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Die neue Welt · 1930-09-26 · Heft 158 (26.9.1930) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 158 (26.9.1930)
Date
1930-09-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 158 DIE NEUE WELT Seite Jf Da§ Zauberreidi der Lüge* Eine Brith 0di*lom«Botsdiaft aus Prag. Auf der Titelseite der letzten Prager „Selb s tw e h r", die man unschwer mit einem Brith- Schalom-Blatt verwechseln kann, taucht der Köpf Menachem Mendl Ussischkins auf. Ein erhebender Anblick für den zionistischen Leser! Die zweite Seite allerdings verschafft eben demselben zionistischen Leser eine Viertelstunde Erheiterung. Prag wehrt sich. Herr Max B r o d, seines Zeichens deutscher Dichter, 'Wie er sich kürzlich durch den Mund des Schriftstellers Dr. Friedrich Schreyvogel im Wiener „Kulturbund" den Wiener Juden vorstellen ließ, dann und wann bedingter Zionist von Ethos Gnaden, springt einem Flügel seiner Landsleute bei. Die haben nämlich aus echtem Brith Schalmo-Holz einen Almanach geschnitzt, der mit Mißbrauch des Keren K ajemcth-Narac n s in die zionistische Welt geschickt wurde. Wir haben uns erlaubt, den in diesem Almanach obwaltenden Geist als unzionistisch — wir können heute sagen — antizionistisch zu charakterisieren. Ein famoser Aufsatz des famose« Dr. Ernst Simon aus Frankfurt gab uns dazu Gelegenheit. Analysen anderer Beiträge dieses von Provinzchochme triefenden Almauachs haben wir uns versagt. Wir sind vorläufig die ersten, die den Trick der Einschmuggelung von Brith-Schalorn-Idecn aufgedeckt und das schlechte Gewissen der Prager Almanachherausgeber zur Reaktion getrieben haben. Diese sieht recht nervös und ziemlich heuchlerisch aus. Herr Max Brod, in die Kampfarena geschickt, führt unserem bescheidenen Intellekt zunächst das Niveau des Almanachs vor. Mit Recht ist er vom hebräisch-jiddischen Dichter J. D. B e r k o v i c s begeistert (bekanntlich von uns zum erstenmal den deutschlesenden Zionisten vermittelt), von dem nur Gott weiß, wie er in den Brith Schalom-Cheder Prags gelangt ist. Nicht minder aber enthusiasmiert zeigt sich Herr Brod von Herrn Hans Kohn und Herrn Martin Buber, den Meistern in der Desillusionierung der Große Herzls, zu dessen Ersatz sie ihre eigene fortschrittliche Konzeption eines Zionismus zum Frühstück der jüdischen Welt servieren. Herr Brod verwahrt sich dagegen, daß wir die Schrift eine „aufkläre n d e" genannt haben. Wir konnten bei Gott nicht annehmen, daß die Propaganda für den Keren Kajemeth m e t a p h ys i s c h betrieben werden müsse, ein Rezept, das uns zwar zur Sanierung jüdischer Seelen, die etwa in Prag, Berlin und Frankfurt sich schlecht assimiliert haben, geeignet scheint, weniger geeignet für Bodenankauf in Erez Israel. Herr Brod verwahrt sich weiters gegen unseren „Titel ä la Boulevardpresse", nämlich gegen unseren Titel „Mißbrauch mit zionistischem V o 1 k s g e 1 d". Boulevardpresse hin, Boulevardpresse her! „Das Zauberreich der Liebe", „Die Frau, nach der man sich sehnt" usw., beliebte mondäne Frauenromane unseres Herrn Brod sind nicht gerade lammfromme Titel. Daß Herr Brod nebenbei den Dreh macht, wir hätten dem tschechoslowakischen Keren Kajemeth Korruption vorgeworfen, erhöht nur die Pikanterie seiner Polemik und unsere Heiterkeit. Denn wir wollten selbst für den naiven Leser feststellen, daß der Prager Almanach antiziohistische Propaganda in zionistischem Gewände betreibt und mit solcher Schundware braven Zionisten, die der Suggestion des Keren Kajcmeth-Titels erliegen, Geld aus der Tasche zieht. Mißbrauch zionistischen Volksgeldes mit Schundware. Schtindwarc, Herr Max Brod! Sie werden uns nicht darin bluffen, daß der gute Ernst Simon (Ihr Gesinnungsgenosse im selben Maß, wie Sie nicht unserer sind) jesuitischi wie nun Philosophen manchmal sind, in seinem Artikel etwas anderes bezweckt als die Herabminderung des Herzischen Judenstaatgedankens. Die zionistische Demokratie, fragen Sie? Ja. die gibt es im Rahmen des Zionismus, nicht im Rahmen der offenkundigen Verleugnung seiner Inhalte. Und es ist offenkundige Verleugnung, wenn Ihr Gesinnungsgenosse Simon das Streben nach einer Mehrheit in Palästina als verwerflich und reaktionär hinstellt — im Almanach des Keren Kajemeth. Herr Brod meint, der Almanach sei für die differentesten Schichten der tschechoslowakischen Judenheit bestimmt, spiegle also die Strömungen im Zionismus wider. Gemach! Wo bleibt der Aufsatz eines Judenstaatlers neben dem Aufsatz eines Binationalen im Almanach? Ein solcher war eben unerwünscht. Das, Freund Brod, ist Mißbrauch hinterrücks errungener zionistischer Positionen. Prag wehrt sich. Es weiß warum. Auch wir wissen es. Ja, das böse Gewissen. Schon steht vor den Toren Prags Ussischkin, der ebenso wie von dem „Tempel" Erez Israel Warburgs auch von der etwas eigenartigen Propaganda für seinen Keren Kajemeth nicht sehr entzückt sein dürfte. Wir sagen „Mißbrauch". Herr Max Brod möge künftighin die uns gewidmete Belehrung über Zionismus, Demokratie, Boulevardtitel, Einschätzung von Geistesprodukten seinen Prager Gesinnungsgenossen widmen. Diese werden sie gewiß ernster nehmen. Gegen den todiedioslowakisdien Keren« Kajemeth'Almanadi* 'Der Verband demokratischer Zionie t en Oesterreichs übermittelt uns folgende, in seiner letzten Sitzung beschlossene Protestresolution: Der Verband 'demokratischer.Zionisten Oesterreichs stellt fest, daß der „judische Almanach 5691", herausgegeben im Auftrag des K. K. L. für die Tschechoslowakei von Friedrich .Thiebc.rgc*,.;iuad Felix Weitsche einen von Dr. Ernst ^imön ^erfaßten Aufsatz , „Volk Israel und Land Israeli jerithatt,/ der Geist und Tendenz des Herzlsejien Zionismus negiert. Der Verband konstatiert die Unqualifizierbarkeit eines solchen Aufsatzes innerhalb einer. Publikation, die aus Mitteln des Keren Kajemeth geschahen wurde und den Zweck hat, den Fonds im jüdischen Volk zu verankern. f Der Verband erhebt gegen diese den Judenstaatsgedanken herabwürdigende Publikation, die den Eindruck der Offizialität erwecken kann, energischen Protest und die Forderung alt das Direktorium des K. K. L. Jerusalem, den Vertrieb des Almaiinchs zu untersagen. Wien, im September 1950. Verband demokratischer Z i o n i s t c n. Das polnische Judentum vor den Sejmwahlen« Von unserem Warschauer N. R. Berichterstatter. Warschau, 21. September. Der polnische Sejm wurde von Piludski nach Hause geschickt. Wir stehen vor Neuwahlen. In allen Lagern Polens rüstet man lebhaft zur Wahlschlacht. Denn es geht diesmal um große, entscheidende Dinge — um die Frage der künftigen Regierungsform Polens. Demokratie oder nicht, Parlamentarismus oder nicht! Sind diese;, Fragen für die gesamte polnische Republik Lebensfragen, so sind sie es um so mehr für die Judenheit Polens. Die abgelaufene Sejmperiode bedeutet für die Juden eine schwere Enttäuschung. Die Hoffnungen weiter jüdischer Kreise auf das Regime Piludski sind endgültig zerronnen. In dieser Epoche gelaug es der jüdischen Politik nicht, für die beispiellose jüdische Wirtschaftsnot Aufmerksamkeit seitens der regierenden Kreise zu finden, schon gar nicht zu reden von einer Befriedigung der kulturellen Bedürfnisse der jüdischen Massen.. Im aufgelösten Parlament gab es eine jüdische Vertretung, die fast zur Gänze aus Zionisten bestand, welche damals in Kongreßpolen, den Randgebieten uud Wilna auf der Liste des Blocks der nationalen Minderheiten kandidiert hatten. Aguda, Folkisten und die kaufmännischen Organisationen hatten sich damals diesem Block entgegengestellt und mußten eine schwere Niederlage einstecken. Einzelne ihrer Vertreter, d. i. 1 Agudist und 1 „Wirtschaftsvcitreter", konnten sich zwar mit Gnaden der Regierungspartei, die sie auf ihrer Reichsliste führte, einschmuggeln, mußten aber ihre Mandate wieder abgeben, als infolge anerkannter Wahlmißbräuche Neuwahlen durchgeführt wurden. Die zionistische Vertretung im Sejm war allerdings nicht aus einer einheitlichen Wahltaktik entstanden, da ja bekanntlich die Auffassung von der eigenen Politik in Kongreßpolen, den Randgebieten und Wilna einerseits, in Ost- und Westgalizien andererseits verschieden war. Hier die Verfechtung des wahltechnischen Zusam- , mengehens mit den anderen nationalen Minoritäten, dort selbständige Kandidatur der allgemeinen Zionisten zusammen mit dem Misrachi Und der Hitachduth. Dieses getrennte Marschieren wird voraussichtlich bei den kommenden Wahlen nicht mehr zu beobachten, sein. Die Schaffung eines einheitlichen zionistischen Blocks, kann bereits als perfekt betrachtet werden. Es,; haben bereits Konferenzen sämtlicher zionistischer Zentralkomitees (der Landesverbände in Warschau,' Wilna, West- und Qstgalizien) stattgefunden, die eln'j befriedigendes Ergebnis gezeitigt haben. Mit den anderen? zionistischen Gruppen, Misrachi und Hitachduth» efnd. zurzeit diesbezügliche Besprechungen im Gange unds man kann annehmen, daß auch diese Besprechungen^ ein positives Resultat bringen werdend Nun geht es wnv die Frage, ob nur ziönistischer oder o 1 Ige-, mein jüdischer Block. Weder Aguda noch die; anderen Splitterparteien können auf Grund der bis-* herigew» Wahlergebnisse allein auch nur t Mandat; Stumg AitZteM unter Aufeicht des Herrn Bezirksrabbiners 5. Ehrenfeld zuMattersburgwird dos Speisefett Kunerol hergestellt. Kunerol ist reines KokosnuMett und kann von jedem Strenggläubigen ohne Bedenken zur Zubereitung von Milch- und Fleischspeisen verwendet werden. ÜNEROL 1002 REINES KOKOSNUSSFETT Nur echt in Originalpackung — Vor täuschend ähnlichen Nachahmungen wird gewarnt tiP erringen. Die Aguda hat diesmal nicht wenig Lust, einen allgemeinen jüdischen Block zustandezubringen. Aus guten Gründen. Sic, die früher bei den Wahlen Schoßkind der Regierung war (allerdings während der Wahlkampagne!), hat bei ihrem „Poritz" Schiffbruch gelitten. Die Regierung nämlich hat sich von deren Bedeutungslosigkeit überzeugt, ebenso Ade von der der Folkisten und kleinen Wirtschaftsparteien, und scheint diesmal nicht sehr gewillt, ihr gegen den AVillen der jüdischen Bevölkerung Wnhlgeschenke zu machen. Ja noch mehr. Pilsudski scheint zu dem so verketzerten Jitzchak Gi'ünba u m, dem unbeugsamen Führer der jüdischen Minderheitspolitik in Polen, Fühler ausstrecken zu wollen. Angesichts dieser Tatsachen hat sich die Aguda plötzlich besonnen und versucht, um ihren Einfluß in der jüdischen Gasse bange, unter der Parole „Jüdische Einigkeit" mit den Zionisten ein Wahlbündnis zustandezubringen. Ein Schritt in dieser Richtung ist von einer Besprechung zwischen dem Misrachi-Führer Farbstein und einem Vertreter der Aguda zu verzeichnen, einer Besprechung, allerding vorläufig ohne Erfolg. Recht eigenartig sieht es im jüdisch-sozialistischen Lager aus. Der Bund, die jüdisch-sozialistische Organisation Polens, glaubte durch den Eintritt in-die II. Internationale, die er früher als linksradikal ablehnte, den Weg zur polnischen Sozialistenpartei (P. P. S.) offen. Wie der Aguda mit ihrem „Poritz", so ergeht es dem Bund mit dem seinen. Die P. P. S. hat wenig Lust, sich mit ihren jüdischen Genossen zu belasten, geht vielmehr ein Bündnis mit den polnischen bürgerlichen Oppositionsparteien ein. Es bleibt dem bisher mandatlosen Bund nichts anderes übrig als der Versuch, einen sozialistischen Minderheitenblock zu schaffen, wobei ihnen die ukrainischen Sozialisten, die sich ihren bürgerlichen Mitnationalen anschließen, einen Strich durch die Rechnung machen. Ein eventueller Block Bund-Linke und Rechte Poalo Zion hat keine Chancen. Das jüdische Minoritätenvolk Polens hat auf Grund seines Prozentsatzes Anspruch auf 50 Mandate. Die Wahlkreiseinteilung, aber hauptsächlich durch Zerschueidung der von den Juden bewohnten Städte, drückt die Möglichkeit eines Mandatsgewinnes auf einen Bruchteil herab. Die früher wirksame Idee eines Nationalitätenblocks, die, wenn auch unzureichend, die Ungerechtigkeit der Wahlkreiseiriteilung korrigierte, ist nun im Sand verlaufen. Zum Teil sind die slawischen Minderheiten zu den Kommunisten abgesplittert, andererseits zeigt die Wuhlbewegung die Tendenz zur Blockbildung für oder gegen die Regierung. Der Haßkomplex« Von Ernst Davis (TekAwiw). Der bekannte Orientkorrespondent Ernst Davis, Mitglied der Union der Zionisten* Revisionisten, stellt uns nachstehenden Auf* saU zur Verfügung, der unter revisionisti* schem Gesichtswinkel den Palästina=Bericht der Mandatskommission beim Völkerbund be» trachtet. Der Bericht der Mandatskommission ist die offizielle Anerkennung des revisionistischen Programms für die Repatriierung unseres Volkes — jenes Programms, das vor dem Kriege als zionistisch bekannt war. Sieben Jahre lang hat die Zionistische Exekutive seit dem Samuel*Churchillschen Weißbuch sich bemüht, ein solches Dokument oder wenigstens etwas Aehnliches zu erhalten, und gleichzeitig mit skeptisch heruntergezogenen Mund« winkeln und verständnisvollem Augenzwinkern •— der kleine Mortz als Macchiavell — den Kongreßdelegierten ins Ohr geflüstert, daß es nicht möglich ist. Der Erfolg war das Passfieldschc Weißbuch. E i n Jahr lang, nicht einmal ein ganzes, haben die Revisionisten durch Dr. Soskin, inoffiziell, ohne Apparat

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