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Die neue Welt · 1930-09-12 · Heft 156 (12.9.1930) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 156 (12.9.1930)
Date
1930-09-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Der eine will von einflußreichen, im Wahlkainpf Mögenden Persönlichkeiten gehört halben, daß die Zahl von 70 Die 80 Nationalsozialisten im Reichstag nicht überraschen dürfe. In den linken, nichtjüdischen Kreisen glaubt man daran nicht. Man hegt Hoffnungen auf jenen Teil der „revolutionären" Nationalsozialisten, die für die Kommunisten zu stimmen auffordern, und auf jenen kleineren Teil, der Wahlboykott predigt Es handelt sich aber in der Tat um eine unbedeutende Mfinderheitsöpposition ... Man glaubt jedoch sogar jetzt, da Hitler mit seinen Sturmabteilungen Frieden geschlossen hat, daß all das immerhin auf die nationalsozialistischen Kreise eine demoralisierende Wirkung üben werde. Und man glaubt, daß trotz des gewaltigen nationalsozialistischen Lärms, trotz der 34.000 Wahlversammlungen die Nationalsozialisten nicht mehr als 30 bis 40 Mandate erringen werden. 80 oder 40, das ist nicht das Problem. Jeder weiß, auch mit 80 nationalsozialistischen Mandaten ist das Unglück nicht gar groß, wenn die breite Rechtskoalition vermieden wird. In dieser Beziehung scheint alles in Ordnung zu sein. Die Volkapartei soll die Versicherung abgegeben haken, im Reichstag mit den Nationalsozialisten keinen Block zu bilden. Bei einer Besprechung mit Vertretern einer jüdisch-autoritativen Stelle haben Führer der Volkspartei diese Ndchridit bestätigt. Wird die Volkspartei auch Wort halten? Q2SS(ü-iM-MbS2S in feinster Qualität, kompl. adjustiert v. S 7.30 aufw. BucHtiandlang Hendl Salzmann Wien, II, Große Schiffgasse 4 Telephon R-27-6-71 Weizmanns Friedensangebot glattweg ab, will vcm einem binationalen Staat nichts wissen. Öaran knUpft der „Hajut" folgende Bemerkungen: „Präsident Weizmann hat anscheinend nicht erwartet, so rasch Antwort auf seine Friedenstaube zu bekommen. Es ist noch keine Woche verstrichen und die Antwort ist da. Man hat nicht superklug sein müssen, um vorauszusehen, daß die Antwort so ausfallen werde, wie sie eben ausgefallen ist. Die Taktik der arabischen Nationalisten in den letzten Jahren ist diktiert von der Ueberzeugung, es mit einem Gegner zu tun zu haben, den man durch Frechheit nnd Unverschämtheit leicht entmutigen kann. „Einen binationalen Staat mit arabischer Mehrheit? Keine Spur. Wir fordern einen arabischen Staat nnd wollen keine Kinkerlitzchen." Diese arabische Antwort zeigt abermals, wie schädlich und gefährlich der Brith Schalom ist, da er sogar so gefährdet, was er bisher selbst gepredigt hat. Man hat uns schlecht erzogen. Aus der Brith Schalom-Presse liegt uns eine Betrachtung der Prager „Selb st wehr" vor. Der für dieses Blatt verantwortliche Mann, Herr Felix Weltsch, läßt in weiser Voraussicht einen Herrn B. H. für sich sprechen. Dieser referiert zunächst über die Aktionskomitee-Sitzung und die Jewish Agency in dem von diesen Kreisen gewohnten Ton: die Zionisten, arrogant ethisch belehrend, vor den Nichtzionisten devot kriechend,. im ganzen geschwätzig. B. H. hat zu der yon Weizmann hervorgerufenen Krise zu sagen: „Dr. Weizmann, der wohl in den Augen der Araber wie auch in denen der Engländer als der repräsentative Mann gilt, hat sich unzweideutig; auf den Boden des Programms der Binationalität Palästinas gestellt. Daß ein großer Teil des Aktionskomitees hievon überrascht war und dem Führer nicht folgen wollte, zeigt nur das Versäumnis jeglicher Erziehungsarbeit und Aufklärungsarbeit innerhalb der zionistischen Reihen." Die „Selbstwehr" bedauert also, daß man uns schon seit zehn Jahren schlecht erzogen hat. Eine richtige Brith Schalom-Schule und alle Zionisten hätten Jetzt den Mund gehalten und am Begraben des Zionismus durch Weizmann befriedigt teilgenommen! ";i'lEtni' traurige* Palästina-Budget. Nach dem politischen das ökonomische Defizit. — 665.000 Pfund, davon so gut wie nichts für Aufbau und Kolonisation. Das in der Sitzung des Zionistischen Aktions» komitees erstellte Palästinabudget im Betrage von 850.000 Pfund ist in der darauffolgenden Sitzung der er» weiterten Jewish Agency, d. h. von den Nichtzionisten, auf 665.000 Pfund herabgesetzt worden. Nachstehend die Spezifikation. Die Ziffern bedeuten englische Pfund: 'I.Administration: ' a) Palästin a*Exekutive . , » , , 41.000 1. AuditsDepartement . . . . . ... .-. .750 2. Entschädigungen für zu entlassende Lehrer und Beamte...... . * 4.000 b) Exekutive in London . ... 18.000 c) Sitzungen des Administrative Committee und des Council der Jewish Agency. . . 4.000 d) Keren Hajessod, Propaganda und Ver«; waltung ... * 38.000 II. Sozialokuitureile Arbeiten: 1. Medizinische Arbelten: a) Hadassah ........ 73.000 b) Kupath Cholim (Krankenkassa) 13.000 c) Sekretariat f. med. Angelegenh. 800 86.800 2. Erziehungswesen: a) Allgemeines Erziehungsbudget < 72.300 b) Technikum . . . . . , . . 4.500 76.800 3. Religiöse Angelegenheiten . . , ♦ » , 2.000 III. Wirtschaftliche Arbeiten: 1. Sekretariat für Handel und Industrie . « 800 Z Statistische Abteilung........ 700 3. Landwirtschaftliche Versuchsstation « « 12.000 4. Landwirtschaftliche Kolonisation . . . 94.650 5. Zusatzbudget für landw. Kolonisation « 120.000 IV. Immigrations* und Arbeits« departement ........ ■ * 32.000 V. Schuldentilgung 145.000 VI. Besondere Ausgaben . , « . , 5.500 VII. Reserve ..,.....«•«, , 3.000 665.000 Das Zusatzbudget für landwirtschaftliche Koloni« __..... ^______.__.___ _ A#%l%AllltiSl nach Gemälden berühmter \JODeilll5!UtfltfU«rH*ltjr HERZL-Goballns •ritugtAt*ii*r Zahradnik Wien, V., Anzenprubergassa Nr. 30 Telephon IM0-9-17 Das Debakel* Stimmen zu Weidmanns Berliner Bekenntnis gegen den ludenstaat. Eine Fälschung des Zionismus. Dr. Schwarzbart, Präsident der Exekutive der westgalizischen Zionisten, schreibt in einem Leitartikel der „Chyi'la" (Lemberg) unter „Quo vadis — Weizmann 1": „Es drängen sich in die Feder Worte der Aufregung und der Empörung. In schmerzvollen Träumen hegten wir den großen Gedanken des großen Theodor Herzl über den Judenstaat ... Das Symbol, die Verkörperung dieses Glaubens, war der Präsident unserer Bewegung. Wie der Wächter auf dem Turme, leuchtete er uns und schützte vor dem Scheitern. Nach Theodor Herzl kamen andere, kleinere: der Kaufmann Wolfsohn, der Arzt Tschlenow, der Gelehrte Warburg. Jeder hielt unsere Fahne, wie er es vermochte, doch keiner wagte an das Erbe Herzls zu rühren, es zu verkleinern. Es kam Weizmann, er wuchs mit der Organisation, wurde mächtig." Nach einer Darstellung der Leistungen Weizmanns während der fünfzehn Jahre seiner Leitung, nimmt Dr. Schwarzbart Stellung zu Weizmanns Erklärung gegen den Judenstaat. „Und unerwartet der schreckliche, ungeheuerliche Zusammenbruch! Ein Sich-selbst-Pr eisgeben,. ein Strich durch seine Vergangenheit. Canossa! Das Akzeptieren des Programms des Brith Schalom, die Unterschrift unter das, was über den Judenstaat, seine Feinde Passfield, Shiels sagten. Ein Zusammenschrumpfen des Zionismus zur Karikatur. Mit Passfield und Shiels stellte sich in eine Linie unser — Führerl Wahrscheinlich ist es ein Reflex der Audienz Warburgs bei Passfield. Doch ist die Genesis gleichgültig ... Weizmann durfte diese Rede nicht halten ... Weizmann hat uns so schmerzvoll getroffen, daß es schwer ist, entsprechende Worte zu finden. Unpolitisch, unnötig. Das, was Weizmann über den Inhalt des Zionismus, über das Verhältnis Herzls zur Idee des Judenstaats sagte, Über unsere Vorstellungen des zukünftigen Palästina, ist — eine Fälschung." Diesen „Zionismus" werden wir nie akzeptieren, auch nicht um den Preis der Führerschaft Weizmanns. Das ist der Inhalt des letzten „Statements" Weizmanns. Das ist sein „blau-weißes Buch"!! Wäre diese Rede nie gehalten worden . . . Doch wird die zionistische Bewegung auch diese Rede überstehen!" So sprechen Magnes und Passfield. Im Krakauer „N o w y D z i e n n i k" behandelt Dr. Osias Thon die Stellungnahme Weizmanns gegen den Judenstaat als „einseitiges .Locarno' Weizmanns.. Dr. Thon schildert, wie seiner Ansicht nach die Tätigkeit Wedzraaims bis zu dieser Rede in Ordnung war, und schreibt sodann: „Und jäh dieser — Zusammenbruch. Weizmann hat unerwartet, unbekannt aus welchem Grunde und zu welchem Zwecke, zu sprechen begonnen, die Sprache von Magnes, den er tagsvorher so stark und entschieden ablehnte. Aerger — Weizmann begann die Sorache P a s s f i e 1 d s zu sprechen.,." Der „provozierte" Präsident. Der ehemalige Vizepräsident der Zionistischen, Organisation Amerikas, Mitglied des A. C. und der Jewish Agency, Eljaliu David S t o n e, Staatsanwalt in Boston, äußert sich einem Mitarbeiter des „Hajnt" gegenüber: „Für uns bleibt der Zionismus in seiner ursprünglichen Form bestehen. Die Lehre von einem Minimal- Prtmal Prlm«! bosnliche PF LAU M E N etuierte Kieten HO ka 18 S, franko Packung und Postporto, jedem Besteiter bei Voreinsendung de»?ctragö», vereenUet Export 0, Dreo*»»!er, «la, Jugoslawien. mmmmmmmmm iiiiiMiHiiiiiiiiiiiiiiimniiMiii m Zionismus ist falsch. Wir müssen der Welt gegenüber mit unseren Maximalforderungen auftreten. Dann wird man uns auch mehr Glauben schenken! In Palästina ist nur für e i n e n nationalen Staat Platz, für einen der Juden. Dieses Endziel des Zionismus steht in keinem Gegensatz zu den Förderungen der Araber. Die Araber haben ihre Nationalheime bereits erhalten. In Palästina kann dem Araber als Individuum alles gewährt werden, aber nicht als Mitglied der arabischen Nation. Falsch ist auch unser fortwährendes Betonen der Vorteile der Araber aus unserer Arbeit. Wir müssen offen sagen, daß wir nach Palästina unserer Zwecke wegen gehen, und müssen nicht immer die Mitgift angeben, die wir für die Araber einlegen. Die Jewish Agency mag auf der Grundlage eines Minimalprogramms ruhen, wir Zionisten müssen die Maximalisten der Bewegung sein. Deshalb ist das Auftreten Prof. Weizmanns nicht am Platz gewesen. Wir können Höchstens ihm ein geringfügiges Mornent zugute halten, daß, als er sprach, ihm;gegenüjber" Robefjt' S t r i c k e r saß und ihn durch Zwischenrufe provozierte." Die Stimmung in Polen. Die Erklärungen Weizmanns haben unter allen Juden Polens die größte Bestürzung hervorgerufen. In der gesamten jüdischen Presse zeigt sich betreffs der Weizmannschen Erklärungen eine in zionistischen Fragen sonst selten zu konstatierende Einmütigkeit. Sogar im Warschauer „Moment", der im allgemeinen zionistisch physiognomielos ist. finden y wir , die Betrachtung: '„Es ist betrübend, ^, vom Präsidenten;; der Zionistischen Weltorganisation ein so offenes „Bekenntnis'1, eine' so offene Zustimmung zur Ideologie des Brith Schalom zu hören. Es ist betrübend schon deshalb, weil eine solche Erklärung einer neuen arahischen Offensive gegen Herz und Lunge des Zionismus Tür und Tor öffnet. Politisch gesprochen, bedeutet eine solche Erklärung den Rückzug auf eine Stellung, von der aus man keinen Marsch mehr nach vorwärts antreten kann. Denn zu behaupten, daß Palästina im Sinne seiner BevölkeiungHzusammensctzung bereits eine feste Physiognomie zeige, bereits seine zwei Nationen habe, die an ihrer Entwicklung arbeiten, das bedeutet die Verleugnung"' des Herzl-Zionismu*'" und steht, im .Widerspruch zu den Tatsadicu." Aguda zionistischer als Weizmann. Geradezu sensationell klingt eine a g u d is t i s c h e Stimme, wobei es in diesem Zusammenhang irrelevant ist, daß die Aguda traditionsgemäß die Situation benützt, um die Zionistische Organisation als solche anzugreifen. Das Warschauer „Togblat" schreibt nach Feststellung, daß Weizmanns Erklärung ein Attentat auf die 2000jährigen jüdischen Hoffnungen bedeute: „Wir sind keine Revisionisten, die mit der Kraft einer jüdischen Truppe die Herren des „Judenstaates" werden möchten, Und wenn von Gemäßigten, Ruhigen die Rede ist, so sind es nur wir. Denn wir haben immer mit Schreck von der Großmäuligkeit der zionistischen „Staatsmänner" Uber einen jüdischen Staat und darüber, daß „Palästina so jüdisch wie England englisch werden müsse", vernommen. Wir schützen die gegenwärtigen Verhältnisse richtig ein. Wir werden die letzten sein, die von Weizmanu demagogisch die sofortige Lieferung eines Judenstaates verhangen. Eines wissen wir: Die gegenwärtigen ungünstigen Verhältnisse sind eben nur die gegenwärtigen... Aber keine Politik treiben und keine Deklarationen erlassen, die für die Zukunft Präzedenzfälle schaffen!" Die Friedenstaube reftisiert. j Prompt meldet sich auch der „Fa last in", das Org-an der Aruhisehen Exekutive. Er leimt natürlich <

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