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Die neue Welt · 1930-09-26 · Heft 158 (26.9.1930) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 158 (26.9.1930)
Date
1930-09-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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r Sei!« t Dtfi NEUE WELT — ■- -•- iUm Nr. 158 i Für die hohen Feiertage fctifafhit tti rtetitnttl) Ifcti» fttOrf In weiften und •cfiwftrss-ft . TALAREN und BARETTEN welche in den mannlgfal- I! tigsten Formen sowohl vorj | rätig als auch nach Maß in der altbekannten Unlfor- | mieiung u. Maßschneiderei RUDOLF GOLDSTEIN KA Wien li.f Taborttrafte ■ 2u billigsten Preisen u. schönster Ausführung erhältlwh, Lieferant vieler - in- und. ausländ. Kultusgemelnden Zahlreiche spontan erfolgte Anerkennungsschreiben bedeutender Persönlichkeiten, Oedr. 1866. Heue« Telephon fl-49-0-40 Achtung auf die Hausnummer! ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦+»♦♦< neter Landau zitierte einen vertraulichen Bericht eines Polizeiinspektors, der nach den Ereignissen .in Targnl-Frumos die oberste Behörde dahin informiert hat, daß die Juden allerlei ökonomische, kulturelle und politische Organisationen in« ■ Leiben rufen, u m d i e Rumäne n zu u n t e r j o c h e n uii d d a s c h r i s 11 i c h e Element zu vernichte n. Der Berichtcrstaifer empfahl die g e w a 11 s n ni c A u f Uisung aller jüdischen Organisationen als Mittel zur Beruhigung des La mies. Deputierter Landau zitierte ein zweites nicht minder charaktcristi sches Dokument betreffend Maßnahmen, <lie der Gcndarmericchef des Ortes Ciuciuleni bei Kisehincw ergriff, als es biefl, <daft dort der, übrigens später von''der Regierung verbotene, Kongreß <ler antisemitischen Studenten stattfinden würde. Die Einwohner des Dorfes haben zu Protokoll gegeben, <lafi der Gendarmeriechof die Einwohner versammelte, um ihnen zuzureden, sie sollen zum Schein die Ruhe bewahren, wenn aber <iie Bauern einmal versammelt seien, wollte (ir an' ihrer Spitze über die Juden h e r f a 11 c n,. um ihnen alles Hab und Gut w eg z u nch me n. Nachdem Herr Landau weitere Beweise von Pa t.r o nissj c r u hg des Antisemitismus durch die.Behörden gab, berichtote er noch, wie es jenen zwei Gendarmen erging, die gelegentlich der Unruhen in Balaceana gewagt hatten, die Nomen der Unruhestifter und Plünderer anzugeben. Sie wurden aus der-Gendarmerie entfernt, später wurden sie von einigen antisemitischen Studenten besucht, die ihnen versprachen, dafl sie in ihre Stellen wieder eingesetzt werden, würden, wenn sie ihre zu Protokoll gegebenen Erklärungen .zurückziehen wollten. „So stehen die Dinge," schloß* Abgeordneter Landau, „und daher ist es die Pflicht der rumänischen Juden, sich zu verei nd gen, uim sei h s t für ihre V e.rteidigung soigcn zu können". Die Landeskonferenz hat eine Reihe Beschlüsse angenommen, die u. a. eine Vertrfluenskundgebung für den jüdischen Parlamentsklub, sowie die Forderung der Juden Rumäniens auf paar. Im allgemeinen ist der Kreis, mit dem Dubnow in Berührung kommt, klein. Zu diesem gehören auch seine Ucbersetzer Krüpnik lind Dr. Steinberg. Persönliche Be* Ziehungen zwischen ihm' und den deutsch*jüdischen Intellektuellen sind fast' nicht vorhanden, vielleicht des« halb nicht, weil die deutschojüdiscHen Gelehrten die un* bedingt nationale Einstellung Dubnows und seine weltliche Auffassung religiöser Dinge befremdend empfinden. Da ihn seine Arbeit in Anspruch nimmt und eine umfang» reiche Korrespondenz (Anfragen aus Kreisen von Schülern, Wissenschaftlern, Verlegern und Lesern) zu erledigen ist, kann sich Dubnow nicht den zahlreichen Gästen^ ,dic all« sonntäglich zu ihm kommen, widmen. * Mit gesellschaftlichen Fragen hat sich Dubnow während seines Berliner Aufenthaltes ziemlich wenig bc* faßt. Er widmete dem „Archiv für Pogrommaterial" sein Interesse, zumal es in der Sphäre seiner historisch*wissen« schaftlichen Arbeit stand. Große Beachtung schenkte er dem Schwarzbarth'Prozeß, war Mitglied des Schwarzbarth* Komitees; die einzige politische Arbeit, die er in den letzten Jahren leistete, galt dem Schutz der jüdischen Minderheitsrechte. In Zürich hielt er auf der Konferenz für den jüdischen Minderheitenschutz im Jahre 1928 ein spezielles Referat. In letzter Zeit tritt Dubnow politisch nicht hervor. Er ist wie bisher Folkist, gehört allerdings nicht der antizionistischen Gruppe „Schabbat Priluzky" an. Im Gegenteil. Dubnow ist stark prozionistisch ge« stimmt. Letztens hat er den Aufruf für den Kongreß des arbeitenden Palästina unterschrieben. Sein Verhältnis zum Aufbau Erez Israels ist das denkbar wärmste. Seine Geschichte des jüdischen Volkes ist beendet. Dubnow gönnt es sich nicht, zu ruhen. Mit vollem Eifer wendet er sich der neuen Arbeit, dem alten Lieblingskind seiner Forschung, der Geschichte des Chassidismus, zu. ungestörte na t.i b iia'1 e 'f. ni wi ck Hi n g sowohl im Interesse der Judenschaft als auch im. Interesse, des Staates zum Inhalte haben. Die Konferenz erkennt die Notwendigkeit einer selbständigen n ai i o na 1 - j Ud is ch e n Politik a n und fordert den Generalrat auf, alle Teile der rumänischen Judcnschaft auf der Basis ' ei nh c it lieh c r nationaljüdisch e r Politik z u v e r e i ü i g e n. In das Direktorium dos Generalratcs der Juden Rumäniens wurde Oberrdhbincr J. L.'Zi r e 1 s oh n, in den Gencrnlfut wurden die folgenden Herren gewählt: Adv. Rosenhaupt, Rahb. S t e r n b e r g, M. Ti c 1 Iota h n, J. S k w i r is k i, Sch. Der Ii o n d, Rabb. Kaplivazki, J, E p p e 1 b o i <m. 1 - . £>ie nntisemitischen Unruhen in Borsclia vor Gericht* Marmäros*Sziget. (J. T. A.) Der Generalstaats* anwalt von Marmaros^Sziget, Vrtsilc Chindris, hat die' Untersuchung über die antisemitischen. Ausschreitungen in Borscha und in Szigct abgeschlossen und die Anklage fertiggestellt. Diese umfaßt' 62 maschinengeschriebene Seiten. Es wird gegen 86 Personen die Anklage erhöben. Unerwarteter weise, befinden sich "unter den Ängc< >»''.'-..• t ' ' v )' klagten auch 17 Juden,^egen die wegen Gewalt» tätigkeit die Anklage erhoben>yird, obwohl sich die, Juden in einem Verteidigungszustand befunden haben. Hauptangeklagtc sind, pamilar die Priester Berindc und Dumitrescu, die Frau Berindes. Letztere wird be* schuldigt, hinter den Kulissen die Ausschreitungen ge* leitet zu haben. Ihr .wird auch der sogenannte Blutvertrag zwischen Antisemiten und Bauern zugeschrieben. Auch Klavierunterricht erteilt sehr gewissenhaft staatlich geprüfte Lehrerin (mit Auszeichnung! in und außer Haus unter günstigen Bedingungen Sophie Kleiner, XX., Karl-Meißl-Straße 4, Tflr 50 habe sie persönlich an Atrozitäten teilgenommen. Sie war Zugegen, als ihr Mttfltt und mehrere antisemitische Führer Mersch Jude Stein verschleppten und zwangen, von dem zwei Meter höhen Ufer in den Vizofluß zu springen, konisch wurde dieser Vorgang als „Taufe" bezeichnet. Auch war sie zugegen gewesen, als die Jüdinnen Helene Jckl und Lenke Hantz nachts bei den Haaren aus ihren Betten geschleppt wurden und man sie zwingen wollte, sofort nach Palästina auszuwandern. Die Anklage des Aufruhrs wird gegen 59 Bauern erhoben, die unter Einwirkung der Hetzreden Damilas sich der Gendarmerie widersetzten. Die Hauptvcrhandlung beginnt noch in diesem Mo# nat vor dem Gericht in Marmoros»Sziget. Die Verteidiger, der Angeklagten haben die Einvernahme von über 300 Zeugen beantragt. Unter der jüdischen Bevölke* rung von Sziget herrscht Beunruhigung, da schon jetzt zahlreiche Mitglieder der „Eisernen Garde" in die Stadt gekommen sind, um dem Prozeß beizu« wohnen. Die Behörden haben umfassende Maßnahmen ge* troffen, um Ruhestörungen während des Prozesses zu ver* hindern. Die jüdischen Zeitungen äußern Empörung darüber, daß die Gerichtsbehörde auf die Angaben Damilas und seiner Genossen hin die Anklage auf 17 friedliebende jüdische Bürger ausgedehnt hat. Äu§ dem arabischen Lager« König Feisul über Palästina und die panarabisclie Föderation.. Genf. (J. T. A.) Vor .seiner .Abreise nach Italien empfing König Feisut den Direktor der Jüdischen Tele* graphen»Agentur Jacob Landau, den Sonderkorresponden« ten B. Smolar und den ständigen Vertreter der J. T. A. in Genf Df; N. ^FMnrJC.r^ Audienz. Die Erklärungen, die König Feisul, vor diesen Herren abgab, widersprechen zum •T^1V^6mJ^fnl§rt' ues~ Interviews, das König Fcisul dem- Korrespondenten des „Manchester Guardian'.' kurz vorher 'gewährt hatte.- Den Vertretern der L T. A, gegenüber;crklärtoud.er König, er. sei nach Genf nur des mit S 26.- S36. $ 45. Oll, Kniserstraße 123 IX, fllserstroßeß merkte, er vertrete aus vollem Herzen den Gedanken einer a r a b i s c h e n F ö d c r a t i o n als einzigen Weg zur politischen, ölconomischen, sozialen " und kulturellen Zukunft der arabischen Halbinsel. Am Schlüsse des Ge* spräches mit den Vertretern der J. T. Ai, in dessen Ver* lauf die Probleme des Zionismus und Fcisuls Einstellung zu den jüdisch<aräbischcir Beziehungen erörtert würden; > König Feisul nachstehende Erklärung abV „Ich bin dieses Mal'nur zur Wahrung der Interessen meines Landes gekommen. Als Vertreter ihölrics Vaters auf der Friedens« konferenz habe ich mit den Delegierten aller Nationen Fühlung genommen und kam auch mit zionistischen Führern zusammen. Mit Weizmänn hatte ich eine Reihe von Zusammenkünften und Wechselte mit ihm Briefe rein Allgemeine Versicherunps-Gesellschaft „PHÖNIX" Gegr. 188Q . Gegr. 1860 (Zusammenschluß von „Phönix", „Wiener" und „Providentia44) Direktion und Qener«Mtepriaent«*s: Wlefit IX«f Otto Wagnerpl. 5/ Alserpl. 3 Telephon: B.43'fr-fO Serie Übernahme sämtlicher Sozialversicherungen zu den kulantesten Bedingungen und Prämien privaten Charakters. Ich trachtete damals Wege zu eüiei Annäherung zu finden. Die Ereignisse haben die Fort« setzung dieser Bemühungen verhindert. Meiner Auffassung nach hat die, zionistische Politik nach der Friedenskonfca renz Aendcrungen erfahren." Auf die Frage, ob er auch heute noch die seinerzeit in einem Briefe an Professor Frankfurter geäußerten Ansichten über das Palästina* problem habe, antwortete König Feisul: „Ich stand mit vielen Leuten in Korrespondenz, kann mich aber eines Briefes an Professor Frankfurter nicht entsinnen." (Feisul hatte seinerzeit Professor Frankfurter geschrieben, er be* grüße als arabischer Fürst die Rückkehrtder Jude« in, ihre alte He,i.mat.) . s; . . Zu dorn Berichterstatter des „Manchester Guardian" sagte: der König, der Wunsch nach einer panarabischen Föderation, welche Irak, Palästina, Syrien» den Hedschas und Transjordanien unter arabischer Hegemonie zusam* menfassen solle, sei nicht neu. Dieses Ideal des arabischen Volkes sei eine Forderung, die auf der Friedenskonferenz von der ganzen Welt als berechtigt anerkannt und deren Erfüllung von Sir Henry MacMahon offiziell versprochen wurde. Ohne politische, ökonomische und kulturelle Einw gung würden die Araber ihren Feinden wehrlos gegenüber* stehen. Ein geeintes Arabien werde für die Entwicklung des Nahen Ostens und die Erhaltung des Weltfriedens von größter Bedeutung sein. , Verschärfung des Konflikts zwischen mohammedanischen und christlichen Arabern in Haifa. Jerusalem. (J. T. A.) Der infolge der ungeklärten Eigentumsverhältnisse am Haifaer Friedhof ausgebrochene Konflikt. zwischen christlichen und moham* med a n i s ehen Arabern hat.äußerst scharfe, Formen angenommen. Der Wakf (Verwaltung des religiösen Grundbesitzes der Mohammedaner) in Haifa hat der Familie Jamil Barkhri's, dem im; Verlauf ..der Kämpfe um den Friedhof getöteten Herausgebers der christlichsarabi* sehen Zeitung „AI Jamea", ein Sühnegeld von 2000 Pfund angeboten; Die christlichen 'Araber haben aber das Ein« treten in Friedensverhandlungen abgelehnt, obwohl eine Delegation der palästinensisch*arabischen Exekutive am 11. September zu diesem Zwecke nach Haifa gekommen ist. Zwei mohammedanische Polizisten sind verhaftet worden, da sie verdächtig sind, den Fluchtversuch einiger an der Bluttat Beteiligten begünstigt zu haben. Gegen Raschid Ibrahim, Vorsteher des Wakf von Haifa und Mit« glied der palästinensisch*arabischen Exekutive, sowie gegen Hamzi Amar, Sekretär des Verbandes der Moham» medaner, welche der Aufreizung gegen christliche Araber beschuldigt werden, würden Haftbefehle erlassen. Die christlichen Araberinnen von Haifa sind kor« poratW aus der arabischen Frauenorgani* sation ausgetreten und haben eine neue Christ* liehe Frauenvereinigung gegründet. Italienische Propaganda. Haifa. (J, T. A.) Die Verschärfung des Konfliktes zwischen mohammedanischen und christlichen Arabern, der bekanntlich von dem Besitzstreit um den gemeinsamen Friedhof seinen Ausgang genommen hat, hat dazu geführt, daß mohammedanische Brunnenbesitzer den Verkauf von Wasser an Christen verweigern. Die Zeitung „AI Yarmuk" beschuldigt die Christen der Propaganda für eine Uebertragung des Mandates an Italien und fragt, ob denn die Araber nur eine Ware seien, die nur so von der einen in die andere Hand übergehen könne. Die Christen seien nicht befugt, im Namen des arabischen Volkes zu sprechen.

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