Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 159 (3.10.1930)
- Date
- 1930-10-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 33 Groschen V«b« bt BEZUGSBEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—, Polen monatlich Zloty 2.—. vierteljährig Zloty 6.—. Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.—, vierteljährig Kc. 15 — , Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.- vierteljährig Lei 120.—. REVUE BEZUGSBEDINGUNGEN Deutschiana monatlich Mark 1.» vierteljährig Mark 3.— , Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 1.20 Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.— Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schiebet Francs 1.50, vierteljährig Schweiz* Franca 4.50 HERAUSGEBER; ROBERT STR!C K E R Redaktion and Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: B-48-504 — Erscheint reden Freitag Jahrgan? 4 Freitag, den 3. Oktober 1930 Nr. 159 Seidenhaus Breit Neueröffnete Detailniederlage Wien I, Herrangasse 2 (Icke Mlchaelerplats) Einffihrungssditager * Reinsei'den'Marocaine ♦ ♦ s 16*50 Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durdi ein beigefügtes E bezeichnet. Rundschau Gnluthschicksnl. Im deutschen Reichstag werden 107 National* Sozialisten sitzen. Ein Drittel aller Stimmen fiel den antisemitischen Parteien zu. 12 Millionen Deutsche er» klärten sich als Anhänger der Pogrombewegung. Ihre Führer, die Spitzen der Nationalsozialisten, Deutschnationalen und der anderen judenfeindlichen Konser* vativen haben nach ihrem Wahlsieg ihren Wählern Versprechungen gemacht und auch sonst weltpolitische Enunziationen von sich gegeben. Adolf Hitler hat in einem Interview sein Programm kurz dahin zusammen* gefaxt;.daß der Einfluß nichtgermanischer Elemente aus dem Apolitischen--Leben; Deutschlands besjeltrgt' werden Ttnusse.. .yn^^als,. £euge, ins einem,,l^pcliyerratsprozeß er* klärte, er ganz offen, daß nach dem endgültigen, nahe bevorstehenden Sieg des Nationalsozialismus „viele Köpfe rollen" werden. Sein Unterführer Dr. Goebbels ging einen Schritt weiter. Er dehnte seine theoretischen Erörterun* gen weite» aus, indem er 3000 „gesiebten'" National* Sozialisten erzählte, die Juden hätten nunmehr ein Mittel gegen die antisemitische Welle: das einzelne Abschießen nationalsozialistischer Führer. „Wenn auch nur ein einziger Führer so fällt, werden wir mit einem Pogrom antworten", beschloß Goebbels seine Dro* hungen. Die 600.000 deutschen Juden, eingestreut in ein 60 Millionenvolk und in ein großes Reich, sind schütz* los dem zermalmenden Druck von 20 Millionen blut* rünstiger Antisemiten preisgegeben. Das Galuthschicksal hat nun auch das deutsche Judentum erreicht, * Zen brider senen mir gew&i. Auf der Berliner Sitzung des Administrativ« komitees der [ „gemischten" Jewish Agency, die im allgemeinen nicht sehr interessant war, gab es immerhin ein lustiges und pikantes Moment: die Wahlen zur Exekutive der Agency. Bekanntlich muß sich eine solche Exekutive aus einer zionistischen Fifty und einer nichtzionistischen Fifty zusammensetzen. Für ihre Fifty wollten und konnten die Nichtzionisten nicht mehr als: vier Mann, stellen. Der Kongreß aber hat. eine zionistische Exekutive gewählt,-die aus ganzen 13 Mann besteht. So mußte man acht hinauswerfen. (Herr Weizmann ist Präsident und fällt nicht in die Rechnung.) Ein Teil dieser Operation .ist noch im Monat März vollzogen worden. Damals waren Miß Szold, Louis Lipsky, ein Vertreter des Misrachi, Dr. Barth und Sacher, die armen Herr* schaftejij zu. gehen gezwungen. Senen gebliben acht! Diesmal in Berlin mußte man abermals vier hinaus* werfen. Wer" soll drankommen? Einen Tag und eine Nacht lang^ debattierte man.. Man berichtet, daß'. es den, Kandidaten für den Hinaus« flug viel Gesundheit gekostet hat. Keui Zweifel, daß Herr Kish als politischer Vertreter der Zionistischen Exekutive in Jerusalem, Herr Brodetzky, der alle Unter» handlungen mit dem Kolonialamt in London führt, ein Vertreter des Misrachi Raw Berlin vonwegen des Koalitionscharakters der Exekutive und Herr Ruppin, der doch — wie allen bekannt — der große Spezi in der Kolonisationsphilosophie, bleiben müssen. Gut. Aber was macht man, sagen wir, mit dem Präsidenten Sokolow? Mit einem der Köpfe vom Doppeladler, als den sich die beiden Präsidenten' Sokolow und Weizmann präsentieren? In ein Greisenasyl schicken? Das kann man doch nicht. Da ist man äuf einen Tip gekommen: Baron Rothschild ist Ehrenpräsident der Jewish Agency — soll Herr Sokolow EhrenVizepräsident werden. Zwei Fliegen auf einen Schlag: eine Ehrenstellung und dabei draußen aus der Exekutivel Herr Sokolow selbst war zwar nicht sehr zufrieden über ■ diesen genialen Ausweg und erschien nicht in jener Sitzung, 'In der die Wahlen vorgenommen wurden. Erledigt war's immerhin. Mit Felix Rosenblüth hat man nicht viel Faxen gemacht. Herausspaziert, mein Herr!';;Serieü gebliben zwß: die Herren Sprinzak und Kapl|nskyj- Beide Arbeiterführer, der eine nicht ärger als der . andere. Was hinter den Kulissen geschah, wissen wif -nicht. Der Welt aber wurde berichtet, daß ' die^A'^ wiede.ri einmal dem Zionismus ein Opfer, gebracht haben'— verV. mmmm II Bei Erk£ltifngs*Kraiilcheifeii, rheumatischen, gichtischen und nervösen Schmerzen sind Togal* Tabletten unübertroffen. Togal scheidet die Harnsäure aus und geht daher direkt zur Wurzel des Uebels. —• Fragen Sie ihren Arzt — In allen Apotheken. Preis S 2.40. ziehtet auf ihre Plätze in der Agency-Exekutive. Man hob sie darob in den Himmel. Kleinigkeit, eine solche Opferwilligkeit! Und da sagt man noch, daß1 die Arbeiter vor allem ihre egoistischen Klasseninteressen betonen. Engel sind sie,. Heilige, Märtyrer! Skeptiker sagen zwar, die Geschichte sei nicht so tragisch zu nehmen. Kaplansky und Sprinzak sind zwar nicht mehr in der Exekutive, dafür aber sitzt dort Ruppin, ein ergebener Wachhund der Interessen der Arbeiterpartei. Um ihn für die Exekutive zu retten, haben Sprinzak und Kaplansky auf ihre Plätze verzichtet. Sie wissen sehr wohl, daß sie mit Ruppin in der Agency»Exekutive gut versorgt sind. . Und so ist alles in Ruhe und Ordnung. Vier Nicht* zionisien, vier Zionisten. Von 13 Mitgliedern der zionisti« sehen Exekutive sind bloß fünf im Sattel geblieben. Wie geht doch das Volksliedel: „Zen gute brider senen mir gewen, Hoben mir gehandlt ...„.." $0 schreibt der Pariser „Najer weg" über die fÄgency* Komödie. -^..■wwnwuf»-*««-««"^'-"'- .• __ // Was die Exekutive der «fomsfischen Welt vormacht Die Zionistische Exekutive in London versendet eine Erklärung, die wieder einmal feststellen soll, was sie sich unter zionistischer Zielsetzung vorstellt. Sie tut dies wahrlich nicht gern. Der Präsident Prof. Weizmann.hat — seine Trabanten motivieren es je nach ihrer geängstigten Denkungs- und Gemütsart — auf der Berliner A. C.-Sitzung den J u d e n s t a a t mit eleganter Gebärde ins Schubfach gelegt. Alle Aasgeier in- und außerhalb des Zionismus, die auf den fetten Bissen gewartet haben, sind herbeigeflogen gekommen. Die Assimilantenpres.se vermerkt grinsend unseren Bankrott. Die Meute der Protestrabbiner verkündet ihn von der Kanzel, die liberalen Israelitenblätter mauscheln von der staafsmännischen Weisheit des Führers, der ihren Wünschen so reizend entgegenkommt, kurz das, was man so Gesindel nennt, setzt sich in Positur, um dem Zionismus den Nekrolog zu, halten. London sagt nach dem Berliner Sturm noch nämlich im Auftrag des zionistischen Hauptbüros einmal sein Sprüchlein herunter. Als nach der Erklärung Weizmanns in Berlin der Lärm in der Sitzung des A. C. von allen Seiten lasging, stotterte Herr Sokolow zum! Zweck der Beruhigung, vor allem aber, damit unsere glorreiche Exekutive den Zionismus weiter führen könne, etwas von Harry Sachers Aussage vor der Shawschen Untersuchungskommission in Palästina. Man erinnert sich an den Roßtäuschertrick,-den Weizmann dem politischen Vertreter der Exekutive Sacher empfahl, wenn er nach dem Ziel' des Zionismus v,pn Mr. Shaw gefragt werden sollte. „Wollen Sie eine jüdische Mehrheit im Lande?" „Eigentlich* ja, aber eigentlich nicht", kratzt sich Sacher am Kopf, „wie Gott es will!" Diese überaus beneidenswerte! Em*: deutigkeit präsentierte die Zionistische ExelsiuÜve der Welt als Zionismus. Ein paar Monate später erlebten wir die Erklärung von der Unmöglichkeit des Judenstaats und vom Ziel des Zionismus als einem binationalen Palästina. Und jetzt beruft sich die Exekutive mit stolz geschwellter Brust auf ihre, charaktervolle Sacher-Erklärung, Die J. T. A. gibt in London folgendes Kommunique aus: Das Grundprinzip des Zionismus findet seinen: Ausdruck im ersten Satz des Baseler Programms von 1897: „Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina". Dieses Programm fand auch in der Balfour-Deklaration Berücksichtigung,- welche die Errichtung eines jüdischen NationalheimÄ in Palästina proklamierte, und wurde später in das Palästina-Mandat aufgenommen. Dieses Programm bildet auch in Zukunft die Grundlage zionistischer Politik. In ihrer Antwort auf die Interpellation des Misrachi bezieht sich die Exekutive auf die Aussage, die Harry Sacher auf Grund von Instruktionen seitens Dr. Weizmanns vor der Shaw-Kommission gemacht hat: „Wir verlangen freie Einwanderung ohne künstliche Beschränkungen, damit wir als jüdisches Volk in die Lage kommen, alle unsere Kräfte zur größtmöglichen Entwicklung dieses Landes zu verwerten und Juden zu ermöglichen, in das Land zu kommen und hier Zivilisation zu schaffen. Auf Grund des Mandates erwarten und verlangen wir von der Regierung, daß sie ihre Aufgabe, unser Werk zu erleichtern, erfülle. Als Ergebnis dieses natürlichen Entwicklungsprozesses ist es möglich und, ich sage frei heraus, es ist unsere Hoffnung — daß dieses Land einmal eine jüdische Mehrheit haben wird. Welche politischen Formen diese Gemeinschaft annehmen wird, weiß ich nicht und will es auch nicht voraussagen. Eines ist auf alle Fälle sicher: Es liegt nicht in der Absicht der Juden, irgend ein anderes llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Jetzt kaufen Hoteliers, Wirte, Pensionate iinrf— d e praktische» Hausfrau lllllllllllllllllilllllllllllllllllllll