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Die neue Welt · 1930-09-12 · Heft 156 (12.9.1930) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
4 (1930)
Issue
Heft 156 (12.9.1930)
Date
1930-09-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seife I DIE NEUE WELT Nr. 156 CORSETINO M led erko tnbt n a t i on von S 38.- aufwärts TON!E r T A Hochschlu&fafmfr von S 30.- aufwärt» WILLY HochftchfftBformef von 3 88.— aufwärts TANZ PAAR-MIEDER nariahiifcrstrassc 47 Fernruf B-26-207 Jedenfalls kam er oder wurde er nach Wien geschickt» um hier Herzl zu beobachten. Darüber gibt uns Zeugnis und Aufschluß, ein Brief des Dr. Markus Ehr e h p r, e.i s. Ehrenpjceis ist bekanntlich ein bedeutender hebräischer Publizist, hat in den neunziger Jahren vorigen Jahrhunderts als Obcrrabbiner in Diatoiva, später dieselbe Würde in Saloniki,'Sofia tind Stockholm bekleidet. Neuerdings hat 8icht:Ob6rrabbinei' "Ehrenpreis als schwedischer Schriftsteller einen Namen gemacht. Sein an Dr. A. Kaminka aus Diakowa gerichteter Brief vom 17. April 1899 ist für die Charakterzeichnung Brainins von Wert, beleuchtet aber auch den in manche Teile der Chowewe Zion eingerissenen Geist des politischen Kampfes. Wir lassen hiermit den Brief zum erstenmal in deutscher Uebersetzung folgen: Diakowa, 17. IV. 1899. Mein Freund! Als ich gestern nach Hause kam, fand ich einen langen Brief von Reuben Brainin über seinen letzten Aufenthalt in Wien. Er schreibt u. a.: „Von den intimsten Freunden und Mithelfern Herzls wurden mir Dinge bekannt (die sie mir als alte Freunde erzählten — und ich muß schweigen),' welche ich auch von seinen größten Feinden nicht gehört habe. Aber auch das, was ich mit eigenen Augen gesehen und aus seinem Munde gehört habe, genügte, um mich zu überzeugen, daß Herzls Führung ein großes Unglück für den Zionismus und das ganze Volk sei — trotz seiner guten Absichten, llerzl ist kein Staatsmann von furchtbaren Gedanken, sondern ein Diplomat gewöhnlichsten Gentes. Wir werden darüber noch sprechen." So weit Brainin. Brainin verüffent* licht jetzt im „Hamagid", auf dessen Kosten,er einen ganzen Monat lang in Wien geweilt hat, um alles in der Nähe zu beobachten; seine Gespräche nnd Anschauungen in-alter Breite*.-' Salom lecha ,r:. >■:..- •>' . Ehrenpreis, ... .Der Sturmlauf einiger Chowewe-rZionisten hatte den Karren verfahren. Der Versuch, den politischen Zionismus, wenn nicht durch ideologische Propaganda, so mit den Mitteln persönlichen Kampfes zu diskreditieren, mißlang. Er mißlang, weil die maßgebenden Fakr toren des Chowewe-Zion den Kampf auf der Basis, persönlicher Ranküre zu führen nicht gewillt waren. Der Endeffekt bestand darin, daß die Chowewe-Zionisten zum II. Zionistenkorigreß in Basel erschienen und dort ' keinerlei " Vorstoß unternahmen. Ob diese Haltung der Ehrfurcht vor Herzls Persönlichkeit oder der Diskreditierung einzelner Ch'owewe-Zionisten zu verdanken ist, ob beide Momente mitgewirkt haben; ist für die Weitere Entwicklung im Grunde von weniger Belang. Wir werden in einem abschließenden Artikel auf die auch heute noch unvermindert fortwirken- Für die hohen Feiertage kstftffM Sit rMMaMf Alt* iMarf In wftHUn «nd uthwantn TALAREN und BARETTEN welche in den mannigfaltigsten Formen sowohl vorrätig als auch nach Maß in der altbekannten Uniformierung u. Maßschneiderei RUDOLF GOLDSTEIN KA Wion lt., Taborstraft« wT;: zu billigsten Preisen u. schönster Ausführung erhältlich, : \ \ Lieferant vieler in- und ausländ. Kultusgemeinden <; Zahlreiche spontan erfolgte Anerkennungsschreiben;:;; bedeutender Persönlichkeiten. :! * Qear. 1868. Neue« Telephon R-48-0-48 Aohtuno auf die Hausnummer! den Spannungen und Gegensätze zurückkommen. Den der tragische Kampf um den politischen Zionismus ist noch nicht zu Ende. (Anmerkung: Die obenstehende Artikelserie wurde auf Grund des von Herrn M. Ungerfeld zur Verfügung gestellten Briefmaterials geschrieben.) Palästina vor dem Volkerbundrat Der Kommissionsbericht angenommen. — Unerklärliche Haltung der Jugoslawen. Genf, 9. September. Die "Verhandlungen der Palästinafiage vor dem Völkerbund rat verliefen ohne Ueberraschung. Besonders der italienisdie Delegierte, Außenminister Grand i, hielt sich ganz zurück. Die dreitägigen vorangegangenen Vorhand langen mit dem Ratsberichterstatter Procope hatten zu einem neun seitigen Bericht geführt,.der sichtlidi ein Kompromiß zwischen der Auffassung der- M and a-tskommi s si o n und dem englischen Außenminister H e n d e r s o n darstellt. ,£Jin$^r^ . der, ••eine scharfe^ Anklage der englisjien Regierung ist, ge-.} ':• rade ^züsäw|chjens ^n^t^r^^fe- Pcocop6 ^^ar|;^die|; ■ ^\viM^^r^M^^§M^ iRe^feftfag bei* <Ier M$ * ' füllumg ihrer .Aufgaben in P^lästina^'"Er erklärt, die britdsdie Rögiernhg ^'ab^:iw^ sie ihre Verantwortlichkeit für die Sdiaffung einer jüdisdien Heimstätte in,..,Palästina, anerkenne, und . daß die m&mm ■'■^■■r^ U OL s 3S* VII Rnfsersfraße 123!X Alserstraße 6 am schau, daß du dich aus dem Staube machst, denn Malke Gänslerin kann auch sehr ungemütlich weiden, wenn man sich nach dreitägigem Hofieren nicht mit ihrer Toditer verlobt. Unser Gr ün in Mi, ist ein großer Ignorant und tut so, wie wenn er ein großer Lamdan, ein Gelehrter wäre, dem kannst du den größten Blödsinn vortragen und er wird mit dir debattieren und wenn du «um Sdiluß sagst, daß du dich geschlagen gibst, so trügt das einen blanken Zwanziger.? So kannte Sträselmann genau die Wege, die zu den Taschen der Juden und einzelner Nichtjuden im Lande führen. Während des Winters, zur Zeit da alle Koryphäen der Straße in seiner Herberge Winterruhe hielten, wurden in der Schlafstätte förmliche Kurse für Schnorrer abgehalten. Sträselmann dozierte „Geographie des Schnorrers", „Umgang mit Polizei und Gendarmerie" und die „Lehre von der Uebertölpelung und Bestrafung der Geizigen". Rabbi Waschblau, eine der anerkanntesten Koryphäen .der Schnorrergilde, trug über „die Dummheit der Dorfjuden und die Ueberhebung der Stadtjuden" vor. Die „Doktormama", eine der interessantesten Figuren unter dem fahrenden Volk, eine Frau von etwa 45 Jahren, lehrte „Behandlung der Frauen in Stadt und Land, mit besonderer BerUcksichti-, gung ihrer abergläubischen Anschauungen". Alle diese Vorträge wurden durch Erzählungen von Erlebnissen illustriert und den Zuhörern anschaulich gemacht. Wenn zum Beispiel Rabbi Waschblau die These aufstellte, daß ein geschickter Schnorrer sich bei jedem Geizkragen fürstlich sattessen könne, machte er das durch fol-, gendej Erlebnis anschaulich. „In einer Stadt, in der ich den Sabbat verbringen mußte, bekam ich meine „PIät", das heißt mein Billett zu einem der verrufensten Geizhälse der Gemeinde. Es wurden die herrlichsten Speisen aufgetragen, von denen mir jedoch nur verschwindenci kleine Quantitäten zugeteilt wurden, .wobei der .Hausherr jedesmal bemerkte: „Genieren Sie sich nicht, lieber Ojrach, lieber Gast, tun Sie so, wie wenn Sie bei mir zu Hause wären." Nun, ich ließ mir dafl nidit zweimal sagen, idi. verzehrte zuerst das, was man mir in den Teller gab, und schöpfte dann mit dem Schöpflöffel aus der großen Schüssel die besten Stücke, bis ich zum Platzen genug hatte. Ich sah, wie der Gastgeber vor Aerger^bis zu den Ohrenspitzen rot wurde und schließlich ' herausplatzte: „Sie scheinen mich, lieber Ojrach, mißverstanden zu haben, ich sagte Ihnen, Sie sollen so tun, wie wenn Sie bei mir zu Hause wären; sind Sie denn zu Hause gewöhnt, soviel zu essen,. wie Sie jetzt da ununterbrochen einpacken?" Ich antwortete darauf gelassen: „Lieber Balbos, ich hab' genau so gehandelt, wie Sie mir befohlen haben, ich hab' so getan, wie wenn ich bei Ihnen und nicht b e.i m i r zu Hause wäre. Gewiß, bei mir zu Hause kann ich. verhungern, aber wenn ich bei Ihnen zu Hause bin, warum soll ich nicht gut essen?" Am meisten profitiert haben die Adepten deg Sdinorreri'uins von dem Kolleg, in weldiem Sträselmann sein Tagebuch vorlas und erläuterte. Dieses Tagebuch enthält die Aufzeichnungen Beil Sträsemanns, teils in Hebräisch, teils in Jüdisch-deutsch über alle seine Erlebnisse, die er währeud der zehn Jahre seiner Wanderung durch die Slowakei, , jn der Donau- und Theißgegend und zum Teil in Mähren gemacht hat. Ich habe dieses Tagebuch gesehen, es ist eine Fundgrube echt jüdischen Humors und herrliche Zeugnisse einer seltenen,, Beobachtungsgabe. Tch habe seinerzeit Auszüge aus diesem Tagebuch kopiert und will nächstens schon niit deren Veröffentlichung an dieser Stelle beginnen. VORNEHME FAMILIENPENSION vormals Di\ GRUNBERG AM SEMMERING MOCHSTRASSt Mr. 4M (MI MOTU PANMANS) Pension von S 12.— aufw. Kaffeehaus und Tanztgenheit im Hause / Besitzer: ICKSTMN Tel Unering Hr. II / ffltMnd— Warm* o» Kall» ws«i«r In Jttdam Ummer Beschränkung der Einwanderung nach Palästina nur zeitweilig sei. Wenn die Mandatskommission an die Palästinapolitik der englischen Regierung einige kritische Bemerkungen geknüpft habe, so dürfe man darin nicht einen Versuch der Kommission erblicken, in die Zuständigkeit der Mandatsmacht einzugreifen. Sie habe lediglich zur Lösung des sehr schwierigen Problems beitragen wollen. Außenminister Henderson verlas eine längere Erklärung, in der er bestritt, daß überhaupt eine gänzliche Sperrung der jüdischen Einwanderung nach Palästina erfolgt sei. Es sei nur die Auagabe der Zertifikate für mittellose Einwanderer vorübergehend eingestellt worden. Er verwies auf den Bericht Simpsons, der jetzt der englischen Regderung vorliegt und richtunggebend für die weiteren Maßnahmen zur Förderung der Einwanderung sein wird. Die englische Regierung wird dem Rat darüber baldmöglidist ihre Ansichten bekanntgeben. Im übrigen erklärte sdch Henderson mit dem Bericht Procopes nnd der beantragten Entschließung einverstanden. Der jugoslawisdie Außenminister Marioko vi e trat für die Wahrung der bürgerlidien und religiösen Gesinnungsgenosse ChallW Dörfler gibt bekannt, f daß die Vermählung seiner Tochter Rachel mit Herrn Leon Frei Sonntag, den 14. September, um 3.15 Uhr, im Stadttempel, Seitenstettengasse, stattfindet Redite sowohl der jüdischen als der mohammedanischen Bevölkerung ein, während der p e r s i s c h e Delegierte; bemängelte, daß der Beridit Procopes nicht die Verpfiich- ..tuug zur, Wahrung^des,,.yStaatsbürgerlichep^ Jlech,te der n \ c h t j ü d i s cv h e n Bevölkerung erwähne. Der Vizepräsident ^e^^nda*^ der •^V ».'A ' *,.' ''("'V^ i-*'*JL " f£t \' /* * \L '* j .''V..' 'Genugtuung über*'räie;^ e n <N^B oft g f Ausdruck. Der Berichterstatter Procope schloß die Beratung mit der Konstatierung, daß Einmütigkeit heri'sclie. * ■ Die Erwartung, daß die emglisdie Regierung neuerlich gegen die ihr von der Mandatskömmission zuteil gewordene , politische Verurteilung protestieren werde und andere, antizionistische Vertreter die Gelegenheit zu Vorstößen benützen werden, hat sich günstigerweiße als' unbereditigt erwiesen. Die englische Anbeiterregiecung. ha.t. .es vorgezogen, .einen Zwist zu vermeiden. Ob sie auch ihre Haltung in Palästina demgemäß ändern wird, bleibt eine offene Frage. Die Bemerkungen des persischen und j u g o s 1 a wischen Vertreters entbehren jeden Inhalts, da kein' nichtjüdisches bürgerliches oder religiöses Recht in Palästina je verletzt würde. Höchstens jüdisches. Die Bemerkungen markieren nur Widerstand gegen den Zionismus. Das Vorgehen des persischen Mohammedaners läßt Erklärungen zu. Das Vorgehen des Jugoslawen ist unerklärlidi. 'Die Juden sind schuld — sagt7 der rumänische Innenminister. Wien, 8. September. (J. T. A.) Die Bukarester Tageszeitung „Adeveru 1" hat bekanntlich ein bisher unwidersprochen gebliebenes Interview des rumänischen Innenministers Vaida*Voevod mit einer ungenannt sein wollenden Persönlichkeit wiedergegeben, in welchem der Minister zugegeben hat, daß er direkte Beziehuri* gen zu den Antisemitenführern unterhielt und sie unterstützte; dies habe er aber nicht aus Feindschaft Allgemeine Versicherungs-Gesellschaft „PHÖNIX ff Begr. 1 WO Qegr. 1860 (Zusammenschluß von „Phönix", „Wiener" und „Providentia") Direktion und <f«n«raMtopr8t«ntans: Otto Wagnerpl. 5 /Älserpl. 3 T«l«phom ••4a«§»90 S«fUi Übernahme silmtlieher Sozialversicherungen iti den kulantesten Bedingungen und Prämien

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