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Die neue Welt · 1930-09-26 · Heft 158 (26.9.1930) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 158 (26.9.1930)
Date
1930-09-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 158 SIEGH. KORNMEHL *flt6Stn.t»CHHAUiatl Zentral« IX., _Bcrgg*«»e 19, Telephon 17»3«99 a, 16-9-34 Lieferant ' ü r Heilanstalten ^jMfSäSSSSi^^ unter Aufsieht d«t Ehrwürdigen Kabbwttt der lsr. KuU tusgemeinde Wien Autosttatetfung kMtintei IX., B*r*9au« IS ✓ XVIII., Wihrlnfjeirtlr. •? einer Institution sozialer Reformen nur zur Zeit der Türkenherrschaft benützt werden, keinesfalls aber als Basis einer Massensiedlung unter den geänderten Um* ständen, die das Mandat geschaffen hat. Dies der Grund der aufgetretenen Bodenspekulation und der mit ihr ver* bundenen Steigerung der Preise. Hierin liegt auch die Unausführbarkeit der Ruppinschen Pläne (Ansiedlung von 50.000 Familien in den nächsten 25 Jahren) beschlossen: aus Gründen der hinauflizitierten Bodenpreise und aus Gründen der sicherlich erfolgenden Beschränkung des Bodenkaufes durch die Mandatarmacht. Genau so leichtsinnig, oberflächlich, unverantwort» lieh sind die Kolonisationspläne der Führer für die Z u* k u n it. Seit Jahren bekämpften wir die Praxis der ge* mischten Landwirtschaft in den jüdischen Kolonien, die auf Getreidebau und Milchwirtschaft beruht. Die Herren, denen es an Voraussicht mangelte, haben sich endlich durch die reellen Ergebnisse ihrer Wirtschaft überzeugen lassen müssen und haben nach und nach zu* gegeben, daß der Getreidebau aufgegeben werden müsse. Aber sie klammern sich noch an die Milchwirtschaft. Wir haben seit Jahren den Herren vorgerechnet, daß die Milchwirtschaft in Palästina nur so lange rentabel sein kann, als sie in nur beschränktem Um* fange betrieben wird. Nun ist der Lokalkonsum schon mehr als befriedigt und Milch« und Molkereiprodukte sind im Preise gesunken, so daß auch dieser Wirt* schaftszweig nicht mehr für den jüdischen Landwirt lohnend ist. In einem Lande, in dem der Boden so teuer, ist und daher die Parzellen nur klein sein können, in dem man Rassekühe oder deren Kreuzungsprodukte nur mit* tels bewässerten Wiesenbaues ernähren kann — und man weiß, daß man auf bewässertem Boden in Palästina wert* vollere Produkte erzeugen kann — in einem solchen Lande kann ein Siedler, dessen Arbeit hoch bewertet wer* den. mu£, infolge seiner höheren Lebensbedürfnisse im Vergleiche zu dem größten Teil der ländlichen Bevölker rüng, nicht ein so billiges Produkt erzeugen. Ueber Nacht, sind nun die Herren Anhänger und Befürworter der intensiven Landwirtschaft geworden, die. sie noch gestern bekämpften« Aber man täusche sich nicht. Was die Herren heute wollen, ist nichts anderes als das alte „S t ü t z s y s t e m" des^B a r o n s R o t h s c h i 1 d. Damals war es W e i n*^ heute ist es O r a n g e n b a u. Sie scheinen den wichtig* sten Grundsatz, in der Kolonisationspraxis nicht. zu kennen: daß der Siedler raögIichst ba 1 d von den Er*. Zeugnissen seiner Arbeit leben müsse. Daher beruht unser System auf der. Kultivierung exportfähiger- Produkte und auf Geflügelzucht im großen. Ihr System ist eine. Art Philanthropie, genau so unmöglich wie die Finanzierung einer Massensiedlung durch Sammlungen, als Methode und nicht als Notbehelf. Ruppin hat leichtfertig hingeworfen, er hoffe, im Verlauf von *5 bis 20 Jahren jährlich bis zu 2000 Familien auf dem Lange ansiedeln zu können. Die dazu erfordert liehen 2 Millionen Pfund werde wohl das jüdische Volk aufbringen. Jährlich 2 Millionen durch Sammlungen auf» zubringen im Verlauf einer Periode von 15 bis 20 Jahren für landwirtschaftliche Kolonisation allein, das ist das Finanzierungssystem unserer Kolonisatoren. Diese Schaumschlägerei nimmt ihnen das moralische Recht, unsere Geschicke zu bestimmen. Sie müssen abtreten. Wir haben unser Verhältnis zu der Landfrage, zu den Arabern und zu der Mandatarmacht in der riqhtigen Einschätzung der gegenseitigen Be* Ziehungen, wie sie durch das Mandat gegeben sind, schon lange definiert. Unsere Vorschläge zur Agrarfrage, die Idee der intensiven Landwirtschaft, die Forderung eines Kolonisation sregimes, die der Staat» liehen Finanzierung der Kolonisation sind nicht neuen Datums. Trotz; der Schwierigkeiten, über die wir uns nicht hinwegtäuschen, die wir aber auch nicht überschätzen, muß gegenwärtig ein Programm aufgestellt werden, dessen Annahme die Durchführung des Mandats möglich inachen kann. Keine absolute Fassungsfähigkeit. Unsere " programmatischen Forderungen in der Landfrage gehen vom Standpunkt aus, daß es ein ein* h e lt H c h e s P a 1 ä s t i n a gibt, territorial beiderseits des Jordan«» mit dem Ziel des Wohles des gesamten Lan» des und «einer Einwohner, Juden und Araber. Das nume« rische Verhältnis zwischen beiden Bevölkerungsteilen hat sich durch die Zahl der Juden der ganzen Welt einerseits und dfa der palästinensischen Araber andererseits auszu* drücken. Es wird gegenwärtig so viel über die ökonomische Fassungsfähigkeit Palästinas gesprochen, diese ist selbst» verständlich ein relativer Begriff. Eine Wüste, in der warmen Zone gelegen, deren Aufnahmsfähigkeit für Mwiscben btute last gleich Null ist, wird über Nacht zum Gartenland, sobald W«k»^r hingeleitet Wird, und seine öko* nomische Fassungsfähigkeit wird pieich hundert. Wie ein einftuß* und kenntnisreiches Mitglied der Mandats« kommission sich äußerte, gibt es so etwas wie eine öko* nomische Fassungsfähigkeit als absolu» ten Begriff überhaupt nicht. Es sind ihrer zu viele Faktoren, die Einfluß auf die Aufnahmsfähigkeit eines Landes für eine gesteigerte Bevölkerungszahl haben können. In bezug auf Palästina sind wir nach dieser Rieh» tung besonders glücklich. Das Land ist in der s u b« tropischen Zone gelegen, kennt in seinem anbau» fähigen Teil keinen Winter und hat durchschnittlich ge* nügende Niederschlagsmenge. Es ist ferner günstig im Mittelpunkt des Weltverkehres zwischen Europa, Asien und Afrika gelegen. Was aber besonders wichtig ist, Palästina besitzt die Energien des jüdischen Volkes, das in seine Heimat zurück will, und diese Energien, mit seiner Kapitalskraft vereinigt, können die Aufnahmsfähigkeit des Landes für neue Einwanderer vervielfachen. Die Vor* züge des Landes lagen brach, sie wurden vernachlässigt von den Arabern, sie werden nutzbar gemacht, sie werden zum Leben erweckt werden . durch uns» Hat gegen» wärtig das westliche Palästina eine Bevölkerungsdichte von 35 Menschen pro Quadratkilometer und Trans« Jordanien nur sechs, so können beide Teile des Landes unter Zuhilfenahme von Bewässerung Und technischen Mitteln in der Landwirtschaft unter gleichzeitiger Ent* wicfclung von Industrien* und anderen Erwerbsmöglich* keiten in absehbarer Zeit es zu einer Bevölkerungsdichte von 100 per Quadratkilometer bringen. Da Palästina beiderseits des Jordans etwa 63.000 Quadratkilometer mißt, so ergibt sich daraus eine Bevölkerungszahl von 6,300.000, während heute die Gesamtbevölkerung beider Landesteile nur 1,200.000 beträgt. Das Land könnte somit 5,000.000 neuen Menschen eine Existenzmöglichkeit schaffen.. Das Agrarsystem der Zukunft. Ein Landreserve muß als ein Regierungs» Institut geschaffen werden. Ebenso soll ein Amt fü'r die wirtschaftliche Bodenauf nähme (unter* schiedlich vom Katasteramt) und für die Land» erschließung (Meliorationen verschiedenster Art) gegründet werden. Denn. 2^ Mill. Dun. sind kulturfähig, aber liegen brach, weitere'. 7% Millionen Weide, Wald und dergl. können zur Kultur herangezogen werden, weiters sind 7 Millionen vorgeblich nicht kulturfähig, könnten aber durch passende technisch*wissenschaftliche Methoden teilweise vemendbar' gemacht werden. Ein geeignetes A g r a r s y s t e m soll - die Pächter von den schweren Grundsteuern befreien. Boden, der nicht vom Ländbesitze Verarbeitet wird, .soll einer beson« deren, recht namhaften SSandsteuer unterliegen. Da der1 meiste Boden in Palästina!im Prinzip Stkatsländ (Mirieh) ist uhd, die; Resitz/er vor |em Gesetze Pächter, ist keine Aenderung im allgemeinen Charakter•." des Landbesitzes nötig. Eine derartige Steuer würde viele Landbesitzer veranlassen, den extensiv bebauten Boden zum Verkaufe — Mirieh*Boden dem Staate — anzubieten. Dieser Boden würde rin" die L ä rt'd r e s e r v e fallen und dem früheren': arbeitenden Pächter un||r günstigeren Bedingungen — unter Ausschluß des Grundbesitzers und unter Wahrung des Mirichprinzips -~eventuell übergeben werden. Als Finanzinstitut wäre eine Landbank •zu gründen, '.die •lfe'st''vy^zinsliche Pfandbriefe, die am Geldmärkte, hauptsächlich unter den Juden der ganzen Welt, ^gehandelt werderi,:&sollen, ausgibt. Die Landbank würdet die erworbenen'L|^dereien der Landr eserve über* weisen. Der Fellache hätte 6 Prozent (5 Prozent Pfand* briefverzinsung und 1 Prozent Bankspesen) zu zahlen — statt so Prozent vom Bruttoertrage wie bis jetzt. Die Landreserve würde also aus zwei Ressourcen schöpfen: 1. aus der Erschließung von Oedlände* rei en, 2. aus Erwerbungen der Landbank. Die Wirt* schaftsmethodeh müssen' den neuen landwirtschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen entsprechen. Diesem Zwecke soll ein Siedlungsamt (Landsettlement* Board) als Kolonisation'sipstitut dienen. S. H. Grinbarg und Frau Obetkmntor in Piisen entbietet allen Verwandten, Freundin, Bekannten und Kollegen nniD nDinn i&a Familie Juda Herz II, Grofcc Ptarrfaste 11 Wünscht allen Verwandten, Freunden nnd Bekannten mts höj D8in6 Bus Potan flicht für sich und zwei erwachsene Kinder swul tut mWKtrt« flmtner mit Küchenbenützung, Bad und Telephon bei gebildeter zionistischer Familie, womöglich U Bezirk oder angrenzend. Zujcbrjfteo an Fr»« Rottner bei Pretente, Xttl, Girierten»«»!» 9 |!lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllltllllllllllll||||||||||||||U|t|ik I Verband demokratischer Zionitten | I 5 § MHtwoth, den Okt. 1930 um halb 9 Uhr abends 3 3 im H«rsMaal du V«rbandth«imt, I!., Untere 5 s Augartenstraße 38 3 S Die Tagesordnung in der nächsten Nummer des 5 3 Blattes. E s lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllltl?. Das Siedlungsamt als die kolonisierende Institution wird von Zeit zu Zeit dem Palästinensern und den Juden der Diaspora Mitteilungen von dem Vorhandensein er* schlossener, für die Kultivierung bereiter Ländereien machen. Es werden Kredite den Pächtern gewährt werden, deren dauernde Niederlassung auf den von den Großgrundbesitzern erworbenen Böden genehmigt wird. Bei allen Maßnahmen ist daran zu denken, daß Trans* Jordanien einen Teil Palästinas bildet. * Die oben aufgezählten Institutionen: a) Landbank, b) Erschließungsamt (einschließlich Wirtschaft!. Boden« aufnähme), c) LandreserveJnstitut, d) Siedlungsamt (Landsettlement«Board), e) Siedlungsbank (Landsettie* ment*Bank) sollen also den Apparat der Boden* Politik und der praktischen Siedlungsarbeit, bilden. Sie sollen alle in einem Kolonisationsdepartement der palästinensischen Regierung vereinigt sein und das Instrument darstellen, mittels dessen die Mandats* regierung ihre Verpflichtungen aus dem Mandate erfüllt. AUS PALÄSTINA. Wiederaufbau von Beer Tuwiah. Die Vorhereituagen für den Wiederau/fibau der Kolonie Beer Tuwiah sind nunmehr abgeschlossen, so daß in den nächsten Tagen mit dem Bau der Häuser, Ställe etc. begonnen werden kann. Von den 180 Siedlungsbewenbern wurden von der Kommission des Hilfsfonds nach eingehender Prüfung der Kandidaten 40 ausgewählt. Der Aufbau der Siedlung soll in der Form eines Moschaw Owdim erfolgen. Der Hilfsfonds hat dafür ein Budget von 33.000 Pfund bereitgestellt. Der Siedlungsplan für die einzelnen Wirtschaften sieht außer den Getreidekulturen 15 Dunaim Bewäss'erungskulturen pro' Wirtschaft vor. Außer den. 33.000 Pfund für die Er-: richtung der Siedlung hat der Hilf sf ond-s weitere 10.000 Pfund für die Umsiedlung der ehemaligen Kolonisten verausgabt, nachdem diese ihre Böden dem Keren Kajemeiih zur Verfügung gestellt haben; Die Investitionen der American Palestine Economic Corporation im Jahre 1929. Dem soeben erschienenen Jahresbericht der Arne« rican Palestine Economic Corporation istr zu entnehmen, daß die Investitionen im Jahre 1929 auf 1,627.012 Dollar gegenüber 1,151.948 Dollar im * Vorjahre gestiegen sind. Die Kredite, welche die Korporation im Jahre 1929 in Form von Darlehen für Orangen« und Weihpflanzungen und allgemeine landwirtschaftliche Ameliorationen ge« währt hat, sind von 160.000 auf 250.000 Dollar gestiegen. Weitere 180.000 Dollar, die diesem Zwecke gewidmet sind, wurden an die Kreditwerber noch nicht ausgezahlt. Die Hausbaukredite sind von 69.000 auf 143.000 Dollar gestiegen. Für Arbeiteransiedlung wurden 250.000 Dollars verausgabt. Die gesamten Aktiven der Corporation, welche bei ihrer Gründung 927.000 Dollar betrugen, belaufen sich heute auf 2,238.027 Dollar. Bau der großen Arbeitersiedlung in Haifa. Die Zentralstelle für Arbeitersiedlungen in Haifa bei der jüdischen Arbeiterorganisation gibt ein Kommunique über den Stand der Vorbereitungsarbeiten für die Errichtung der Arbeitersiedlung in Haifa heraus. Darnach wird in allernächster Zeit mit dem Bau der 200 Häuser begonnen werden, nachdem zwischen der Hypothekenbank, dem Hilfsfonds und der Exekutive Einverständins über die Finanzierung erzielt worden ist. Nach dem Plan wird die Errichtung der 200 Häuser einschließlich der Wasserversorgung, Anlage einer Hauptstraße und Gehsteige sowie verschiedener kommunaler Einrichtungen die Summe von 39.500 Pfund erfordern. Von diesem Betrag übernimmt die Hypothekenbank 20.000 Pfund, der Hilfsfonds 7500 Pfund, der Keren Hajessod 2000 Pfund und die Siedler 7000 Pfund; da das Eigenkapital der Gesellschaft „Schchunath Owdim Haifa" 1000 Pfund beträgt, soll die Beschaffung der noch fehlenden 2000 Pfund eventuell durch eine Versicherungsgesellschaft erfolgen. Die Mäuseplage. In einer Zusammenkunft von Vertretern der jüdischen Siedlungen des Emek, die am 16. September in Afuleh stattfand, wurde nach einem Bericht des Agronom Zwi von der Versuchsstation über den Vorauf der M ä u s e p i a g e und die Abwehrmaßnahmen der jüdischen Siedlungen eine Reihe von Resolutionen gefaßt. In einer Entschließung wird gegen die Gleichgültigkeit der Regierung gegenüber der »

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