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Die neue Welt · 1930-09-26 · Heft 158 (26.9.1930) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 158 (26.9.1930)
Date
1930-09-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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N* I5| DIB NEÜK WEtf Seife? 02 UH. in feinster Qualität, kompL adjustiert v. S 7.SO aufw. Buchhandlung Hendl Solzmann Wien, II, Örofie Schiffgasse 4 Telephon R-27-6yH M»»MMWi>«i>M»Mi«MM»Ma>i«MMiMHMM«»uiirt> Churchill selb$t erklärte ihren Erfolg mit „sentimen*. talen Gründen", womit er wahrscheinlich flicht die zarten Gefühle Muftis oder Miss Newtons und ihrer Priester« schaft meinte. Die „tatkräftige Hilfe" des Kolonialamts bestand darin, daß es für seine eigene P a 1 ä s 11 n a* Verwaltung, faktisch also für sich selbst, eine Zins* garahtie erreichte, die wahrlich ungefährlieh ist, da es der Alleinherrscher über die Finanzen Palastinas ist — und im übrigen die Anleihe mit . einem ungewöhnlich hohen Zinsfuß versah. Mit anderen Worten: Der Beitrag des Kolonialamts zur Entwicklung Palästinas bestand zum großen Teil darin, daß es sich von den Juden eine Anleihe zur Bezahlung sonst nicht liquidierbarer Anlagen sein er M i 1 i t ä r v e r* waltung und zum Bau eines strategischen Hafens, d e r, w i e zugegeben werden muß, zu* fälligauch für das Land nützlich ist, geben ließ. Wobei ein geniales Finanzsystem dafür sorgt, daß die Juden Palästinas für Amortisation und Verzinsung dieser Anleihe mindestens doppelt so viel aufzubringen haben, als ihrem Anteil an der Bevölkerung ent* spricht. Wieder bleibt die Frage: Wozu diese ungeschickte „Korrektur der Tatsachen", wo das Kolonialamt doch wissen muß, daß der revisionistische Vertreter in Genf mit Hilfe von ein * paar im Buchhandel erhältlichen, amt# liehen britischen Dokumenten die Wahrheit nachweisen kann? Eine logische Erklärung gibt es dafür nicht/ Ebensowenig wie für die Antwort überhaupt und für die ganze britische Palästina*Politik. seit den Un* ruhen. Es ist ein Produkt des Haßkomplexes, ein Freudscher Fall. Chronik der Woche« Präsident Hoovers Rosch«Haschanah*Botschaft. An" läßlich des bevorstehenden Rosch*Haschanah*Festes hat Präsident H o o v e r durch die J. T. A. nachstehende Bot* schaft an die amerikanische Judenheit erlassen: „Ich sende der loyalen und dem Staate ergebenen jüdischen Be* völkerung, die in den nächsten Tagen das Rosch* Haschanah*Fest feiern wird, meine herzlichsten Glück* wünsche. Das jüdische Volk hat durch zahllose unschätz* bare Werke zum menschlichen Fortschritt beigetragen, unter diesen Werken ist ihr Beitrag zum geistigen Leben der Menschheit der bedeutendste. Alle Mitbürger ohne Unterschied von Stammes* und Glaübenszugehörigkeit: vereinigen sich, um den Juden anläßlich des jüdischen Neujahrsfestes ihre freundschaftliche Gesinnung und ihre Glückwünsche zum Ausdruck zu bringen." Verurteilung" von 32 Mitgliedern einer jüdischen Kreditvereinigung in Moskau. Der gegen 32 Mitglieder der jüdischen Kreditgenossenschaft „Selbsttätigkeit" durch mehr als einen Monat geführte Prozeß wegen Uebertre* tung der Wirtschaftsgesetze endete mit der Verurteilung sämtlicher Angeklagten. Die Mehrzahl Von ihnen wurde mit Zwangsarbeit von neun Monaten bis zu zwei Jahren, einige mit je fünf Jahren Freiheitsverlust bestraft. Jüdische Leichen für Sektionszwecke in Polen. Durch eine Verordnung des Innenministers wurde die Frage der Auslieferung jüdischer Leichen an die anatomischen Insti* tute zu Studienz wecken wie folgt geregelt: Auf Grund der neuen Verordnung müssen Leichen von in Krankenhäusern Verstorbenen, deren Verwandten bis zum vierten Grade auf deren Wunsch ausgeliefert werden. Haben die Vor*, storbenen jedoch keine Familie oder nur Verwandte ferneren Grades,- so sind die Leichen dem Anatomischen Institut zu übergeben. (Die Rabbinate hatten unter Be* rufÄng auf die jüdischen religiösen Gesetze die Erlaubnis der Lieferung von Leichen zu Sektionszwecken bisher immer verweigert.) Jahresbudget der Warschauer Jüdischen Gemeinde. In der unter dem Vorsitz des Gemeindepräsidenten Abg. F a r b s t e i n abgehaltenen außerordentlichen Sitzung der Warschauer Jüdischen Gemeinde wurde das Budget für das Jahr 1931 mit 5,125.228 Zloty festgesetzt. Es wurde beschlossen, dem, Jiddischen Theater eine Sub* vention zu bewilligen unter der Voraussetzung, daß am Freitagabend und Sonnabendmittag keine Vorstellungen gegeben werden. Die jüdischen Schulen erhalten eine Subvention unter der Voraussetzung, daß man in ihnen Unterricht in der Heiligen Schrift erteilt und die Lehrer und Schüler Kopfbedeckung dabei tragen. Der antireligiöse Kulturmarsch in Sowjetrußland. Zwischen dem 15. und dem 18. September hat in allen Zentren Rußlands der für einen Monat berechnete anti* religiöse Kulturmarsch im Zusammenhang mit den jüdi* sehen Feiertagen begonnen. „Brigaden"' jüdischer Schriftsteller Und Publizisten begaben sich in die jüdischen Siedlerrayone Kalinindorf, Stalindorf und üktjabr, um gegen die Begehung der Feiertage > zu wirken. „Emeas" regt an, daß die. jüdischen Industrie* und Heimarbeiter den Ertrag ihrer Arbeit am Rosch Haschanah und Jörn Kippur Sowjetinstitutionen zuwenden sollen. In Moskau findet am ersten Rosch*Hascbanah*Abend eine große antireligiöse Manifestation statt, Frankfurter Internationales Meisterturnier des Schachkongresses. Das aus Anlaß des in Frankfurt a. M. stattfindenden Internationalen Schachkongresses gespielte internationale Meisterschaftsturnier ist am Donnerstag, den 18. September, abends, zu Ende gegangen. Sieger wurde der weltbekannte Schachmeister Nimzowitsch, ein Jude, der seit mehreren Jahren bei internationalen Schach* Wettspielen . qjtefc hinter ersten Weltschachmeistern jangiert hat 12 Millionen Bibeln inr Jahre 1929 verkauft. Laut dem Jahresbericht der Britischen und Ausländischen Bibel" gesellschaft wurden im letzten Jahre zwölf neue Bibel* ausgaben veranstaltet, darunter zwei für A s i c n, zwei für die ozeanischen Länder und acht für A f r i k a. Die Gesamtzahl der von der Gesellschaft veranstalteten Ausgaben beläuft sich auf 630. Im Jahre 1929 wurden über eine Million vollständiger Bibclcxemplare, über ein« einviertei Millionen Exemplare des Neuen Testaments und 9,795.000 Exemplaren einzelnner Bibelteile abgesetzt. Im ganzen wurden 1929 775.000 Bücher mehr verkauft als 1928. Die ägyptische Vertriebsstelle, welche Nordostafrika und einen Teil von Asien versorgt, hat rund 150.000 Bücher in 92 Sprachen ausgegeben. In Palästina und Syrien wurden die Ausgaben der Heiligen Schrift von Christen, Mohammedanern und Juden gekauft. Ein Vcr* treter der Gesellschaft hat vier Reisen nach Kleinasien unternommen und ist dabei in Gegenden gekommen, die vorher noch kein Fremder betreten hat. Rußland ist das einzige Land, das dem Bibelverkauf verschlossen bleibt. Einweihung einer sephardischen Monumental« synagoge in Sarajevo. In Anwesenheit eines Abgesandten des jugoslawischen Königs, von Vertretern der königlichen Regierung, der höchsten Zivil* und Militärbehörden, der nichtjüdischen Konfessionen und unter Teilnahme führen» der Juden aus allen Teilen Jugoslawiens fand hier am 14. September die feierliche Einweihung der neuen großen sephardischen Synagoge statt. Den Weiheakt vollzogen der Großrabbiner von Jugoslawien, Dr. Isak Alkalay, und der Oberrabbiner von Sarajevo, Dr. M. L e v i. Das nach vierjähriger Arbeit mit einem Kostenauf* wand von zirka 18 Millionen Dinar iin maurischen Stil ausgeführte Monumentalgebäude der Synagoge wird von einer weit sichtbaren, an der Basis eliptischen, mit Kupfer» platten bedeckten, 36 m hohen byzantinischen Kuppel überragt. Der prunkvolle Hauptraum hat 968 Sitzplätze. Im Synagogengebäude befinden sich noch: ein zweiter Betraum mit 210 Sitzplätzen, ein Raum für Trauungen, Gemeindeamt, Rabbinat, Bibliothek und Archiv. Die Synagogenweihe in Sarajevo gestaltete sich zu einem er* hebenden Freuden* und Verbrüderungsfeste der gesamten Judenschaft Jugoslawiens. Das Prager Oberrabbinat provisorisch besetzt. Das durch den Abgang Dr. Heinrich Brodys seit 1. September freigewordene Oberrabbinat Prags wurde durch die Be* # Ich liebe — du liebst er liebt Ein sehr helterar Singspielfilm der Uta verlaßt von Ernst Neubach und Hans Wilhelm Produktion: Günther Stapenhprst : Regie: Karl Hart! Hauptrollen: Betty Bird, Willy Forst, Hans Brausewetser Uraufführung ab 26. September inr Ufa-Mol) Ii. ino. I. RotentHrm-Kfno. I. TadilanMiDO. I. »[-Kino, VI. FliW-KlDO. IX. jüdische Eltern f Kauft Schulbücher für Eure Kihder nur in der indischen Buchhandlung Hermann YllCHllQf Or!*StadtflUtg. 7 (Ecke Taborstraße 62) Tel. R-41-4-20 Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Auflagen — auch antiquarisch — zu sehr maßigen Preisen. Verzeichnisse kostenlos! fottmimiminrnttHtmi^ Stellung Dr. Alädar Deutsch zum Leiter der Agenda des Oberrrabinates provisorisch besetzt. Die Schwierig* keiten, einen Nachfolger für Dr. Heinrich Brody zu finden, lagen besonders in der sprachlichen Seite der Prager Ober* rabbinatsfrage. Für den Präger Oberrabbiner werden von der tschechischen Oeffentlichkeit die Kenntnisse der Staatssprache gefordert. Dr. Äladar Deutsch, der im 62. Lebensjahr steht, ist in Miskolcz in Ungarn geboren, studierte an ungarischen Talmudhochschulen und kam im Jahre 1900 nach Prag, wo er Rabbiner am Jerusalem* Tempel wurde. Zur Entscheidung über religiöse Fragen und zur Aufsicht über die rituellen Institutionen Prags wird ein Dajan bestellt werden. Weltkongreß für das arbeitende Palästina. Wie das Zcntralbüro des am 27. September in Berlin beginnenden Weltkongresses für das arbeitende Palästina mitteilt, wurden in den europäischen Ländern etwa 150.000 Kongießwahlkarten abgesetzt, davon über 80.000 in Polen. Nimmt man die außereuropäischen Länder hinzu, so werden die Kongreßdelegierten nicht weniger als 200.000 jüdische Arbeiter und Kreise jüdischer Jugend, die den Aufbau des jüdischen Palästina erstreben, repräsentieren. Colonel Cecil Mellon, einer der führenden Deputierten der britischen Labour Party, hat seine Teilnahme am Kongreß zugesagt; er wird ein Referat über England und das Palästina-Mandat Kalten. Seine mit ihm reisende Gattin, die schon bisher in der Bewegung für das arbeitende Palästina aktiv tätig war, wird in Berlin in einer öffentlichen sozialistischen Kundgebung für das arbeitende Palästina sprechen. Betty Bird und Willy Forst in „Ich liebe — du liebst — er liebt". Die Hauptdarsteller des neuen Ufas- Singspieles „Ich liebe—-du liebst—-< er. lieb t", Betty Bird und Willy Forst, zwei Wiener Kinder, kommen morgen, Freitag, nach Wien, um der Premiere ihres Sprech* und Gesangfilms beizuwohnen. Die Karriere beider Künstler ging von Wien aus, hier ernteten sie ihre ersten Lorbeeren, ehe sie in Berlin die ganz große Publikumspopularität erlangten. Willy Forst gehört seit „Atlantic" zu den gesuchtesten Sprechfilmstars Deutsch* lands. Die Regie ihres neuen Films führt ebenfalls ein Wiener: Karl Hartl. Betty Byrd und Willy Forst treffen um 0.25 Uhr am Westbahnhof ein, wo ihnen ein festlicher Empfang bereitet wird. Abends besuchen die Künstler jene Kinotheater, in denen ihr Singspiel läuft. Samstag,' um 2 Uhr nachmittags, geben sie im Ufa-Tori*Kino (II., Taborstraße 8) den Lesern der Zeitschrift \,Mein Film" Autogramme. Politik und Bodenproblem Palästinas* Auf der IV. Weltkonferenz der Zionisten* Revisionisten in Prag entwickelte der be* kannte revisionistische Kolonisationsfachmann Dr. S. E. Soskin in umfassender Weise das ökonomische Programm der zionistisch* revisionistischen Opposition. Das Referat stellt sich den landläufigen Kolonisations* methoden der zionistischen Leitung entgegen, , y > die ohne»,,; Zweifel den Aufbau» Palästinas wesentlich' gehemmt' haben und damit zu* gleich auch für den Bankrott des bisherigen politischen Systems mitverantwortlich sind. Der nachfolgende Bericht faßt Kritik und Aufbauprogramm in gekürzter Form zu* sammen. Die Landfrage ist von fundamentaler Bedeutung seit jeher. Sie steht heute im Zenithpunkt des gesamten zio* nistischen Problems. S\§ Ist infolge .der Vernachlässigung durch die zionistische Oeffentlichkeit aus einer ökono* m i s e h e n zu einer politischen Frage geworden. Es ist infolge der Unfähigkeit der Führerschaft so weit ge* kommen, daß von der Stellungnahme eines englischen Von Dr. S, E. S o s k i n (TehAwiw). Beamten zu diesem Problem beinahe das Sein oder Nicht* sein des jüdischen Nationalismus abhängt. Das System auf kurze Sicht. . Man lebte gedankenlos in den Tag hinein, ließ den günstigen Moment für die Lösung des Agrarproblems zu Beginn der neuen, politischen Periode des Zionismus ver* streichen. Man stürzte sich wie Kleinbürger und nicht wie Staatsmänner auf den freihändigen LandkauL Der Natio* nalfonds als das Instrument sozialer Reformen kojinttr zu WoQhen-Kalender September 1930 •nvo «"üin Tischri 5691 26 Freitag 4-1 27 Samstag 5-n ■fm ,roner na«f., 28 Sonntag . 0-1 29 Montag ' 7-1 ' •!. ':'.•'■■'::'> J .■ '» 30 Dienstag 8-n ■• ■ ------- .; .: N 1 Mittwoch 9~tfl mos ovaiy 2 Donnerstag ia~, "pusmep piv t

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