Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 158 (26.9.1930)
- Date
- 1930-09-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2711613-2711736-2711776--2075-2715338- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 158 D!ß NEUE WELT ~ Seife S - Auch Sie können ganz leicht hypnotisieren, Sie brauchen dazu nur Willen und Kraft, Doch etwas Geist müssen Sie investieren, Den Ihnen Hubers Likör schon verschafft. nicht entsprechende extensive Auslegung gegeben. Bei den Engländern habe allmählich die Vor« Stellung Platz gegriffen, daß der Artikel 2 des Mandates nicht eine bloße Schutzbestimmung im Interesse der Araber gegen einen etwa entstehenden jüdischen Imperialismus, sondern Selbstzweck des Mandates sei. Man habe geglaubt, die Engländer seien nach Palästina gegangen, um das jüdische Nationalheim zu schaffen; man habe geirrt; sie sind nach Palästina gegangen, um die Araber vor den Juden zu schützen. Seitdem Professor Rappard den Vorsitz der Mandats« Sektion des Völkerbundssekretariats zurückgelegt habe, mache sich dort eine ausgesprochen araberfreund« liehe Strömung geltend, die sich der restriktiven Aus« legung des Palästina«Mandates durch die britischen Be« amten anschließe. Umso erfreulicher sei es, daß die Mandatskommission, welche lange Zeit mit dieser Jnter* pretation des Palästina*Mandatcs übereinstimmte oder sie zumindest tolerierte, nunmehr, in ihren einstimme gen Beschlüssen, mit ihr gebrochen hat. (Wie nicht anders zu erwarten, stellt der bedeutende nkhtjüdische Publizist William Morten fest, daß bei der Abfassung der Balfour«Deklaration und des Mandats« textes an einen Judenstaat gedacht war. Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation legt die zwei Mani* festationen für seine englischen Herren bequemer aus.) „Bravo, Welzmann", sagt Warburg. New York. (J. T. A.) Felix M. War bürg, Vor« sitzender des Administrative Committee der Jcwish Agency, gab nach seiner Rückkehr nach New York fol* gende Erklärung über seine Eindrücke von der Berliner Tagung der Jewish Agency ab: Eine Reihe von Tatsachen gibt uns für unsere künftige Arbeit neuen Mut. In erster Reihe denke ich da an die entschiedene Erklä» rung Dr. Weizmanns, daß wir keine poli« tischen Ziele verfolgen, die bei den Arabern berechtigte Befürchtungen er» wecken können. Nach Dr. Weizmanns klarer Dar« legung der Parallelität jüdischer und arabischer Inter« essen in Palästina wird es der Mandatarregierung leichter sein, ein Programm für Aufbau und friedliche Zusammen* arbeit beider Völker zu entwerfen und auszuführen. Warburg drückte seine Befriedigung darüber aus, daß der Völkerbund an dem Standpunkt des Mandatsberichtes gegenüber den englischen Einwendungen festgehalten habe. Das Hilfswerk der amerikanischen Juden für die Juden Osteuropas müsse fortgesetzt werden. Dr. Cyrus Adler, Präsident des American Jewish Committee, erklärte, der Völkerbund sei ein wirksames Bollwerk für den Schutz der Minderheiten. Mit Bezug auf die letzte Tagung des Administrative Committee stellte er fest, daß sich der disziplinierende Einfluß der neuen Kräfte in der Jewish Agency bereits geltend gemacht hat. Nun also: Auch die Jewish Agency verzichtet durch den Mund ihres Administrativkommittee«Vorsitzen«1 den, des Amerikaners W a r b u r g, auf den Judenstaat Wir wissen nicht: Tanzt Herr Warburg nach der Pfeift' Weizmanns oder, muß umgekehrt Weizmann nach der Pfeife Warburgs tanzen. Wahrscheinlicher ist das letztere. Mandatssystem und Minderheitenfrage beim Völkerbund. Genf. (J. T. A.) Ueber Vorschlag der norwegischen Delegation wurde die Frage der Tätigkeit des Völker« bundes auf dem Gebiete der internationalen Mandate im Verlauf des letzten Jahres auf die Tagesordnung der sechsten (politischen) Kommission des Völkerbundes ge* setzt. Die Ausführlichkeit, mit der dieser Punkt in der Kommission behandelt werden wird, hängt nach der Meinung vieler Delegierter davon ab, ob auch die Frage der paneuropäischen Union in derselben Kommission dis« kutiert werden wird. Dies sei vorläufig noch nicht sicher. Während der holländische und der Schweizer Delegierte dafür eintreten, daß das Briandsche Projekt innerhalb der sechsten Kommission behandelt werde, haben der jugoslawische Außenminister Marinkovic und der griechische Delegierte Politis die Zuweisung dieser Frage an ein spezielles Studienkomitee beantragt. Falls dieser Antrag durchdringen sollte, wird der Erörterung der Mandatsfragc ein breiterer Raum gewährt werden können. Das Sonderproblem des Palästinamandates dürfte hingegen kaum berührt werden, da man in den Kreisen des Völkerbundes allgemein der Anschauung ist, der Konflikt zwischen England als Mandatarmacht und der Mandatskommission sei durch die Rede Hendersons vor dem Völkerbundsrate endgültig beigelegt. Da anderer« Nur diese Schwedefiklinge macht Rasieren zum Vergnügen ßu™*9~ Die führende schwedische Weltmarke seits der Völkerbundsrat durch Annahme der Resolutionen der Mandatskommission * d e r e n Kritik an der Falästinaver waltung als berechtigt an« erkannt hat und England vorläufig noch nicht in der Lage ist, das Programm seiner künftigen Politik in Palä* stina vorzulegen, sei kein Grund vorhanden, das Palä« stinaproblem innerhalb der Kommission aufzurollen. Den« noch sei es nicht ausgeschlossen, daß der Vertreter Per» s i e n s, der einzigen mohammedanischen Macht des Völkerbundes, die nunmehr auch im Rate Sitz und Stimme hat und sich offenbar als berufener A n w a 11 der arabischen Interessen fühlt, im Verlauf der Diskussion die Palästinafrage streifen wird. Jedenfalls steht der persische Delegierte in ständigem Kontakt mit den inoffiziellen arabischen Vertretern. Deputierter Nurok über die Ergebnisse des Genfer Nationalitätenkongresses. Genjf. (J. T. A.) Der Vizepräsident des kürzlich in Genf abgehaltenen europäischen Nationälitätenkongrcsses, ftinfct enphfctjc 6tofft ALBERT HARDT dedr.iil9'l WIEN I. FREISINGERGASSE 1 Telephon U 2o-3-4/ 'O »WAöSBUCG« anrufenderbequemsfe % Waschtag! >-^°"n aschansk„ TEL* $2^-5-20 S€«£ Simon Dubnow« Zu seinem 70. Geburtstag. Von J. Klinow, Berlin. Prof. Simon Dubnow hat soeben seine Welt« geschichte des jüdischen Volkes, die in deutscher Sprache in zehn Bänden erschienen ist, beendet: das Endresultat eines Lebenswerkes. Im Verlauf von 25 Jahren hat er in Rußland zu diesem Thema von Grund auf Neues gesagt und erforscht. Er begann seinerzeit mit einer Bearbeitung der jüdischen Geschichte nach den deutschen Gelehrten Beck und Braun. Langsam verbreiterte er die Arbeit, bis unter seinem eigenen Namen sein erstes historisches Werk erschien. Seit damals spinnt Dubnow kontinuierlich den Faden der Geschichte des jüdischen Volkes weiter. Auch in den bösesten Zeiten stellte er seine Arbeit nicht ein, sogar in den Jahren des Hungers und der Revolution, da überhaupt niemand etwas zu schaffen imstande war. Damals als man in Leningrad mit vor Hunger und Kälte verschwollenen Fingern saß, brachte Dubnow Mut und Willen auf, um weiter auf sein Ziel loszugehen. Und als er vor ungefähr neun Jahren Rußland verließ, nahm er alle zehn Bände der Geschichte, schon in Maschinschrift fertig, sauber, druckbereit, mit. Dubnow beeilte sich aber nicht. War er doch Jahre lang von Europa abgesperrt, hatte vieles versäumt, hatte die Entwicklung der Historio* grapbie nicht beobachten können! Nun nahm er nach kurzem Weilen in Kowno endgültigen Aufenhalt in Berlin und begann mit der gleichen Hingabe das neue, ihm noch unbekannte Material zu studieren. Nicht lange vorher hatte man in Leningrad sein öOjähriges Jubiläum gefeiert. Anfangs hatte Dubnow die Absicht, sein Werk russisch erscheinen zu lassen. Er schloß mit dem Berliner russischen Verlag „Grani" einen Vertrag. Ein Exemplar wurde nach Moskau der russischen Behörde „Glawlit" geschickt, damit man erfahre, ob sein Geschichtswerk nach Rußland zugelassen werde. Im allgemeinen gab es damals noch kein Verbot für ausländische Bücher, aber Dubnows Werk wurde verboten. So ging der bedeutendste Abnehmer für eine russische Ausgabe, das russische Judentum, verloren. Dubnow gab dennoch mit der Hilfe des verstorbenen russischsjüdischen Führers Winawer einige Bände heraus. Jiddisch erschienen in Berlin eben« falls einige Bände, die die Warschauer Kulturliga über« nommen hat. Hebräisch erscheint das Geschichtswerk im Dwir*Verlag in Palästina, Gegenwärtig erscheinen in deutscher Sprache die zehn Bände im Jüdischen Verlag, Berlin, bereits in 2. Auflage. Man kennt in den letzten Jahren kein Werk in deutscher Sprache, das so warm auf« genommen worden wäre wie Dubnows Arbeit. Die nicht* jüdischen Gelehrten erblicken in Dubnows Auffassung der jüdischen Geschichte eine neue Richtung und für die jüdische Jugend hat sie einen Weg des Studiums und der Betrachtung gezeigt, die grundverschieden ist von den bekannten jüdisch*historischen Werken. Dubnow ist nun' an eine zweite Arbeit geschritten, an die Geschichte des Chassidismus. Wenn er diese hinter sich hat, wird er, wie ich erfahre, seine Memoiren in Angriff nehmen, die 50 Jahre politischen, gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Wirkens umfassen sollen: 50 Jahre Geschichte, Geschichte des russischen Judentums. Die Geschichte des Chassidismus schreibt Dubnow hebräisch. Dies Versprechen hat er einst persönlich Ächad Haam gegeben: daß er, wenn er an die Kodifizierung dieses Themas schreite, es nicht wie gewöhnlich in Original Russisch oder Jiddisch, sondern Hebräisch abfassen werde. Und Dubnow hält Wort und schreibt Hebräisch, und welches Hebräisch! der lettische Deputierte Rabbiner Nurok, äußerte sich' vor seiner Abreise aus Genf dem Vertreter der J. T. Ä. gegenüber u. a. wie folgt: Der Verlauf des letzten Na« tionalitätcnkongresses muß für die Minderheiten im all« gemeinen, im besonderen für die Juden, als zufrieden« stellend bezeichnet werden. Seine besondere Bedeutung liegt darin, daß er diesmal von der Theorie zur prakti« sehen Arbeit übergegangen ist und sich zum ersten Male mit der Lage der einzelnen Minderheiten in den ver« schiedenen Ländern befaßt hat. Die Abwesenheit unseres ersten Präsidenten Leo M o t z k i n, der zum ersten Male der Tagung krankheitshalber fernbleiben mußte, wurde allgemein bedauert, ebenso auch das Fernbleiben des Abg. Jizchak Grünbaum (Polen) und des Vertreters der jüdischen Minderheiten der Tschechoslowakei Emil M a r g u 1 i e s. Als Mitglied des zionistischen A. C. habe ich meine Anwesenheit in Genf auch dazu benützt, gc« wissermaßen als „Attache" den „Gesandten" der Zioni« stischen Organisation beim Völkerbund Dr. Jacobson in seiner politischen Arbeit durch Fühlungnahme mit gc« wissen Delegationen, die mir von meiner interparlamen« tarischen Tätigkeit her bekannt sind, zu unterstützen. Die Palästinafragc wird nochmals in der sechsten politischen Kommission des Völkerbundes aufgerollt werden. Der finnische Außenminister Procope hat ein besonderes Verständnis für diese Frage an den Tag gelegt. Die Lage in Rumänien« Landeskonferenz der bessarabischen Juden. Kischinew. (J. T. Ä.) Eine Konferenz von Vertretern der jüdischen Bevölkerung Bessarabiens wurde zum Zwecke der Organisierung der bessarabischen Abteilung des „Allgemeinen Rates der rumänischen Juden" in Kisoliiinow abgehalten. Den Vorsitz führte Otbcrrabbiner und früherer Senator Zirelsohn. Deputierter Michael Landau gab eingehend Bericht über die Lage der jüdischen Bevölkerung in Rumänien. Nach einem kuraen Ueberibliek über die Geschichte der Emanzipation in Rumänien erklärte er, daß die Liberalen den Antisemitismus in Rumänien eingeführt hätten, um dadurch zugleich eine Waffe gegen die christlichen wie gegen die jüdischen Studenten zu haben. Was die jetzige nationa 1zara n i stische Regierung anbetrifft, so habe sie die Hoffnungen, die die Juden in sie gesetzt haben, arg enttäuscht. Sie haibo nicht nur nichts gegen die antisemitische Bewegung getan, sondern der Innenminister Vakla habe die Bewegung noch unterstützt und ermutigt. Abgeord- In seiner Berliner Dreizimmerwohnung hat Dubnow auch seine Bibliothek installiert. Es ist nicht die große Bibliothek, die er in Rußland besaß, sondern bloß die zur Arbeit unentbehrlichsten Bücher. Seine eigentliche Biblio* thek ließ er in Leningrad zurück, verschenkte sie dort. Mit sich führte er bloß 22 Kisten jüdischer Bücher, die man ihm als litauischen Staatsbürger mitzunehmen ge« stattete. Aber auch diese verkaufte er um den geringen Preis von 1000 Dollar an die Berliner jüdische Gemeinde: Russica, Judaica und eine Reihe von Raritäten. Aber Dubnow hatte außer Büchern auch Broschüren gesammelt, die in Rußland im Verlauf von Jahrzehnten zur jüdischen Frage erschienen waren. Unter den Kostbarkeiten be« fanden sich auch Dubnows eigene Arbeiten in den Erst« drucken mit den Siegeln und Stempeln der russischen Zensur. Im Krieg durften in Rußland keine hebräischen Buchstaben gedruckt werden, was den Boden für allerlei Kuriosa schuf. Die Berliner Gemeindebibliothek und ihr Archiv hat von Dubnow das wertvollste Material erhalten. « Es hieße ein Unrecht begehen, wollte man anläßlich Dubnows Jubiläum an seine Frau vergessen, an die gut« mütige 70jährige Frau Ida. Wie wäre Dubnow ohne sie mit seiner Arbeit fertiggeworden! Sie umgibt ihn nicht nur mit der Wärme des Heims, sondern hilft ihm auch stets in der Arbeit. Die zehn Bände, die Dubnow aus Rußland mitbrachte, sind durch ihre Hände gegangen. Sie wurden von .ihr umgeschrieben und auch jetzt noch ist sie ganz und gar informiert über die Arbeit ihres Mannes, steht ihm mit ihrer Intelligenz aktiv bei. In Berlin führt Dubnow mit seiner Frau ein ge* ruhiges Leben. Seine Tochter und sein Sohn, ein Mathe» matiker, sind in Rußland zurückgeblieben. Eine zweite Tochter, in Warschau lebend, besucht häufig das Eltern«