Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 4 (1930)
- Issue
- Heft 157 (19.9.1930)
- Date
- 1930-09-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nf. 15? DIE NEUE WELT Seite 3 Die Sonne tönt, nach alter Weise, Brudersphären Wettgesang, Ünd auf die vorgeschrieb'ne Reise Geht sie nur mit Huber-Brand. ist gegen Gott. Christus war Nachkomme Sems. Der Antisemit ist also der Antichrist." Unstreitig — es steckt viel Noblesse und wirklich Adeliges in den Ausführungen des alten Herrn. Manche werden an der Naivität herumkritteln, welche in dieser Art der öffentlichen Auseinandersetzung eines alten Önkels mit. seinem jungen Neffen steckt. Aber es ist eine Naivität ganz edler Art. Wie der Neffe reagieren wird, ist allerdings eine andere Frage. frieden in Hebron* Die arabische Bevölkerung der alten palästinensischen Stadt Hebron ist beunruhigt. Es wurde nämlich bekannt, daß die Zionistische Organisation die Absicht hat, einige yemenitische Juden in Hebron anzusiedeln. Daraufhin haben sich arabische Führer an die Jerusalemer Regierung gewendet und ihr mitgeteilt, daß sie gegen die Absicht der Zionistischen Organisation Protest einlegen müssen', weil durch die Ansiedlung fremder Jtidei» der Frieden in Hebron gestört würde, das gute Verhältnis zwischen den einzelnen Bevölkerüngtseilen. .In Hebron herrscht nämlich sei einem Jahre wirklich tiefster Frieden zwischen Juden und Arabern. Das kam so: Vor einem Jahre haben die Araber in Hebron die Juden abgeschlachtet. Jetzt ruhen diese Juden in der Erde und die Aruber sitzen in ihren Häusern. Man kann sich kaum vorstellen, welch tiefer Frieden nun zwischen beiden herrscht. Und diesen Flieden wollen die bösen Zionistcn stören. Es ist anzunehmen, da(l die britische Regierung der Herren Mac- Donald und Henderson, welche um den Frieden zwischen Juden und Arabern stark bemüht ist, den Wünschen der arabischen Friedenssucher Rechnung tragen und den jüdischen Friedensstörern das Handwerk legen wird. „Zagreb, 14. September 1930. Geehrte Redaktion „Die Neue Welt"! — Die Zeitungen brachten eine falsche Nachricht über die Rede des jugoslawischen Außenministers Dr. Voja Marinkovic im Völker* bundrat. Wir schicken Ihnen eine wörtliche Ueber* Setzung seiner Erklärung. Für jeden Einsichtigen ist es klar, daß der erste Teil seiner Erklärung nur eine Ueben leitungsf o r m e T darstellt, wobei nicht zu vergessen ist, daß tatsächlich in "Jugoslawien 10 Prozent der Be« völkerung Mohammedaner sind. Der eigentliche Tenor der Rede liegt im zweiten Teil. Wir bemerken, daß der Zionistenvcrband Jugoslawiens sowie die Zionisten Beograds Herrn Dr. Marinkovic für seine Erklärung telegraphisch dankte n." Die Erklärung des Außenministers, welcher daran erinnerte, daß der Aufbau des jüdischen Natio« n a 1 h e i m s die Abtragung einer Ehrenschuld gegen* über dem jüdischen Vo 1 ke bedeutet, lautet wörtlich:' ..Ich habe die Ehre, im Rat ein Land zu vertreten, in dem ein Zehntel der Bürger Mohammedaner sind und der Islam eine Nationalreligion darstellt, weil die Mohammedaner derselben Rasse und Sprache ange« hören, wie die Mehrheit des Volkes. Ich verstehe deshalb vollkommen die Gefühle, die die Erklärung des Vertreters Persiens diktieren. Ich glaube indessen, daß wir in dieser Hinsicht volles Vertrauen in die Mandatarmacht besitzen können, daß keinerlei legitime Rechte der mohammedanischen Einwohnerschaft Pa* lästinas verletzt werden. Gleichzeitig aber halte. ich es für meine Pflicht, zu erklären, daß ich v e x* Eine erfreuliche Richtigstellung* Erklärung des jugoslawischen Außenministers Dr. Voja Marinkovicz über Palästina in der Sitzung des Volkers .bundrates vom 8. September 1930. In den Berichten über die Sitzung des Völkerbund* rates war die Rede des jugoslawischen Vertreters so wiedergegeben, daß sie gegen das jüdische Palästina gerichtet erschien. Auf Grund dieser, wie sich nun ergibt, mangelhaften Berichterstattung sah sich auch die „Neue Welt" zur Frage gedrängt, was den Vertreter der jugo* slawischen Regierung, welche immer den zionistischen Bestrebungen größtes Wohlwollen erwies, zu dieser Stellung veranlaßt hat. Die „Neue Welt" erhielt nun von der Zionistischen Organisation Jugoslawiens folgendes Schreiben: trauensvoll erwarte, daß die Mandatarmacht auch weiterhin entschlossen um die Rea 1 isier ung d es zweiten Teiles des Mandats bemüht sein wird, dessen Verwirklichung nicht nur, die..; Abtragung einer Schuld bedeutet, die die Menschheit gegen* über einem der größten historischen Völker hat, sondern zweifelsohne sowohl im Interesse Pa» lästinas wie auch der1 nichtjüdischen Bevölke* rung Palästinas selbst liegt." Aus dem sibirischen »Juden§taat«* Der Hunger zwingt jüdische Frauen zur Prostitution* Eine der frivolsten Komödien, welche die Sowjetiyjgierung inszeniert hat, um den Zionismus zu diskreditieren und der Weltjudenschaft ihre „Judenfreundlichkeit" zu demonstrieren, war die Gründung des „Judenstaates" an der chinesisch-sibirischen Grenze in B,iro-Bidschan. Unter Anwend ung br utalster Mittel, Androhung von Hunger und Kerker, wurden Juden in dieses, mehr als 6000 Kilometer entfernte, unerforschte Bergland gebracht. Durch geschickte Reklame und noch geschicktere Ausnützung der antizionistischen Instinkte gewisser reicher jüdischer Kreise haben es die Sowjetleute dahin gebracht, nicht nur jüdische Sympathien, sondern auch jüdisches Geld zu erlangen, dafür, Juden ine gräßlichste Elend zu schicken. Immer eindringlichere Berichte über das traurige Schicksal, der nach Biro-Bidschan transportierten Juden drangen trotz der strengen russischen Zensur zu uns. Jetzt veröffentlichen amerikanische 'Zeitungen einen offenen Brief von Dr. N. Ger gel (Berlin) an den bekannten landwirtschaftlichen Experten Professor Jlarris, der die amerikanische Expertenkommission für Biro-Bidschan geführt hat. In dem Schreiben heißt es: „In dem Bericht der Expertenkommission sind Ma-. terialien über die Lage der jüdischen Neui siedler, die in den Jahren 1928 und 1929 nach Biro- Bidschan gekommen waren, nicht enthalten. Aber dia ■iRiHHlümiiiitiiiiinrniiniiiiiiu Für Einheirat In gut eingeführtes Pelzwarengeschäft durch Ehesch ießung mit schuldlos geschiedener Frau wird KUwhner oder Pelzwarenhändler, in den Vierzigerjahren, aus gut judischem Hause gesucht! Anträge unter „Aus guter Familie 19 851" an die Annoncen-Expedition Heinrich Schalek, Wien I, Wollzeile 11 jüdische Oeffentlichkeit ist sehr stark an dem Schicksal dieser Pioniere interessiert, sogar Freunde der jüdischen Kolonisation in Biro-Bidschan halten es für ihre Pflicht, auf die Gefahr hinzuweisen, die den Pionieren der jüdischen Siedlung in Biro-Bidschan droht. Der bekannte Sowjetjourualist W. Fink, der gleichzeitig mit der von Ihnen geführten Kommission Biro-Bidschan besucht hat, berichtet im Sowjetjournal „Sowetskoje strojtelstwo" vom Mai 1930 über die Planlosigkeit und UnWirtschaftlichkeit des Siedlungsapparates, dem es zuzuschreiben ist, daß die Siedler in eine furchtbare Lage gekommen sind, in schmutzigen Baracken — Männer, Frauen und Kinder in engsten Räumen zusammengepfercht — hausen müssen. Die Siedler zehren von den Krediten, die ihnen zum Aufbau ihrer Wirtschaft gegeben worden sind, andere eind auf der Suche nach zufälligen Verdienstmöglichkeiten, wieder andere obliegen dem Handwerk oder treiben verbotenen Handel. Mehrere von ihnen wurden zurück in die alte Heimat oder auf die Insel Sachalin geschickt. Besonders tragisch ist die Lage der einsam zurück« gebliebenen Frauen, die sich aus Not der Prostitution ergeben. Die Schuld für diese Zustände trägt, nach Fink, der Apparat von Ozet. In Ihrem Bericht, Herr Professor, findet sich nichts darüber, es heißt nur lakonisch, daß „manche der ersten Siedler, o!ie den Pionierbedingungen nicht gewachsen waren, in die alte Heimat zurückreisten und falsche Nachrichten über eine Panik in Biro-Bidsc.han verbreiteten". Das ist eine schwere Beschuldigung gegen unglückliche jüdische Siedler, die in ihre alte Heimat zurückkehrten, um nicht dem Bettel oder der Pro* stitution zu verfallen. Ich muß meiner tiefen Verwunderung darüber Ausdruck geben, daß all die furchtbaren Tatsachen, über die Fink berichtet, in Ihrem Berichte vollkommen fehlen. Ich erwarte Ihre Antwort, in / > % \ ' 1 < ) »wAßseueG« anrufender bequemste auemsre , Vaschtag! ra.' u *24-5-2<jM SGftlfi fdnfre ensKJHje tftoffe ALBERT HARDT derfr.H<yi -s*^ WIEN I. FREISINGERGASSE I Telephon U Z der Sie hoffentlich die Lage, wie sie wirklich ist, darstellen werden." * Jüdische Mäuner und Frauen, in unsägliches Elend geraten, an Leib und Ehre geschändet, dürfen nicht einmal klagen. Sonst werden sie beschuldigt, falsche! „Paniknachrichten" verbreitet zu haben. Falsche Nachrichten /über. Einrichtungen der Sowjetregierung verbreiten —; und Biro-Bidschun ist eine solche Einrichtung — gilt in Rußland als Verbrechen, auf das die Todesstrafe gesetzt ist. Nicht einmal klagen dürfen die. Opfer sowjetistischer Grausamkeit und jüdischer Gedankenlosigkeit. Auch die zionistische Organisation ist von moralischer Mitschuld un diesen Vorgängen nicht ganz freizusprechen. Die „Neue Welt" hat jahrelang einen verzweifelten Kampf gegen das antizionistische russische Siedlungswerk geführt und nachgewiesen, welches Verbrechen hier an den Juden verübt wird. Die zionistische Leitung und ihre Zeitungen haben sich geweigert mitzutun. Man wollte die reichen amerikanischen Juden, welche materiell und moralisch an dem russischen Kolonisationsschwindel beteiligt sind, nicht verstimmen. Höhere Rücksichten veranlaßten, sich zurückzuhalten, wo Kritik elementare nationale Pflicht war. Das Resultat dieser weisen Zurückhaltung, dieeer Rücksichtnahme auf höhere „zionistische" Interessen ist nun da: Jüdische Frauen, die der Hunger zur Pr o s tit ut ian t r eib t! Diu Chaim Kofiler gestorben. Der Delegierte des Keren-Hajeseod-Direktoriums Herr Dr. Chadm Koffler ist Sonntag den 14. d. M. in seiner Wiener Wohnung das Opfer einer Gasvergiftung geworden. Ein junges Leben, das zu den schönsten Hoffnungen berechtigte, hat hier durch einen tückischen Zufall einen jähen und vorschnellen Abschluß gefunden. Dr. Koffler ist bloß 35 Jahre alt geworden. Von früher Jugend an der zionistischen Bewegung verschrieben, trat er bald nach Absolvierung seiner Hochschulstudien, nachdem er eine Zeitlang am hiesigen jüdischen Gymnasium Hebräisch gelehrt hatte, in die Dienste des Keren-Hajessöd und war zunächst einige Jahre in der Tschechoslowakei mit großem Erfolge tätig. In späterer Zeit entsandte ihn das Direktorium des Keren Hajessod auch in mehrere andere Länder, wo er überall der praktischen Palästina-Arbeit starke Impulse gab und einen sichtlichen Aufschwung derselben in die Wege leitete. In Wien und Oesterreich war er in letzter Zeit durch etwa eineinhalb Jahre erfolgreich. Ausgerüstet mit einer bemerkenswerten allgemeinen und jüdischen Bildung, mit bedeutenden organisatorischen Fähigkeiten und einer genauen Kenntnis Palästinas und seiner Probleme, war Dr. Koffler für das schwere Amt eines Keren-Hajessod-Vorarbeiters besonders geeignet, und sowohl das Direktorium wie die Wichtige Neuerscheinung l mtnö In unserem Verlage erscheint soeben: MACHSOR (Featgebete Ittr dia hohen Feiertag«) mit vollständigem, ungekürztem Text, mit einer neuen Uebersetzung von Prof. Dr. Jakob Bronn er, Wien Diese neue Uebersetzung zeichnet sich vor allen anderen, bisher vorhandenen durch ihren modernen Stil und ihre Klarheit aus. Der Name des Uebersetzers bürgt für deren Zuverlässigkeit und Gründlichkeit. 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