Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 157 (19.9.1930)
- Date
- 1930-09-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15? DIE NEUE WELT Seif« 9 fetzung eines Blankotages einen bewegüj&en'Sabbat .Torsähe.* *^ Zur Erläuterung dieser Resolution gestatten wir uns, folgendes ergebenst auszuführen: Der Sabbat*Weltkongreß hat die obige Resolution angenommen, zugleich aber nach einem Ausweg gesucht. Einen solchen erblickte der Kongreß darin, daß an Stelle des beabsichtigten Blankotages in jedem fünften, beziehungsweise sechsten Jahre des neuen Kalenders eine Schaltwoche eingefügt wird. Weder die Einfügung einer Schaltwoche noch ganz besonders die Einfügung eines Schaltmonats würde eine größere Belastung fürs die neue Kalenderära bedeuten als die Einführung von jährlichen Schalttagen (Blankotagen), die ja an sich keine prinzipielle Bedeutung im System der betreffenden Reformvorschläge hat, sondern nur der Verlegenheit entspringt, wie man den überschüssigen Tag am Ende jedes Sonnenjahres unterbringen solle. Durch die Annahme des einen oder des anderen Auswegs könnte einerseits durchaus den Bestrebungen für eine Reform des Kalenders, anderseits zugleich den religiösen Gefühlen von Millionen von Menschen Rechnung getragen werden. Zum Schlüsse sei uns gestattet, noch folgender Erwägung Ausdruck zu geben: Anerkannterweise hat das jüdische Religionsgesetz der Menschheit die Idee eines wöchentlichen Ruhetages geschenkt. Viele Jahrhunderte hindurch hat die Judenheit diesen erhabenen Gedanken allein gepflegt, bis die übrige Menschheit nach und nach in der einen oder anderen Form die Einrichtung des wöchentlichen Ruhetages übernommen hat. Vielleicht dürfen wir Juden die Hoffnung hegen, daß auch die Pflicht der Dankbarkeit den Völkern eine Berücksichtigung unserer Wünsche gebieten wird.'* Warum Wilhelm II. dem Zionismus zuerst freundlich, dann ablehnend gegenüberstand. Berlin, 14. September. Die „Vossische Zeitung", die die Denkwürdigkeiten des im letzten Jahre verstorbenen früheren Reichskanzlers Fürsten B ü 1 o w veröffentlicht, druckt heute das Kapitel ab, das den Besuch des Exkaisers Wilhelm II. am 29, Oktober 1898 in Jerusalem schildert. Zu Pferde zog man in Jerusalem ein. „Vor dem Tor, durch das wir einzogen", erzählt Fürst Bülow, „wollte eine Deputation von Zionisten eine Ansprache an den Kaiser richten. An ihrer Spitze stand Dr. Theodor HerzI, ein geistreicher, von heiligem Eifer für die Sache des Zionismus erfüllter Wiener Publizist. Er war Kaiser Wilhelm durch den Großherzog von Baden vorgestellt worden. Wilhelm II. war anfänglich Feuer und Flamme für die zionistische Idee, weil er auf diese Weise sein Land von vielen ihm nicht besonders sympathischen Elementen zu befreien hoffte. Als ihm aber der damalige türkische Botschafter in Berlin, der uns auf unserer Orientreise begleitete, klargemacht hatte, daß der Sultan vom Zionismus und von einem unabhängigen jüdischen Reich nichts wissen wollte, ließ er die zionistische Sache fallen." Während der revolutionären Unruhen in Argentinien drei Juden getötet und zehn verwundet. New York, 11. September. In den Straßenkämpfen, welche am vergangenen Sonnabend in Buenos Aires, der Hauptstadt von Argentinien, stattfanden und die zum Sturz der Regierung Irigoyen geführt haben, wurden drei Juden getötet und zehn verwundet. Insgesamt beträgt die Anzahl der Toten 50, die der Verwundeten 190. Die Ruhe im ganzen Lande ist nunmehr wiederhergestellt. Eines der drei jüdischen Todesopfer, Chaim Rosenblatt, war seinerzeit Polizist in Palästina. Das Gebiet der jüdischen Kolonien in Argentinien ist von den Unruhen nicht berührt worden. Ein Denkmal für den Esperanto-Schöpfer Doktor Zamenhof in Bialystok. Warschau, 12. September. (J. T, A.) Die Esperanto- Gesellschaft in Bialystok, der Geburtsstadt des Schöpfers des Esperanto Dr. Ludwig Zamenhof, hat beschlossen, Dr. Zamenhof in Bialystok ein Denkmal zu setzen. Die Stadtverwaltung von Bialystok hat bereits einen entsprechenden Platz zur Verfügung gestellt. Das Denkmal wird im August 1931 aus Anlaß des kommenden Esperanto-Weltkongresses, der in Krakau, beginnen und in Bialystok fortgesetzt werden wird, enthüllt werden. „Hazefirah" soll wieder erscheinen. Berlin, 14. September. (J. T, A.) Die hebräische Tageszeitung „Hazefirah", die vor dem Kriege Jahrzehnte hindurch von Nah um Sokolow redigiert worden war, und die unter anderer Redaktion nach dem Kriege in Warschau längere Zeit wieder herausgegeben, aber wegen Mangels an einer finanziellen Grundlage wieder eingestellt werden mußte, wird demnächst wieder als Tageszeitung in Warschau zu erscheinen beginnen. Die finanzielle Sicherung hat Herr S, S c h a 1 i t übernommen. In einer vor kurzem in Berlin stattgefundenen Beratung, der Nahuni Sokolow, die hebräischen Dichter Chaim Nachinan Bialik und Jakob Fichman, S. Schallt, Dr. Weinberg u. a. beiwohnten, wurden die redaktionellen Richtlinien für „Hazefirah" festgesetzt. Man hofft, die Mindestzahl von 5000 Abon- .nenten, die zur Erhaltung der Zeitung notwendig sind, durch eine kräftige Werbeaktion in Polen und in allen übrigen Ländern in kurzem sicherstellen zu können. Fortdauer der Mißhandlung von Juden durch Cuzisten. Ueberfälle von Cuzisten auf jüdische Eisenbahnpassagiere in Rumänien dauern an. Auf der Strecke zwischen Bukarest und Constanza wurde der 60jährige Markus Nadler, nachdem er blutig mißhandelt und seiner Brieftasche beraubt worden war, aus dem fahrenden Zuge geworfen. Er wurde später schwer verletzt aufgefunden. Am gleichen Tage überfielen Mitglieder der „Eisernen Garde" auf dem Bukarester Nordbahnhof den Rabbiner von Campin und schlugen ihn blutig. Neue Truppen für Palästina. London, 16. September. (J. T. A.) Wie „Daily Expreß" meldet, haben das Aldershoter erste Bataillon des Royal Lancaster Regiment, dessen Inhaber der König ist, und das erste Bataillon der Royal Warwicks Mnrschordcr nach Palästina erhalten. Abwanderung von Juden aus der Enst-Side von New York. New York, 12. September. Nach einer Untersuchung der Handelskammer von E a s t - S i d e bleibt dieser Teil von New York auch weiterhin ein großes Geschäftszentrum, an welchem die Juden zu 75 Prozent beteiligt sind, obwohl in den letzten Jahren die Juden immer mehr von dort abwandern und 2000 Läden sowie zahlreiche Wohnhäuser infolgedessen leerstehen. Das Gebiet umfaßt etwa 25 Straßen und Avenuen mit ungefähr 500 Häuserblocks. Es gibt 12.000 Läden, von sP das mit dem Zeichen der streng rituellen Erzeugung versehene Kurteroi. Das Verschlufcsiegel bürgt Ihnen daför, do6 Kunerol von jedem Strenggenossen werden kann. Kunerol ist reines KokosnuÄfcti und kann sowohl zur Zubereitung von Milchspeisen als auch zur Zubereitung von Fleisch^ speisen verwendet werden.'1 UNER0L 100% REINES KOKOSNUSSFETT Nur echt in Originalpackung — Vor täuschend ähnlichen Nachahmungen wird gewarnt denen, wie erwähnt, 2000 augenblicklich leerstehen. Eine große Anzahl von Lüden mußte aufgelassen werden, jedoch nicht infolge schlechten Geschäftsganges, sondern weil die Stadtregulierung es erforderlich machte. Copyright by „Die Neue Welt", Wien. Nachdruck, und Uebersetzung nur mit Erlaubnis des Herausgebers. Theodor Herzls fragisdier Kampf um den politasdien Zionismus. (Schluß.) Der tragische Kampf geht heute weiter. In die Epoche um die ersten zwei Zionistenkongresse fällt die von unserer Serie behandelte Affäre Herzl-Chowewe Zion. Wie man ersehen konnte, bildet sie bloß einen ganz kleinen Ausschnitt aus den Kämpfen, die der politische Zionismus durch Konfrontierung^mit >den diowewe-zionistischen Ideen auszufedif^h hatte; wirft nur'ein schmales; Blitzlicht auf den tragischen /,Wegr.'den der Schöpfer der politischen Ideen; Theodor Herzl, zu gehen bstimmt war. Der Gegensatz, der sich so charakteristisch schon bei der Geburt des politischen Zionismus manifestierte, sollte künftighin auf die Linie des Zionismus überhaupt seinen Schatten werfen. Das parallele Kräftepäar blieb auch weiterhin wirksam. Der Ausgangspunkt des politischen Zionismus, die J u d e n n o t, das stark sozial betonte Staatsprinzip, findet sich dem Ausgangspunkt der Zionsliebe, den Fundamentieruugsversuchen des geistigen Judentums, gegenüber. Steht für den politischen Zionismus die Lösung der Frage der Judenheit an vorderster Stelle, so erhofft eine solche der geistige Zionismus im besten Fall als Begleiterscheinung. Für die einen ist die jüdische Frage eine Angelegenheit der Politik, der Soziologie, der Normalisierung im staatlichen Sinn. Den andern ist sie eine Sache der geistigen Regeneration, der Konservierung überkommener Inhalte und,, Ueberleitung zu neuer Wirksamkeit. Der Staat ist den einen höchste Erfüllung, den andern — Geist und Hebraismus. Zion ist beiden in gleicher Weise Mittelpunkt. Man weiß, daß dieses Kräftepäar spater eine sogenannte Synthese einging. Der politische Zionismus hat in seinem umfassenden Lösungsversuch das geistigeProgramm übernommen. Der Wille zur Wiedergewinnung des Hebräischen als einziger nationalen Sprache der Juden und alle darin beschlossenen Renaissajicebestrebungen sind dem politischen Zionismus in Fleisch und Blut übergegangen. Den Ausgangspunkt allerdings, Judennot und Staatsprinzip, hat er nie aufgegeben. Der geistige Zionismus schien die politischen Methoden übernehmen zu wollen. Schon in der Zeit der ersten zwei Kongresse fanden sich, wie unsere Aufsatzreihe erhellt, einzelne Persönlichkeiten, die nicht alle radikalen Prinzipien der Chowewe Zion widerspruchslos akzeptieren wollten, sondern im gewissen Sinne schon auf die vorhin angedeutete Synthese hinarbeiteten. Der Konflikt um das Uganda-Projekt hatte das Gute, daß er diejenigen Elemente eliminierte, denen bloß die Befriedigung der augenblicklichen Judennot am Herzen lag, die späteren Territorialisten. So konnte nach Ausscheidung einseitig radikaler Auffassungen für die Synthese Raum geschaffen werden. Politischer und geistiger Zionis- ...... *) Siehe Nr. 148 bis 156. : mus schienen sich zu einer Einheit kristallisieren! zu wollen. Hat diese Verschmelzung ihre Dichtigkeit bewahrt? Die Periode des Vorkriegszionismus kam nicht in die Lage, die Probe auf das Exempel zu liefern. Erst in der Situation nach Friedensschluß hatte sich der synthetische Zionismus zu bewähren. Jetzt galt es, den Judenstaat zu realisieren. Und da zeigte sich, daß eine Methode im Sinne des politischen Zionismus erforderlich war, wenn sie standhalten wollte. Die schweren zionistischen Nachkriegsjähre, die Geburtswehen des neuen Erez Israel» kennzeichnen sich selbst in der Lockerung der Synthese. Heute ist wiederum ein gewaltiges Ringen des Kräftepaares zu sehen. Auf dem Firmament des zionistischen Himmels heben sich klar zwei Linien ab: hier lauft der wirkliche synthetische Zionismus, klar im Prinzip des J u d e n s t a'a t e s, klar in der Erkenntnis der Juden not und nicht minder klar Vii.der Tendenz der hebräischen Renaissance, dort schlängelt sich romantisch-unwirklich und doch nicht gefahrlos ein denaturierter Chowewe-Zionismus, charakterisiert durch die Beschränkung der zionistischen Grundideen auf eine geistige Haltung, der einer Kleinkolonisation die Basis gibt. Herzl hat diese G e f ah r en vo r ausg e s e h e n. Unzähligemal finden sich in seinen „Tagebüchern" und politischen Schriften Warnungen vor dem Verlassen des politischen Weges, Angst vor einem Kulturkampf, eine schauerliche Prophetie. Seine Warnungen wurden überhört, in den Wind geschlagen, oft mit einem Lächeln der Ueberlegenheit abgetan. So war's zu seinen Lebzeiten. So geschieht es auch heute noch. Sein Kampf um den politischen Zionismus, so tragisch er war, ist nicht zu Ende. Er selbst litt, starb daran. Die Idee des politischen Zionismus aber, mögen ihm auich wie seinem Schöpfer tragische Momente immer wieder beschieden sein, lebt und ringt weiter. Sie ist der ruhende Pol in der Flucht der Erscheinungen des jüdischen Lebens. « ■! i i Die Tribüne» Was „Meyers Lexikon" über das jüdische Palästina zusammenschreibt! \^>j$:;f,Neue Vf,$¥ hat vor wenigen Wochen darauf hinge^esjn, \yie übel es um die Kenntnis vom jüdischen Palästina in der allgemeinen fachlichen und wissenschaff* liehen Literatur bestellt ist, und wie wenig von der Zioni« stischen, Q^ganisatior^ fü^ Aufklärung gesorgt wird. Nun* mehr., exhäij; die „NeuV Welt"' folgende Zuschrift: tiIm ^Züsammehnang mit dem in Ihrer Zeitung Nr. 153 erschienenen, ..Artikel von Ernst Hofftnann „Was .ist EUKudsch?", erlaube ich mir >Sie auf eine* Stelle aus .•Wft^^ßs^-L'-'o'x.ikiö'tt,. Siebente Auflage, Band 1929, aufmerksam zu machen, die TebAwiw betrifft; „T e 11 - A w i w (jüd.: „Frühlingshügel"), zjonisti* sehe Kolonialstadt im brit, Mandatsgebiet Palästina,