Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 158 (26.9.1930)
- Date
- 1930-09-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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BEZUGSBEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—. vierteljährig Zloty 6.— . Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.—, vierteljährig Kc. 15 —; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.— : Rumänien monatlich 'Lei 40.— vierteljährig Lei 120.— REV U E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN Deutschland monatlich Mark 1.— vierteljährig Mark 3.— , Bulgarien mönatlieh Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 1.20 Italien monatlich Lire 5.—,. vierteljährig Lire 14.— Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Francs 4.50 Redaktion und Verwaltung: Wien, IXi, Universitätsstraße 6—8 Telephon: B-48-504 — Erscheint reden Freitag 'i ■ ■ ' B' . ' .. . >,..... '•. V Jahrgang. 4 Freitag, den 26. September 193Ö Nr. 158 Hans Hereis Selbstmord» — Anfixioni'sfi'sdier und katholischer Efnfiuß« Wieder Jude und Zionfct« — Nach religiösen Irrungen tragischer Tod« Wie die Kinder so vieler großer Männer sind auch die Theodor Herzls einem tragischen Schicksal erlegen. Von Haus aus disponiert und prädestiniert, jedes in seiner Art, dem genialen Namen, den sie tiugen, gerecht zu werden, haben sie frühzeitig versucht, die „Last des Namens" abzustreifen. ■ Wie ein Fatum hing über ihnen schon in'ihrer Jugend Krankheit, Nervenschwäche, der Hang zu geistigen Exzentrizitäten. Keine Mühe und keine Obwaltung der zionistischen Freunde war imstande, dem Verhängnis Schach zu .bieten. Erschüttert steht die jüdische Welt vor dem grausamen Geschick, das die beiden Kinder des; größten jüdischen Marines der' Neuzeit getroffen bajU- Aufrichtigstes Mitgefühl wendet sich nun dem letzte» Kinde 'Herzls,- ufer Töch^ ' . % einzige Sohn' Theoctör Herzls, hat in Bordeaux, w. er zur Teilnahme an der Begräbnisfeier; "für seine: Schwester Pauline Hift-Herzl eingetroffen war, Selbstmord begangen. Kurz bevor die Begräbnisfeier hätte stattfinden sollen, hat sich Hans Herzl in. seinem Hotelzimmer durch einen Bevolverschuß. entleibt, Ueber das unmittelbare Motiv zu diesem letzten Verzweiflungsschritt Hans Herzls ist bisher nichts bekannt. geworden; er hat Briefe an seine in Wien verheiratet lebende Schwester Trude . und an seinen Wiener Freund Dr. Zinsler hinterlassen, deren Inhalt der Oeffentlichkeit noch nicht übergeben werden kann. Der österreichische Konsul in Bordeaux teilte mit, er h$be bisher nicht feststellen können, ob Hans Herzl englischer oder österreichischer Staatsbürger gewesen sei, da man weder einen Paß noch sonstige Identitätsdokumente bei ihm gefunden habe. , Der Leichnam; Hans Herzls, der vom Hotel in wurde die jüdische Welt durch die Meldung überrascht, daß Hans Herzl zum Katholizismus übergetreten sei. Am 20. Juli 1924, dem 20. Todestag des Vaters, trat er in die Baptistengemeinde ein und empfing am 19. Oktober desselben Jahres in der Kapelle „U n s erer lieben Frau von Zion" zu London durch Pater Day die Taufe nach katholischem Ritus. Aus Erklärungen, die er damals der Oeffentlichkeit übergab, konnte man schließen, daß die katholische Missionsbewegung große Dinge, mjt ihm vorhatte; man wollte ihn zum Führer, jener Bewegung des Neo- K a t h o 1 i z i s in u s machen, die:;um ihre Judenbekelirungsyersuchc aussicht^reicUer,pi, gestalten —• , die Existenz;, des^jüdischen Volkes^^ jai sogar>. eines. natipnal-jüdiscfaen - Palästina, bejaht, abec eines jüdischen Volkes k a t h o l i s c h e v K o b f e.s; s i o n. Ein Jahr später, am 13. Oktober J925, ermächtigte er die Jüdische Telegraphen-Agentur in London zu der Mitteilung, daß er sich nicht länger dem römisc^hkatholischen Glauben verbunden fühle. Nach verhältnismäßig kurzer Zeit hörte man, daß er den evangel i s c h e n Glauben angenommen habe. Am 20. April 1926 übergab er der Jüdischen Telegraphen-Agentur eine zweite bisher unveröffentlicht gebliebene Erklärung folgenden Inhalts: „Ich gehöre keiner Kirche an und bekenne mich zu keiner der offiziellen Religio- AHe im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch' ein beigefügtes E bezeichnet. WIE N I» Rotenturmstrflfle 20 XIII, LinzerstraBe 60 ' <i Jl li * ' N|if j^assp 6 n eu. Es ist mir unmöglich, Mitglied der jüdischen Religionsgemeinschaft zu sein, da sie Jesus lals Heiland leugnet, während ich ihn als den historischen Messias hetrachte. Ich kann aber auch keiner von den christlichen. Kirchen angehören, da ich nicht glaube, daß Jesus Christus Gott war. Mein Glaube könnte, wenn ihm unbedingt eine Bezeichnung gegeben werden muß, Nationalismus heißen, und weil der größte Sittlichkeitslehrer der Menschheit einer meiner Stammesgenossen, war, bin ich stolz darauf, mich Jude nennen zu dürfen." Einige Jahre später, am 3. August 1929, schrieb Hans Herzl in einem Brief an seinen Freund J. lieft-, wich, den Leiter der Jüdischen Telegraphen-Agentur in London, im. Hinblick auf die: Aeußerungen verschiedener auswärtiger. Zeitungen über seine religiöse Stellung: „Da sich gewisse Herren von der Presse veranlaßt gesehen haben, sich wieder mit dieser Sache zu befassen, möchte ich die Erklärung' abgebeny daß ich michals Mitglied des jlauses, Israel betrachte. Ich habe auch nichts dagegen einzuwenden, daß an Stelle des 'Ausdrucks Haus Israel" di£ Bezeichnung „jüdisclies Volk" gesetzt werde." ' /. V, , ., Einige Monate später erklärte Hans Herzl, er sei aus der christlichen Kirche ausgetreten, bereue seine religiös e n I r. r u n g e n; fühle sich weiter als Jude. Seither lebte er in strenger Zurückgezogenheit, zeigte sich aber für jüdische und zionistische, Dinge interessiert. Zuweilen wohnte er dem Gottesdienst in der liberalen Synagoge in London bei und hegte für Doktor Claude G. M o n t e f i o r e innige Bewunderung. Einmal drückte er den Wunsch aus!, Mitglied des Weltverbandes für das liberale Judentum zu werden, dessen Präsident Dr. Montefiore ist, wenn diese Mitgliedschaft nicht die Zugehörigkeit zur jüdischen Religionsgemeinde voraussetze. Hans Herzl versuchte, Dr. Montefiore; zu bewegen, als Haupt des liberalen Judentums von England in die Jewish Agency für Palästina ein-, zutreten. A. G. WIEN I, Bauernmarkt Nrn. 10, 12, 14 VII, Mariahilferstr. 90 (Ecke Zieglergasse) die Morgue überführt wurde, ist am 18. September bestattet, worden.;;Mit dein Freitod Haus. Herzls endete ein aa geistigen* Verirrungen wie an tiefer menschlicher Tragik reiches /Leben. Er war der Liebling seines Vaters, der ihm. einige4 seiner feinsinnigsten und von tiefer Beobachtung der Kinderspyche zeugenden Feuilletons gewidmet hat. Diese Feuilletons vermittein das Bild eines schönen,. in gerader, Geistigkeit sich entwickelnden Menschenkindes. Als Theodor Herzl 1904 starb, stand Hans.nqch im Knabenalter. Führende zionistische Persönlichkeiten, wie David Wolfson und Josef Co wen, übernahmen die Sorge für seine weitere Erziehung und brachten ihn in ein Erziehungsinstitut naeh England. Er hing anfangs durchaus, den Ideen seines*. Vater an und trug sich mit dem Gedanken, nach Palästina zu gehen und sich dem zionistischen Aufbau zu! widmen;' es'-konnte aber nicht so bald eine passende Stelle < für ihn gefunden , werden. Auch scheint seine geistige und, Charakterbildung schon damals Schwankungen unterworfen gewesen zu sein. Hans Herzl befaßte sieb inzwischen mit. der Uebertragung der Werke seipes. Vaters,, ins Englische. 1 Allmählich; erlag Hans Herzl; einerseits gewissen antizionistischen Einflüssen seitens Familienangehöriger, andererseits B e k e b r u n g s e i n f 1 ü s- (ten katholischer Geistlicher. Eines Tages Immer an der /pitze durch . 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Von da ab entwickelte sich ein reger Briefwechsel zwischeu unseren zionistischen Freunden in Bordeaux und dem dortigen österreichischen Konsulat sowie zwischen der Familie der Frau Hift-Herzl und der Zionistischen Exe-. kutive in London. Auf Wunsch Haus Herzls uud Frau Hift-Herzls wurde Hans nach Bordeaux berufen. Frau Pauline Hift-¬ Herzl verstarb Montag, den 8. September, um 5 UJu? nachmittag. Hans traf erst am 10. September ein. Frau Hift-Herzl wurde provisorisch gemäß dem Verlangen der 'Londoner Exekutive mit Hinblick auf spätere Ueberführung nach Wien beigesetzt. Von da spitzt sich die geistige Krise Hans Herzls su. Wiewohl dieier %a-