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Die neue Welt · 1930-09-26 · Heft 158 (26.9.1930) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 158 (26.9.1930)
Date
1930-09-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seife 2 die neue welt trt, tv9 •in schönst Heim durch;IJ£Wä&< -tAJ*£r£*f Tawlg-tapetenfabriks A.*G,, Wie«,SehotientfiÄtä iö Filiale i Brunn, Jesuiten*«**« 3 fangs einen ruhigen, gelassenen Eindruck mächte, kam er doch später mit allerlei Wie^eilbelebiingsläe^tt für seine verstorbene Schwester Pauline, Wdttit et vör die" Herren des österreichischen Konsulats und die französischen Behörden trat, um längere Zeit .darin zu verharren. Ueber seine religiösen Änschamnigeri wollte er nicht recht herausrücken. Insbesondere hat ein Herr S. alles aufgeboten, um das Gemüt Hans Herzls zu beruhigen. Am Montag, den 15. September teilte die französische Polizei den Zionisten mit, daß Hans Herzl Selbstmord begangen habe und überbrachte gleichzeitig dessen Abschiedsschreiben an den bereits erwähnten Herrn S. Darin bittet der Verstorbene, zusammen mit seiner Schwester Pnuline nach Wien überführt und bei seinem Vater bestattet zu werden, bis zum Zeitpunkt der Ucberführung nach Palästina. Freitag, den 19. wurde die Leiche in einem Doppelsarg ohne jedwede rituelle Zeremonie neben Frau Pauline bestattet. Unsere Freunde aus Bordeaux legen Wert darauf zu betonen, daß sie zunächst dem österreichischen Konsulat in Bordeaux zu größtem Dank verpflichtet sind, daß aber auch die französischen Behörden freundlichstes ' Entgegenkommen an den Tag gelegt haben. Hans Herzl hat neben zahlreichen Briefen an Familienmitglieder und Freunde, darunter an Richard Coudemhove-Calergi und an einen Wiener Rechtsanwalt, auch ein sogenanntes „Last word" hinterlassen. Die Zionistische Exekutive hat unseren Bordcauxer Gesinnungsgenossen untersagt, dieses letzte Wort zu ver öffentlichen.. Die in französiseher Sprache abgefaßte Todes anzeige hat folgenden Wortlaut: ■Jh M :. La faiöiii#Hferil (de Vierine et de Löhdres); Lea Comics: ,T<&e Ziori.ist. Organisation de Lpndres; ,f & d e":-r a t i o n S i,o n is t e di e F r a n c e; Föderation Sio niste (Scction de Bordeaux); i Keren KaVcmctli Leisracl (Scction de Bordeaux); vous prient, ainsi que vos amis, de vouloir bien assistcr aux obseques de Madame Pauline Hift-Herzl decedec ä Bordeaux Filde du Regrette et Vettere Docteur Theodor Herzl, Fondateur de i'Organisation Siotiis'tc.% ' IV? _ .* v. ' / JL6ünibn au-'. Gf&cti$re...- Isräelite- '\<te Bordeaux, eöurs de l'Yser^le Maikli'1-16 Septerabre; "'1^50, a 14 heures 30 poür 15 heures. '4" P. S. Faute de tcmpS, il n'ä pu etre lance qu'un nombre limlte d'invitations. Nous esperons que vous vous'ferez'ün devöir de prevenir tous vos amis et connaissarices pour leiirs permettre' de rendre ainsi les defniers hommages u la fillc du Docteur HerzL ■ Erinnerung an Hans und Paüline Von Robert S t r i g k e r. Die Tragik um den Mann, der den Königsgedanken und ein armes, krankes, zerquältes Herz in eich trug, waltet weiter. Sechsundzwanzig Jahre sind vergangen, seitdem man ihn in die Erde legte. Aber um das alte Grab will es nicht ruhig werden. Dunkle Schatten steigen aus dem Grabe des Leuchtenden und jammern. Jammer um seine Kinder, die ein wahnsinnig schrüerzhafteV Geschick zermalmt hat. Seine, Kinder, die üirn, .nach, seinem. Königsgedanken das Teuerste waren. Jammer um das Kind seines' Geistes, um die Idee vom* Jüdenstaat, mißhandelt von den grausamen Händen kleiner Erben. Innerhalb weniger Tage hat es sich abgespielt. In Bordeaux ist seine Lieblingstochter nach zerrüttetem Leben elend gestorben. - Neben dem Totenbett hat sich sein Sohn Hans eine Kugel durch den kranken Kopf gejagt, sein vielgeliebter Sohn Hans. Zur gleichen Zeit haben in Berlin die Führer der zionistischen Organisation, seiner zionistischen Organisation, dem Jadenstaatsgedanken abgeschworen, seinen Gedanken verraten. Die kleinen Träger des großen Erbes haben es weggeworfen, aus Furcht vor der Herzischen Größe, vor Arabern, vor britischen Beamten, vor der Mißgunst reicher Juden, vor allem und jedem. Furcht! — Wahnsinn und Furcht geistern um das Grab des klarsten und mutigsten Denkers und Schöpfers. * Die Sorge um die „Tagebücher Theodor« Herzls" brachte mich mit Hans Herzl in Verbindung. Ich zähle die „Tagebücher" zu den ge-J waltigsten, erhebendsten und erschütterndsten, Geisteswerken. Der Umstand, daß die „Tage-, kücher" nur in deutscher Sprache und in ganzkleiner Auflage herausgegeben und vertrieben wären, weckte in mir im Jahre 1924 den Entschluß, das Werk durch Herausgabe in Uebersetzungen und in billiger Form den Massen zugänglich zu machen. Der Anwalt der Familie Herzl teilte mir damals mit, daß Hans Herzl selbst eine englische Uebersetzung der „Tagebücher" seines Vaters verfaßt habe, und daß diese Uebersetzung von dem bekannten Herzl-Biographen Professor Leon Kellner, einem anerkannten Fachmanne auf dem Gebiete der englischen Literatur, geprüft undj als vorzüglich befunden worden sei. Ich gab durch den Anwalt Hans Herzl bekannt, daß ich bereit sei, die Ausgabe zu besorgen. Hans Herzl willigte; ein und übersandte mir das Mauuskript. * Ich will ein Moment erwähnen, das mir vielleicht von mancher Seite Tadel eintragen wird. Haus Herzl. wohnte damals in Wien und ließ mich wissen, daß er gerne mit mir persönlich bekannt werden und verhandeln wolle. Ich habe abgelehnt und darauf bestanden, nur durch den Anwalt zu verhandeln. Der Grund: unmittelbar vorher ward mir Hans Herzl von einem der vertrautesten Freunde seines Vaters geschildert worden. Als intellektuell hochstehend, korrekt bis zur Pedanterie, aber zerrüttet, unverträglich, jetzt liebenswürdig und bescheiden, einen Augenblick später von brutaler Arroganz, seinem Vater in vielen Zügen ähnlich, erschreckend ähnlich, dabei von krankhaftem Haß gegen diesen Vater beseelt. Max N o r d a u war, so wurde mir geschildert, als Freund und Arzt seinerzeit zu Hans Herzl berufen worden Und ganz »erschüttert 'und verzweifelt zurückgekehrt. Unheilbar krank'. Ich lehnte unter diesem Eindruck jede; persönl ichc Verbindung ab. Ich >gl£uM&> >:d&ßt4M y^bandlu.ugen--..besspr durch die Vermittlung des Anwaltes zu führen .seien. Und ich behielt reicht".* Aber noch" einesf lch weiß nicht, ob man mir da rechtgeben oder mich verurteilen wird. Ich wollte nicht Theodor Herzl in der Ver- Ällerfeinsrc DCUuxiut** zerrung kennenlernen».',, den' Marin,' der mir das Höchste bedeutet, \iii> krankhafter Verkleinerung vor mir sehen. Weil'man " mir sagte, daß Hans Herzl viele Züge seines Vaters trägt, lehnte ich ab, mit ihm in persönliche Berührung zu kommen. i'iU* .»/*■:•>•;„•) '1% Ein, Zug übertriebener „Korrektheit"., Wir w^n u|i über alle Einzelheiten einig geworden.! Da Jieß mir Hans Herzl durch seinen Anwalt «mitteilbh,'^, .bestehe fjfjarauf,, daß , die Drucklegung des'. Werkes in England'. erfolge. Er sei englischer Staatsbürger. In England herrsche Arbeitslosigkeit. ,Eir müsse^datyer . aufseiner Forderung beharren, englische Arbeiter zu beschäftigen. Kein unsympathischer Zug! Aber'ich mußte die Forderung aus sachlichen und administrativen Gründen ablehnen* Die Drucklegung in England hätte sich in einer wesentlichen Preiserhöhung ausgewirkt und mir die Ueberwachung sehr erschwert. Dem Anwalt gelang es, die Bedenken Hans Herzls zu zerstreuen. Dann ließ er mir mitteilen — eigentlich ohjie jede direkte Veranlassung — daß er gegen d$e Herausgabe der „Tagebücher" in jiddische r Sprache Verwahrung einlege. Sein Vater habe dfjpse Sprache geh a*ß|t! Ich nahm den Einspruch ziir Kenntnis. Aber wenige Monate später erschien,; da,« „Tagebuch" hr jüdisch-amerikanischen Zeitungen in jiddischer Uebersetzung. Ob dies mit seiner Zustimmung geschah, weiß ich nicht. Ich möchte nur noch bemerken, daß ich nie eine gehässige A^ußerung Theodor Herzls gegen die jiddische Sprache gehört oder gelesen habe .... it Die Vorbereitungen zur Herausgabe waren bjs zur Drucklegung gediehen, D$ erhielt ich, am 2% Juli 192^, am zwanzigsten Todestage Tjeodor Herzls, einen. Brief, den ersten un4 einzigen Brief vpuj^ans HerzJ, Er abrieb mir» daß i|en Ija^e t^i e Ta u>f e gen ommen. er am Jieuti Monte Gottesmann Dr. Josef Welnreb Wien XX. ftechtnanwalt, pölld» empfehlen sich als Verlobte habe. Er müsse dies mir mitteilen, weil er annehme, daß ich unter solchen Umständen die Verbindung mit ihm abbrechen würde. Ich habe den Brief vor mir liegen. D i e S c h r i f t d e « V ä t e r s, bis in alle Einzelheiten.. Gespenstisch wirkend. Wie ein häßlicher, grotesker Traum. In wütendem Haß hatte der Kranke den Jahrzeittag des Vater gewählt, um Christ zu werden. Dem Christentum zuliebe? Ich glaube es .nicht. Dem Vater zum Trotz. Diesem Vater zum Trotz. Armer Kranker! Der Stein, den deine zitternde Hand geworfen hat, tst leicht. Schwer sind die Steine, welche die gesunden Hände auf dieses Grab geworfen haben. Die Steine derer, die den Glauben Theodor Herzls, den Glauben an den Judenstaat, in feiger Schwäche preisgegeben haben .... Ich ließ Hans Herzl das Manuskript der :Uebersetzung zurückstellen. * Wenige Tage später erhielt ich* einen Brief der eben verstorbenen Paul ine Hift-Herzl; Zwanzig Seiten lang. In der Form geistreich und gewandt. Er handelte von der Taufe des Bruders. Im Inhalt verworren, krankhaft. Heftige Anklagen gegen die Führer der zionistischen Organisation, denen sie die Schuld an dem Schritt ihres Bruders beimißt. Ohne einen stichhältigen Grund für ihre Behauptungen anzugeben. Wilde Anklagen! Dann Klagen über ihr eigenes unglückliches Leben. Feindseliges Urteil über den Zionismus, der für sie das Familienunglück sei. Dann wieder das Anerbieten, selbst nach Palästina zu gehen, als Buße für die Tat des Bruders. Eine zerrissene Seele. Sein Liebling . . . « Eine unabhängige Stimme. Genf. (J. T. A.) In dem Organ der schweizerischen Völkerbundsliga „D -e r V ö 1 k e r b u n d" veröffentlicht der in Völkerbundskroisen einflußreiche politische Re« dakteur' des „Journal de Geneve" William Merten eine'. Betfachtung-hüb'ei? \dic , .W a 'ii d l u»ng/e tn.iM:i-ßi^ r A ui'f a.s § ü n g. / d e s ' P a-lä st i na?M:fcn d a t:e s> vnd die nach dem Rücktritte von Professor, Rappard' seiner Meinung nach geänderte Haltung der Mandatssektion des Völkerbundssekretariates. Knapp nach > Veröffents lichung der Balfour*Deklaration habe allgemein die Mei« nung vorgeherrscht, der Aufbau des Jüdischen National* heims werde so rasch und machtvoll vor sich gehen, daß die Araber als Minderheit unter den Auswirkungen eines jüdischen Imperialismus in eine Lage geraten könnten, in der sie sich in ihren bürgerlichen und religiösen Freiheiten bedroht fühlen könnten. Dem Ideenkomplcx. des Minder« heitenschutzes entsprechend habe man damals den Ar« tikel 2 in das Mandat eingefügt, welcher die Mandatar« macht verpflichtet, die religiösen und bürgerlichen Rechte aller Einwohner Palästinas ohne Unterschied der Rasse und des Glaubens zu garantieren. Beurteile man diese Bestimmung nach dem Geiste/ aus dem heraus sie-'ge* schaffen wurde, so sei1 sie nur als ein Beweis mehr dafür anzusehen, in welch umfassendem S i n n e m a n d a m a 1 s . d e-a B e g r i Li j ü dL i s c h e s Nationalheim, verstanden habe. William Morien versucht den Nachweis zu führen, daß England, nachdem es in den Genuß der" Vorteile gekommen war, die es aus dem Mandat ziehen konnte, allmählich eine pr oar ab iä ch e/ S te 11 üng einzunehmen b e*;' gann. Um diese Haltung zu rechtfertigen, habe.es dem Artikel 2 eine den Absichten der Schöpfer des Mandates m m ml« w Das SprOoiMoioini,lig des Ersten allgemeinen Beamtenvereines Wien erteilt an öffentliche u. Bundesangefttellte allei» Kategorien sowie an Pensionisten zu den gün* stlgsten Bedingungen und gegen höchst annehmbare RUekzahlungsmodalltöten langfristige Personalkredite ohne Lebensversicnerungspollzze Die monatlichen Rückzahlungen werden Del derZinsenberechnung berücksichtigt Die monatliche Rate beträgt für ein Darlehen von $1000.* $ 23.- Die Erteilung von Auskünften über Spareinlagen und Entfegennalime von Darlellensansuchen ertolgt voranpsen* rej durch die Zentrale: Wlan XVIII, Welmarerstr. 20 und durch das , . . Stadtbüro: Wien I, Kärhtherstr. 26 (Eingang Schwangasse 1) ** * <r\ t ». mm ■■■■■»■■■■■■■■ aaatgpaaHPBBa*«.» an««««

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