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Die neue Welt · 1930-10-03 · Heft 159 (3.10.1930) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 159 (3.10.1930)
Date
1930-10-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
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rn Seite 3 DIE NEUE WELT | Volk in diesem Lande zu beherrschen, wie sie sich auch nicht tön einem anderen V8öi» lwÄef rsfehen' lassen wolten«*' Die Mittciluog des zionistischen Hauptbüros stellt lest, daß die vorstehende Erklärung der Exe kutiv« vom Aktionskomitee gutgeheißen Wirde Und daß das Aktionskomitee mit 04.^ge^en 1 Stimmen Dr. Wekinann aufforderte, seine Demission amrück zuziehen.! /. . Selbst diese wässerige, lauwarme, isu nidtts ver pflichtende Deklaration ist eni tftffgelegter Tänschungsversuch. Als nach - dem Gestammel des Herrn Sokolow der Misrachi im Aktionskomitee darin den zum Jnrfcnstäat führenden Weg' sehen Wdllte, hfirite iiimi dem Misrachi, der Präsident Weizmann aberrnalsL die; JFlügjbl ab und erklärte, daß der Misrachi sie, drei Deklaration, falsch interpretiere und er selbst, der Präsident, an seiner ersten binationalen Erklärung festhalte. Ein neckisches SpielI Zuerst Sachers Erklärung „Wir wollen ja, "wir wollen nicht", dann Weizmanns Erklärung „Wir wollen nicht", dann Sokolows Kommentar a la Sacher, dann wiederum Weizmanns „Wir wollen nicht" und jetzt —- wahrscheinlich noch immer nicht definitiv— die kleine Dosis Sacher. Ein neckisches Spiel mit großjährigen Juden! Da« haben von 26 noch anwesenden A. C.-Leuten 24 „gutgeheißen", was die Exekutive mit Genugtuung und Befriedigung konstatiert. Dieselben 24 Herren haben den Präsidenten gebeten, seine Demission zurückzuziehen. Die Exekutive sollte 6ich darauf nicht viel einbilden. Das A. C. besteht aus 5 Dutzend Mitgliedern. Von denen sind 3 Dutzend glatt ausgerissen: Wahrscheinlich ist ihnen das Grausen angegangen. Sie haben nicht gestimmt, sie haben nicht gutgeheißen, sie, haben nicht gebeten. Dem zionistischen , Blätterwald mit Ausnahme von 2 bis 3 Brith Schalom-Schundblättern . hätte die Exekutive entnehmen können,, mit welch einmütiger Entrüstung die in Berlin fixierte Zielsetzung abgelehnt wurde. Die neuerlich wiederholte Sacher-Enunztation prangt zwar in den zionistischen Blättern, findet aber als Echo eisiges Schweigen. Man druckt sie. .ab und man weiß bei Gott nicht mehr, was man mit Erklärungen dieser Exekuiive noch anfangen soll. Frostige Skepsis lastet auf der zionistischen Welt. Die Exekutive triumphiere nur weiter mit[ ihrer : „zionistischen Zielsetzung", die 24 Mann „gutgeheißenhaben!} Nr. 159 in n wMti i. im »Arbeitendes Palästina« Bemerkungen zur Berliner Tagung In Berlin hat Samstag den 27. September der All* weltliche Kongreß für das arbeitende Palästina zu tagen begonnen. Der Kongneß, der so etwas wie eine Zu« sammenfassung des sozialistischen Elements im Zionismus der Welt vorführen will, ist ah und für sich ein löbi liches Unternehmen. Der Hinweis auf die von der jüdi* sehen Arbeiterschaft geleistete Arbeit in Palästina und das» Werben nithtjüdischer Freunde für-Sie liegt-gewiß im Rahmen der Notwendigkeit. Man kann einer bestimmten weltanschaulichen Gruppe^ im Zionismus gewiß die Bc* rechtigung nicht absprechen, ihre Weltanschauung zu demonstrieren, wenn wir auch;die. Propagierung des Klassenkampfes im. werdenden Palästina für eine Schädi« gung, des, raschen Aufbaues des. Judenstaates betrachten. Dieser Kongreß tritt aber in die Welt unter Auspizien, ■ die nicht geeignet sind, Vertrauen in, die Atmosphäre der Berliner Tagung zu setzen, ihr politische Fairneß zuzu* billigen.; /Es sei rund herausgesagt! Die Propaganda für diesen Kongreß wird mit mehr als sonderbaren Methodengeübt. Eine Flut von Artikeln' in zionistischen und nichtzionistischen Blättern, die sich mit den Zielen des Kon* gresses befassen, ein Trommelwirbel von Bulletins schlägt nieder. Es sieht wie eine Wahlschlacht aus. Die sozialistische Richtung im Zionismus hat im letzten Jahr schwere Schläge erlitten. Jährelang geübte Unkonsequenz rächte sich nach innen und außen. Die sozialistischen Führer der jüdischen Arbeiterschaft waren bisher mit dem Weizmann*Regime auf Tod und Teufel verbunden und daher für die schwere Schädigung, die der Zionismus von diesem Regime erfahren hat, atn meisten verantwortlich. Ebenso schwer la'stet auf ihnen die Verantwortung für die bankrotte' Politik rings um die erweiterte Jcwish Agency. Nicht minder mitschuldig, ja geradezu inaugurierend' stellen sie sich für die vir« fehlten Kolonisatibnsmethoden in Palästina dar.' All das hat dazu geführt, daß sogar ihre Gesinnungsgenossen 5n England, die Führer der tabour Party, ihnen, dem gan* zen Jischüwi dem ganzen Zionismus die schwersten Schläge versetzt haben. Was Wunder, daß den Herren um das „Arbeitende Palästina" hange geworden ist, um ihr stark gesunkenes Prestige in den zionistischen Kreisen. Die zionistische Opposition ist gewaltig gewachsen und auf dem Marsch, der ganzen Bewegung neue Rieht" Iinien zu geben. Die Ideologie dieser Opposition zieht immer weitere Kreise,.verankert sich immer tiefer in den, jüdischen Massen. Die Propagatorcn dar Berliner Tagung versuchen nun mit allerlei Methoden, den Marsch aufsu* TO »UUMSCHllM m PFk AN II N-MARGA RI NE tlA«ft*l«hf in ftaaiifHt und P*mt Erzeugt unter streng ritueller Aufsicht Seiner Ehrwürdeit des Herrtl 0bei 1 abblners S Fürst Dan Mi Mmm judficfian Haushalt itMaitl Üeberall erhältlich! KARL BLA1MSCHE1NS Vereinigte Margarineand Butterfabriken, Wien, XIV., Diefenbachgasse 59 aas halten. Daß flici die politische Tendenz des Kongresses Ist, verraten die zahlreichen", Bulletins, die, Statt ein positives, klar umrissenes Programm niederzulegen, sich mit Polemiken gegen difc' zionistische Opposition1 bc» scheiden. Sie wollen,.wie sie sagen; ' „der. Jabotin8kyade,i die man als stärkste Kraft des Zionismus darstellt'', ein Gegengewicht bieten. Sic. bieten dieses Gegengewicht in der Expression eines rtähezu krankhaften Hasses, der vor Verleumdtingen und Denunziationen nach außen, nicht zurückschreckt., . So lassen z. B. unsere Sozialisten in einem berüch* tigtenr Wiener soziaHstis^heii Abendblatt folgendes in die Welt setzen; ' ' * - „Die Bedeutung des Kongresses liegt vor.allem auf dem politischen Gebiete. Wie bei allen Völkern, sd wird auch innerhalb des jüdischen Volkes und des Zio* nismus die arbeiterfeindliche Reaktion immer stärker und anmaßender. Der reaktionäre und arbeiterfeindliche Flügel der zionistischen Bewegung hat sich in der sogenannten „revisionistischen Partei" ein gefügiges Werk» . zeug geschaffen. Zur Kennzeichnung dieser faschistischen : Gruppe genügt es, festzustellen, daß sie durch ihre natiohalchauvlnistiächen Aktionen den Ausbruch der blutigen Unruhen vom August 1929 mitversthuldet hat Und daß ihr Kongreß kürzlich in Prag beschlossen hat, in Palästina gelbe Streikbrecherorganisationen zu schaffen. Es wird die Aufgabe des Kongresses sein, - deh Kampf gegen diese zionistischen . HpimWehrler. zu proklamieren und vör2uberelteh." Die Herren, die der schlimmsten assimilatorischen Plutokratie, dem äriierikänischen Geldsack, in den Steig* Auf. Bergesgipfel, iri Eis. un d Schnee, Die Luft ist schneidend^ die Glieder tun weh, Vom Wiftde durchpeitscht, dem-Ende nah, Eine Rettung nur: Huber*Likör ist da. bügel verhalfen, einer Menschensorte, die politisch in der jüdtechen^GasseJab^ die Herren, die aus, deu demp^ratisjphetiS^ der Jewish Agency eine^knöde'n^^ '. gemacht haben'i denunzier&i';,'die »Anhänger .des HerzfcZionismus als irh4iffer.fefn^iä, .VreaktifeäivVfaschis,tisjcti; .ftach all* dem, was in dem letzten schweren Jahr geschehen ist, haben sie die Stirn- '*öffen Verrat •' zu üben, indem sie, durum und feig, das v^rgos.sene Blut in Erez. Israel der Außenwelt als/von ~ Zioriisten verschuldet hinstelteu. Wehrt das die Plattförm sein, soll,' von der aus der Kongreß sein Programm entwickelt, was wir allerdings nicht hoffen, dann wird es-'schlecht stehen tun den Zio« nismus und um den jedem Juden heiligen Begriff „Arbeitendes Palästina". Zur Bildung eijiös allgemeinen jüdischen Blockes Von. unserem .'N.-'R.'Berichtersia'tter. ' Warschau, 29. September. Die Entecheidung in der.Fr«ge, ob der zionistische Block mit der' Aguda und den anderen Splittergruppierungen in die Wahl gehen wird, ist bisher noch nicht gefallen. Die'Zionisten von Kongreßpplen und den Randgebieten mit Abg. G r U h b ä ü in an der Spitze traten kategorisch gegen eine Wahl- Yer.einigiing mit der Aguda auf. Diese hat bisher bei .für einjige Abende, der Woche, %u vergebenI t J^tir ^»chinittaits^Hiiien, sj««t auch .ein,Beratungszlmraer zur Verfügung. Auskünfte im Veroaodsheitn, U, Untere Augarten«. Straße 38, im Hof, Tel A-45 0-34 allen .politischen Aktionen die .nationaljüdischen Interessen arg geschädigt. Abg. Grünbaum ist ,de* Ansieht,, daß swar eine Verminderung der jüdischen Mandate} bei diesen Wahlen erfolgen, gleichzeitig aber die Aguda "und die sonst unverläßlichen Elemente ein© endgültige politische Erledigung erfahren würden. Die Zionisten «us Galizien und der Misrachi traten für eine Wahlgemeinsehaft mit der Aguda. ein. Auch die der Regierung nahestehenden polnischen Kreise würden gerne die Aufnahme der Aguda in den zionistischen Wahlblock seilen, weil sie sich hievon im Sejm eine Beeinflussung der jüdischen Politik durch die Agudavettreter in ihrem Sinne erhoffen. Sonntag, den 28. September trat die Leitung des zionistischen Blocks (Allgemeine Zionisten von Kongreflpolen und Galizien, Misrachi und Hitachduth) zu einer Beratung zusammen, die sich hauptsächlich mit der oben dargelegten Frage beschäftigt Der* Sitzung lag eine ungeheure Zahl telegraphischer und brieflicher Kundgebungen aus den wichtigsten Zentren des Landes vor, die sich, gegen eine Verbindung mit der Aguda aussprachen. Im Laufe des heutigen Tages dürfte die Entscheidung fallen; Die funnänisdie. Judenfrage Antisemitismus — nationales Unglück , r Als die antisemitischen Exzesse in Rumänien aus* brachen, ging ein Sturm der Entrüstung durch die jüdische Wcjt. Gleichzeitig versuchten die rumänischen Behörden, die Ereignisse zu bagatellisieren, beziehungsweise entstellt darzustellen. Auch die rumänischen Auslandsvertreter in Europa und Amerika-führten eine zum Teil arrogante, zum Teil verlogene Sprache. Irrt weiteren.' Verlauf der t)inge würden allerlei, die Antisemiten favorisierenden Mkchi« nationen des Innenministers V a j d a aufgedeckt. Wir haben seinerzeit in einem großen Aufsatz unseres Buka« rester Mitarbeiters die Hintergründe der Pogrome um* fassend dargestellt, Nun meldet sich der Unterstaatssekretär : beim Re* gierungspräsidenten Gregor Gafeneu zu Wort. Dem Ita* "Vertreter gegenüber führt er im wesentlichen folgendes aus: ,,Meine tiefste Ueberzeugung ist/ daß der Anti* semitismus in Rumänien, in seiner gegenwärtigen Erscheinungsform einfach auf die ökonomischen Schwierigkeiten unseres Landes zurückzuführen ist. .Es,ist wohl richtig, daß jeuer Antisemitismus, dessen Herd , die Jassyer Universität ist, nicht mit. der ökonomischen Krise zu^ammenhä^;^^ dieser^.i n t.e J'l,-c k t ü e i le' . Antjseimtis* mus, den Prof.' Cuza lange "vor dem Kricie gerjrpdjgi ^.hat, ist aber eine Bewegung^ die die •Mauern*...der' Universität sehr selten überschreitet: eine für den. Frieden und. die öffentliche Ordnung gefährliche Form nimmt dieser Antisemitismus ersjt;an, wenn es ökonomische Schwierigkeiten und Depressionen im Lande gibt. Heute aber befinden >vir uns.in abnormalen Zeiten; aus Gründen, wirtschaftlicher Not sind die* Beziehungen zwischen den beiden Schichten der Bevölkerung , gestört worden. Der B,auer ächzt unter der Last schwerer Schuldon und unerträglicher . Zinsen; neues Kapital fehlt, die land« wirtschaftliche Produktion, leidet schwer unter Lasten,, die oft den Wert der kleineren Güter überschreiten. So wendet sich nun dieeine. Schicht, der Bevölkerung gegen die andere,, der Bauer sieht in dern. Juden;niQht den Ras.sefr.em* den, sondern den Geldgeber und Zinsennehmer.. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß die. bürgerliche Schicht an der ^Ujemeinen ,Krjs.e .yqn,Kapita) und Kredit nicht im geringsten die Schuld trägt, sondern vielmehr zu den Opfern dieser Krise zählt. Welches ist nun das Heilmittel dagegen? Vor allem muß der Staat seine Pflicht erfüllen,, das heißt, er muß mit a 1 i e n gesetzlichen Mitteln Ordnung und Ruhe im Lahde aufrechterhalten und jedem Bürger volle Sicherheit garantieren, Ferner muß der Staat dafür sorgon, daß die gesamte Lage nicht nur für den Äugenblick ge» bessert wird. Sobald normalere wirtschaftliche Zustande einkehren, wird auch ein normales freundschaftliches Zu* sammenleben zwischen' den verschiedenen Schichten der rumänischen Bevölkerung wieder Platz greifen. Auf die Frage, wie sich der Minister zu der Behaup* tung verhält, daß der Staat'der antisemitischen Bewegung Vorschub leistet, erwiderte Gafeneu: Ich weise diese Behauptung aus Ueberzeugung und mit Ent* rüstung zurück, Jeder politisch denkende Mensch wird ver* stehen, daß sowohl unsere internationalen Interessen als auch die der. inneren Ruhe und des Friedens dem rumäni* sehen Staat die Pflicht auferlegen, mit aller Entschieden* heit Richtungen und Agitationen zu bekämpfen, die ge» eignet sind, einen Teil der Bevölkerung gegen den anderen aufzuhetzen. - ' Auf eine "weitere Frage' erklärte der Uhterstaais* sekretär bestimmt: Ich wiederhole, daß es absurd 'ist, irgend eine staatliche Autorität zu beschuldigen» daß sie den Antisemitismus begünstige oder unterstütz«, Das hieße ja, das .Haus, in «tarn man wohnt« in Brand Stseken. Richtig ist, daß un'tif. 4^ verschiedenen'- 'Re|^ttnj||sn das Ministerium des Innern^romer versucht hat, r^Jidcir ende* mischen Krsnkhcit unserer Universitäten,' darü ,1 n t e i. Iektue, 11 on' Aataeniitisnws, 'einen |«wien Kon* tftkt aufrechtzuerhalten. Erklärung hlofür lat, daß diese Art Antisemitismus die Universitätsjugend nur zeitweilig .

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