses Jahres aus Transjordanien nach Palästina gebracht worden sind, auf 5000. D i;e t r a n s j o r d a n i« sehen Behörden erlauben das Waffen« tragen, um die Bewaffnung der Araber in Palästina, wo Waffenverbot herrscht, zu ermöglichen. Brüskierung durch Paßfield. Lord Paßfield, der englische Minister für die Kolonien, hat das Ersuchen der Jüdischen Telegraphen-Agentur, eine Rosch .Haschanah-Botschaft an die Judenheit zu erlassen, mit folgenden Worten abgelehnt: „Im Hinblick darauf, daß eine Erklärung der britischen Regierung über ihre künftige Politik in Palästina gegenwärtig Gegenstand von Beratungen ist, bedaure ich, Ihrem Ersuchen nicht Folge leisten zu können." Die jüdische Partei protestiert beim Innenministerium. Prag, 26. September. (J, T. A.) Der Abgeordnete der Jüdischen Partei, Dr. Ludwig S i n g e r, sprach nach den ersten Demonstrationen (in der Nacht zum 25, September), am Morgen des 25.'September, im Präsidium des Innenministeriums vor. , Er wies auf die t i e f e B eunrahigung hin, die sich der jüdischen Bevölkerung bemächtigt hat, und machte auf die a n d a u e r n d e Verhetzu.ngskampagne aufmerksam. Er verlangte söförtige Torkehrungen zumSckut'ze der jüdischen Bürger und des jüdischen Eigentums, Der Präsidiumsvorsteher, Sektionschef Dr. Sobotka, gab die Erklärung ab, daß die Regie-/ rung entschlossen sei, unter allen Umständen Ordnung zu schaffen und keine weiteren Ruhestörungen zuzu* LERNST FREMDE SPRACHEN in der Berlitz School, Wien I, Graben 13 Pro«p«ki 7 wif Wvntsti lassen. Trotzdem haben sich die antisemitischen Demonstrationen und Zerstörungen inderNachtzu m 2 6. S e p t e mberf ortgesetzt. Von der Mordaffare in Stambui Wie wir in der „Neuen Welt" vom n. April 1930 (Nr. 134) berichtet haben, wurde im Zusammenhang mit der Ermordung eines jüdischen Mädchens durch einen türkischen Offizier im Jahre 1927 eine antijüdische Hetze seitens der Konstantinopler Zeitungen gegen zahlreiche Teilnehmer an der Beerdigung der Ermordeten in« szeniert. Zehn jüdische Bürger wurden unter dem Titel der „Beleidigung der türkischen Nation'* verhaftet und von ihnen vier zu einem Jahr Kerker verurteilt. Es waren dies der Großhändler Benoit Jeni, der Großkaufmann David. B o 11 o n, das Mitglied «einer Eicktrogeseilschaft N. L e y t e s und ein türkischer Soldat jüdischer Stam* nieszugehörigkeit. Auf Grund der Berufung sind endlich nach Ablauf eines Jahres die verurteilten jüdischen Bürger vom Kas» sationshof freigesprochen worden. Allerdings kann auch dieser Freispruch die Beunruhigung der türkischen Juden nicht beseitigen, solange die maßgebenden Stellen nicht eine eindeutige Erklärung zum Schutz der Juden abgeben. Jüdische Eltern! Kauft Schulbücher für Eure Kinder nur in der jüdischen Buchhandlung ,] H«rnt«nit TUChtlGF Or.'stad'tautg.? (Eck« Taborstraße 62) Tel. R-41-4-20 Lehrbucher für alle Lehranstalten in den richtigen j Auflagen — auch antiquarisch — zu sehr mäßij gen Preisen. Verzeichnisse kostenlos! 1 «U.mMtW.tMBWltH....^^ Chronik der Woche* ^BJJBJBJBJBJBSf^^ Ein Jude Oberkommandant der amerikanischen Veteranenorganisation. Baltimore. Der jüdische Staats* anwalt von Baltimore, Paul Wolman, wurde in der Schlußberatung der 31. Jahrestagung amerikanischer Kriegsveteranen durch Akklamation zum Oberkoms mandanten gewählt. Ebenso einstimmig erfolgte die Wahl von Rabbi Emanucl J. Jack of Yunkcrs zum Bundeskaplan. Wolman, welcher bisher erster stellvertretender Korn» mandant gewesen war, hat im 313. Infanterieregiment ge* dient. Als Oberkommandant der Veteranen befehligt er eine Organisation von 150.000 Veteranen aus allen Kriegen der Vereinigten Staaten der letzten Jahrzehnte. Starker Rückgang der jüdischen Bevölkerung Prags. Jn der letzten Sitzung der Jüdischen Gemeinde machte der Präsident derselben, Abg. Dr. L. Singer, Mitteilung von dem besorgniserregenden Rückgang innerhalb der jüdischen Bevölkerung Prags, der in den Zahlen für die Monate Mai, Juni und Juli zum Ausdruck kommt. In dieser Zeit wurden bei einer Zahl von 31.751 Juden in Prag 23 Geburten und 56 Todesfälle verzeichnet/ — Ein noch grelleres Bild zeigt die allgemeine Statistik. Während Prag insgesamt einen Bevölkerungszuwachs von 19 Prozent seit der letzten Volkszählung (1921, also inner* halb neun Jahren) aufzuweisen hat, differiert der Prozent« satz des Zuwachses in den einzelnen Vierteln sehr stark und ist in den von Juden stark bewohnten Vierteln gleich Null. Exzesse in Lublin. In dem Städtchen WowoHcc, in der Nähe von Lublin, überfielen polnische Hooligans eine jüdische religiöse Prozession, die sich aus Anlaß einer T h o r a«W e i h c in die Synagoge begab. Der an der Spitze der Prozession schreitende Ortsrabbiner Jehuda Freiberg wurde am Kopfe schwer verletzt; erhebliche Verletzungen erhielten auch die Bürger Ghajm Hoffmann und Abraham Malkusman. Einige Kinder erlitten in der entstandenen Panik Verletzungen durch Fußtritte. Antijüdische Praxis im tschechoslowakischen Innen» ministerium. Brünn. (J. T. A.) Die Rabbinernot in den Gemeinden der Tschechoslowakei nimmt infolge der Praxis des Innenministeriums, ausländische R a b* biner nicht zuzulassen, und infolge der ab» lehnenden Haltung des U n t c r r i c h t s m i n u stcriums in der Frage, der Errichtung eines Rabbinerseminars in Prag unter st aar« lieber Förderung immer größere Dimensionen an. Nach einer offiziellen Statistik sind gegenwärtig, in Mähren und Schlesien von den Kultusgemeinden, die nach dem" Gesetz von 1891 bestehen, 37 ohne Rabbiner und 10 ohne andere Gemeindefunktionäre. Die Zahl der in Mähren und Schlesien bestehenden Gemeinden beträgt 59. Die J. T. A. erfährt hierzu aus informierten Kreisen: Bei der Anstellung religiöser Funktionäre aus dem Aus« lande läßt das Innenministerium zweierlei Maß walten. Auf Grund der vom Kultusministerium genehmigten neuen Kirchenverfassung sind z. B. Ausländer f ür katholische und evangelische Kirchen a p p r o b i e r b a r, wenn sie nachweisen, „daß sie in ihrer Heimatgemeinde zum Pfarramte wählbar sind" und müssen sich vor der Uebernahme ihrer Funktion in der C. S. R. nur einer Prüfung vor der theologischen Prüfungsstelle der betreffenden Kirche unterziehen. — Diese Bestimmung findet durch die Praxis des Innenministeriums auf jüdische Interessenten keine Anwendung. Die Folge davon ist ein starker Verfall des jüdischen G & m c i n d e 1 e b e n s in den rabbinerlosen- Gemeinden, da auch für einen inländischen Rabbinerzuwachs keine Voraussetzungen gegeben sind. Für das Hilfswerk in Osteuropa. L o n d o n. (J. T. A.) Der Londoner Verband der jüdischen Hilfsorganisationen hat die Einleitung einer Kampagne zur Aufbringung von 50.000 Pfund zugunsten der notleidenden Juden O s teuropas beschlossen. Der größte Teil dieser Summe ist für unmittlbar Hilfeleistung, ein Teil aber auch für VORNEHME FAMILIENPENSION j vormals D.I% Q R Ü N B E RQ | AM SEMMERING HOCHSTRASSE Nr. 43 (BEI HOTBL PANHANS) | Pension von S 12.— aufw. Kaffeehaus und Tanzi Gelegenheit im Hause / Besitzer: 1CKIttlrJ ' Tel. § Semmerlng Nr. 11 / F!it)R«nc!tJt Warm* u. Kall« § w«M«r In J«d«m Ummer m

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